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Kapitel 2: Der Ersatz  

作者: Wills
last update publish date: 2026-11-02 11:23:08

POV: Eira  

Die Nachtluft schnitt direkt durch den schwarzen Mantel, als ich von den Ironfang-Toren wegging. Ich trug nichts außer dem kleinen silbernen Dolch, den meine Mutter mir einst in die Hand gedrückt hatte. Die Lichter des Herrenhauses blieben hinter mir dunkel. Niemand rief meinen Namen. Niemand folgte.  

Meine Stiefel trafen den leeren Weg in einem gleichmäßigen Rhythmus. Jeder Schritt legte mehr Abstand zwischen mich und das Haus, in dem ich fünf Jahre lang langsam verschwunden war.  

Fünf Jahre zuvor war die Stimme meines Vaters schwach, aber klar gewesen, als er mich an sein Bett gerufen hatte. Silent Veil war in der Nacht zuvor abgebrannt. Die meisten unserer Leute waren tot oder zerstreut. Er hielt mein Handgelenk mit überraschender Kraft und sah mir gerade in die Augen.  

„Eira, hör mir zu. Der Alpha von Ironfang hat einer politischen Ehe zugestimmt. Es ist der einzige Weg, der uns bleibt, um zu schützen, was von uns übrig ist. Du wirst seine Luna sein. Du wirst ihm einen Erben schenken, wenn er darum bittet. Du wirst am Leben bleiben. Verstehst du?“  

„Vater, ich kann den Veil selbst wieder aufbauen. Ich habe noch Kontakte. Ich habe noch das Mal. Ich muss mich nicht an ein anderes Rudel verkaufen.“  

„Du wirst das tun. Die verbliebenen Attentäter verstecken sich, weil sie glauben, die Linie sei gebrochen. Wenn du ihn heiratest und den Titel annimmst, haben sie einen Grund, loyal zu bleiben. Versprich es mir.“  

„Es muss einen anderen Weg geben.“  

„Es gibt keinen. Versprich es mir, Eira.“  

Ich hatte es versprochen. In der nächsten Woche stand ich in einer kalten Zeremonienhalle und sprach Gelübde zu Kaelith Riven, während Kameras blitzten und Rudelführer zusahen. Er sah mich während des gesamten Rituals kein einziges Mal an. Als die letzten Worte gesprochen waren, wandte er sich an den Beta und fragte nach den nördlichen Grenzpatrouillen, als stünde ich nicht neben ihm.  

„Die südlichen Späher haben Bewegung in der Nähe des Flusses gemeldet“, sagte der Beta.  

Kaelith nickte. „Verdoppelt die Nachtwache. Ich will bis morgen früh einen vollständigen Bericht auf meinem Schreibtisch.“  

Niemand gratulierte mir. Niemand fragte, ob ich etwas brauchte. Ich ging allein aus der Halle, während die Gäste ihre Gespräche fortsetzten.  

Das Eheleben, das folgte, blieb genau so kalt.  

Am Anfang versuchte ich es noch. Ich bereitete seinen Lieblingskaffee so zu, wie das Küchenpersonal sagte, dass er ihn mochte, und stellte ihn vor sein Arbeitszimmer. Er stand unberührt, bis er kalt wurde. Drei Abende hintereinander wartete ich im Speisesaal auf das Abendessen. Am vierten Abend fand der Beta mich immer noch dort sitzen und sagte mir, der Alpha habe bereits in seinem Büro gegessen. Danach hörte ich auf zu warten.  

Ich lernte den Klang seiner Schritte, damit ich in einen anderen Raum treten konnte, bevor er vorbeikam. Wenn wir uns doch einmal in einem Flur trafen, gab er ein kurzes Nicken, nie mehr. Gespräche beschränkten sich auf Rudelangelegenheiten.  

„Die östliche Versorgungslinie wird knapp an medizinischen Vorräten“, sagte ich ihm eines Abends in seinem Arbeitszimmer.  

„In Ordnung. Sag dem Beta, er soll sich darum kümmern.“  

„Ich habe die Lieferung bereits organisiert. Sie kommt morgen an.“  

Er gab ein kurzes Nicken, ohne von der Karte aufzublicken. Das war der längste Austausch, den wir in diesem Monat hatten.  

In einer berechneten Nacht kam er ohne zu klopfen an meine Tür. Er schaltete das Licht nicht an. Er sprach nichts außer: „Das ist für die Allianz notwendig.“ Ich lag still und starrte an die Decke, während er fertig wurde und wieder ging. Neun Monate später wurde Lira geboren. Er hielt sie einmal für die Kameras und kehrte dann zu seinen Besprechungen zurück. Ich zog sie allein groß.  

Ich sagte mir, es würde besser werden. Ich sagte mir, dass eines Tages sein Wolf mich erkennen würde oder dass die Distanz nur vorübergehend sei. Jahr für Jahr dünnte diese Hoffnung aus.  

