MAËVA Das Morgenlicht fällt durch die Vorhänge, blass und schneidend. Ich gehe lautlos durch den Flur, barfuß auf dem kalten Parkett. Jeder Schritt hallt wie ein Vergehen. Die Tür hinter mir ist angelehnt geblieben, jene, in der ich gerade Raphaël zurückgelassen habe, sitzend am Rande der Stille. Ich gehe geradewegs ins Badezimmer, als könnte das Wasser alles reinwaschen. Der Spiegel wirft mir ein Gesicht zurück, das ich nicht mehr erkenne: die Wangen gerötet, die Augen geschwollen, die Lippen noch gezeichnet. Ich wende den Blick ab, öffne den Wasserhahn. Das Wasser fließt, klar, gleichgültig. Ich steige in die Dusche, ohne zu warten, bis es warm wird. Der erste Kontakt ist brutal. Die Kälte entreißt mir einen stummen Schrei, dann lasse ich es geschehen. Das Wasser rinnt über meine Haut, zieht unsichtbare Bahnen, nimmt alles mit, was es kann – außer der Scham. Ich schrubbe, wieder und wieder, bis meine Haut brennt. Aber der Geruch ist da, hartnäckig, unsichtbares Phantom v
最終更新日 : 2026-05-10 続きを読む