Share

4 – DIE HOCHZEIT

Penulis: Faith Pearl
last update Tanggal publikasi: 2026-08-27 00:30:52

„Nehmen Sie, Valerius Vance, diese Frau zu Ihrer rechtmäßig angetrauten Ehefrau?“

Die Stimme der Standesbeamtin enthielt nicht den geringsten Hauch von Feierlichkeit.

Es war im New York City Hall. Sechs Uhr fünfzehn am Morgen.

Im Inneren standen zwei Sicherheitsleute in Stiefeln nahe den Türen und hielten die Pressevertreter zurück, die sich bereits draußen versammelt hatten.

„Ja“, sagte Valen.

Seine Stimme zitterte nicht. Er trug einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Wollmantel über einem schwarzen Hemd ohne Krawatte und sah eher aus wie ein Henker, der einen Hinrichtungsbefehl unterschrieb, als wie ein Bräutigam vor dem Altar.

Die Standesbeamtin sah nicht von ihren Unterlagen auf. Ihr Daumen drückte einen offiziellen Stempel auf die Heiratsurkunde.

„Und Sie, Serafina Croft, nehmen Sie diesen Mann zu Ihrem Ehemann?“

Sera stand neben ihm in ihrem scharf geschnittenen weißen Hosenanzug, ihre Finger blass um das Geländer gelegt.

„Ja.“

„Hier, hier und hier unterschreiben … Ringe.“

Valen griff in seine Manteltasche und holte eine kleine schwarze Samtschachtel hervor. Er öffnete den Verschluss. Darin lag ein schwerer, zehn Karat großer schwarzer Diamant, eingefasst in einen minimalistischen Platinring – roh und gefährlich in seinem Design.

Er nahm ihre linke Hand. Seine warmen, breiten Finger schlossen sich um ihre kalten.

Als der schwere Ring über ihren Knöchel glitt, strich sein Daumen über die empfindliche Haut ihres Handrückens.

Die Berührung riss sie augenblicklich fünf Jahre zurück. Der plötzliche Geruch von regengetränktem Zedernholz. Das Gefühl rauer Hände, die sie unter einem tropfenden Pavillon in die Schatten zogen.

Sie erinnerte sich an die Wärme eines Mundes, der sich im Dunkeln auf ihren presste, und an ein Flüstern, das ihr versprochen hatte, dass er, ganz gleich, wen sie heiraten würde, um die Firma ihres Vaters zu retten, die ganze Welt auseinanderreißen würde, um sie zurückzuholen.

Die Erinnerung verschwand genauso schnell, wie sie gekommen war, zerschmettert vom harten Klacken des Metallstempels der Standesbeamtin, der auf den Tisch traf.

„Sie sind verheiratet. Kopien werden Ihnen in zwei Wochen zugeschickt … Nächster.“

Valen ließ ihre Hand nicht los. Stattdessen zog er sie ein wenig näher zu sich. Seine dunklen Augen ruhten auf ihrem Gesicht und suchten nach einer Reaktion.

„Deine Hand ist eiskalt, Ehefrau.“

„Die Heizung in diesem Gebäude ist vor ein paar Minuten ausgefallen“, erwiderte Sera und zog ihre Finger aus seinem Griff, obwohl sich der schwere schwarze Stein an ihrem Ringfinger wie ein Anker anfühlte.

Sie traten hinaus in das Morgenlicht.

Unten auf der Straße gingen Dutzende Blitzlichter gleichzeitig los und verwandelten den nassen Asphalt in ein blendendes Meer aus weißem Licht. Eine Schar Reporter stürmte auf die Absperrungen zu, wurde jedoch von Viktor und drei weiteren hochgewachsenen Vance-Sicherheitsleuten zurückgedrängt.

„Mrs. Sterling! Stimmt es, dass Cassius letzte Nacht die Scheidung eingereicht hat?“

„Serafina! Bestätigen Sie die Betrugsvorwürfe in Höhe von vierzig Millionen Dollar?“

„Valerius! Welche Verbindung haben Sie zu den Konten des Vance-Syndikats?“

Valen ignorierte die Rufe. Sein Arm schloss sich fest um Seras Taille, während er sie durch die wogende Menge zum wartenden SUV führte.

