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KAPITEL ZWEI: DER ROGUE IM WALD

last update publish date: 2026-07-01 07:01:46

Die Villa des Rudels verschwand hinter mir, während ich blindlings durch den Wald rannte.

Äste peitschten gegen meine Arme und verfingen sich im Stoff meines weißen Kleides. Mehrmals stolperte ich über Wurzeln, doch ich zwang mich weiter. Weg von Derek. Weg von Nora. Weg von den Stimmen des Rudels, die hinter mir durch die Nacht hallten.

Meine Hände zitterten, als ich den zerrissenen Rock meines Kleides anhob und tiefer zwischen die Bäume floh. Vor wenigen Stunden hatte ich es noch mit klopfendem Herzen angezogen. Reinweiß, fast wie Mondlicht. Ich hatte mir vorgestellt, wie Derek mich darin ansehen würde, bevor wir uns verbanden und er mich endlich als die Seine markierte.

Jetzt war der Saum voller Erde und an mehreren Stellen von Dornen aufgerissen.

 Wer würde mich jetzt noch wollen?

 Ich war ein wolfsloses Mädchen, das an dem Tag, an dem es hätte beansprucht werden sollen, zurückgewiesen worden war.

 Meine Eltern, Richard und Cassandra, würden am Boden zerstört sein.

 Sie würden mich nicht verschonen.

 Aber schlimmer noch: Vielleicht würden sie Derek sogar zustimmen.

 So war es schon immer gewesen.

 Ich war die Enttäuschung. Das schwächste Glied.

Irgendwann versagten meine Beine. Ich sank gegen den Stamm einer mächtigen Eiche und rutschte an der rauen Rinde hinunter, bis ich auf dem feuchten Waldboden saß.

„Was soll ich jetzt nur tun?“, flüsterte ich dem gleichgültigen Mond über mir zu.

All meine Pläne, meine Hoffnungen, meine Liebe – alles war umsonst gewesen.

Reue schnürte mir die Kehle zu. Sie war schwer und erstickend.

Ich hatte diesem Mann endlich mein Herz, meine Loyalität und meine Zukunft geschenkt, doch er hatte alles weggeworfen – für meine Stiefschwester.

Minuten dehnten sich zu gefühlten Stunden, während ich weinte.

Die Stille des Waldes umgab mich, nur unterbrochen vom fernen Gejohle des Rudels, das die neue Verbindung seines zukünftigen Alphas feierte.

Ich war wirklich allein.

Bis die Stille plötzlich zerbrach.

Ein tiefes Knurren grollte aus den Schatten.

Ich hob den Kopf, mein Herz setzte einen Schlag aus.

Mehrere Augenpaare leuchteten in der Dunkelheit auf.

Rogues.

Ihre Gestalten traten aus den Schatten hervor.

Zottiges Fell.

Gefletschte Zähne.

Langsam begannen sie, mich einzukreisen.

Angst krallte sich in meiner Brust fest.

Ich rappelte mich hastig auf und presste mich mit dem Rücken gegen den Baum.

Der Größte von ihnen musterte mein zerrissenes weißes Kleid und grinste.

„Na sieh mal einer an.“

Die anderen lachten leise.

Er kam einen weiteren Schritt näher.

„Eine hübsche Braut ganz allein im Wald.“

Mir wurde eiskalt.

„Bitte“, sagte ich und versuchte, meine Stimme ruhig zu halten. „Ich will keinen Ärger. Lasst mich einfach gehen.“

„Gehen?“ Ein anderer Rogue lachte. „Aber du siehst doch aus, als würdest du jemanden suchen.“

Sein Blick wanderte langsam an meinem Kleid hinunter.

„Suchst du deinen Gefährten, schöne Braut?“

Die Männer rückten näher.

Ich griff mit zitternden Fingern nach meinem Rock, obwohl der dünne Stoff mir keinerlei Schutz geben konnte.

„Keine Sorge“, fuhr er grinsend fort. „Komm schon. Wir können uns ganz fair abwechseln und deinen Bräutigam spielen.“

Gelächter brach aus.

Panik schoss durch meinen Körper.

