Antoine Es ist ein Galadinner. Ein Wohltätigkeitsdinner, hat Gabriel gesagt, Investoren, Kritiker, Sterneköche. Eine gesellschaftliche Verpflichtung, der er sich nicht entziehen kann. Wir sind dreißig an einem riesigen Tisch, in einem für den Anlass privatisierten Restaurant, eine Kulisse aus Kristall und Silber, weiße Tischdecken, Kerzenleuchter, mit militärischer Präzision ausgerichtetes Besteck. Ich sitze zu Gabriels Rechten, was eine Ehre ist, was eine Erklärung ist. Zu seiner Linken: Raphaël. Denn Raphaël ist da, natürlich. Er ist überall, immer, sein schwebendes Lächeln, seine leuchtenden grünen Augen, seine magnetische Präsenz, die alle Blicke anzieht. Das Essen ist eine Parade erhabener Speisen, winzige, perfekte Teller, seltene, gereifte Weine. Aber ich schmecke nichts. Ich bin unfähig zu essen, unfähig zu trinken, unfähig, den Gesprächen zu folgen. Mein Geist ist woanders, oder vielmehr: Mein Geist ist unterhalb. Unter dem Tisch. Denn alles hat in den ersten Augenblicke
Last Updated : 2026-09-06 Read more