Home / Romantik / Zwischen zwei Brüdern / 6: Familienmittagessen

Share

6: Familienmittagessen

Author: Blessed
last update publish date: 2026-06-06 21:18:20

Bianca Morelli 

Ich stand vor den Türen des festlichen Speisesaals und versuchte mit aller Kraft, wieder zu Atem zu kommen. Meine Brust hob und senkte sich noch immer heftig von dem, was gerade im Gewächshaus passiert war. Meine Haut fühlte sich viel zu heiß an, und meine Beine zitterten immer noch.

Ich holte tief Luft und strich die Vorderseite meines weißen Blazers glatt. Ich stieß die Türen auf und trat ein.

Der Speisesaal war riesig und einschüchternd. Ein riesiger Kristallleuchter hing von der Decke und warf helles Licht auf den langen, rechteckigen Tisch. Don Romano und Isabella saßen bereits an den gegenüberliegenden Enden des Tisches und benahmen sich wie der König und die Königin des Hauses.

Matteo saß auf der rechten Seite des Tisches. Er trug einen eleganten, teuren grauen Anzug. Als er mich hereinkommen sah, verengten sich seine Augen zu einem kalten, durchdringenden Blick.

„Du bist zu spät“, schnauzte Matteo. „Und warum trägst du immer noch deine Arbeitskleidung? Hättest du dir wirklich keine fünf Minuten Zeit nehmen können, um ein passendes Kleid für meine Mutter anzuziehen?“

Ich ging zu dem leeren Stuhl direkt neben ihm hinüber. „Ich war damit beschäftigt, die Gehaltsabrechnung für das Anwesen zu erledigen“, sagte ich leise und hielt meine Stimme vollkommen emotionslos. „Das Dienstmädchen sagte, ich solle sofort kommen. Ich hatte keine Zeit, mich umzuziehen.“

Matteo verdrehte angewidert die Augen. „Setz dich. Hör auf, mich in Verlegenheit zu bringen.“

Ich zog meinen Stuhl hervor und setzte mich neben ihn, den Blick auf meinen leeren weißen Porzellanteller gerichtet. Ich sagte kein weiteres Wort. Ich faltete nur die Hände im Schoß und betete, dass dieses Mittagessen schnell vorbei sein möge.

Ein paar Sekunden später schwangen die Türen zum Speisesaal wieder auf.

Mein Herz setzte in meiner Brust völlig aus.

Enzo schlenderte in den Raum. Er sah nicht so aus, als würde es ihm leid tun, zu spät zu sein. Er sah nicht gestresst aus, er sah aus wie ein arroganter König, der sein eigenes Schloss betritt. Er trug immer noch dieselbe verblasste dunkle Jeans und das strahlend weiße Hemd aus dem Gewächshaus. Die obersten Knöpfe waren immer noch komplett aufgeknöpft und gaben den Blick auf seine breite, tätowierte Brust frei. Er sah wild und gefährlich aus und passte überhaupt nicht in den steifen, formellen Speisesaal.

„Entschuldigt die Verspätung“, sagte Enzo mit schleppender Stimme, die den stillen Raum erfüllte. Er schenkte seiner Mutter ein träges, charmantes Lächeln, das ihr Herz augenblicklich zum Schmelzen brachte. „Ich habe mich beim Spaziergang durch die Gärten ein wenig ablenken lassen. Es ist heute sehr heiß da draußen.“

Als er das Wort „heiß“ aussprach, huschte sein Blick aus seinen dunklen, pechschwarzen Augen direkt zu mir.

Ein heftiger Schauer lief mir über den Rücken. Ich wandte schnell den Blick ab und starrte angestrengt auf mein Wasserglas. Enzo schlenderte gemächlich auf den Tisch zu. Es gab jede Menge freie Stühle, doch er ging direkt an ihnen vorbei. Er ignorierte Matteos hasserfüllten Blick völlig. Stattdessen zog er den Stuhl direkt mir gegenüber am Tisch hervor. Er setzte sich, breitete seine breiten Schultern aus und wandte sich mir vollständig zu.

Die Kellnerinnen traten sofort vor und begannen, das Essen zu servieren. Sie schenkten Rotwein in die Kristallgläser ein und stellten Teller mit heißem, gebratenem Fleisch und Gemüse auf den Tisch. 

