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Zwischen zwei Brüdern
Zwischen zwei Brüdern
Author: Blessed

1: Eine offene Tür

Author: Blessed
last update publish date: 2026-05-28 18:07:10

Bianca Morelli

Der Donner grollte nicht nur; er knallte wie eine Peitsche gegen das Autodach, unmittelbar gefolgt von einem weißen Lichtblitz, der mich blendete.

Ich schrie auf, schlug die Hände vor die Ohren und rollte mich auf dem Fahrersitz zusammen.

Atme. 

Atme einfach.

Aber ich konnte nicht. Die Luft im Auto fühlte sich dünn an, erstickend. Der Motor war vor zehn Minuten ausgegangen und hatte mich mitten in der Sintflut gestrandet zurückgelassen, doch der wahre Sturm tobte in meinem Kopf. Jedes Mal, wenn der Himmel aufleuchtete, war ich nicht mehr vierundzwanzig. Ich war ein Kind, das zusah, wie sich die Schatten über den Boden meines Elternhauses ausbreiteten, und darauf wartete, dass der Lärm aufhörte. Ich wartete auf die Stille, die schlimmer war als das Geschrei.

Mein Handy lag im Getränkehalter. Ich hatte ihn sechs Mal angerufen.

Matteo, bitte.

Mit zitternder Hand wischte ich den Beschlag vom Fenster. Die Villa war nicht weit. Vielleicht fünfzehn Minuten zu Fuß. Aber bei diesem Wetter? Mit den Erinnerungen, die mir an der Kehle zerrten?

Ein weiterer Donnerschlag erschütterte das Fahrgestell.

Ich konnte nicht hierbleiben. Wenn ich hierblieb, würde die Panikattacke gewinnen. Ich brauchte Matteo, also stieß ich die Autotür auf. Der Wind riss sie mir augenblicklich aus der Hand und schlug sie zurück. Der Regen traf mich wie ein Eimer Eiswasser, durchnässte mein Kleid in Sekundenschnelle, ruinierte die Seide, ruinierte alles.

Ich rannte.

Ich rannte durch den Schlamm, meine Absätze versanken in der weichen Erde, ich rang nach Luft, während die Olivenbäume wie verdrehte Skelette an mir vorbeirauschten. Ich fiel einmal hin und schürfte mir das Knie am Kies auf, aber ich rappelte mich wieder auf, getrieben von dem Bedürfnis nach Sicherheit.

Als ich die Lichter der Villa sah, zitterte ich so heftig, dass mir die Zähne klapperten.

Ich stürmte durch die Eingangstür und stolperte in die Eingangshalle. „Matteo?“, rief ich, meine Stimme war ein gebrochenes Krächzen. „Teo, das Auto … Ich brauche Hilfe.“

Keine Antwort.

Ich tropfte Wasser auf den Boden und schlang meine Arme um mich. „Matteo?“

Dann hörte ich ein Geräusch, das von oben, von der großen Treppe herabdrang.

„Ja … Gott, ja … genau da.“

Es war die Stimme einer Frau, atemlos und verlangend. Ich erstarrte, die Kälte des Regens schien mir bis ins Mark zu dringen.

„Nimm es“, Matteos Stimme war tief, rau und triefte vor einer Lust, die ich in zwei Jahren Ehe noch nie, nicht ein einziges Mal, an mich gerichtet gehört hatte. „Das gefällt dir, nicht wahr? Du magst es, wie ich dich besitze.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Ich hätte mich umdrehen sollen, ich hätte zurück in den Sturm rennen sollen, aber meine Füße bewegten sich wie von selbst, zogen mich die Treppe hinauf, und die Geräusche wurden lauter. Das feuchte Klatschen von Haut auf Haut, das Knarren der Matratze, das Stöhnen eines Mannes, der die Kontrolle verlor.

„Verdammt, Matteo … tiefer!“

Ich erreichte die offene Tür des Hauptschlafzimmers, sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie zu schließen. Mein Mann lag auf dem Bett, auf den Knien, und beugte sich über eine Frau mit dunklem Haar, das über meine Kissen ausgebreitet war. Er umklammerte ihre Hüften und stieß mit einer Heftigkeit in sie hinein, die mich zusammenzucken ließ. Er sah kraftvoll aus, er sah leidenschaftlich aus. Er sah aus wie ein Fremder.

Ich stieß einen Laut aus … einen erstickten, feuchten Keuchlaut.

Matteo hörte nicht sofort auf. Er beendete seinen Stoß, ein langes Stöhnen entwich seiner Kehle, bevor er inne hielt und über seine Schulter blickte.

Er sah mich dort stehen, wie eine durchnässte Ratte, zitternd und gebrochen. Er bemühte sich nicht, sich zu bedecken, und sah auch nicht entsetzt aus. Er zog sich langsam aus der Frau zurück, stand auf und griff nach einem Handtuch, um sich abzutrocknen, völlig unbeeindruckt von seiner Nacktheit.

„Du bist zurück“, sagte er tonlos.

