Emmas SichtDer Montagmorgen-Himmel war in ein stumpfes, blutunterlaufenes Grau gehüllt, das das schwere Gefühl in meiner Brust perfekt widerspiegelte. Ich hatte kaum geschlafen; mein Handy diente mir als kalte, rechteckige Erinnerung an Lucas Schweigen. Als Hannah am Bordstein vorfuhr, um mich zu unserer frühen Vorlesung abzuholen, musste ich mir ein falsches Lächeln aufsetzen, nur um die Begrüßung zu überstehen.„Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen“, bemerkte Hannah, während sie den Gang einlegte und in Richtung des Geisteswissenschaften-Gebäudes steuerte.„Nur eine lange Nacht voller Lernen“, log ich, und die Worte schmeckten nach Kupfer.Die Vorlesung war ein einziges Verschwimmen aus Folien und monotonen Notizen. Sobald uns der Professor entließ, spürte ich eine seltsame, magnetische Anziehungskraft in Richtung des Sporttraktes auf dem Campus. Als wir den Innenhof überquerten, sah ich ihn – eine große, breitschultrige Gestalt in einem dunklen Hoodie, die mit gesenk
Read more