Ich nahm meine Gabel in die Hand, aber mein Magen war wie zugeschnürt. Ich konnte nichts essen. Jedes Mal, wenn ich aufblickte, und sei es nur für eine Sekunde, starrte Enzo mich direkt an. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, völlig entspannt. Er hielt sein Weinglas mit einer großen Hand und nahm langsam einen Schluck, während seine dunklen Augen jede meiner Bewegungen verfolgten. Er musterte meinen Mund. Er musterte meine Atmung.

Er jagte mich direkt vor den Augen meines Mannes.

Ich nahm einen winzigen Bissen von meinem Essen und versuchte zu kauen, wobei ich mich zwang, überall hinzuschauen, nur nicht zu ihm. Ich wollte unsichtbar sein, aber Enzo würde mich nicht verstecken lassen.

Da er so groß war, fiel es ihm sehr leicht, seine langen, muskulösen Beine unter dem Tisch auszustrecken. Plötzlich spürte ich, wie etwas meinen Knöchel streifte.

Ich erstarrte völlig. Ich hörte auf zu kauen.

Unter der schweren, langen Tischdecke hakte sich die raue Schuhspitze sanft um meinen Knöchel. Panik explodierte in meiner Brust. Ich warf einen schnellen Blick über den Tisch. Enzo schnitt ganz lässig sein Steak mit dem Messer. Er unterhielt sich mit seiner Mutter über das Wetter und benahm sich wie ein perfekter, höflicher Gentleman. Er sah mich nicht einmal an. 

Aber unter dem Tisch begann sich sein Schuh langsam zu bewegen, er glitt langsam an meinem Unterschenkel hoch. Er strich über mein Knie und schob meinen schwarzen Bleistiftrock ein kleines bisschen hoch. Dann glitt er weiter nach oben und berührte die nackte Haut meines Oberschenkels.

Der Kontrast zwischen dem rauen Leder und meiner weichen, empfindlichen Haut war völlig überwältigend. Ich schnappte leise nach Luft und verwandelte das Geräusch schnell in einen vorgetäuschten Husten. Ich griff nach meiner weißen Stoffserviette und drückte sie so fest, dass mir die Finger wehtaten.

Hör auf, schrie ich ihn in meinem Kopf an. Jeder könnte es sehen.

Aber Enzo hörte nicht auf. Er zog seinen Schuh langsam meinen Oberschenkel hinauf und dann wieder zurück bis zu meinem Knie, immer und immer wieder. Es war ein langsamer, quälender Rhythmus. Er hinterließ eine Spur aus purem Feuer auf meiner Haut. Ich musste mir auf die Innenseite meiner Wange beißen, bis ich Blut schmeckte, nur um mich davon abzuhalten, einen Laut von mir zu geben. Mein Atem wurde flacher. Die Hitze zwischen meinen Beinen kehrte zurück, völlig außerhalb meiner Kontrolle.

„Enzo“, sagte Don Romano plötzlich, seine laute Stimme durchdrang den Raum.

Enzo ließ seinen Schuh auf meinem Oberschenkel ruhen. Er blickte beiläufig den Tisch hinunter zu seinem Vater. „Ja, Vater?“

„Du bist jetzt erwachsen, Enzo. Du bist achtundzwanzig Jahre alt. Es ist an der Zeit, dass du aufhörst, Spielchen zu spielen, und dich wie ein Romano benimmst.“

Enzo nahm einen langsamen Schluck von seinem Wein. „Und was genau bedeutet es, sich wie ein Romano zu benehmen?“

„Es bedeutet, dass du arbeiten wirst“, antwortete sein Vater mit fester Stimme. „Ich werde dir ab nächster Woche eine Stelle im Büro der Familienfirma geben. Du wirst das Geschäft lernen. Du wirst echte Verantwortung übernehmen. Ich werde nicht zulassen, dass mein Sohn unter meinem Dach lebt, ohne zum Familienimperium beizutragen.“

Die Atmosphäre im Raum wurde augenblicklich eiskalt.

Neben mir erstarrte Matteo völlig. Ich konnte die Wut förmlich von seinem Körper abprallen spüren. Er umklammerte sein Messer so fest, dass seine Knöchel ganz weiß wurden. „Meinst du das jetzt ernst?“, fragte Matteo laut und starrte seinen Vater an.

