Masuk„Tötet ihn, bevor die Veränderung abgeschlossen ist.“ Victors Befehl hallte über das Schlachtfeld. Die feindlichen Wölfe stürmten los. Kaelen hatte kaum Zeit zu atmen, bevor der erste Krieger ihn erreichte. Er duckte sich unter einer Klaue hinweg, rammte seine Schulter gegen die Brust des Wolfes und schleuderte ihn gegen einen anderen Angreifer. „Bleib zurück!“, rief Darius. Kaelen ignorierte ihn. Er konnte es nicht. Jeder Omega hinter ihm beobachtete ihn voller Angst. Mira stand zwischen ihnen, ihre blauen Augen fest auf ihn gerichtet. Kaelen spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. Er würde nicht zulassen, dass jemand sie anfasste.
Drei Wölfe griffen gleichzeitig an. Kaelen wirbelte herum, blockte einen Schlag und schleuderte einen anderen Wolf zu Boden. Der dritte erwischte ihn an den Rippen. Er taumelte. Blut lief an seiner Seite hinab. „Kaelen!“, schrie Mira. Seine Sicht verschwamm. Dann kehrte die seltsame Hitze zurück. Sie breitete sich von seiner Brust in seine Arme, seine Wirbelsäule und schließlich bis in seine Augen aus. Seine Krallen wurden länger. Seine Muskeln spannten sich an. Sein Herzschlag wurde ohrenbetäubend laut. Der Wolf in ihm brüllte. Kämpfe.
Kaelen hob den Kopf. Der feindliche Wolf stürmte auf ihn zu. Kaelen packte ihn an der Kehle und hob ihn vom Boden. Die Augen des Kriegers weiteten sich. „Du bist ein Omega!“, keuchte er. „Ich weiß.“ Kaelen schleuderte ihn zur Seite. Ein weiterer Angreifer kam von hinten. Kaelen drehte sich um, bevor der Wolf zuschlagen konnte. Er packte den Krieger und rammte ihn in den Boden.
Auf dem Schlachtfeld wurde es plötzlich unheimlich still. Selbst die feindlichen Wölfe begannen zu zögern. Victor starrte Kaelen von der anderen Seite der Lichtung an. „Unmöglich.“ Ronan wischte sich Blut vom Mund. „Du wusstest, dass das passieren würde.“ Victors Gesicht verhärtete sich. „Ich wusste, dass etwas passieren würde.“ „Warum hast du ihn gejagt?“, verlangte Ronan zu wissen. Victor sah Kaelen an. „Weil ein Omega, der den Biss eines Alphas überlebt, bereits gefährlich ist.“
Kaelen trat vor. „Dann sag mir, was ich bin.“ Victor lächelte kalt. „Frag den Alpha, der dich erschaffen hat.“ Kaelen wandte sich Ronan zu. „Er hat recht. Sag es mir.“ Ronans Kiefer spannte sich an. „Nicht hier.“ „Dann wo?“ „An einem Ort, an dem du nicht hören kannst, was deine Feinde dir einreden wollen.“ Victor lachte. „Beschützt du ihn immer noch, Ronan?“ Ronans rote Augen blitzten auf. „Ich beschütze alle vor dir.“
Victor verwandelte sich plötzlich. Sein gewaltiger Wolf sprang auf ihn zu. Ronan verwandelte sich ebenfalls, und die beiden Alphas prallten erneut aufeinander. Ihr Kampf zog sich quer über die Lichtung.
Kaelen beobachtete sie einen Moment lang, bevor er hinter sich einen Schrei hörte. Ein feindlicher Wolf hatte Mira gepackt. „Lass sie los!“, brüllte Kaelen. Der Wolf presste eine Klaue an ihre Kehle. „Komm näher und sie stirbt.“ Kaelen erstarrte. Mira sah ihn an. „Tu es nicht.“ Der Wolf lächelte. „Du sorgst dich um sie.“ Kaelens Augen verengten sich. „Sie steht unter meinem Schutz.“ „Du kennst sie kaum.“ „Das reicht.“
Kaelen machte einen weiteren Schritt. Der Wolf hob seine Klaue. „Noch einen Schritt.“ Plötzlich rammte Mira ihren Ellbogen nach hinten in seine Rippen. Sein Griff lockerte sich. Kaelen reagierte sofort. In einem Augenblick überbrückte er die Entfernung und schleuderte den Krieger zu Boden. Der Wolf versuchte aufzustehen, doch Kaelen hielt ihn fest. „Wer hat euch geschickt?“, verlangte Kaelen. Der Wolf lachte durch seine blutverschmierten Zähne. „Du glaubst wirklich, dass es hier um dich geht?“ „Wer hat euch geschickt?“ „Deine Blutlinie.“
Kaelen erstarrte. „Welche Blutlinie?“ Der Wolf lächelte. „Frag deine Mutter.“ Dann biss er mit aller Kraft zu. Sein Körper wurde schlaff. Kaelen starrte ihn schockiert an.