Ich hörte auf, Kaffee vor seine Tür zu stellen. Ich hörte auf, bei den Mahlzeiten auf ihn zu warten. Ich hörte auf, kleine Details über Liras erste Schritte oder die Worte, die sie lernte, zu teilen. Wenn ich sie erwähnte, antwortete er mit einem abwesenden „Mm“ und wechselte das Thema zu Grenzberichten.  

Vor drei Monaten fand ich das Foto.  

Ich war in sein Arbeitszimmer gegangen, um einen fehlenden Bericht über die westlichen Patrouillen zu suchen. Die unterste Schublade seines Schreibtischs war unverschlossen. Darin lag ein einziges gedrucktes Bild. Kaelith stand im weichen Abendlicht mit beiden Armen um eine Frau, die mir beinahe genau glich. Dasselbe silberblonde Haar. Dieselben blassen Augen. Dieselbe Form des Mundes. Der einzige Unterschied war die Art, wie er sie anlächelte. Mich hatte er nie so angelächelt. Auf der Rückseite des Fotos hatte jemand mit dunkler Tinte ein einziges Wort geschrieben: Sylvara.  

Ich trug das Bild zum Esstisch und wartete darauf, dass er nach Hause kam. Als er hereinkam, hielt ich es zwischen uns hoch.  

„Wer ist sie?“  

Er blieb stehen. Seine Augen wanderten vom Foto zu meinem Gesicht und wieder zurück. Lange sagte er nichts.  

„Ihr Name ist Sylvara Ashen“, antwortete er schließlich. „Sie war meine erste Liebe. Sie starb vor Jahren. Oder das glaubte ich.“  

„Sie sieht aus wie ich.“  

„Ja.“  

„Ist das der Grund, warum du mich geheiratet hast? Weil ich genug wie sie aussah, damit die Allianz leichter akzeptiert wurde?“  

Er legte seine Schlüssel auf den Tisch und sah mir ohne zu zucken in die Augen. „Die Rudel brauchten die Ehe. Das wusstest du von Anfang an.“  

„Ich dachte, eines Tages würdest du mich als mehr als einen Ersatz sehen.“  

„Das habe ich dir nie versprochen.“  

„Du hast mir nie etwas versprochen. Du hast nur genommen, was die Allianz verlangte, und mich den Raum füllen lassen, den sie hinterlassen hat.“  

Er widersprach nicht. Er drehte sich nur um und ging zu den Treppen. „Geh nicht wieder durch meinen Schreibtisch.“  

In dieser Nacht verstand ich es endgültig. Ich war nie seine Frau gewesen. Ich war nur jemals der Ersatz gewesen, der der Frau, die er wirklich wollte, nahe genug kam. Jedes höfliche Nicken, jedes distanzierte Gespräch, jede Nacht, die ich allein in diesem Haus verbracht hatte, war auf dieser einzigen Wahrheit aufgebaut. Der letzte dünne Faden Hoffnung, den ich noch gehalten hatte, riss.  

Das kleine Safehouse stand am Stadtrand, ein schmales Gebäude mit vernagelten Fenstern und einer Tür, die immer noch den alten Code erkannte. Ich schloss auf und trat ein. Staub bedeckte jede Oberfläche. Die Luft roch nach geschlossenen Räumen und altem Papier. Ich fand die Kiste mit den Luna-Kleidern, die ich vor Jahren für Notfälle hier gelagert hatte. Eins nach dem anderen trug ich sie in den kleinen steinernen Kamin und zündete sie an.  

Das erste Kleid war das blasse silberne, das ich zum Frühlingsrat getragen hatte. Die Seide verbrannte schnell, die Ränder kräuselten sich schwarz.  

„Das hat dir sowieso nie gefallen“, sagte ich leise in den leeren Raum. „Du hast gesagt, die Farbe lässt mich ausgewaschen aussehen.“  

Das zweite Kleid war das tiefe Grün, das ich für Liras erste Geburtstagsfeier gewählt hatte. Es fing mit einem scharfen Knacken Feuer.  

„Du bist an dem Tag nach zehn Minuten gegangen. Du hast gesagt, es gab einen dringenden Anruf von der Grenze.“  

Das dritte und vierte Kleid folgten. Ich fütterte sie in die Flammen, bis die Kiste leer war und der Geruch von Rauch den Raum füllte. Als der letzte Stoff zu Asche geworden war, nahm ich eine Schere aus der Küchenschublade und stellte mich vor den gesprungenen Badezimmerspiegel. Mein Spiegelbild sah müde und blass unter dem einzelnen schwachen Licht aus. Ich hob die Schere und schnitt mein Haar kürzer, ließ die silberblonden Strähnen auf den Boden um meine Füße fallen.  

Ich legte die Schere beiseite und nahm den silbernen Dolch. Das alte Erbenmal von Silent Veil zeigte sich immer noch an der Innenseite meines linken Handgelenks, ein dünner Halbmond, der fünf Jahre lang still gewesen war. Ich drückte die Klinge dagegen, bis Blut aufquoll und über meine Haut lief.  

Ich sah mein Spiegelbild an und sprach die Worte leise, aber klar.  

„Zeit aufzuwachen, Königin.“

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