Isabella runzelte die Stirn. „Matteo, beruhige dich. Es ist eine gute Sache für deinen Bruder ...“

„Nein, es ist eine schreckliche Sache!“, unterbrach Matteo sie. „Er hat keine Ahnung, wie man ein Unternehmen führt. Er ist völlig nutzlos! Er hat die letzten Jahre in einem anderen Land verbracht und absolut nichts getan!“

„Teo …“, warnte Isabella leise.

„Ich sage die Wahrheit!“, spottete Matteo und zeigte mit dem Finger über den Tisch. „Schau ihn dir an. Er ist ein faules Kind. Er hat nur getrunken, gefeiert und das Geld der Familie verprasst, während ich hier geblieben bin. Ich habe die echte Arbeit geleistet. Ich habe das Imperium aufgebaut. Er kann keine echten Geschäfte führen. Er ist eine Belastung.“

Ich saß wie erstarrt auf meinem Stuhl und hielt den Atem an. Ich erwartete, dass Enzo explodieren würde, doch Enzo schenkte Matteo ein träges, arrogantes Playboy-Grinsen. Die Beleidigungen schienen ihn überhaupt nicht zu stören. Er wirkte sogar zutiefst amüsiert.

„Du hast recht, Teo“, sagte Enzo, seine Stimme triefte vor dickem, spöttischem Sarkasmus. „Ich war völlig nutzlos. Ich war sehr faul. Aber zu Hause zu sein hat mir ganz neue Energie gegeben. Ich fühle mich sehr inspiriert.“

Enzo drehte langsam den Kopf. Er hörte auf, Matteo anzusehen, und richtete seinen Blick ganz auf mein Gesicht. Das Playboy-Grinsen auf seinen Lippen wurde verschmitzt und hungrig.

„Ich bin endlich bereit, meine Hände an die Arbeit zu nehmen“, sagte Enzo leise und achtete darauf, dass ich jedes einzelne Wort hörte. „Ich habe hier in diesem Haus etwas gefunden, auf das ich mich wirklich konzentrieren möchte. Etwas, für dessen Verwaltung ich meine ganze Zeit aufwenden möchte.“

Mein Herz hämmerte heftig gegen meine Rippen.

Sie dachten, Enzo spreche vom Familienunternehmen, aber ich wusste genau, wovon er sprach. Er sprach von mir. Er sagte mir direkt ins Gesicht, dass ich seine neue Obsession war.

Unter dem Tisch glitt sein Schuh ganz nach oben. Er drückte ihn direkt gegen die heiße, empfindliche Stelle zwischen meinen Schenkeln und stieß kräftig nach oben.

Der plötzliche Druck auf meine empfindlichste Stelle war viel zu viel für meinen Körper. Ein heftiger Ansturm purer, elektrisierender Lust schoss direkt durch meinen Körper. Ein leises, atemloses Keuchen entrang sich meiner Kehle und mein Körper zuckte vor Schreck zusammen. Meine Hand verkrampfte sich lautstark und ich ließ meine Gabel fallen. 

Im gesamten Speisesaal wurde es totenstill. Alle drehten ihre Köpfe und starrten mich direkt an. Ich war völlig errötet, meine Brust hob und senkte sich, während ich versuchte, Sauerstoff in meine leeren Lungen zu pumpen. Matteo starrte mich mit kalter, absoluter Abscheu an.

„Was ist los mit dir?“, zischte Matteo laut. „Bist du wirklich so ungeschickt, dass du nicht einmal eine einfache Mahlzeit essen kannst? Konzentriere dich auf dein Essen, Bianca. Du benimmst dich wie eine Idiotin.“

„Es tut mir leid“, stammelte ich, meine Stimme schwach und atemlos. „Meine Hand ist einfach … abgerutscht. Es tut mir leid.“

Ich hob langsam den Blick und schaute über den Tisch. Enzo schaute nicht auf sein Essen. Er schaute mich direkt an. Das arrogante Playboy-Grinsen war völlig verschwunden, ersetzt durch ein dunkles, unglaublich zufriedenes Lächeln. Er wusste genau, was er tat. Er liebte das chaotische, bedürftige Durcheinander, das er aus mir machte.