Er öffnete selbst die hintere Tür und geleitete sie hinein, bevor er neben ihr einstieg.

Die Tür fiel mit einem schweren, luftdichten Zischen ins Schloss und schnitt das ohrenbetäubende Gebrüll der Medien ab.

Noch bevor der Fahrer überhaupt den Wagen in Bewegung setzen konnte, vibrierte Seras Handy heftig in ihrer Handfläche.

Auf dem Display leuchteten siebenunddreißig verpasste Anrufe und eine Flut eingehender Nachrichten auf.

„WALL STREET JOURNAL: CEO VON STERLING ENTERPRISES IM ZUGE VON BETRUGSPRÜFUNG ABGESETZT“

„PAGE SIX: EHEMALIGE MRS. STERLING HEIRATET IM MORGENGRAUEN DEN PERSÖNLICHEN ASSISTENTEN IHRES EHEMANNES“

„BLOOMBERG: VANCE GLOBAL ÜBERNIMMT MEHRHEITSANTEIL AN STERLING-VERMÖGENSWERTEN“

Sera wischte die Benachrichtigungen weg. Dabei fiel ihr Blick auf eine direkte Nachricht von einer nicht registrierten Nummer.

„Cassius: Du glaubst, du hättest mich ausgetrickst? Du hast einen Mafiahund geheiratet, Sera. Ich werde jeden Cent einfrieren, den du aus der Firma herauszuziehen versuchst. Du wirst im Gefängnis landen.“

Sera tippte schnell eine Antwort, ohne aufzusehen.

„Sera: Sieh in dein Hauptbetriebskonto, Cassius. Die Firma gehört dir nicht mehr.“

Sie warf das Handy auf den Sitz zwischen ihnen.

Valen beobachtete sie von seiner Seite des Wagens aus, die Finger entspannt auf seinem Knie ruhend.

„Er wird zu seiner Mutter gehen“, sagte Sera ausdruckslos und starrte durch die Scheibe, während Manhattan in einer verschwommenen Masse aus Gebäuden an ihnen vorbeizog. „Evelyn Sterling besitzt die Notfall-Anleiheklauseln der Firma. Sie war es, die vor drei Jahren die Offshore-Überweisungen genehmigt hat, um Cassius vor der ersten Prüfung zu retten.“

„Evelyn Sterling sitzt derzeit in einem privaten Raum im St. Regis. Sechs Bundesbeamte, die ihr die gerichtlichen Dokumente zustellen sollen, warten in der Lobby“, bemerkte Valen mit glatter, kühler Stimme. „Ihre privaten Telefonleitungen wurden vor zwei Stunden abgehört. Bis Mittag werden ihre ausländischen Vermögenswerte gemäß dem Antikorruptionsgesetz eingefroren sein.“

Sera drehte den Kopf und sah ihn an.

„Du hast das alles vorbereitet, bevor ich überhaupt die Scheidungspapiere unterschrieben habe?“

„Ich habe es an dem Tag vorbereitet, an dem Cassius dir den Ring an den Finger gesteckt hat“, sagte Valen.

Seine Augen trafen ihre mit einer unbeirrbaren Intensität, die die Luft im Wagen eng erscheinen ließ.

„Ich habe es dir gesagt, Sera. Ich überlasse nichts dem Zufall.“

Zwanzig Minuten später fuhr der SUV in die Tiefgarage unter dem Vance-Anwesen in Upper Manhattan.

Das massive Tor schloss sich hinter ihnen und sperrte den Lärm der Stadt aus.

Viktor öffnete die Beifahrertür und überreichte Valen einen verschlüsselten Aktenkoffer, bevor er wieder in die Schatten der Garage zurücktrat.

Valen führte sie mit dem privaten Aufzug direkt in die Master-Suite im obersten Stockwerk.

Das Apartment war riesig, minimalistisch und wie eine Festung gebaut.

„Deine Sachen wurden vor einer Stunde aus deinem Stadthaus hierher gebracht“, sagte Valen und deutete auf das Ankleidezimmer, wo ihre Koffer ordentlich neben einem in die Wand eingelassenen Safe standen. „Das Arbeitszimmer ist für das Personal tabu. Dein persönlicher Freigabecode für die Haussicherheit ist eingerichtet.“

Er ging zu seinem Schreibtisch, knöpfte seinen Mantel auf und warf ihn über einen Stuhl.

