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3 – DER VORSCHLAG

Penulis: Faith Pearl
last update Tanggal publikasi: 2026-08-27 00:29:10

„Sieh dir deine Insolvenzfreigabe an, Mrs. Sterling.“

Valen warf ein verschlüsseltes Tablet auf die Kücheninsel seines Penthouses hoch über dem East River. Unter ihnen erstreckte sich Manhattan, während die Luft im Inneren warm und still war.

Sera rührte das Tablet zunächst nicht an. Sie stand nahe den raumhohen Fenstern, ihr Blazer lag achtlos über der Rückenlehne eines Barhockers. Die Bluse darunter wies an der rechten Manschette einen leichten Fleck auf, dort, wo das zerbrochene Weinglas ihre Haut gestreift hatte. Doch ihre Haltung war aufrecht, ihre Hände tief in ihre Hosentaschen geschoben.

„Das Bundesgericht hat vor vierzig Minuten achtundachtzig Seiten mit der Aufteilung der Schulden eingereicht“, sagte Valen. Er lehnte sich gegen die Kante der Küchenzeile, während er ein Feuerzeug zwischen den Fingern klicken ließ.

Flamme. Klick. Flamme. Klick.

„Cassius hat vor drei Monaten zweiunddreißig Scheinfirmen auf deinen Mädchennamen übertragen. Er hat deine Vollmacht für die Konten in der Karibik gefälscht. Morgen früh um acht wird der Southern District of New York nicht seine Vermögenswerte einfrieren, Sera. Sie werden kommen, um deine zu beschlagnahmen.“

Sera trat auf die Küchenzeile zu und ließ ihren Daumen über das leuchtende Display gleiten.

Zeile um Zeile dunkelroter Zahlen füllte den Bildschirm.

Es gab geheime Unternehmen auf den Cayman-Inseln, fingierte Reedereien und Kredite, die in Seras Namen aufgenommen worden waren, ohne dass irgendwelche Vermögenswerte als Sicherheit dahinterstanden.

Die Gesamtschulden beliefen sich auf zweiundvierzig Millionen Dollar, und Sera haftete persönlich dafür.

Cassius hatte nicht einfach nur die Scheidungspapiere unterschrieben. Er hatte sie als alleinige lebende Bürgin für ein zusammenbrechendes Finanzimperium zurückgelassen.

„Er hat das vor der Vorstandssitzung im November eingefädelt“, sagte sie mit ausdrucksloser Stimme, ohne auch nur die geringste Überraschung zu zeigen.

„Er hat es in dem Moment eingefädelt, als er begriff, dass ich seine Offshore-Reserven ausbluten ließ“, korrigierte Valen sie gelassen. Er schnappte das Feuerzeug zu und warf es auf die Küchenzeile. „Er brauchte einen Fluchtweg. Du warst das Schloss, das sich am leichtesten knacken ließ.“

Sera drehte leicht den Kopf und fixierte sein Gesicht.

Die billigen Anzüge, die er getragen hatte, als er Cassius’ unterwürfiger Assistent gewesen war, waren verschwunden. An ihrer Stelle stand die dunkle Silhouette eines Mannes, dem das Gebäude gehörte, in dem sie sich befanden.

„Und was hast du davon, mir das zu erzählen, Valen? Einen Platz in der ersten Reihe bei meiner Zeugenaussage?“

„Ich sehe mir keine Zeugenaussagen an, Sera“, sagte Valen und ging um die Kücheninsel herum. Seine Lederschuhe machten kein Geräusch auf dem Boden, während er die Distanz zwischen ihnen verringerte. „Ich biete Lösungen an.“

Er blieb stehen.

„In meinem Arbeitszimmer liegt ein Sechsmonatsvertrag auf dem Tisch. Heirate mich.“

Ein kurzer, scharfer Atemzug entwich ihrer Nase.

„Was zum …? Ich habe vor einer Stunde erst die Scheidungspapiere unterschrieben.“

„Du hast gerade dein eigenes Todesurteil unterschrieben“, sagte Valen und blieb einige Schritte von ihr entfernt stehen. „Heirate mich für sechs Monate. Als meine Ehefrau sind deine Schulden durch den rechtlichen Schutz meiner Familie vor den Behörden geschützt. Ich werde die gesamten zweiundvierzig Millionen Dollar bis morgen bezahlen … und dann werde ich Cassius und Vivienne Stück für Stück auseinandernehmen, bis ihnen nichts mehr bleibt. Wenn alles vorbei ist, wird die Hälfte des verfügbaren Vermögens von Sterling Enterprises in einen privaten Treuhandfonds für dich gelegt.“

„Fünfzig Prozent eines leeren Unternehmens sind kein Sieg“, sagte Sera und legte beide Hände flach auf die Küchenzeile. „Cassius hat letzten Dienstag die Patente der Firma an sich genommen. Er hat die teuren Anlagen in einen geheimen Trust in Zürich verschoben. Du bietest mir die Hälfte eines Unternehmens an, von dem kaum noch etwas übrig ist.“

„Die Züricher Konten wurden um Mitternacht eingefroren“, erwiderte Valen, seine Stimme leicht gesenkt und von stiller Belustigung erfüllt. „Mit meinem privaten Schlüssel. Die Patente wurden drei Stunden, bevor Cassius heute überhaupt aufgewacht ist, einem anonymen Eigentümer überschrieben. Ich handle nicht mit Geistern, Sera. Ich besitze den Tresor.“

Sera verfolgte jede seiner Bewegungen, als er einen weiteren langsamen Schritt auf sie zumachte.

