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Kapitel 65— Besiegt

Author: Déesse
last update publish date: 2026-09-08 02:04:58

Als König Cassian der Eroberer die Rebellion niederschlägt, die mein Bruder angeführt hat, bin ich die einzige Gefangene, die er verschont. Doch seine Gnade ist Gift. Statt des Schafotts erlegt er mir eine raffiniertere Strafe auf: Ich werde sein Schatten sein. Durch einen Blutschwur an ihn gekettet, dazu verdammt, ihm überallhin zu folgen – vom Thron in den Kriegssaal, von der Ratskammer bis in seine privaten Gemächer. Ich muss alles sehen, alles hören, alles ertragen, ohne je ein Wort auszusp
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  • ATTRACTION   Kapitel 93 : Der Körper als Waffe

    AelysAm nächsten Tag hat Cassian seine Sinne wiedererlangt, aber er ist schwach, verletzlich. Ich weiß es, weil ich ihn beobachte, weil ich ihn studiere, weil ich gelernt habe, in seinen Augen zu lesen. Es gibt einen Riss in seiner Rüstung, einen Spalt, den ich ausnutzen kann. Und ich werde ihn ausnutzen. Denn ich habe eine Wahl getroffen. Nicht die von Kael, nicht die von Cassian. Meine. Die Wahl der Freiheit.Ich werde sein Verlangen gegen ihn verwenden. Ich werde nehmen, was er mir geben will, und ich werde es nutzen, um zu bekommen, was ich will. Ich werde meinen Körper als Waffe einsetzen. Der Gedanke ekelt und erregt mich zugleich. Ich werde mich ihm hingeben, aber es wird ein vergiftetes Geschenk sein, ein Geschenk, das ein Messer verbirgt.Ich bereite mich sorgfältig vor. Ein Kleid aus Seide, transparent, von der Farbe des Blutes. Der Stoff ist so fein, dass ich meine Haut darunter sehe, jede Kurve, jedes Geheimnis. Meine Haare fallen in

  • ATTRACTION   Kapitel 92 : Die Nacht der Geständnisse

    AelysZwei Tage nach Kaels Angebot durchläuft ein Gerücht den Palast wie ein Lauffeuer. Der König ist krank. Nicht eine einfache Unpässlichkeit, sondern ein heftiges Fieber, das ihn ans Bett fesselt, das ihn delirieren lässt, das ihn nachts Namen schreien lässt. Man sagt, er ruft Elara, die Frau, die er liebte und die ihn verriet, und dass er weint wie ein Kind. Man sagt, er ruft auch einen anderen Namen, einen Namen, den niemand je gehört hat. Einen Namen, der wie Aelys klingt.Ich kann nicht in meinem Zimmer bleiben und diesen Gerüchten lauschen. Ich kann nicht untätig bleiben. Meine Füße tragen mich zu seinen Gemächern, und ich durchquere die leeren Korridore, ohne eine Menschenseele zu treffen. Die Wachen sind an strategischen Punkten postiert, aber sie sehen mich vorbeigehen und halten mich nicht auf. Vielleicht haben sie Befehle. Vielleicht wissen sie, dass der König mich erwartet. Vielleicht ist es das Schicksal, das mich vorwärts treibt, das mich

  • ATTRACTION   Kapitel 91 : Kaels Wahl 2

    Meine Stimme ist ein Flüstern, ein kaum hörbarer Hauch. Ich spüre die Schläge meines Herzens in meiner Kehle, und ich weiß, dass ich dabei bin, eine Entscheidung zu treffen, die alles verändern wird.— Ich bitte Euch nicht, jetzt zu entscheiden. Aber denkt nach. Denkt an alles, was er Euch genommen hat. Alles, was er Euch gestohlen hat. Eure Familie, Euer Land, Eure Freiheit. Und fragt Euch, ob Ihr wirklich den Rest Eures Lebens an seiner Seite verbringen wollt.Er beugt sich vor, seine Lippen streifen meine, ein leichter, fast schüchterner Kuss. Dann weicht er zurück, ein Lächeln auf den Lippen. Ich spüre die Wärme seiner Lippen auf meinen, und ich möchte an ihn glauben, an diese Zukunft glauben, die er mir verspricht.— Ich gebe Euch drei Tage, sagt er. Drei Tage zum Nachdenken. Und danach werden wir gehen. Ob Ihr bereit seid oder nicht.Er entfernt sich, und ich bleibe erstarrt auf meinem Stuhl, den Körper brennend von seinen Worten,

