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3: zweiter Sohn

Author: Blessed
last update publish date: 2026-05-28 18:10:32

Bianca Morelli

Ich wachte zitternd auf. Der Sturm war vorbei und hatte einen kalten, grauen Morgen und das Rauschen der brechenden Wellen hinterlassen. Ich rappelte mich vom nassen Sand auf, mein ganzer Körper schmerzte.

Ich war völlig allein.

Der Fremde vom Strand war verschwunden. Es gab kein Pferd, keine Fußspuren, die nicht von der Flut weggespült worden wären, nichts. Wäre da nicht der dumpfe, schwere Schmerz zwischen meinen Beinen und der schwache Geruch von Moschus und Regen gewesen, der noch immer an meiner Haut haftete, hätte ich gedacht, das Ganze sei ein verrückter, fiebriger Traum gewesen.

Ich hob mein ruiniertes Kleid aus dem Sand auf und zog es mit zitternden Händen an. Ich fühlte mich schmutzig, völlig gebrochen, aber irgendwie … leichter. Ich hatte eine Grenze überschritten. 

Ich hatte es tatsächlich getan.

Als ich schließlich zur Villa zurückging, war die Haustür unverschlossen. Ich trat ein, meine nackten Füße hinterließen nasse Spuren auf dem teuren Boden. Matteo saß im Wohnzimmer, trank eine Tasse Kaffee und schaute auf sein Handy. Er trug einen frischen Anzug und sah perfekt gepflegt aus.

Er schaute nicht einmal zu mir herüber.

„Bist du fertig mit deinem kleinen Wutanfall?“, fragte er mit gelangweilter Stimme. Endlich warf er mir einen Blick zu, wobei seine Augen mit deutlichem Ekel über mein zerzaustes Haar und meine ruinierte Kleidung glitten. „Geh duschen. Wir fahren in einer Stunde zum Haupthaus. Mach uns nicht zu spät.“

Er fragte nicht, wo ich die ganze Nacht gewesen war. Er fragte nicht, ob ich in Sicherheit war, es war ihm einfach egal.

Ich sagte kein einziges Wort zu ihm. Ich ging einfach nach oben, nahm eine glühend heiße Dusche und schrubbte den Sand von meinem Körper. 

Die Autofahrt zurück zur Villa Romano verlief völlig schweigend. Matteo starrte aus dem Fenster, und ich starrte auf meine Hände. Ich wartete darauf, dass mich die Schuldgefühle auffressen würden. Ich wartete darauf, mich wie eine schreckliche, untreue Ehefrau zu fühlen, aber ich fühlte mich einfach nur leer.

Als wir durch die massiven Tore des Romano-Anwesens fuhren, herrschte dort das reinste Chaos.

Normalerweise war die Villa ruhig und streng organisiert, doch heute eilten Dienstmädchen mit frischer Bettwäsche und Blumen durch die Flure. Matteos Mutter Isabella stand in der Eingangshalle, zeigte mit dem Finger auf die Bediensteten und schrie sie an.

Matteo ging mit zusammengebissenen Zähnen auf seine Mutter zu. „Was ist hier los?“

Isabella drehte sich um, sie sah gestresst, aber aufgeregt aus. „Er kommt zurück, Matteo. Enzo kommt heute nach Hause.“

Matteos Fäuste ballten sich an seinen Seiten so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. „Das kann doch nicht dein Ernst sein.“

Enzo.

Der berühmte zweite Sohn, das schwarze Schaf. Seit dem Tag, an dem ich Matteo kennengelernt hatte, hatte ich nur Schreckliches über Enzo gehört. Matteo erzählte mir, Enzo sei ein rücksichtsloses Monster, ein Playboy, dem nichts anderes wichtig sei als Alkohol, Schlägereien und der Ruf der Familie. 

Nach dem, was ich gehört hatte, war Enzo gewalttätig und unberechenbar und war vor Jahren aus der Familie verstoßen worden, um das Geschäft zu schützen. Es gab keine Bilder von ihm im Haus, und niemand sprach jemals über ihn, es sei denn, es geschah im Flüsterton.

„Geh dich für das Abendessen umziehen, Bianca“, schnauzte Matteo mich an und riss mich aus meinen Gedanken. Er stürmte in Richtung des Büros seines Vaters davon.

