Das sechzigste Kapitel eines Lebens ist kein Ort, dem die Welt besondere Bedeutung beimisst. Es ist kein Jubiläum. Es ist kein Wendepunkt, der von außen erkennbar ist. Es ist einfach ein weiterer Morgen, ein weiteres Aufwachen, ein weiterer Beginn, der sich von allen vorherigen Beginnen dadurch unterscheidet, dass er nach neunundfünfzig anderen Kapiteln kommt und damit von einem anderen Ort aus schaut. Clara hielt inne an einem Januarmorgen des sechsten Jahres, nicht weil der Kalender es forderte und nicht weil ein besonderes Ereignis es verlangte. Sie hielt inne, weil sie bemerkt hatte, dass das Innehalten, das bewusste Stehen und Schauen, eine Praxis war, die Früchte trug, die man sich anders nicht sichern konnte. Die Praxis des Schauens war eine Form der Arbeit, auch wenn sie von außen wie Nichtstun aussah. Sie saß an ihrem Schreibtisch im Büro, früh, vor den anderen, in der Stunde, die ihr gehörte. Das Januarlicht kam durch die Fenster, das erste, klare Licht des Jahres, das no
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