LOGINRaphaël Blackwood hat sich schon immer allein durchgeschlagen. Seit seine Familie ihn wegen seines Coming-outs verstoßen hat, kann er sich auf niemanden mehr verlassen als auf sich selbst. In seinem Abschlussjahr an der University of California hat er nur einen Wunsch: seinen Abschluss zu machen, mit seiner Band Musik zu machen und sein Studium in Ruhe zu beenden. Doch als er gezwungen wird, sich ein Zimmer mit Stefan Pierce zu teilen – dem Football-Star der Universität –, gerät sein sorgsam bewahrtes Gleichgewicht ins Wanken. Stefan Pierce hat nur ein Ziel: in die Profiliga aufzusteigen. Seine gesamte Zukunft hängt von seinen Leistungen ab, sowohl auf dem Spielfeld als auch im Hörsaal. Doch als seine katastrophalen Noten ihn beinahe seinen Platz in der Mannschaft kosten, bleibt ihm keine andere Wahl: Er muss sich ausgerechnet von seinem äußerst lästigen neuen Zimmergenossen Nachhilfe geben lassen. Raphaël ist der Letzte, von dem Stefan sich Hilfe gewünscht hätte. Doch eine lange Lernnacht verändert alles. Ein Kuss führt zum nächsten, und bald verbindet die beiden ein Geheimnis, das sie niemandem anvertrauen dürfen. Doch Stefans Vater, der großen Einfluss auf seine Karriere hat, ist ein mächtiger und homophober Mann. Ihre Beziehung scheint von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ihre Abmachung ist einfach: Sie bleiben bis zum Ende ihres Studiums zusammen, trennen sich danach und blicken nicht zurück. Aber was geschieht, wenn Loslassen keine Option mehr ist?
View MoreAus der Perspektive von StefanDer Wecker klingelte um genau fünf Uhr morgens. Ich schaltete ihn aus, fluchte leise und drehte mich auf den Rücken. Mein Körper schmerzte fürchterlich von dem Training am Vortag, aber sich zu beschweren war keine Option. Football kannte keine Schwäche, und ich liebte Football – also kannte auch ich keine Schwäche.Ich warf die Decke zurück und setzte mich auf, streckte mich und rieb mir das Gesicht. Das Zimmer war dunkel, aber gerade hell genug, um Raphaels Seite des Raumes zu sehen. Ein einziges Chaos. Trommelstöcke, Kleidung und Zigaretten lagen überall herum.Er schlief tief und fest, sein Rücken lag im schwachen Licht frei und zeigte all seine Tätowierungen. Aber mehr als einen Blick gönnte ich ihm nicht. Raphaël war die letzte Person, mit der ich je etwas zu tun haben wollte, und ich hatte wirklich Wichtigeres zu tun, als mich um meinen neuen Zimmergenossen zu kümmern.Ich stand auf, zog meine Sportbekleidung an und schnürte meine Stollenschuhe. Me
Aus der Perspektive von RaphaëlIch erwachte im sanften Licht des frühen Morgens, das durch die Vorhänge fiel und alles täuschend friedlich wirken ließ. Mein Körper schmerzte von den Anstrengungen des vergangenen Tages, und meine Muskeln protestierten, als ich mich streckte und mir über das Gesicht rieb. Ich stieß einen schweren Seufzer aus und blickte zum anderen Bett auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Makellos. Nicht eine Falte auf der Decke.Stefan Pierce hatte nicht einmal hier geschlafen.Nicht dass ich mich beschweren würde. Wahrscheinlich war es so besser. Ich mochte ihn nicht. Und wenn er nicht hier war, musste ich mich nicht mit seiner überlegenen Art und seiner eingebildeten Haltung herumschlagen – ich hoffte fast, dass er sich den Hals verrenkte.Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, stieß einen scharfen Atemzug aus und quälte mich aus dem Bett. Ich erledigte meine Morgenroutine – duschte schnell, zog einen schwarzen Kapuzenpullover und abgetragene Jeans an u
Aus der Perspektive von StefanDie letzten Wochen waren eine absolute Katastrophe.Mein Vater hatte mir die ganzen Ferien über ständig in den Ohren gelegen und mir immer wieder eingetrichtert, dass dies mein letztes Jahr vor dem NFL-Entwurf sei, dass ich mich zusammenreißen, in Topform bleiben müsse und mich von absolut nichts von meinem Ziel ablenken lassen dürfe. Als ob ich das nicht selbst wüsste.Und dann wurde es nach der Trennung nur noch schlimmer.Mandy und ich waren zwei Jahre lang zusammen gewesen, und ja, es war nicht immer alles perfekt gelaufen, aber ich hätte niemals erwartet, dass sie mich betrügt. Und dann auch noch ausgerechnet mit einem meiner eigenen Teamkollegen! Der Verrat schmerzte noch immer, aber ich würde ihr nicht das Gefühl geben, zu wissen, wie sehr es mich mitnahm.Also tat ich, was ich immer tat — ich stürzte mich voll und ganz in den Football.Football war mein Leben. Ich lebte dafür, ich atmete es und hatte alles dafür geopfert. Es war das Einzige, was
(Gegenwart)Aus der Perspektive von RaphaëlDas Licht erlosch, die letzten Klänge der Musik verklangen im Raum, jäh unterbrochen vom Jubel der Menge. Mein Herz pochte wild in meiner Brust, Schweißperlen liefen mir an den Schläfen hinunter, während ich meine Trommelstöcke fest umgriff. Das Adrenalin rauschte wie flüssiges Feuer durch meinen Körper, erfüllte mich mit elektrisierender Kraft.»Zugabe! Zugabe!« Die Menge schrie, ihre Stimmen wie eine Welle, die über uns hinwegbrach.Amélie, unsere Sängerin, schenkte ihnen ein verschmitztes Lächeln und winkte mit den Armen, um sie weiter anzufeuern. Nathan, unser Leadgitarrist, warf sein Plektrum mitten unter die jubelnden Fans, seine dunklen Augen funkelten mir von der Bühne aus entgegen. Ich lächelte, drehte meine Stöcke zwischen den Fingern und schlug ein letztes Mal kräftig auf die Snare. Der Lärm um uns herum wurde ohrenbetäubend.Gott, ich liebte das einfach.Doch dieser Moment dauerte nicht lange. Hinter der Bühne schlug die Stimmung