Zwischen Hass und Verlangen

Zwischen Hass und Verlangen

last updateLast Updated : 2026-10-27
By:  Double KUpdated just now
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Raphaël Blackwood hat sich schon immer allein durchgeschlagen. Seit seine Familie ihn wegen seines Coming-outs verstoßen hat, kann er sich auf niemanden mehr verlassen als auf sich selbst. In seinem Abschlussjahr an der University of California hat er nur einen Wunsch: seinen Abschluss zu machen, mit seiner Band Musik zu machen und sein Studium in Ruhe zu beenden. Doch als er gezwungen wird, sich ein Zimmer mit Stefan Pierce zu teilen – dem Football-Star der Universität –, gerät sein sorgsam bewahrtes Gleichgewicht ins Wanken. Stefan Pierce hat nur ein Ziel: in die Profiliga aufzusteigen. Seine gesamte Zukunft hängt von seinen Leistungen ab, sowohl auf dem Spielfeld als auch im Hörsaal. Doch als seine katastrophalen Noten ihn beinahe seinen Platz in der Mannschaft kosten, bleibt ihm keine andere Wahl: Er muss sich ausgerechnet von seinem äußerst lästigen neuen Zimmergenossen Nachhilfe geben lassen. Raphaël ist der Letzte, von dem Stefan sich Hilfe gewünscht hätte. Doch eine lange Lernnacht verändert alles. Ein Kuss führt zum nächsten, und bald verbindet die beiden ein Geheimnis, das sie niemandem anvertrauen dürfen. Doch Stefans Vater, der großen Einfluss auf seine Karriere hat, ist ein mächtiger und homophober Mann. Ihre Beziehung scheint von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ihre Abmachung ist einfach: Sie bleiben bis zum Ende ihres Studiums zusammen, trennen sich danach und blicken nicht zurück. Aber was geschieht, wenn Loslassen keine Option mehr ist?

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Chapter 1

Kapitel 1 – Zwei Jahre zuvor

(Zwei Jahre früher)

 

Aus der Perspektive von Raphaël

 

Ich küsste Nathan sanft, eine Hand auf seinem Rücken, während die andere durch seine Haare strich. Das Licht im Zimmer war gedämpft. Wir hatten den Abend zusammen verbracht und uns viel unterhalten. Meine Eltern waren für das Wochenende weg, also genossen wir einfach, in Ruhe zusammen zu sein. Und es gab niemanden, der uns störte.

 

Der Kuss wurde inniger, als ich ihn an mich zog. Da knarrte plötzlich die Tür. Ich hatte es kaum gehört — ich war ganz in dem Moment versunken.

 

»Raphaël, rate mal, was…«

 

War das meine Mutter?

 

Ich richtete mich hastig auf und war erleichtert, dass ich wenigstens noch meine Unterwäsche trug.

 

»Mama…«, stieß ich atemlos hervor, als ich ihr entsetztes Gesicht sah. »Das ist nicht so, wie es aussieht, ich…«

 

Sie schloss die Tür hastig hinter sich.

 

»Scheiße!«

 

Ich sammelte unsere Kleidung vom Boden auf, mein Herz klopfte wild, und ich folgte ihr.

 

»Was versuchst du mir da zu sagen, Raphaël?«

 

Mein Mund war so trocken, dass meine Zunge Glas hätte zerkratzen können. Ich faltete meine feuchten Hände und blickte zu Boden. Ich hatte erwartet, dass mein Vater ausrasten würde, wenn er die Wahrheit erfuhr — aber nicht so plötzlich, nicht so.

 

»Es tut mir leid, Papa. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich wollte nicht, dass er die Nacht hier verbringt…«

 

Die Augen meines Vaters verdüsterten sich vor Abscheu.

 

»Er?«, brummte er, leise und bedrohlich, und schlug mit der Faust auf den Tisch.

 

Ich hatte Angst vor dieser Reaktion. Ich wusste nicht, wie er meine Sexualität aufnehmen würde — aber jetzt wusste ich es.

 

»Ja, Papa. Er. Ich bin… ich bin schwul.«

 

Er sprang auf, der Stuhl quietschte auf dem Marmorboden.

 

»Das ist doch wohl ein Scherz? Hoffentlich ist das ein Scherz.«

 

Panik und Angst ergriffen mich — aber auch Erleichterung. Es war raus. Kein Geheimnis mehr. Ich stand auf, zitternd, aber gerade vor ihm.

 

»Nein, Papa. Ich liebe Jungs.«

 

»Nenn mich nicht so!«, brüllte er. »Nenn mich niemals so! Ich bin nicht der Vater von so einem Sohn!«

 

Ich fühlte mich, als würde ich zusammenbrechen. Mein Vater war ein strenger, anspruchsvoller Mann, der blinden Gehorsam verlangte. Aber damit hatte ich nicht gerechnet.

