LOGINIch schlief in dieser Nacht kaum, drehte mich von einer Seite zur anderen, während Sarahs Nachricht in meinem Kopf immer wieder von vorne begann. Mila hatte ihre Bereitschaft erklärt. Drei Worte, die alles, was ich mir in den letzten Wochen aufgebaut hatte, plötzlich wieder infrage zu stellen schienen, obwohl ich genau wusste, dass sie mit meinem Leben eigentlich nichts mehr zu tun haben sollten.Am Morgen erzählte ich Elena beim Frühstück davon, während sie mir stumm zuhörte, die Kaffeetasse zwischen den Händen.„Was fühlst du dabei, ehrlich?", fragte sie schließlich.„Ich weiß es nicht." Ich starrte auf mein unberührtes Toastbrot. „Ich hab mir eingeredet, dass mir egal ist, wen Adrian heiratet. Aber als ich das gelesen habe, hab ich gemerkt, dass es mir doch nicht egal ist. Nicht wegen Adrian. Wegen Noah."„Wegen Noah?"„Er hat schon eine Mutter verloren, praktisch, als seine leibliche Mutter gegangen ist. Dann hatte er mich. Jetzt soll er lernen, eine dritte Frau als seine Bezugspe
Ich fuhr am nächsten Morgen zur Arbeit, mit dem Herbstfest noch frisch in Erinnerung, dem geschnitzten Kürbis, Noahs Lachen, Adrians ungewohnter Zurückhaltung. Mila war tatsächlich kurz vor uns aufgetreten, hatte ein paar Worte zur Eröffnung gesagt, formell und knapp, und war danach in der Menge verschwunden, ohne dass sich die Situation so zugespitzt hatte, wie ich es befürchtet hatte. Ich hatte es überstanden, ohne dass es mich aus der Bahn geworfen hätte, und genau das hatte mich am meisten überrascht.„Du siehst zufrieden aus", sagte Frau Berger, als ich den Laden aufschloss. „Das Fest muss gut gelaufen sein."„Besser als ich erwartet hatte", sagte ich und meinte es ernst.Der Vormittag verging mit den gewohnten Aufgaben, Bestellungen, Kundengesprächen, einem kurzen Plausch mit Jonas über die neue Krimireihe, die er unbedingt lesen wollte. Ich hatte fast vergessen, wie normal sich mein Leben inzwischen anfühlte, wie sehr die Ruhe, die ich mir aufgebaut hatte, zu etwas Selbstverstä
Ich brauchte fast eine Woche, um mich zu entscheiden, ob ich zum Herbstfest gehen sollte. Nicht weil ich Adrian aus dem Weg gehen wollte, sondern weil ich wusste, dass jeder im Rudel genau beobachten würde, wie wir miteinander umgingen, ob wir uns wie Fremde verhielten oder wie zwei Menschen, die noch immer etwas verband.„Geh einfach hin", sagte Elena, als ich ihr am Telefon meine Zweifel schilderte. „Du musst niemandem etwas beweisen. Wenn es dir zu viel wird, gehst du eben früher."„So einfach ist das nicht", sagte ich, während ich die Wäsche zusammenlegte, die ich seit Tagen liegen gelassen hatte. „Alle werden mich ansehen und sich fragen, ob ich zurückkomme."„Dann sollen sie sich das fragen. Das ist ihr Problem, nicht deins."Ich lachte leise, dankbar für ihre schlichte Klarheit, die mir half, die Dinge wieder in die richtige Größe zu rücken. Am Ende entschied ich mich, hinzugehen, nicht für Adrian, nicht für das Rudel, sondern für Noah, der mir am Telefon aufgeregt erzählt hatt
Der Herbst zog ins Land, und mit ihm veränderte sich mein Leben in kleinen, kaum merklichen Schritten. Die Buchhandlung lief gut, Frau Berger überließ mir zunehmend die Bestellungen für die Weihnachtssaison, und meine Wohnung am Fluss fühlte sich inzwischen tatsächlich wie ein Zuhause an, nicht mehr wie ein vorübergehender Zufluchtsort.Adrian und ich hatten uns in den letzten Wochen mehrmals gesehen, immer wegen Noah, immer mit dieser neuen, vorsichtigen Höflichkeit zwischen uns, die weder Freundschaft noch etwas anderes war. Er fragte nie mehr, ob ich zurückkommen würde. Er schien tatsächlich gelernt zu haben, wie man wartet, ohne zu drängen.An einem Samstagmorgen klingelte mein Handy, während ich gerade Kaffee kochte. Beatrice.„Liana, ich wollte fragen, ob du Zeit hättest, mich zu besuchen. Es gibt etwas, das ich dir gerne persönlich sagen würde."Ich war überrascht, aber neugierig genug, um zuzustimmen. Als ich am Nachmittag in ihrem Wohnzimmer saß, wirkte Beatrice unruhiger, al
Die Wochen nach der Scheidung vergingen schneller, als ich erwartet hatte. Ich gewöhnte mich an das Geräusch des Flusses vor meinem Fenster, an die Routine in der Buchhandlung, an das Gefühl, morgens aufzuwachen und niemandem außer mir selbst Rechenschaft schuldig zu sein.Adrian hielt sein Wort. Er rief nicht an, tauchte nicht unangekündigt auf, schickte keine Nachrichten, die versuchten, ein Gespräch zu erzwingen. Wenn ich Noah besuchte, war er höflich, zurückhaltend, fast schon distanziert auf eine Weise, die mich manchmal überraschte, weil sie so gar nicht zu dem Mann passte, den ich einmal geheiratet hatte.„Er fragt nie nach dir, wenn du nicht da bist", erzählte mir Sarah eines Nachmittags, als wir uns zufällig in der Stadt trafen. „Früher hätte er wahrscheinlich versucht, über mich Informationen über dich zu bekommen. Jetzt tut er das nicht mehr."„Das überrascht mich", gab ich zu.„Mich auch", sagte Sarah. „Aber ich glaube, er nimmt das, was du gesagt hast, wirklich ernst."Ic
Der Ratssaal war anders beleuchtet als bei der Vollmond-Zeremonie, nüchterner, mit dem harten Licht, das durch die hohen Fenster fiel. Ich saß neben Carolin, meine Hände ruhig in meinem Schoß gefaltet, während die Ältesten ihre Plätze einnahmen.Adrian saß auf der anderen Seite, allein, ohne seinen Anwalt neben sich diesmal, nur mit einer Mappe vor sich, die er nicht einmal öffnete.„Wir sind heute zusammengekommen, um die Scheidung zwischen Alpha Adrian Blackwood und Liana Hartmann rechtskräftig zu vollziehen", begann Hendricks. seine Stimme trug durch den Saal. „Da beide Parteien den Prozess ohne weitere Einwände abschließen möchten, sollte dies eine kurze Formalität sein."Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust zusammenzog, nicht aus Angst, sondern aus dem Gewicht des Moments selbst. Drei Jahre einer Ehe, die auf dem Papier bald nicht mehr existieren würde.„Alpha Blackwood", sagte Hendricks, „bestätigen Sie, dass Sie keine weiteren Einwände gegen die Scheidung erheben?"„Ich b