Er hob langsam sein Glas an die Lippen, hielt seinen dunklen Blick auf mich gerichtet und nahm einen langen, triumphierenden Schluck von seinem dunkelroten Wein.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Zwischen zwei Brüdern   58

    Bianca MorelliIch ließ mein Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch fallen. Unter der weißen Tischdecke griff ich nach Enzos Handgelenk und umfasste es fest. Langsam zog ich seine glühend heiße Hand von meinem inneren Oberschenkel weg, führte sie über mein Kleid und legte sie wieder auf sein eigenes Knie.Ich sah ihn nicht an und schrieb ihm auch keine Antwort. Ich nahm einfach meine silberne Gabel, nippte an meinem Wein und aß ruhig mein Abendessen weiter, als wäre nichts geschehen.Als das Festessen endlich zu Ende war, gingen alle ihrer Wege. Ich ging direkt nach oben ins Schlafzimmer, verzweifelt auf der Suche nach einem Moment der Ruhe. Ich zog mein Kleid aus, wusch mir das Make-up vom Hals und schlüpfte in ein dünnes, dunkles Seidennachthemd.Ich legte mich flach auf das Bett und starrte ausdruckslos an die dunkle Decke. Im Haus war es still, doch mein Körper war völlig unruhig. Jeder einzelne Nerv in meiner Haut kribbelte, ich konnte nicht aufhören, an Enzo zu denken. I

  • Zwischen zwei Brüdern   57

    Bianca MorelliIch ließ mein Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch fallen. Unter der weißen Tischdecke griff ich nach Enzos Handgelenk und umfasste es fest. Langsam zog ich seine glühend heiße Hand von meinem inneren Oberschenkel weg, führte sie über mein Kleid und legte sie wieder auf sein eigenes Knie.Ich sah ihn nicht an und schrieb ihm auch keine Antwort. Ich nahm einfach meine silberne Gabel, nippte an meinem Wein und aß ruhig mein Abendessen weiter, als wäre nichts geschehen.Als das Festessen endlich zu Ende war, gingen alle ihrer Wege. Ich ging direkt nach oben ins Schlafzimmer, verzweifelt auf der Suche nach einem Moment der Ruhe. Ich zog mein Kleid aus, wusch mir das Make-up vom Hals und schlüpfte in ein dünnes, dunkles Seidennachthemd.Ich legte mich flach auf das Bett und starrte ausdruckslos an die dunkle Decke. Im Haus war es still, doch mein Körper war völlig unruhig. Jeder einzelne Nerv in meiner Haut kribbelte, ich konnte nicht aufhören, an Enzo zu denken. I

  • Zwischen zwei Brüdern   56

    Bianca MorelliEr presste seine Lippen erneut auf meine.Dieser Kuss war anders als der erste. Er war nicht nur wütend, sondern ein verzweifeltes, loderndes Feuer, das jeden einzelnen Tropfen Sauerstoff im Schlafzimmer verschlang. Enzo küsste mich wie ein Mann, der in der Wüste vor Durst gestorben wäre, und ich war der allererste Tropfen Wasser, den er seit Jahren gefunden hatte.Ich schmolz gegen die Tür. All meine Ängste, all meine Regeln und meine Eiswand verschwanden. Ich öffnete meinen Mund und lud ihn ein, einzutreten. Enzo stöhnte, ein tiefes, raues Vibrieren, das direkt an meinen Lippen grollte. Er schmeckte nach teurem, starkem Whisky und ungezähmter Gefahr. Ich vergrub meine Finger tief in seinem dichten, dunklen Haar und zog ihn so nah an mich heran, wie es physisch möglich war.In genau diesem Moment existierte absolut nichts auf der ganzen Welt außer der brennenden Hitze von Enzos Körper, der mich an die Tür drückte.Seine Hände glitten von meinem Gesicht hinab, bewegten

  • Zwischen zwei Brüdern   55

    Bianca MorelliIn dieser Nacht habe ich kein Auge zugemacht.Stundenlang wälzte ich mich in dem riesigen, luxuriösen Kingsize-Bett hin und her, während sich die teuren Seidenlaken um meine Beine verhedderten und ich mit leerem Blick an die Decke starrte. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich nur Enzo vor mir. Ich wurde fast wahnsinnig. Ich dachte darüber nach, was er wohl in dem Zimmer direkt neben meinem tat. Trug er Kleidung? Lag er auf dem Rücken, und hob und senkte sich seine breite Brust im Dunkeln?Mein Körper schmerzte vor schwerer, pochender Frustration. Ich wollte die Decke beiseite schieben, durch das Wohnzimmer gehen und direkt in sein Bett kriechen, aber mein Stolz ließ mich wie angewurzelt stehen bleiben, bis die Sonne endlich über der Skyline der Stadt aufging.Als der Morgen kam, schleppte ich mich aus dem Bett. Ich war erschöpft, aber ich weigerte mich, Schwäche zu zeigen. Ich marschierte ins Badezimmer, nahm eine heiße Dusche und machte mich kampfbereit.Ich