„Um zehn habe ich ein Treffen mit dem Rat des Syndikats. Ruh dich aus … eine lange Woche liegt vor dir.“

Er verließ den Raum. Die Tür fiel hinter ihm mit einem leisen Klicken ins Schloss.

Sera blieb einen Moment in dem stillen Raum stehen. Das Gewicht des schwarzen Diamantrings lag schwer auf ihrer linken Hand.

Sie ging zum Ankleidebereich. Ihr Blick fiel auf den in die Wandverkleidung eingelassenen Safe.

Das digitale Tastenfeld leuchtete schwach rot.

Sera trat näher und untersuchte den Verriegelungsmechanismus.

Es war ein Doppeltastenfeldsystem in Militärqualität, ausgelegt für streng geheime Sicherheitsdateien.

Doch unter der digitalen Oberfläche befand sich ein kleines manuelles Schlüsselloch – eine zusätzliche mechanische Notfallvorrichtung.

Sera griff in ihre Tasche und zog einen kleinen Spannhaken aus Stahl und einen dünnen Dietrich aus dem Innenfutter ihrer Jacke.

Werkzeuge, deren Gebrauch ihr Vater ihr beigebracht hatte, bevor er verschwunden war.

Sie ging auf ein Knie und führte den Spannhaken in das Schlüsselloch ein.

Mit geübtem, vorsichtigem Druck ertastete sie die Stifte im Inneren des Schlosses.

Klick.

Klick.

Klick.

Der mechanische Riegel gab mit einem leisen dumpfen Geräusch nach.

Das digitale Display wurde umgangen. Ein grünes Licht erhellte die Tür, als diese sich um wenige Zentimeter öffnete.

Darin lagen drei Festplatten, zwei Stapel Inhaberschuldverschreibungen und eine mit einem Band verschnürte Schachtel.

Sera griff hinein und nahm die Schachtel heraus.

Sie hob den Deckel.

Darin lag ein Stapel gefaltetes gelbes Papier, bedeckt mit ihrer eigenen, unverwechselbaren, eleganten Handschrift.

Sera nahm den obersten Brief. Ihre Finger zitterten leicht, als sie das Blatt auseinanderfaltete.

Das Datum oben stammte von vor sechs Jahren, Monate bevor sie Cassius Sterling überhaupt kennengelernt hatte – damals, als die Firma ihres Vaters gerade begann, auseinanderzufallen.

„Valen“, stand dort in ihrer eigenen Handschrift. „Ich kann dich nicht mehr sehen. Das Geld, das du mir angeboten hast, ist schmutzig. Mein Vater hat herausgefunden, wer deine Familie ist, und geschworen, dich den Behörden auszuliefern, wenn du dich mir noch einmal näherst. Vergiss mich.“

Sera starrte auf die Tinte.

Die Handschrift war exakt ihre eigene – die schrägen Linien, die unverwechselbaren Schleifen bei den „t“, der enge Abstand zwischen den Wörtern.

Aber sie hatte diesen Brief nie geschrieben.

Und sie hatte diese Worte nie gesagt.

Sie wühlte tiefer in der Schachtel und zog eine kleine bespielbare Mikrokassette hervor, die mit ihrem Namen und der Telefonnummer ihres früheren Festnetzanschlusses beschriftet war.

Sie nahm einen kleinen tragbaren Kassettenrekorder, der auf dem Eckregal des Safes lag, legte die Kassette ein und drückte auf Play.

Eine von statischem Rauschen durchzogene Aufnahme erklang aus dem kleinen Lautsprecher.

„Ich liebe ihn nicht, Mrs. Evelyn“, erklang ihre eigene Stimme klar aus dem Gerät. „Valen bedeutet mir nichts. Er ist nur eine Ablenkung. Ich werde Cassius heiraten. Sorgen Sie nur dafür, dass Valen mich nie wieder kontaktiert.“

Sera schlug auf die Stopptaste.

Kalte Luft schoss wie flüssiges Eis in ihre Lungen.

Sie erinnerte sich an jenen Nachmittag vor sechs Jahren.

Sie hatte in Evelyn Sterlings privatem Raum gesessen und um einen Unternehmenskredit gebeten, um ihren Vater vor dem Gefängnis zu bewahren.