„Bitte … lasst mich gehen.“

Ich versuchte, seitlich am Baum vorbeizukommen, doch einer von ihnen stellte sich sofort in meinen Weg.

„Warum so schüchtern?“ Einer der Rogues lachte und kam noch näher. „Du kannst doch bleiben. Komm schon, hab ein bisschen Spaß mit uns. Die Nacht ist noch lang.“

„Bitte … ich habe euch doch nichts getan. Lasst mich einfach gehen.“ Meine Stimme brach vor Angst. „Ich gehöre keinem Rudel an. Ich habe nichts für euch.“

Der Größte knurrte und trat noch näher. In seinen Augen lag kein Erbarmen, nur ein gieriger Hunger, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Ich hob abwehrend die Hände. Ohne Wolf hatte ich keine Chance gegen sie. Wenn ich zu fliehen versuchte, würden sie mich innerhalb weniger Sekunden einholen.

„Bitte … nicht …“

Plötzlich.

Eine fremde Stimme durchschnitt die Nacht wie Donner. Sie war tief, gefährlich und schwer. Verhängnisvoll befehlsgewohnt.

„Lasst sie verdammt noch mal in Ruhe.“ 

Als er aus den dichten Schatten des Waldes trat, wie ein Raubtier, das lautlos ins Mondlicht glitt, stockte mir augenblicklich der Atem.

Er war groß. Gewaltig.

Allein seine Präsenz war überwältigend.

Jeder Zentimeter seines Körpers strahlte rohe, furchteinflößende Macht aus. Dunkles, zerzaustes Haar fiel ihm ins markante Gesicht. Seine silbernen Augen leuchteten mit gefährlicher Intensität in der Dunkelheit.

Sein muskulöser Körper steckte in einem zerrissenen schwarzen Hemd und einer dunklen Hose. Am offenen Kragen zeichneten sich alte Narben ab – eindeutige Zeichen dafür, dass auch er ein Rogue war.

Und doch ging etwas von ihm aus, das weit bedrohlicher war als alles, was ich bisher erlebt hatte.

Die Luft schien schwerer zu werden.

Selbst der Wald hielt den Atem an.

Die Rogues grinsten nur spöttisch.

Offenbar beeindruckte sie sein Auftauchen kein bisschen.

Der Größte von ihnen fletschte die Zähne.

„Dieses schwache Ding gehört uns. Verschwinde, Fremder, bevor wir dich ebenfalls in Stücke reißen.“

Sie waren ihm zahlenmäßig überlegen.

Fünf gegen einen.

Mit selbstsicheren Knurrlauten begannen sie, ihn einzukreisen. Unter ihrem verfilzten Fell spielten die Muskeln.

Sie waren überzeugt, ihn mühelos überwältigen zu können.

Sie irrten sich. 

Ich beobachtete mit weit aufgerissenen Augen, wie der Fremde sich mit tödlicher Geschmeidigkeit bewegte.

Sein Körper war pure, tödliche Schnelligkeit.

Als der erste Rogue auf ihn zusprang, wich er mühelos aus und riss ihm mit einer einzigen brutalen Bewegung die Kehle auf.

Heißes Blut spritzte über die Blätter.

Der zweite Rogue sprang ihm auf den Rücken – nur um im nächsten Augenblick krachend gegen einen Baum geschleudert zu werden.

Noch bevor er sich wieder aufrappeln konnte, schlitzte der Fremde ihm den Bauch auf.

Das höhnische Grinsen der übrigen Rogues verwandelte sich augenblicklich in blanke Panik, während ihre Krallen ziellos durch die Luft fuhren.

Innerhalb von Sekunden lagen die Rogues in zerfetzten Stücken auf dem Waldboden. Blut tränkte die Erde wie dicker Schlamm. Der Fremde richtete sich auf, atmete ruhig, als hätte er nicht gerade eine ganze Gruppe Rogues im Alleingang vernichtet.

Seine silbernen Augen trafen meine, und die Intensität darin raubte mir den letzten Atem. Mit drei langen Schritten schloss er die Distanz zwischen uns. Sein massiver Körper ragte über mir auf. Aus der Nähe umhüllte mich sein Duft – dunkler Kiefernrauch und etwas überwältigend Männliches – wie ein Besitzanspruch.

