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Kapitel 4

Penulis: Yara
Als der Wagen plötzlich schlingerte und nach vorn schoss, sprang mir das Herz bis in den Hals.

Ich griff nach dem Lenkrad, doch Claudia stieß mich mit voller Kraft weg.

„Wenn du nicht sterben willst, nimm die Hände weg!“, schrie ich sie an.

Aber Claudia ließ tatsächlich nicht los.

Im Gegenteil.

Sie trat das Gaspedal ganz durch.

Der Aufprall kam zusammen mit Vincenzos Stimme.

„ISABELLA!“

Ich biss die Zähne zusammen. Der stechende Schmerz in meinem Bein war kaum auszuhalten. Trotzdem zwang ich mich, auf diesen Ruf zu antworten.

„Vincenzo ... Ich bin hier...“

Neben mir raschelte es. Irgendetwas bewegte sich.

Dann verging eine Ewigkeit, ohne dass mir jemand antwortete.

Mit aller Kraft zwang ich meine Augen auf.

Blut verschleierte mir die Sicht. Ich konnte nur verschwommen erkennen, dass der Wagen leer war.

Nur ich war noch da.

Der Mann, der eben noch meinen Namen geschrien hatte, hatte mich nicht gerettet.

In dem Moment, in dem mein Bewusstsein endgültig wegsackte, fiel ich in einen Traum.

Ich träumte von damals, als Vincenzo mir bis nach Kanada gefolgt war.

Mein damaliger Arbeitgeber hatte mich nicht gehen lassen wollen. Vincenzo hatte blutrote Augen gehabt und darauf bestanden, ein Autorennen als Wette zu fahren. Wenn er gewann, durfte er mich mitnehmen.

Ich saß auf dem Beifahrersitz und gab ihm die Strecke durch. Trotzdem ging alles schief. Bei einem Drift bekam er die Kraft nicht sauber unter Kontrolle. Der Wagen durchbrach die Leitplanke und rollte den Hang zur Klippe hinunter.

Mitten in diesem Chaos presste er mich mit aller Kraft an sich.

Er war voller Blut.

Trotzdem ließ er mich keine Sekunde los.

Das Auto kam schließlich direkt am Abgrund zum Stehen. Nur ein kleines Stück weiter, und wir wären in die Tiefe gestürzt.

Mit seiner letzten Kraft stieß er mich nach draußen.

Er selbst rutschte mit der verformten Karosserie nach hinten. Sein halber Körper hing schon über der Kante. Nur ein wenig mehr, und er wäre unten zerschmettert worden.

Als das Rettungsteam ihn endlich hochzog, lag er schwach in meinen Armen. Selbst halb bewusstlos dachte er noch immer nur daran, mich mitzunehmen.

„Isabella, die wollen nur, dass du für sie Geld verdienst. Ich will, dass du sicher bist ... Egal, wie gefährlich es wird. Ich werde dich immer beschützen ... Komm mit mir, ja?“

Ich wollte gerade antworten.

Doch dann verzerrte sich das Bild plötzlich.

Ich fuhr hoch.

Als ich die Augen öffnete, lag ich bereits im Krankenhaus.

Die Person an meinem Bett griff sofort nach meiner Hand.

„Isabella, du bist wach!“

Auch die Krankenschwester, die gerade meinen Verband wechselte, lächelte.

„Na endlich. Herr Corleone hat einen ganzen Tag und eine ganze Nacht an Ihrem Bett gewacht. Seine Augen sind schon ganz rot vor Müdigkeit. Da wird man ja direkt neidisch. So einen Bruder hätte hier wohl jede gern.“

Ich war noch benommen.

„Bruder?“

„Natürlich.“ Die Krankenschwester räumte weiter ihre Sachen zusammen. „Sind Sie nicht Herrn Corleones Schwester? Seine Frau war heute Vormittag auch schon hier. Sie hat so heftig geweint, dass sie kaum Luft bekam. Sie hat mich extra gebeten, ihr sofort Bescheid zu geben, sobald Sie aufwachen.“

Mit einem scharfen Knacken zerdrückte Vincenzo das Wasserglas in seiner Hand.