Bevor er die Worte verarbeiten konnte, eilte Mira zu ihm. „Bist du verletzt?“ Kaelen sah sie an. „Mir geht es gut.“ Sie berührte das Blut an seinen Rippen. „Nein, tut es nicht.“ „Es ist nichts.“ „Das sagst du immer.“
Ihre Finger verweilten auf seiner Haut. Die Nähe zwischen ihnen kehrte zurück, selbst mitten im Chaos. Kaelen ergriff ihre Hand. „Mira …“ Sie sah ihm in die Augen. „Du wärst beinahe gestorben.“ „Du auch.“ „Ich will dich nicht verlieren.“ Ihre Stimme zitterte.
Kaelen zog sie näher. Ihre Lippen trafen sich. Der Kuss war intensiv, erfüllt von Angst, Erleichterung und all den Gefühlen, die sie nicht ausgesprochen hatten. Als sie sich voneinander lösten, legte Mira ihre Stirn an seine. „Deine Wunden schließen sich bereits.“ Kaelen blickte nach unten. Die Blutung hatte fast aufgehört. „Vielleicht hatte Darius mit der schnellen Heilung von Omegas recht.“ Mira lächelte. „Vielleicht.“
Kaelen strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Danke, dass du geblieben bist.“ „Ich habe es dir doch gesagt. Ich werde dich nicht verlassen.“ Ihre Blicke trafen sich erneut. Die Spannung zwischen ihnen wurde stärker. Kaelen küsste sie noch einmal, diesmal langsamer, und ließ sich für einen Moment von der Nähe forttragen, weit weg von der Gewalt um sie herum. Mira schlang ihre Arme um ihn. Für einige kostbare Sekunden gab es nur Wärme und den gleichmäßigen Rhythmus ihres Atems.
Dann zerriss ein Heulen den Moment. Kaelen drehte sich um. Ronan stand einige Meter entfernt und war mit Blut bedeckt. Victor war verschwunden. „Der Kampf ist vorbei“, sagte Ronan. Kaelen ließ Mira los und wandte sich ihm zu. „Wo ist Victor?“ „Verschwunden.“ „Warum hast du ihn entkommen lassen?“ Ronans Gesicht wurde dunkler. „Weil er nicht hier war, um zu gewinnen.“ Kaelen runzelte die Stirn. „Weshalb war er dann hier?“ Ronan sah direkt in seine blauen Augen. „Um zu bestätigen, dass das Erwachen begonnen hat.“
Kaelens Magen zog sich zusammen. „Welches Erwachen?“ Ronan trat näher. „Die Veränderung in dir.“ Kaelens Hände verkrampften sich. „Werde ich ein Alpha?“ Ronan antwortete nicht sofort. Sein Schweigen war Antwort genug. Kaelens Herz begann zu rasen. „Sag es mir.“
Ronan sprach schließlich. „Dein Körper entwickelt Eigenschaften eines Alphas.“ Darius starrte ihn ungläubig an. „Aber er ist ein Omega.“ „Das war er“, erwiderte Ronan.
Kaelen hatte das Gefühl, dass sich die Welt unter seinen Füßen neigte. „War?“ Ronan nickte. „Deine Augen haben sich noch nicht verändert. Dein Körper hat die Verwandlung noch nicht abgeschlossen.“
Kaelen betrachtete seine Hände. „Was passiert, wenn sie abgeschlossen ist?“ Ronans Gesicht wurde ernst. „Wenn dein Körper die Veränderung akzeptiert, wirst du zu etwas, das diese Welt seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hat.“
Bevor Kaelen eine weitere Frage stellen konnte, durchfuhr ein stechender Schmerz seine Brust. Er fiel auf die Knie. Seine Adern schienen unter seiner Haut zu brennen. Seine Krallen gruben sich in die Erde. Seine Augen leuchteten blau auf, dann rot und anschließend wieder blau.