„Ganz ruhig, Kleine“, murmelte er mit einer Stimme, die tief und grollend klang und mich gerettet hatte. Langsam streckte er die Hand aus, wie bei einem verletzten Tier, und hob mit einem blutbefleckten Finger sanft mein Kinn an.

„Schau sie nicht an. Schau mich an. Du bist jetzt in Sicherheit. Ich lasse nicht zu, dass dir etwas geschieht.“ Er bedeckte meine Augen mit seiner Hand.  

*In Sicherheit?* Nach dem, was ich gerade gesehen hatte? Nach Dereks Verrat und Noras grausamem Lachen, das noch immer in meinem Kopf widerhallte? Ich zitterte, Tränen liefen über mein Gesicht.

„Wer… wer zur Hölle bist du?“ Meine Stimme klang klein und gebrochen. „Sie wollten mich… Ich dachte, ich würde sterben.“

Sein Gesichtsausdruck wurde eine Spur weicher, doch der gefährliche Rand verschwand nicht aus seinen Augen. Mit dem Daumen wischte er eine Träne von meiner Wange. Seine Berührung war überraschend zärtlich für Hände, die gerade den Tod gebracht hatten.

„Du musst noch nichts über mich wissen, Kleine. Nicht heute Nacht. Atme einfach. Alles wird gut. Niemand wird dir wehtun, solange ich hier bin.“ Sein Duft wurde stärker, als er näher trat.

Unsere Körper berührten sich fast. Eine seltsame Hitze breitete sich tief in meinem Bauch aus und floss wie ein Lauffeuer durch meine Adern. Es war nicht mehr nur Angst. Etwas Urtümliches regte sich in mir und antwortete ihm auf eine Weise, wie ich es bei Derek nie gespürt hatte.

Meine Haut kribbelte, wo seine Finger an meinem Kiefer verweilten. Ich atmete zittrig ein. Sein Duft war reich, befehlsgewohnt und süchtig machend. Er überflutete meine Sinne. Es fühlte sich an, als würde der Mond selbst uns zueinander ziehen.

Plötzlich versteifte er sich. Seine Nasenflügel blähten sich, während er meinen Duft tief einatmete.

„Fuck…!“ Ein tiefes Grollen entwich ihm, seine silbernen Augen verdunkelten sich zu Stahl.

„Dein Duft… Er treibt mich in den Wahnsinn. Warum? Er ist so süß und unberührt. Er ruft mich, wie nichts zuvor.“

Ich hätte mich zurückziehen sollen. Ich war gerade verraten worden. Mein Herz war erst vor wenigen Stunden zerbrochen. Das hier durfte ich nicht tun. Doch mein Körper verriet mich ebenfalls.

Dieselbe berauschende Anziehung umfing mich, ließ meine Knie weich werden und mein Innerstes vor plötzlicher, verzweifelter Sehnsucht pochen.

„Ich verstehe das nicht“, flüsterte ich. Meine Hände krallten sich unwillkürlich in sein zerrissenes Hemd.

„Das ist nicht richtig… Ich sollte nicht… Heute Nacht sollte ich mit…“

„Schhh…“ Seine Stimme wurde ganz tief und rau vor zurückgehaltener Begierde. „Was auch immer du tun solltest, spielt keine Rolle mehr. Nicht, wenn du riechst, als würdest du mir gehören.“

„Ich werde niemals zulassen, dass jemand so Perfektes wie du wegen irgendeines Mannes weint … außer in meinem Bett.“

Plötzlich riss der letzte Faden seiner Selbstbeherrschung. Er presste seinen Mund hart und besitzergreifend auf meinen – ein leidenschaftlicher, die Seele raubender Kuss. Ich keuchte an seinen Lippen, während er die volle Kontrolle übernahm und den Kuss mit einem Hunger vertiefte, der dem Feuer in meinem Blut entsprach.

Seine Hände glitten über meine Seiten, packten meine Taille und zogen mich gegen seinen harten Körper.

Ich stöhnte leise.

