LOGINZu seiner Rechten saß Kael, der Prinz mit dem feuerroten Haar, nackter Oberkörper unter einer offenen Lederweste. Seine grünen Augen leuchteten auf, als er mich näherkommen sah, und ein Lächeln breitete sich auf seinen sinnlichen Lippen aus. Zur Linken des Königs befand sich eine Frau, die ich noch nie gesehen hatte, eine Kreatur von unwirklicher Schönheit, die Haut ebenholzfarben, das Haar rasiert, der Körper völlig nackt bis auf einen Perlenschurz, der nichts verbarg. Ihre Augen waren mit einem goldenen Strich bemalt, der ihr das Aussehen einer Raubkatze verlieh. — Ah, da ist ja unser Schatz, verkündete Dorian, als er mich näherkommen sah, flankiert von Helga und Morgane. Stille senkte sich über den Saal. Alle Blicke richteten sich auf mich, und ich fühlte meine Wangen unter der Last ihrer Neugier erröten. — Komm her, Liora, sagte Dorian und streckte mir die Hand entgegen. Ich näherte mich u
Sie stand auf und holte ein Buch aus einem Regal, einen dicken, in schwarzes Leder gebundenen Band. Sie legte ihn auf den Tisch und öffnete ihn an einer mit einem purpurnen Seidenband markierten Seite. — Vor dreihundert Jahren hat der Gründer dieser Dynastie, König Malrik der Erste, die Regeln des Hofes von Volcra aufgestellt. Regeln, die auf der menschlichen Natur basieren, auf den uneingestehbaren Wünschen, die jeder tief in sich verbirgt. Er glaubte, dass die Zivilisation nur ein Firnis war, eine kollektive Heuchelei, die die animalische Wahrheit unserer Spezies verdeckte. Hier, in Volcra, existiert dieser Firnis nicht. Die Wünsche sind offengelegt, angenommen, zelebriert. Sie drehte das Buch zu mir, und ich sah obszöne Illuminationen, ineinander verschlungene Körper, sorgfältig kalligraphierte Texte, die Praktiken beschrieben, von deren Existenz ich nie etwas geahnt hatte. — Schockierend, nicht wahr? Für
Und trotz der Scham, trotz des Entsetzens, trotz des Hasses, der in meinem Herzen brodelt, kann ich nicht vergessen, was mein Körper gefühlt hat. Ich kann nicht vergessen, dass ich geschrien habe. Ich kann nicht vergessen, dass ich für einen Augenblick ganz die Seine war. Und das ist es, was mich mehr als alles andere bis zum Morgengrauen weinen lässt. Liora Die nächsten zwei Tage verbringe ich in einem tranceartigen Zustand, einem wattigen Nebel, der meine Gedanken einhüllt und meine Bewegungen verlangsamt. Helga kommt dreimal am Tag mit Dienerinnen, die meine Laken wechseln, die Becken leeren, Tabletts mit Essen bringen, das ich kaum anrühre. Sie sagt nichts über die erste Nacht, stellt keine Fragen, macht keine Bemerkungen. Aber ich sehe in ihren Augen ein müdes Verständnis, eine stille Empathie, die mir wohler tut als jede Rede.
Ein Schrei entfährt mir, ein Schrei, der nicht schmerzvoll ist. Mein Rücken wölbt sich gegen meinen Willen, meine Hüften heben sich seiner Hand entgegen. Ich kontrolliere meinen Körper nicht mehr. Mein Körper hat aufgehört, mir zu gehorchen. — Genau so, sagt er, und ich spüre seinen heißen Atem auf meinem Bauch. Genau so. Seine Finger setzen ihr Werk fort, streicheln, reiben, drücken auf diese empfindliche Stelle mit einer Fachkenntnis, die mich erschreckt. Er kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Er weiß genau, wo er berühren muss, mit welchem Druck, in welchem Rhythmus. Und mein Körper antwortet, mein Körper verrät mich, mein Körper öffnet sich ihm wie eine Blume, die sich der Sonne öffnet. Als er seine Hand zurückzieht, bin ich keuchend, zitternd, am Rande von etwas, das ich nicht verstehe. Meine Augen sind verschleiert, meine Lippen halb geöffnet, meine Brüste heben sich im Rhythmus eines Atems, der ni
Er zieht seine Hand zurück und führt sie zu seinem Gesicht. Seine Nasenflügel beben erneut, und ein Glimmen, das ich noch nie gesehen hatte, entzündet sich in seinen eisigen Augen. Ein Glimmen puren, animalischen Verlangens, bar jeder Künstlichkeit. — Du bist bereit, sagt er. Bereiter, als du glaubst. Er löst seinen Morgenmantel mit einer fließenden Bewegung, und die Seide fällt als dunkler Haufen zu seinen Füßen. Er ist nackt, völlig nackt, und ich kann meine Augen nicht von ihm lösen. Sein Körper ist ein Monument, gemeißelt vom Krieg. Jeder Muskel ist mit der Präzision einer antiken Skulptur gezeichnet, aber es sind die Narben, die seine Geschichte erzählen. Schnitte, Brandwunden, Spuren von Klauen und Klingen, eine Karte der Gewalt, die seine Brust, seine Arme, seine Schenkel bedeckt. Seine Schultern sind breit, seine Taille schmal, seine Hüften kantig. Und zwischen seinen Schenkeln, gegen seinen Bauch aufgeric
Meine Finger zittern. Mein Herz schlägt so stark, dass ich es in meinen Schläfen, in meinem Hals, an jener geheimen Stelle zwischen meinen Schenkeln pochen spüre, die mich beschämt. Ich kämpfe gegen mich selbst, gegen meine Angst, gegen meinen Stolz, gegen diesen Rest königlicher Würde, der sich weigert nachzugeben. — Denk an die Dienerinnen, sagt er sanft. Denk an die Peitsche. Zehn Schläge für deine erste Weigerung. Ich schlucke mühsam. Dann, mit einer Langsamkeit, die kein Gehorsam ist, sondern Resignation, lasse ich die Laken hinabgleiten. Die schwarze Seide entblößt meine Schultern, meine Brust, umschlossen vom silbernen Netz, meinen flachen Bauch, meine Hüften, meine Schenkel. Sie gleitet bis zu meinen Füßen, und ich bin nackt vor ihm, völlig nackt, bis auf das Juwel, das auf meiner Haut glänzt wie eine Unterschrift. Dorian bleibt am Rand des Bettes stehen. Seine eisigen Augen mustern mi