Evelyn hatte ihr Dutzende belanglose Fragen über ihr Privatleben gestellt.

Evelyn hatte ihre Ehe mit Cassius nicht nur arrangiert, um die Firma ihres Vaters zu retten.

Sie und Cassius hatten Seras Stimme zusammengeschnitten, ihre Handschrift gefälscht und die gefälschten Briefe direkt an Valen geschickt, um sie beide auseinanderzureißen, bevor ihr Bündnis überhaupt beginnen konnte.

Hinter ihr klickte die Tür des Schlafzimmers auf.

Valen stand im Türrahmen. Seine Krawatte war gelockert, seine dunklen Augen fielen direkt auf den geöffneten Safe und die Schachtel, die auf ihrem Schoß lag.

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    56 – VERRAT INNERHALB DES SYNDIKATS

    Vierzig Minuten vor Montauk ertönte Viktors Stimme über das Kommunikationssystem des Konvois. Er klang angespannt, beinahe so, als könne er selbst nicht glauben, was er gerade sagen musste.„Valen. Die Waffenlieferung kommt nicht.“Valen richtete sich auf seinem Sitz im vorderen Mannschaftstransporter auf. Nadia warf ihm vom Fahrersitz aus einen Blick zu.„Was soll das heißen, sie kommt nicht?“„Ich habe vorher angerufen, um die Abholung im Waffenlager in Brooklyn zu bestätigen, genau wie wir es vereinbart hatten. Der zuständige Lagerverwalter sagte mir, dass der Auftrag storniert wurde.“ Viktors Stimme war angespannt vor Wut. „Die Lieferung wurde auf Anweisung der Ältesten gestoppt. Bei der Sperrung wurden zwei Namen angegeben: Basilio und Thorne.“Sera sah Valen an. „Das sind Älteste des Rates. Deine Leute.“„Das sollten sie zumindest sein.“ Valen presste den Kiefer zusammen und überlegte fieberhaft, was das bedeutete. „Basilio sitzt schon im Rat, seit ich auf der Welt bin. Thorne h

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    55 – DAS SCHICKSAL DER VERGIFTEN

    Sera hatte diesen Besuch an jenem Morgen abgestattet, lbevor der Konvoi zusammenkam.Es gab noch ein loses Ende, das sie nicht hängen lassen wollte, solange Sienna noch vermisst war.Das Sunnyvale Senior Retreat roch nach Lavendel und Desinfektionsmittel. Es war die vertraute Mischung, die Pflegeheime benutzten, um den Ort angenehm duften zu lassen, obwohl das Desinfektionsmittel klar die meiste Arbeit leistete.Sera ging den Teppichflur entlang, einen Aktenordner unter dem Arm. Wochenlang hatte sie zusammengetragen, was darin lag, und nun war sie endlich bereit, es einzusetzen.Evelyn Sterling saß in einem Ohrensessel am Fenster ihres Privatzimmers.Auf dem kleinen Tisch neben ihr stand ein Teeservice, exakt so angeordnet, wie sie es immer gehalten hatte – ordentlich, elegant und tadellos.Es war dasselbe polierte Bild der Vornehmheit, mit dem sie jahrzehntelang alle um sich herum getäuscht hatte.„Sera, Liebes.“Evelyn lächelte, als wäre nichts geschehen.„Was für eine Überraschung.

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    54 – BLUTLINIEN OFFENBART

    Valen verließ den Konvoi am letzten Kontrollpunkt vor Montauk.Er hatte niemandem gesagt, warum. Er brauchte nur zwanzig Minuten allein – zwanzig Minuten, die er wahrscheinlich wochenlang nicht wiederbekommen würde, sobald die Razzia begann.Die Whitmore Psychiatric Care Facility lag etwa zwanzig Minuten landeinwärts, hinter einem hohen schmiedeeisernen Zaun. Der Ort war still und sauber, mit dieser sorgfältig kontrollierten Atmosphäre, die den Menschen das Gefühl geben sollte, sicher zu sein – ob sie es nun wirklich waren oder nicht.Valen trug sich mit einem falschen Namen in das Besucherregister ein.Das tat er seit sechs Jahren.Eine Krankenschwester führte ihn den Flur entlang in den privaten Trakt, in dem seine Mutter lebte, seit er denken konnte.Livia Vance saß am Fenster, als er eintrat. Die Hände lagen ordentlich im Schoß, und sie starrte ins Leere, wie so oft.An den meisten Tagen erkannte sie ihn nicht.An den meisten Tagen redete Valen sich ein, dass das einfacher sei.»M