Die Frau zog das Laken hoch und grinste mich an. „Ich habe dich angerufen“, flüsterte ich, während sich der Raum um mich drehte. „Ich habe dich sechs Mal angerufen. Der Sturm … der Donner …“

„Ich war beschäftigt“, sagte Matteo und warf das Handtuch auf einen Stuhl. Er ging auf mich zu, nicht um mich zu trösten, sondern um die Tür zu schließen, die ich versperrte. „Offensichtlich.“

„Beschäftigt?“ Meine Stimme wurde lauter und brach. „Ich hatte schreckliche Angst! Ich war da draußen und dachte, ich würde sterben, und du warst hier drin … in unserem Bett …“

„Beruhige dich, Bianca.“ Seine Stimme klang gelangweilt. „Hör auf, so dramatisch zu sein. Es ist nur Sex.“

„Nur Sex?“ Ich wich zurück, während sich Ekel in meiner Kehle aufstaute. „Wir sind verheiratet! Wir haben Eheversprechen!“

Matteo lachte. „Wir haben einen Vertrag, Bianca. Ein Bündnis. Ich habe mich nicht dazu verpflichtet, jedes Mal, wenn es regnet, dein Babysitter zu sein.“

„Ich bin dir treu geblieben!“, schrie ich, während sich Tränen mit dem Regen auf meinem Gesicht vermischten. „Ich habe dich respektiert!“

„Und das ist deine Entscheidung“, sagte er mit einem Achselzucken. Er lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme. „Hör mal, ich habe Bedürfnisse. Du bist … süß. Aber du bist langweilig. Das hier?“ Er deutete auf die Frau im Bett. „Das ist es, was ich brauche.“

Er sah mich mit kalten, leeren Augen an. „Schau nicht so tragisch“, sagte er. „Betrachte das als Vertragsänderung, ich bin nicht unvernünftig. Du kannst das Gleiche tun.“

Die Welt kippte. „Was?“

„Nur zu“, sagte er und winkte mit der Hand zur Tür. „Such dir einen Liebhaber, vögel den Pooljungen. Es ist mir egal. Solange du den Familiennamen nicht in Verruf bringst, mach, was du willst, um dich abzulenken.“

Frei, dasselbe zu tun.

Er betrog mich nicht nur, er wies mich zurück. Er sagte mir damit, dass ich ihm so wenig bedeutete, dass er nicht einmal eifersüchtig wäre, wenn ein anderer Mann mich berührte.

„Ich hasse dich“, flüsterte ich. Ich rannte aus dem Zimmer, ohne mich mehr um den Regen zu kümmern, und lief zum Meer.

Ich brach am Wasserrand zusammen, der nasse Sand knirschte unter meinen Handflächen. Das Tosen der Wellen war ohrenbetäubend, ein gewalttätiges, chaotisches Durcheinander, das genau meinem inneren Befinden entsprach.

Ich rollte mich zusammen und schrie. Ich schrie, bis meine Kehle rau war, doch der Wind riss den Schrei fort, bevor ihn jemand hören konnte. Ich war allein, ich war schon immer allein gewesen.

Ein Blitz zerriss den Himmel und verwandelte die Nacht für einen Herzschlag lang in blendenden Tag. Ich zuckte zusammen, schnappte nach Luft und blickte durch meine geschwollenen Augen auf das brodelnde schwarze Wasser.

Da sah ich ein riesiges schwarzes Pferd, das sich in der flachen Brandung aufbäumte, gegen den Wind ankämpfte und mit seinen Hufen in den Schaum schlug.

Und der Reiter...

Der Atem stockte mir in der Kehle, ein plötzliches, scharfes Zucken, das nichts mit der Kälte zu tun hatte. Er war nicht für den Sturm gekleidet, er war Teil davon.

Er war barbusig.

Seine Haut war bronzefarben und vom Regen glatt, jeder Muskel an Brust und Bauch wurde durch das Wasser, das seinen Körper hinunterlief, hervorgehoben. Er sah wild aus.

Ein weiterer Blitz zuckte, und ich sah, wie das Wasser von seinem dunklen Haar tropfte, über seine markante Kinnlinie und über seine nackten Schultern lief. Er sah aus wie eine Statue, gemeißelt aus Adrenalin und Gewalt.

Er beherrschte das sich aufbäumende Pferd mit Leichtigkeit, seine Bizeps spannten sich an, als er den Griff um die Zügel festigte.

Dann blieb er stehen.

Das Pferd beruhigte sich, und der Mann drehte den Kopf und sah mich direkt an. Ich kniete am Boden, am Boden zerstört, schluchzend im Schlamm. Er ragte über mir auf, halbnackt und furchterregend kraftvoll.

Ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Ich fühlte mich unter seinem Blick entblößt, als könne er jeden Riss in meinem Herzen sehen. Er sah nicht wie ein Retter aus, er sah aus wie etwas Gefährliches, das das Meer gerade ausgespuckt hatte.

„Was macht eine Diva wie du bei diesem Wetter allein draußen?“

Und für einen Moment vergaß ich zu atmen.

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