  • Zwischen zwei Brüdern   54

    Das leise Knistern des Feuers war das einzige Geräusch, das noch im Raum zu hören war. König Azrael stand fassungslos da. Sein Mund stand leicht offen, doch es kamen keine Worte heraus. Der wilde, selbstbewusste Alpha, der auf dem Schlachtfeld immer genau wusste, was zu tun war, wirkte am Boden zerstört. Die Realität seiner egoistischen Fehler traf ihn endlich, und ich konnte in seinen Augen sehen, wie ihm das in diesem Moment bewusst wurde.Er hatte nicht erkannt, dass er mir seine eigene Welt aufzwang. Er glaubte aufrichtig, sein Leben mit mir zu teilen, und war blind dafür, dass ich etwas anderes brauchte.Ich stand da, atmete schwer und wartete darauf, dass er wütend werden würde. Ich wartete darauf, dass der Alpha-Tyrann mich anschnauzen würde, weil ich meine Stimme gegen ihn erhoben hatte, doch stattdessen tat er das Gegenteil. Azrael stieß einen langsamen, schweren Atemzug aus. Seine goldenen Augen wurden weicher und nahmen einen Ausdruck quälender Reue an. Er wich nicht zurück

  • Zwischen zwei Brüdern   53

    Das leise Knistern des Feuers war das einzige Geräusch, das noch im Raum zu hören war. König Azrael stand fassungslos da. Sein Mund stand leicht offen, doch es kamen keine Worte heraus. Der wilde, selbstbewusste Alpha, der auf dem Schlachtfeld immer genau wusste, was zu tun war, wirkte am Boden zerstört. Die Realität seiner egoistischen Fehler traf ihn endlich, und ich konnte in seinen Augen sehen, wie ihm das in diesem Moment bewusst wurde.Er hatte nicht erkannt, dass er mir seine eigene Welt aufzwang. Er glaubte aufrichtig, sein Leben mit mir zu teilen, und war blind dafür, dass ich etwas anderes brauchte.Ich stand da, atmete schwer und wartete darauf, dass er wütend werden würde. Ich wartete darauf, dass der Alpha-Tyrann mich anschnauzen würde, weil ich meine Stimme gegen ihn erhoben hatte, doch stattdessen tat er das Gegenteil. Azrael stieß einen langsamen, schweren Atemzug aus. Seine goldenen Augen wurden weicher und nahmen einen Ausdruck quälender Reue an. Er wich nicht zurück

  • Zwischen zwei Brüdern   5: Hungern

    Bianca MorelliAm nächsten Morgen wachte ich mit einem stechenden, pochenden Schmerz im Oberarm auf. Ich drehte mich langsam im Bett um und schob die Decke beiseite. Die Prellung an der Stelle, an der Matteo mich gegen den Nachttisch gestoßen hatte, nahm bereits eine hässliche, dunkelviolette Färbu

  • Zwischen zwei Brüdern   4: Der Geschmack des Lebens

    Bianca Morelli Ich lief in unserem riesigen Schlafzimmer auf und ab, meine nackten Füße versanken im dicken Teppich. Mein Blut kochte. Seit dem Abendessen hatte ich mir zwei Stunden lang auf die Zunge gebissen, aber ich konnte es nicht mehr aushalten. Alles, was innerhalb von 24 Stunden passiert w

  • Zwischen zwei Brüdern   3: zweiter Sohn

    Bianca MorelliIch wachte zitternd auf. Der Sturm war vorbei und hatte einen kalten, grauen Morgen und das Rauschen der brechenden Wellen hinterlassen. Ich rappelte mich vom nassen Sand auf, mein ganzer Körper schmerzte.Ich war völlig allein.Der Fremde vom Strand war verschwunden. Es gab kein Pfe

  • Zwischen zwei Brüdern   1: Eine offene Tür

    Bianca MorelliDer Donner grollte nicht nur; er knallte wie eine Peitsche gegen das Autodach, unmittelbar gefolgt von einem weißen Lichtblitz, der mich blendete.Ich schrie auf, schlug die Hände vor die Ohren und rollte mich auf dem Fahrersitz zusammen.Atme. Atme einfach.Aber ich konnte nicht. D

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status