Er warf der Krankenschwester einen Blick zu, so finster, dass sie sofort erschrak.

Verlegen verstummte sie, machte sich hastig davon und verließ das Zimmer.

Auch ich war durch dieses Geräusch endgültig wach geworden.

Und mit einem Schlag setzten sich die zersplitterten Erinnerungen wieder zusammen.

Vincenzos Rücken, als er Claudia im Arm forttrug.

Ich, wie ich im Sterben die Hand nach ihm ausgestreckt hatte.

Und er, wie er mich behandelte, als wäre ich Luft.

Ich hob den Blick und sah Vincenzo an.

Die Panik in seinen Augen ließ sich nicht einmal mehr verbergen.

Ich zog leicht den Mundwinkel hoch. Meine Stimme war heiser.

„Willst du mir das nicht erklären?“

Vincenzo erstarrte einen Moment. Dann griff er hektisch nach meiner Hand.

„Nein, Isabella, so war das nicht. Das ist ein Missverständnis ... Claudia war damals auch schwer verletzt, deshalb habe ich...“

„Schon gut. Ich glaube dir.“

Ich unterbrach ihn.

In meiner Stimme lag nichts mehr.

Kein Vorwurf. Keine Wut. Gar nichts.

Alles, was er noch sagen wollte, blieb ihm im Hals stecken.

Wahrscheinlich hatte er erwartet, dass ich weinte. Dass ich schrie. Dass ich ihn fragte, warum er zuerst Claudia gerettet hatte. Warum er zuließ, dass andere unsere Beziehung falsch verstanden.

Aber ich tat nichts davon.

Ich war still.

Still wie abgestandenes, totes Wasser.

Er öffnete den Mund wieder. Seine Augen waren voller Schuld. Er wollte noch etwas sagen.

Doch ich schloss einfach die Augen.

„Ich bin müde.“

Er hielt meine Hand noch lange fest.

Dann sagte er leise: „Isabella, es ist alles meine Schuld. Ich hätte Claudia nie fahren lassen dürfen. Ich habe sie bereits zur Rede gestellt. Wenn du wütend bist, dann schlag mich, beschimpf mich, tu, was du willst. Aber friss es nicht in dich hinein.“

Ich zog meine Hand kühl aus seiner zurück. Meine Stimme blieb völlig leer.

„Ich bin wirklich müde.“

Im selben Moment brach sichtbar Panik in ihm aus. Dieses Gefühl, nichts mehr festhalten zu können, riss an ihm wie ein schwarzes Loch.

Doch noch bevor er auch nur eine einzige richtige Entschuldigung herausbringen konnte, kam der Arzt zur Visite herein und bat ihn nach draußen.

Vincenzo ging.

Langsam. Mit mehreren Blicken über die Schulter.

Als die Tür hinter ihm zufiel, wurden meine Augen plötzlich rot.

Nur dieses Mal kamen keine Tränen mehr.

Vielleicht war mein Herz schon in dem Moment gestorben, in dem ich begriffen hatte, dass Vincenzo mich die ganze Zeit belogen hatte.

Ich hob die Hand und strich mir über die trockenen Augenwinkel.

Ich wollte nur noch schlafen.

Und wenn ich wieder aufwachte, wollte ich diesen Mann verlassen.

Kaum hatte ich die Augen geschlossen, wurde es am Nachbarbett laut.

„Was heulst du denn so!“ Die Stimme einer Frau klang scharf und gereizt. „Die Schwester im Bett neben dir ist Waffenhändlerin. Jetzt hat sie sogar ein gebrochenes Bein und kann wahrscheinlich nie wieder fahren. Und sie weint auch nicht. Du hast dir nur den Knöchel verstaucht. Was gibt’s da bitte zu jammern!“
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