 

»Es ist nur eine Neigung, Papa. Ich tue niemandem etwas zuleide…«

 

»Sei still!« Seine Stimme hallte durch den ganzen Raum. Meine Mutter weinte in ihren Händen, ihr ganzer Körper zitterte. »Du bist völlig verloren. Sag mir lieber, dass das nur eine dumme Phase ist.«

 

Was? Ich blieb wie angewurzelt. Eine Phase? Nie wieder mit Nathan oder jemandem zusammen sein? Gezwungen, später eine Frau zu heiraten? Mein Leben lang zu verbergen, wer ich war?

 

»Sag es«, fuhr er fort, leise und wütend. »Sag, dass es ein Fehler war, ein für alle Mal — und wir tun so, als wäre es nie passiert.«

 

Eine Zukunft, in der ich mich selbst verleugnen musste, zeichnete sich vor mir ab. Ich schluckte schwer.

 

»Ich kann es nicht.«

 

Seine Nüstern weiteten sich.

 

»Warum nicht?«

 

»Weil es die Wahrheit ist.«

 

Sein Gesicht verzog sich vor Ekel. Seine Worte trafen mich wie ein Faustschlag.

 

»Dann verschwinde aus meinem Haus.«

 

»Bitte, Papa…«

 

»Geh raus, hab ich gesagt!«

 

Eine Tür fiel laut ins Schloss. Ich drehte mich um und sah meine kleine Schwester Amélie im Türrahmen stehen, ihre Schultasche rutschte ihr von der Schulter. Sie blickte von einem zum anderen — dann auf ihre weinende Mutter, und schließlich auf mich, der ich am Abgrund stand.

 

»Was ist passiert?«, fragte sie verwirrt.

 

Mein Vater drehte sich zu ihr um, und seine Wut richtete sich sofort auf sie.

 

»Und du? Seit wann weißt du davon?«

 

Amélie wich zurück.

 

»Wovon soll ich wissen?«

 

Er atmete schwer und versuchte, sich zu beherrschen. Sie blickte mich an — und dann verstand sie.

 

»Oh…«

 

Sie reckte die Schultern und trat näher, um ihn zu beruhigen.

 

»Reg dich nicht auf, Papa. Es ist nicht schlimm, versprochen.«

 

Ein lauter Knall durchbrach den Raum — seine Hand landete auf Amélies Wange.

 

Amélie wich zurück, sprachlos vor Schreck, und legte eine Hand auf ihre Wange. Ich schrie auf und wollte zu ihr eilen. Mein Vater drehte sich zu mir herum, noch wütender als zuvor.

 

»Versuch es ja nicht.«

 

Ich blieb stehen. Ich wollte nichts noch schlimmer machen.

 

»Du entscheidest nicht, was in dieser Familie schlimm ist, Amélie! Niemand bestimmt über mich!«

 

Sie blickte mich an, ihre Augen voller Tränen.

 

»Papa, hör auf. Du übertreibst.«

 

»Willst du ihn verteidigen?«, stieß er hervor. »Noch ein Wort und du gehst mit ihm!«

 

Ich stand da und sah zu, wie in einem bösen Traum. Amélie ballte die Fäuste.

 

»Du kannst ihn nicht einfach vor die Tür setzen! Er ist dein Sohn!«

 

»Nicht mehr.«

 

»Amélie…«, bat ich leise. »Lass es gut sein, okay?«

 

Sie blickte mich an, Tränen in den Augen.

 

»Raph…«

 

»Pack deine Sachen, Raphaël«, sagte mein Vater eiskalt. »Du bist nicht mehr mein Sohn.«

 

Seine Stimme schmerzte mich im Herzen — aber es gab kein Zurück. Er hatte mir eine Wahl gelassen, und ich bereute meine Entscheidung nicht. Ich ging nach oben in mein Zimmer und füllte eine Sporttasche. Als ich wieder hinunterkam, standen schon Nathans Koffer und seine Gitarre vor der Tür — er war über das Fenster entkommen.

 

Amélie stand an der Tür, ihre Wange noch immer gerötet. Meine Mutter saß auf dem Boden und wiegte sich weinend. Ich sagte nichts — sie hatte auch nichts gesagt.

 

Ich trat hinaus in die kalte Nacht. Der Wind durchfuhr mich. Mein Vater stand in der Türöffnung, sein Gesicht verzerrt vor Verachtung.

 

»Wenn du durch diese Tür gehst, kommst du nie wieder zurück.«

 

Ich schluckte meinen Kummer hinunter. Ich hatte nichts Falsches getan. Er war es, der mich vertrieb. Ich wollte nicht in Lügen leben. Ich würde es schon schaffen.

 

»Ich hatte nicht vor, zurückzukommen.«

 

Ich drehte mich um, griff nach meiner Tasche und ging. Je weiter ich kam, desto fester wurde ich. Ich blickte nicht zurück.

 

Es fing an zu regnen — stärker und stärker. Ich ging durch die leeren Straßen, mein nasses T-Shirt klebte an meiner Haut. Nathan war entkommen — Gott sei Dank. Ich wagte nicht, mir vorzustellen, was mein Vater getan hätte, wenn er ihn noch hier vorgefunden hätte.

 

Und dann traf mich die harte Wirklichkeit. Der Regen wusch meine stillen Tränen fort. Ich war obdachlos. Ich hatte kein Zuhause mehr. Das war mein Leben von nun an.

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