Ronans Gesicht wurde blass. „Alle weg von ihm.“
Kaelen schrie, als eine weitere Welle von Energie aus seinem Körper explodierte. Der Boden riss unter seinen Knien auf. Darius stolperte rückwärts. Mira streckte die Hand nach ihm aus. „Kaelen!“
Ronan packte ihren Arm. „Fass ihn nicht an!“
„Warum?“, verlangte Mira.
Ronan starrte Kaelen voller Entsetzen an. „Weil die nächste Stufe seiner Verwandlung, wenn ich recht habe, jeden töten könnte, der in seiner Nähe steht.“
Kaelen hob den Kopf. Seine Augen waren immer noch blau. Doch um seine Pupillen hatte sich etwas Goldenes gebildet.
Ronan flüsterte ein einziges Wort.
„Unmöglich.“
Die Festung von Veyra war still geworden. Der Staub, der noch wenige Minuten zuvor durch die zerstörten Hallen gezogen war, begann sich langsam zu legen. Überall lagen zerbrochene Steine, Waffen und Spuren des Kampfes. Die Wölfe, die Malric kontrolliert hatte, standen verstreut in der Halle. Niemand kämpfte mehr. Niemand kniete. Zum ersten Mal seit langer Zeit waren sie frei. Kaelen stand in der Mitte der zerstörten Festung und sah auf seine Hände. Seine Kraft fühlte sich anders an. Früher hatte sie sich wie eine Welle angefühlt, die jeden Wolf in seiner Nähe erreichen konnte. Jetzt war diese Welle still geworden. Er konnte die Wölfe noch spüren, aber er konnte sie nicht mehr zwingen. Und zum ersten Mal störte ihn das nicht. Ronan trat neben ihn. Du hast es geschafft. Kaelen schüttelte langsam den Kopf. Nein. Wir haben es geschafft. Ronan lächelte leicht. Du musst nicht immer alles allein tragen. Kaelen sah ihn an. Das habe ich langsam verstanden. Hinter ihnen näherte sich Elara. Sie
Kaelen stand mitten in der zerstörten Halle und starrte auf den schwarzen Abdruck am Boden. Noch vor wenigen Sekunden hatte seine Mutter dort gestanden. Jetzt war sie verschwunden. Keine Spur von ihr. Kein Geräusch. Nicht einmal ihr Geruch war noch deutlich wahrnehmbar. Nur die kalte Energie, die von dem schwarzen Zeichen ausging, erinnerte daran, dass sie überhaupt hier gewesen war. Kaelen ging langsam auf das Zeichen zu. Er kniete sich hin und berührte den Stein. Sofort schoss ein brennender Schmerz durch seine Hand. Er zog sie zurück. Das ist kein normales Portal, sagte Lucian hinter ihm. Kaelen drehte sich um. Du weißt, wohin sie gebracht wurde. Lucian versuchte aufzustehen. Seine Bewegungen waren langsam. Blut lief an seiner Schläfe hinunter. Ja. Wohin. In die Tiefe. Kaelen verstand die Worte nicht. Welche Tiefe. Lucian sah ihn direkt an. Unter Veyra gibt es etwas, das älter ist als der Mondtempel. Etwas, das selbst die ersten wahren Alphas gefürchtet haben. Kaelens Vater wurde b
Die Armee von Malric stürmte durch die Tore der Festung und innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die große Halle in ein Schlachtfeld. Klauen trafen auf Schwerter, Wölfe sprangen über die steinernen Treppen und Schreie hallten zwischen den alten Mauern wider. Kaelen stand mitten im Chaos und spürte jede Bewegung um sich herum. Es waren nicht nur die Geräusche, die er wahrnahm. Er konnte die Wölfe fühlen. Hunderte von Herzen schlugen gleichzeitig. Hunderte von Wölfen kämpften. Doch etwas war anders. Ihre Bewegungen wirkten leer. Sie kämpften nicht aus Überzeugung. Sie kämpften, weil sie dazu gezwungen wurden. Kaelen sah Malric am anderen Ende der Halle stehen. Malric bewegte nur leicht seine Hand und mehrere Wölfe änderten gleichzeitig ihre Richtung. Sie griffen Darius an. Darius wich einem Biss aus und schlug einen Angreifer mit dem Griff seiner Waffe zurück. Was zur Hölle macht er mit ihnen. Kaelen verstand es sofort. Er kontrolliert sie. Ronan stellte sich neben ihn. Dann müss
