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Kapitel 3

Auteur: Bagel
Nachdem ich den Festsaal verlassen hatte, fuhr ich zum Alpha-Anwesen am Waldrand.

Es war das Haus, das Killian für uns vorbereitet hatte, unser Zuhause nach der Vermählung und das sicherste Anwesen im Rudelgebiet.

Im Keller befand sich eine Silberwaffenkammer, die Garage war an eine private Patrouillenstraße angeschlossen, und das Hauptschlafzimmer im obersten Stock hatte raumhohe Fenster mit Blick über den gesamten Rudelwald.

Killian hatte einst versprochen, dass dies nach der Zeremonie unser gemeinsames Zuhause sein würde.

Ich legte meinen Finger auf den biometrischen Scanner des Zugangssystems.

[Zugriff verweigert.]

Ich versuchte wieder, und der Zugang wurde immer noch verweigert.

Die Tür wurde von innen von jemand anderem geöffnet.

Zane, Killians Beta, stand hinter der Tür.

„Fräulein Freya.“

Ich sagte nichts. Ich schaute einfach an ihm vorbei ins Haus und erkannte, dass das gesamte Wohnzimmer völlig umgestaltet worden war.

Mein Zeichentisch war in eine Ecke geschoben und mit einem Staubtuch bedeckt worden. Die Skizzen für mein Luna-Kleid waren verschwunden, stattdessen lagen da eine Reihe von Medizinfläschchen, die Akte der Heilerin und ein Duftvernebler.

Über dem Kamin, wo einst das Zwei-Wölfe-Totem hing, das ich als Symbol unserer Verbindung entworfen hatte, prangte nun ein Aquarell mit weißen Schwertlilien. Siebzehnmal hatte ich dieses Totem überarbeitet. Aber das waren Daisys Lieblingsblumen.

Zane schloss die Tür. „Alpha hat uns angewiesen, im Anwesen einiges umzugestalten.“

„Umgestaltungen?“

„Fräulein Daisy zieht heute Nacht ein. Die Heilerin hat gesagt, ihre Wölfin braucht eine ruhige, sichere Umgebung.“

Zwei Untergebene trugen gerade meine Koffer aus dem Hauptschlafzimmer.

Einer der Koffer war nicht richtig verschlossen, und ein Streifen mondweißer Satin, den ich wiedererkannte, rutschte heraus und schleifte über den Boden.

Das war der Stoff, den ich eigens für das erste Vollmondbankett nach unserer Vermählung ausgesucht hatte.

„Wer hat euch erlaubt, meine Sachen anzufassen?“

„Es ist der Befehl des Alphas.“

Zane milderte seinen Ton.

„Es ist nur vorübergehend. Fräulein Daisy hat einen Schock erlitten und schläft schlecht. Das Hauptschlafzimmer liegt dem Wachposten am nächsten, und der Geruch dort wirkt am beruhigendsten.“

„Und meine Zugangsberechtigung – warum wurde die auch gesperrt?“

„Sie ist eingefroren“, sagte er und wich meinem Blick aus. „Vorübergehend. Alpha war besorgt, dass Sie im Moment emotional instabil sind. Er befürchtete, Sie könnten zurückkommen und mit Daisy Streit anfangen.“

Ich stieß ein sehr kurzes Lachen aus.

Es stellte sich also heraus, dass ich im Brauthaus meines eigenen Gefährten zu der Gefahr geworden war, vor der sie sich schützen mussten.

Zane nahm ein samtbezogenes Schmuckkästchen vom Couchtisch.

„Alpha hat mich gebeten, Ihnen das zu geben.“

Ich griff nicht danach.

Er öffnete den Deckel selbst.

Darin lag ein Armband, in dessen Weißgoldkette spärlich verstreut kleine zermahlene Diamanten eingelassen waren.

Teuer und auffällig wirkte es wie ein herablassendes Trostgeschenk, mit dem man jemanden loswerden wollte.

Aber solchen Tand schenkte ein Alpha einer Bettgefährtin – nicht seiner künftigen Luna.

Ich hatte es dreimal auf den Mondbanketten des Rudels gesehen, und jedes Mal stand die Frau, die es trug, mit gesenktem Kopf hinter dem Alpha.

Zane senkte die Stimme. „Alpha weiß, dass Sie heute verletzt wurden. Wenn Daisy stabil ist, erklärt er Ihnen alles persönlich.“

„Wo ist er jetzt?“

„Er begleitet Daisy. Sie wird gerade von der Heilerin untersucht.“

„Sie wird untersucht – in meinem Brautkleid?“

Zane antwortete nicht.

Ich ging direkt in die Ecke und riss das Staubtuch vom Zeichentisch. Auf dem Stoff lag noch eine Schere.

Das Totem auf dem Luna-Umhang war noch nicht fertig gestickt. Die Fransen an den Rändern waren erst zur Hälfte fertig. Eigentlich hatte ich geplant, ihn heute Abend zu tragen, um unsere Verbindung zu besiegeln.

Jetzt lag er wie Müll in der Ecke.

Ich griff nach der Schere und schnitt mitten durch den restlichen Stoff.

Zanes Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. „Alpha hat diesen Entwurf wirklich geliebt ...“

„Dann kann er ihn selbst neu anfertigen.“

Ich knallte die Schere auf den Tisch und ging ins Arbeitszimmer.

Zum Glück stand der Safe noch an seinem ursprünglichen Platz.

Das Passwort hatte sich nicht geändert. Nachdem ich ihn geöffnet hatte, nahm ich nur die Dinge an mich, die mir gehörten.

Mein Reisepass, Bargeld, die Eigentumsurkunde der Bekleidungsfirma, meine alten Entwurfsskizzen und jene Originalzeichnungen, die ich über die Jahre auf Drängen meiner Mutter mit Daisys Namen hatte signieren müssen. Schließlich ein Fingerhut, den meine Großmutter mir hinterlassen hatte.

Nicht ein einziges Stück, das Killian mir geschenkt hatte, nahm ich mit.

Zane folgte mir bis zur Tür, als ob er ein ungutes Gefühl hätte.

„Freya, was tun Sie da?“

„Ich hole mir meine Sachen zurück.“

Er zögerte. „Alpha Killian wird Ihnen das nicht erlauben.“

„Nicht deine Entscheidung. Sag ihm, er soll herkommen, wenn er mich aufhalten will.“

Zane schwieg.

Er wusste genau, dass Killian damit beschäftigt war, den Retter zu spielen, und nicht kommen würde.

Ich stopfte die Dokumente in meine Tasche und ließ den Blick ein letztes Mal durch das Anwesen wandern.

Meine Fingerabdrücke waren nicht mehr im Zugangssystem. Das Hauptschlafzimmer gehörte mir nicht mehr. Selbst das Totem, das ich eigenhändig entworfen hatte, war ersetzt worden.

Woran sollte ich mich da noch binden?

Als ich an der Tür ankam, flüsterte ein Wächter.

„Sollten wir das dem Alpha melden?“

Zanes Stimme war noch leiser. „Melden? Alpha weiß es bestimmt. Sie hat nur einen Trotzanfall.“

„Gib ihr ein paar Tage. Sobald Alpha sie ein wenig umschmeichelt, kommt sie von selbst zurück.“

Ich drückte die Tür auf und trat hinaus in den Nachtwind.

Der Duft des Waldes umfing mich. Diesmal würde ich nicht zurückkehren.

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