Das Geräusch wurde von seinem Mund verschluckt. Jahre unterdrückter Sehnsucht und frischer Herzschmerz fachten die Flammen zwischen uns an. Wir sprachen danach nicht mehr. Das brauchten wir nicht. Worte reichten nie aus.

Er legte mich auf ein weiches Moosbett. Sein Körper bedeckte meinen wie ein Schild und ein Sturm zugleich. Unsere Kleidung wurde in hastigen Bewegungen zerrissen – mein weißes Kleid war völlig ruiniert, genau wie sein dunkles Hemd und die Hose. Haut traf auf Haut. Es war heiß und dringlich.

Sein Mund wanderte meinen Hals hinab, saugend und beißend, entlockte mir Wimmern, die durch die Nacht hallten.

„Du bist so verdammt schön“, flüsterte er an meinem Schlüsselbein, seine tiefe Stimme voller Verlangen. „So verdammt perfekt. Lass mich dich haben, kleines Mädchen. Lass mich dich alles vergessen machen.“

„Ja… Ja… bitte“, hauchte ich und bog mich ihm entgegen. Meine Finger vergruben sich in seinem Haar, während er sich zwischen meine Schenkel positionierte. Der erste Stoß war langsam, aber tief und dehnte mich auf eine süß-brennende Weise.

Ich schrie plötzlich auf, meine Nägel gruben sich in seine Schultern. Er stöhnte, vergrub sein Gesicht an meinem Hals und fand einen Rhythmus, der dem wilden Schlagen unserer Herzen entsprach.

„Du bist so verdammt perfekt, Baby“, knurrte er an meinem Hals. Seine Lippen zogen eine Feuerspur über meine Brüste. Er saugte an einer Brustwarze, während seine Zunge neckend darüber fuhr.

Seine Finger glitten zwischen meine Schenkel und fanden mich bereits feucht und bereit. Ich bog mich mit einem scharfen Schrei, meine Hüften drängten sich seiner Hand entgegen.

„Schon so nass für mich, Baby. Lass mich dich haben. Alles von dir.“

Der Wald verschwand um uns herum. Es gab nur noch das Klatschen von Haut, unsere vermischten Stöhnen und die rohe Intensität zwischen uns.

Er nahm mich mit dominanter Präzision, beherrschte mich, während ich ihn ritt. Seine Hände lenkten meine Hüften. Dann drehte er mich auf den Rücken und stieß unerbittlich in mich.

Schweiß bildete sich auf unseren Körpern, meine Finger verhedderten sich in seinem Haar, während ein weiterer Orgasmus in mir aufbaute und in Wellen über mich hereinbrach, die mich zuckend und zitternd zurückließen.

Als wir gemeinsam dem Höhepunkt entgegenstiegen, wurde sein Rhythmus schneller. Seine Fänge streiften die empfindliche Stelle, wo Hals und Schulter sich trafen.

„Mein“, knurrte er mit einer Stimme voller Besitzanspruch. Dann senkte er die Zähne in mich, genau als die Lust explodierte. Das Paarungszeichen brannte weißglühend und sandte Ekstase durch jeden Nerv.

Ich schrie auf, zog mich eng um ihn zusammen, als mein Orgasmus mich durchflutete.

Er brüllte auf, stieß ein letztes Mal tief in mich und ergoss sich in heißen, besitzergreifenden Schüben in mir – Blut, Schweiß und Samen besiegelten das Band.

Die lange Nacht zog sich hin, während wir uns ineinander verloren – küssend, berührend und einander immer wieder nehmend, bis die Erschöpfung uns schließlich übermannte.

Seine starken Arme blieben selbst im Schlaf schützend um mich geschlungen. Das frische Mal an meinem Hals schenkte mir ein pulsierendes, unbekanntes Gefühl von Kraft.

Doch als der Nebel der Leidenschaft sich lichtete, traf mich die Erkenntnis mit voller Wucht.

Ich kannte nicht einmal seinen Namen.

Und trotzdem pulsierte sein frisches Mal an meinem Hals – der unwiderrufliche Beweis dafür, dass ich mich von einem gefährlichen Rogue hatte beanspruchen lassen.

Morgen würde jeder es sehen.

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