  • ATTRACTION   Kapitel 90 : Kaels Wahl

    AelysDie folgenden Tage sind ein Wirbel widersprüchlicher Gefühle. Cassians Angebot – diese Freiheit, die er mir gewährt hat – verfolgt meine Gedanken wie ein Versprechen, das zu schön ist, um wahr zu sein. Ich habe ihn seit jener Nacht nicht wiedergesehen. Er hat sich in seine Gemächer zurückgezogen, und im Palast kursieren Gerüchte, dass er krank sei, dass er verwundet wurde, dass er vielleicht im Sterben liegt. Ich glaube nicht an die Gerüchte. Cassian ist zu stark, um zu sterben, zu stur, um nachzugeben, zu zornig, um zu verschwinden. Doch ein Teil von mir sorgt sich, ein Teil von mir, den ich nicht anerkennen will.Ich verbringe meine Tage damit, durch die Korridore des Palastes zu wandern, ein Geist unter Geistern. Die Dienerinnen sehen mich mit Augen voller Mitleid an, die Wachen mit Augen voller Misstrauen. Ich bin die Gefangene des Königs, der Schatten, der in seinem Licht wandelt, das Geheimnis, das er nicht verbergen kann. Jeder Blick ist ein

  • ATTRACTION   Kapitel 89 : Der Zorn des Königs 2

    Er steht jetzt vor mir. So nah, dass ich den Weingeruch auf seinem Atem spüre, die Wärme seines Körpers, das Zittern seiner Hände. Seine Finger schließen sich um meine Handgelenke, und der Griff ist so fest, dass ich meine Knochen knirschen spüre. Er drückt so stark, dass ich das Blut unter seinem Druck pochen spüre, und ich weiß, dass er mich zerbrechen könnte, wenn er wollte.— Ich habe mich heute Nacht gefragt, warum du nicht mir geben solltest, was du ihm gegeben hast.Seine Stimme ist ein Flüstern, ein warmer Hauch an meiner Wange. Ich spüre seine Finger, die sich in mein Fleisch graben, und der Schmerz ist ein Brennen, eine Spur, die er auf mir hinterlässt.— Ich habe ihm nichts gegeben, Cassian. Er hat mich geküsst, das ist alles.— Alles? Ein Kuss. Ein gestohlener Kuss. Ein Kuss, den du erwidert hast. Alles. Das ist alles.Er schüttelt mich, und die Heftigkeit der Bewegung raubt mir den Atem. Mein Kopf stößt gegen die Wand hinter mir, und ein Blitz aus Schmerz durchfährt meine

  • ATTRACTION   Kapitel 88 : Der Zorn des Königs

    AelysIn der Nacht des Balls schlafe ich nicht. Ich bleibe wach in meinem Zimmer, die Augen auf die Decke geheftet, den Körper noch brennend von Kaels Küssen und das Herz eiskalt durch Cassians Blick. Der Mond wandert durch das Fenster und zeichnet silberne Muster auf die Laken, und ich folge jedem Strahl, wie man dem Faden eines Labyrinths folgt, aus dem man nie den Ausgang findet. Das Bild verlässt mich nicht: Cassian am Fenster, seine schwarze Silhouette im Licht, seine glühenden Augen, die die Hölle versprachen. Ich sehe wieder seine Finger, die sich um die Fensterbank krallten, seine weißen Knöchel, die unterdrückte Wut in seinen angespannten Schultern. Ich sehe wieder, wie er Kael mich küssen sah, wie er jede Sekunde dieses Kusses aufnahm wie ein Gift, das er gezwungen war zu trinken.Ich wälze mich in meinem Bett hin und her, die Laken wickeln sich um meine Beine wie Tentakel. Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich seine Lippen. Den Zorn, der darauf tanzte. Den Schmer

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