**

Ich betrat das Esszimmer, und Matteo und seine Eltern saßen bereits an dem langen, edlen Tisch. Matteo sah wütend aus und starrte auf seinen leeren Teller.

Ich setzte mich neben ihn, hielt den Blick gesenkt, und die Flügeltüren des Esszimmers schwangen auf. „Entschuldigt die Verspätung“, hallte eine tiefe, raue Stimme durch den Raum. „Der Verkehr war die Hölle.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus, ich kannte diese Stimme.

Ich riss den Kopf hoch und blickte zur Tür. Der Atem stockte mir augenblicklich.

Er war es.

Der Teufel vom Strand.

Er war nicht mehr oben ohne, aber der dunkle Anzug, den er trug, ließ ihn nicht weniger gefährlich wirken. Er trug ihn lässig … keine Krawatte, die oberen drei Knöpfe seines schwarzen Hemdes waren offen und gaben den Blick auf seine kräftigen Brustmuskeln frei. Sein dunkles Haar war zerzaust und fiel ihm in die Stirn.

Er schlenderte mit den Händen in den Taschen in den Raum und ging mit derselben trägen, kraftvollen Selbstsicherheit.

Isabella stand auf, Tränen in den Augen. „Enzo.“

„Hallo, Mutter“, sagte er sanft. Er ging um den Tisch herum, blieb schließlich stehen und blickte über den Tisch hinweg. 

Sein Blick traf meinen.

Ich bekam keine Luft mehr. Meine Hände fingen unter dem Tisch an zu zittern, also griff ich nach meiner Serviette und ballte sie zusammen. 

Das war ein Albtraum. Das musste ein Albtraum sein. 

Der Mann, der mich vor zwölf Stunden gegen einen Felsen gedrückt hatte, war der Bruder meines Mannes.

Matteos Vater räusperte sich laut. „Enzo, nimm Platz. Ich glaube, es gibt jemanden, den du noch nicht kennengelernt hast.“ Er deutete mit steifer Hand auf mich. „Das ist Matteos Frau, Bianca.“

Enzo wirkte überhaupt nicht schockiert. Er neigte nur den Kopf, und ein langsames, unglaublich selbstgefälliges Grinsen breitete sich auf seinem hübschen Gesicht aus. Seine dunklen Augen wanderten über mein Gesicht, glitten hinunter zu meinem Hals und dann zum tiefen Ausschnitt meines schwarzen Kleides. Er zog mich direkt vor allen anderen mit den Blicken aus.

„Eine Ehefrau“, sagte Enzo, seine Stimme triefte vor purer Belustigung. Er zog den Stuhl direkt mir gegenüber heran und setzte sich, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. „Nun. Es ist mir eine wahre Freude, dich endlich kennenzulernen, Schwägerin.“ 

„Hallo“, brachte ich mühsam hervor. Meine Stimme klang schwach und erbärmlich.

Das Abendessen war die reinste Qual.

Jedes Mal, wenn ich aufblickte, starrte Enzo mich an. Er versuchte nicht einmal, es zu verbergen. Während Matteo mich ignorierte und mit seinem Vater über Geschäfte sprach, lehnte sich Enzo einfach in seinem Stuhl zurück, trank seinen Wein und beobachtete mich wie ein Raubtier, das ein gefangenes Kaninchen im Visier hat.

Er nahm ein Stück Fleisch mit der Gabel auf, biss es langsam ab und kaute darauf, während er direkt auf meinen Mund starrte. Er erinnerte sich genau daran, was mein Mund ihm im Regen angetan hatte. Ich konnte die schmutzigen Gedanken in seinen schwarzen Augen aufblitzen sehen. Er genoss jede einzelne Sekunde meiner Panik.

Ich hielt es nicht mehr aus, der Raum schien immer kleiner zu werden. Die Erinnerung an seine heiße Haut und die brutale Art, wie er mich aufgerissen hatte, überschwemmte mein Gehirn.

Ich schob meinen Stuhl zurück, und alle verstummten. „Entschuldigt mich“, sagte ich mit zitternder Stimme. „Mir geht es nicht besonders gut, ich muss an die frische Luft.“

Ich wartete nicht auf eine Antwort. Ich drehte mich um und rannte praktisch aus dem Speisesaal.

