Die Nacht war schon lange über das Krankenhaus hereingebrochen. Zu dieser Stunde schienen die Flure in einem milchigen Halbdunkel zu schweben. Die Neonröhren des Tages waren durch sanftere Wandleuchten ersetzt worden, doch ihr fahlweißes Licht ließ den Ort nur noch trostloser wirken. Man hörte fast nichts, außer dem Summen der Maschinen, dem fernen Rollen eines Wagens, hin und wieder ein ersticktes Husten hinter einer Tür, manchmal ein schrillerer Piepton, der daran erinnerte, dass der Schmerz niemals wirklich schlief. In ihrem Zimmer hatte Clarisse die Augen geöffnet. Sie weinte nicht mehr. Ihre Tränen waren versiegt, verbrannt irgendwo zwischen dem Besuch ihrer Eltern, der Scham, der Erschöpfung und dem Ekel. Sie starrte an die Decke, ohne sie wirklich zu sehen. Ihre Gedanken drehten sich nicht einmal mehr richtig. Alles, was sie spürte, war dieses Gewicht in ihrer Brust, diese kalte, harte, dringende Gewissheit: Sie musste gehen. Heute Nacht. Nicht morgen früh. Nicht nach d
Last Updated : 2026-08-20 Read more