Kaelen stand Lucian gegenüber und spürte die Spannung in der Halle wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen. Niemand bewegte sich. Selbst der Wind draußen schien für einen Moment verschwunden zu sein. Lucian stand ruhig am anderen Ende der Halle, während seine roten Augen auf Kaelen gerichtet waren. Hinter Kaelen standen Ronan, Elara, Darius und seine Eltern. Der graue Wolf stand etwas abseits und beobachtete Lucian mit einem tiefen Knurren. Kaelen konnte spüren, dass dieses Knurren nicht nur Wut war. Der Wolf erinnerte sich an ihn. Er erinnerte sich an das Ritual. An die Schmerzen. An Lucian. Kaelen hob langsam die Hand. Bleibt zurück. Ronan sah ihn an. Du willst allein gegen ihn kämpfen. Kaelen schüttelte den Kopf. Nein. Aber ich muss zuerst verstehen, was er von mir will. Lucian lächelte. Endlich stellst du die richtige Frage. Kaelen sah ihn kalt an. Dann antworte. Lucian ging langsam durch die Halle. Du glaubst, ich hätte deine Familie zerstören wollen. Das stimmt nicht. Ich woll
Der Morgen war noch nicht angebrochen als Kaelen mit den anderen den zerstörten Mondtempel verließ. Hinter ihnen stürzten die letzten Teile des alten Gebäudes ein und verschwanden unter einer gewaltigen Staubwolke. Der Boden unter ihren Füßen bebte noch immer. Niemand sprach. Jeder versuchte zu verstehen was gerade geschehen war. Der Leerenwolf, den die ersten wahren Alphas einst gefürchtet hatten, lief nun neben Kaelen her. Er war nicht mehr das riesige schwarze Wesen aus der Tiefe. Sein Fell war grau geworden und seine Augen hatten ihre leere Dunkelheit verloren. Trotzdem war er noch gewaltig groß. Wenn er neben Ronan lief, wirkte selbst der Alpha der Blackwoods kleiner als gewöhnlich. Kaelen blickte immer wieder zu ihm. Er konnte noch immer die schwache Verbindung spüren. Nicht wie bei einem gewöhnlichen Rudelmitglied. Es war etwas anderes. Der Wolf folgte ihm nicht aus Zwang. Er folgte ihm aus freiem Willen. Kaelens Mutter ging neben ihm. Zum ersten Mal seit seiner Kindheit lief K
Der Boden unter Kaelens Füßen bebte erneut. Ein tiefer Laut drang aus den Rissen im Stein, und diesmal klang er nicht wie das Brüllen eines gewöhnlichen Tieres. Es klang wie etwas, das seit Jahrhunderten geschlafen hatte und nun wütend darüber war, geweckt worden zu sein. Kaelen stand mitten in der Halle und sah auf die riesige Klaue, die sich langsam aus dem aufgebrochenen Boden schob. Schwarze Schuppen bedeckten sie. Jede einzelne war größer als seine Hand. Dunkle Energie kroch zwischen den Rissen des Steins hervor und legte sich wie Rauch über den Boden. Ronan verwandelte sich vollständig und stellte sich vor Elara. Darius zog sein Schwert und positionierte sich auf der anderen Seite. Kaelens Mutter hob ihre Waffe. Sein Vater sah nicht auf das Wesen. Er sah Kaelen an. Du musst dich zurückziehen. Kaelen schüttelte den Kopf. Nein. Wir können es nicht einfach hier lassen. Du verstehst nicht, was das ist. Dann erklär es mir. Sein Vater öffnete den Mund, doch seine Mutter kam ihm zuvor.