Ich ging schnell den Flur entlang, ich musste einfach nur in mein Zimmer, die Tür abschließen und mich verstecken. Wie konnte das passieren? Von allen Männern im ganzen Land musste ich ausgerechnet mit Matteos verhasstem Bruder schlafen?

Plötzlich hörte ich schwere Schritte hinter mir. Bevor ich mich umdrehen konnte, schloss sich eine große Hand um mein Handgelenk. Der Griff war fest und unglaublich heiß. Er drehte mich so schnell herum, dass ich das Gleichgewicht verlor.

„Hey!“, keuchte ich.

Enzo hielt nicht inne. Er drang in meinen persönlichen Raum ein, sein massiger Körper bedrängte mich und zwang mich, rückwärts zu gehen, bis mein Rücken gegen die Wand des Flurs stieß.

Er trat direkt zwischen meine Beine und drückte mich dort fest.

Der Schock, als sein Körper gegen meinen drückte, ließ mir den Atem stocken. Er war so groß, seine Brust fühlte sich wie eine Wand aus festem Fels an, die gegen meine weichen Brüste drückte. Er drückte seinen Oberschenkel direkt zwischen meine Beine, der dicke Muskel rieb direkt an meiner Mitte. Ich hatte noch immer Schmerzen von seiner rauen Behandlung, und die plötzliche Reibung schickte einen scharfen, elektrisierenden Blitz purer Hitze direkt in mein Innerstes.

Mein Körper verriet mich augenblicklich. Mein Innerstes verkrampfte sich und wurde innerhalb von Sekunden heiß und feucht.

Er beugte sich vor und hielt mich fest, indem er seine beiden großen Hände an die Wand neben meinem Kopf legte. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Er roch nach teurem Parfüm, Whiskey und Gefahr.

„Willst du schon so schnell weg, Bella?“, flüsterte er, ein verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen. „Du hast nicht einmal dein Abendessen aufgegessen.“

„Geh weg von mir“, hauchte ich und drückte meinen Rücken fester gegen die Wand. Mein Herz schlug so schnell, dass ich dachte, es würde mir die Rippen zerbrechen.

„Warum?“ Er beugte sich näher heran, seine Nase streifte meine Wange. Er holte tief Luft und atmete meinen Duft ein. „Du riechst immer noch nach mir.“

„Wenn Matteo das herausfindet …“

„Matteo ist ein blinder Idiot“, unterbrach Enzo mich, „er saß zwanzig Minuten lang direkt neben dir und hat nicht einmal bemerkt, dass du kaum still sitzen kannst. Er weiß nicht, dass du wund bist, aber ich weiß es.“

Er schob sein Bein nach oben und drückte fester gegen meine Leistenbeuge.

Ich stieß einen leisen, erstickten Schrei aus, meine Augen flatterten für einen Moment zu. Es fühlte sich zu gut an, es war erschreckend, wie sehr ich mir wünschte, er würde es noch einmal tun.

Enzo lachte leise und arrogant. „Siehst du? So empfindlich. Vor ein paar Stunden hast du mich noch angefleht, dich zu ruinieren. Jetzt willst du die unschuldige Ehefrau spielen?“

Ich öffnete die Augen und starrte ihn wütend an, während ich die schwere Lust unterdrückte, die mein Gehirn benebelte. „Hör mir ganz genau zu“, flüsterte ich heftig. „Letzte Nacht war ein Fehler. Ich war wütend, ich litt, und ich habe eine dumme Entscheidung getroffen. Es hat nichts zu bedeuten. Du wirst dich von mir fernhalten.“

„Du wirst nicht in der Lage sein, dich von mir fernzuhalten“, flüsterte er und jagte mir einen heftigen Schauer über den Rücken. Er zog sich zurück, zwinkerte mir ein letztes Mal arrogant zu und ging den Flur hinunter.

Ich stand eine ganze Minute lang wie angewurzelt an der Wand, nachdem er verschwunden war. Ich versuchte, einen Schritt nach vorne zu machen, aber meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Ich klammerte mich an die Kante eines nahegelegenen Tisches, um mich zu stützen, während meine Brust heftig auf und ab ging.

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