Er war groß, wirkte vollkommen ruhig und strahlte eine einschüchternde, gefährliche Hitze aus, die die stillen Räume des Penthouses vollständig ausfüllte.

Das war nicht der Mann, der drei Jahre lang schweigend ihre Kaffeetassen gereicht und Cassius’ Aktenkoffer in den Aufzügen getragen hatte.

„Du hast den unterwürfigen Diener außergewöhnlich gut gespielt“, bemerkte sie mit angespanntem Kiefer. „Fünf Jahre lang hast du vor einem Mann den Kopf gesenkt, der nur halb so viel Verstand besitzt wie du. Dafür braucht man schon ein krankhaftes Maß an Geduld.“

„Geduld ist leicht, wenn man das Ergebnis bereits kennt“, sagte Valen leise. „Cassius war damit beschäftigt, mit dem Geld seines Vaters anzugeben, während ich bereits die Größe seines Halses ausgemessen habe.“

Seine Lippen verzogen sich zu einem kalten Lächeln.

„Jede Beleidigung, die er über den Schreibtisch hinweg schleuderte, war nur eine weitere Zeile in seiner Abrechnung. Aber ihn heute Abend dabei zu beobachten, wie er dir diese Papiere überreichte?“ Er machte eine kurze Pause. Seine dunklen Augen wurden schärfer, bis sie beinahe poliert wirkten. „Das war der einzige Teil der Strategie, der mich wirklich gestört hat.“

„Tu nicht so, als würde dir meine Würde etwas bedeuten, Valen.“

„Mich interessiert, was mir gehört“, sagte er nüchtern. „Und Cassius hat ein Meisterwerk wie Schrott behandelt.“

Die arrogante Dreistigkeit dieser Aussage traf sie wie ein Schwall kalten Wassers.

„Ich gehöre Cassius nicht, und ganz sicher gehöre ich nicht einem Mafiaboss, der den strahlenden Ritter der Geschäftswelt spielt.“

„Du gehörst demjenigen, der dir die Waffe gibt, mit der du ihn zerreißen kannst“, konterte Valen. „Du willst Blut, Sera. Du kannst so tun, als wolltest du nur einen sauberen Neuanfang und den gestohlenen Schmuck deiner Mutter zurück. Aber ich weiß, was hinter diesem kalten, unnahbaren Gesicht verborgen liegt … Du willst sehen, wie Cassius alles verliert, bis er durch den Schlamm kriecht und nach seinem eigenen Namen sucht.“

Ihre Kehle zog sich zusammen, doch sie wich keinen Schritt zurück.

Die Wahrheit seiner Worte hing zwischen ihnen. Schwer. Dicht.

Seras Hand bewegte sich schneller, als sie denken konnte.

Ihre Finger glitten unter ihren Hosenbund und zogen die Waffe aus dem verdeckten Holster an ihrem Oberschenkel.

Das Metall klickte, als sie den Verschluss durchlud. Dann hob sie den schwarzen Lauf, bis er direkt gegen die Mitte von Valens Brust gepresst wurde, genau über seinem Herzen.

„Gib mir einen einzigen Grund“, flüsterte Sera mit fest zusammengepresstem Kiefer. Ihr Arm war hart wie Eisen, „warum ich dir keine Kugel durch die Brust jagen, mir dieses Tablet nehmen und mich selbst um Cassius kümmern sollte.“

Valen zuckte nicht.

Er hob nicht einmal die Hände.

Nicht einmal sein Blick senkte sich zu der Waffe, die gegen seine maßgeschneiderte italienische Anzugjacke gedrückt wurde.

Stattdessen zog sich ein langsames, gefährliches Grinsen über seinen Mundwinkel.

Er machte einen ganzen Schritt nach vorn und zwang den Lauf der Waffe noch tiefer gegen sein Brustbein. Seine Augen brannten sich mit einer ruhigen, erstickenden Intensität in ihre.

„Weil du einen König brauchst, der dunkles Schach spielt, meine Süße.“

Der Regen prasselte heftig gegen die Glasscheiben des Penthouses hinter ihm.

Sera hielt seinem Blick stand. Ihr Zeigefinger lag flach an der Seite des Abzugsbügels. Ihr Puls pochte gleichmäßig an ihrer Kehle, heiß und schnell – im gleichen Takt wie die dunkle, unbeirrbare Schwere in seinen Augen.

Sie senkte den Lauf und ließ die Waffe mit einem scharfen Klicken der Sicherung an ihrer Seite herunterfallen.

„Bereite die Heiratslizenz vor“, sagte sie und sah ihm direkt in die Augen.

„Wir heiraten bei Sonnenaufgang.“

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