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    53 – DER BRATVA-DEAL

    Nadia Petrov kam mit drei gepanzerten Lastwagen und absolut keiner Vorwarnung zum Safehouse.Mittlerweile begann Sera zu begreifen, dass das bei Nadia völlig normal war.»Du hast gesagt, du brauchst Feuerkraft.« Nadia sprang aus dem Fahrersitz des führenden Trucks. Sie hatte ihren üblichen Pelzmantel gegen taktische Ausrüstung eingetauscht, sah aber irgendwie immer noch teuer aus. »Also habe ich Feuerkraft mitgebracht. Und Fahrzeuge. Und weil ich großzügig bin, auch Snacks. Obwohl ich bezweifle, dass jemand Hunger hat.«»Nadia.«Valen ging über den Hof auf sie zu. Ein Teil der Anspannung in seinen Schultern ließ nach, sobald er sie sah.»Du hättest nicht selbst kommen müssen.«»Ich weiß. Ich wollte.«Sie schenkte ihm ein scharfes Grinsen.»Und mein Vater würde mir das nie verzeihen, wenn ich die Vance-Familie in eine bratva-bezogene Operation laufen ließe, ohne ordentliche russische Feuerkraft. Das ist eine Frage des Stolzes. Sehr altmodischer Stolz.«Sera trat vor und musterte die Tr

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    52 – CASSIUS IM RINNSTEIN

    „Zwanzig extra pro Nacht, wenn du saubere Laken willst“, sagte der Motel-Angestellte durch die zerkratzte Plexiglasscheibe. Er schaute nicht einmal von seinem Telefon auf. „Sonst bekommst du, was schon auf dem Bett liegt.“Cassius schob ohne Widerspruch zwei Zwanzig-Dollar-Scheine über den Tresen. Er nahm den Schlüssel und verzichtete darauf, nach der Eiswürfelmaschine am Ende des Flurs zu fragen. Die war kaputt, seit er vor drei Tagen eingecheckt hatte.Zimmer 14 roch nach Bleichmittel, das vergeblich versuchte, den Schimmel zu überdecken. Eine der beiden Lampen funktionierte. Ein Fernseher war an die Wand geschraubt, aber an der Fernbedienung fehlten die Hälfte der Tasten.Cassius ließ sich auf das Bett fallen, ohne die Schuhe auszuziehen.Zum ersten Mal seit längerem, als ihm lieb war, war es ihm egal, dass die Matratzenfedern ihm in den Rücken stachen.Den Whiskey hatte er in einem Spirituosengeschäft vier Blocks weiter gekauft. Es war die Art billiger Flasche, der er vor einem Ja

  • AN SEINEN GRÖSSTEN FEIND VERLOREN    51 – DER SCHILD DER KÖNIGIN

    Seras Anwalt rief um sechs Uhr morgens an. Seine Stimme war knapp und müde, die Art von Erschöpfung, die entsteht, wenn man die ganze Nacht damit verbracht hat, Anträge einzureichen. Er sparte sich sogar die Begrüßung.„Es ist erledigt“, sagte er. „Das Judicial Review Board hat um vier Uhr morgens eine Notfallsitzung abgehalten. Richter Black ist vom Richteramt suspendiert worden, während sie sein Fehlverhalten untersuchen. Jeder Haftbefehl, den er in den letzten drei Jahren unterschrieben hat, wird überprüft. Deiner ist einer davon.“Sera setzte sich im Bett auf und presste das Telefon fest an ihr Ohr. Valen war schon wach neben ihr. In dem Moment, als er ihren Gesichtsausdruck sah, griff er nach seinem eigenen Telefon, noch bevor sie wiederholen konnte, was sie gehört hatte.„So schnell?“ fragte Sera.„Gemma Lins Artikel ging um Mitternacht online. Um zwei Uhr morgens hatten ihn bereits vier landesweite Nachrichtenportale aufgegriffen. Dann, gegen drei, reichten zwei weitere Strafve

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status