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3.

Author: Divine
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-22 20:52:57

Eine unangenehme Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Jack sagte kein Wort, und gerade als Liam erneut etwas sagen wollte, wurde der Anruf beendet.

„Ahh …“

Liam seufzte, nahm seinen Mut zusammen und wählte erneut. Es war schließlich keine Schande, seinen Ex anzuflehen, ihn zurückzunehmen.

Erst beim dritten Versuch nahm Jack endlich ab. Doch selbst dann schwieg er.

Liam holte leise Luft und durchbrach unbeholfen die Stille.

„Ähm … lange nicht gesehen.“

Es war eine abgedroschene Begrüßung, doch als er sie aussprach, machte ihn das aus irgendeinem Grund seltsam glücklich.

„Brauchst du etwas?“

Jacks Stimme war eiskalt. Es war der typische Tonfall eines Ex, der nichts mehr mit einem zu tun haben wollte.

„…“

Verdammt, direkt auf den Punkt.

Liam zögerte. Nach ihrer letzten unangenehmen Begegnung gab es zwischen ihnen kaum noch Raum für belanglosen Smalltalk. Also beschloss er, gleich zur Sache zu kommen.

„Ja. Ich möchte dich besuchen.“

Mutig und unverblümt. Seine Wangen brannten so heiß, dass er darauf ein Ei hätte braten können.

Jack biss die Zähne zusammen.

„Was soll das? Hast du bei Wahrheit oder Pflicht verloren?“

„Nein, ich meine es ernst.“

Liam platzte damit heraus.

Er hatte Jack völlig unerwartet verlassen und tauchte nun zwei Jahre später mit einer derart schockierenden Bitte wieder auf. Er konnte verstehen, warum Jack misstrauisch war. Bevor Jack etwas erwidern konnte, redete Liam hastig weiter.

„Meine Mum ist gestorben. Ich habe gerade ihre Beerdigung hinter mich gebracht … und mir geht es im Moment nicht besonders gut. Wäre es in Ordnung, wenn ich dich besuchen würde?“

Er spielte ganz bewusst Jacks weiche Seite an, selbst wenn er dadurch verzweifelt oder unehrlich wirkte.

Außerdem war es nicht einmal eine vollständige Lüge. Er war einen schrecklichen Tod gestorben, wiedergeboren worden und hatte seine Mum verloren. Selbst wenn die Apokalypse nicht bevorstünde, würde er Zeit brauchen, um erst einmal wieder zu Atem zu kommen.

Wenn er bis zum Ende der Welt bei Jack bleiben konnte, hätte er wenigstens jemanden, auf den er sich verlassen konnte.

Natürlich würde er sich diesmal nicht wieder so hilflos machen lassen wie früher. Seine Reinigungsfähigkeit war nützlich, aber im Kampf war sie schwach. Wenn jemand herausfand, wozu er fähig war, und beschloss, ihn ins Visier zu nehmen, würde er als Versuchskaninchen in einem Labor enden.

Er brauchte jemanden, der stark genug war, ihn zu beschützen.

Und der einzige Mensch, dem er wirklich vertraute, war Jack Sullivan.

Ihr tragisches Ende war allein seine Schuld gewesen. Wenn er daran dachte, wie Jack am Ende seinen Namen geschrien hatte, mit rauer, gebrochener Stimme, brannte es Liam in der Nase.

Selbst wenn er seinen Stolz herunterschlucken und betteln musste, würde er an Jacks Seite bleiben.

„…Mein Beileid wegen deiner Mum.“

Jacks Tonfall wurde deutlich weicher, doch kurz darauf stellte er eine weitere Frage.

„Was ist mit deinem üblichen Freundeskreis?“

„…“

Liam umklammerte sein Handy fester und hielt inne, um seine Worte sorgfältig zu wählen.

„Du weißt doch, wie schlecht das Verhältnis zwischen Dad und mir ist. Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben …“

Diesmal wollte er absolut keinen Kontakt mehr zu dieser Familie.

Wenn sie sich in Zukunft zufällig begegneten und man ihn in Ruhe ließ, war alles in Ordnung. Aber wenn sie versuchten, ihm Ärger zu machen, würden sie es bereuen.

„…“

Jack schwieg einen Moment, bevor er fragte:

„Und was ist mit deinem Freund?“

„Was?“

Liam blinzelte überrascht. Schnell begriff er, dass Jack ihn auf die Probe stellte, also antwortete er ohne zu zögern weiter.

„Ich habe keinen Freund. Seit unserer Trennung bin ich Single. Mum war zwei Jahre lang krank, und … na ja, du hast der Trennung eigentlich nie zugestimmt, also habe ich mich nicht getraut, mich nach jemand anderem umzusehen. Ich hatte Angst, dass du hinter mir herkommen würdest, sobald du aus der Armee zurück wärst. Zwei ganze Jahre lang habe ich mich nicht einmal getraut, einem gut aussehenden Kerl einen zweiten Blick zuzuwerfen.“

Mit einem frechen Grinsen fügte er hinzu:

„Im Ernst. Wenn du mir nicht glaubst, dann stell Nachforschungen an.“

Da er eine zweite Chance im Leben bekommen hatte, konnte er seinen Mund genauso gut zu seinem Vorteil nutzen und sich ein dickeres Fell zulegen. Vielleicht würde Jack dann etwas nachsichtiger mit ihm sein.

Damals, als er Jack zum ersten Mal umworben hatte, hatte er noch viel unverschämtere Dinge gesagt.

Natürlich glaubte Liam trotz all seines frechen Geredes noch immer an die wahre Liebe. Sonst hätte er sich von Anfang an niemals auf jemanden wie Jack eingelassen.

Sie waren kaum zusammen gewesen, da hatte Jack bereits Pläne für ihre Hochzeit geschmiedet. Der Kerl war völlig verrückt gewesen, als wäre er einer lächerlichen romantischen Komödie entsprungen.

„…“

Nach langem Schweigen stieß Jack schließlich ein verächtliches Schnauben aus.

„Du solltest besser nicht lügen.“

„Würde mir im Traum nicht einfallen.“

Liam atmete erleichtert aus, bevor er vorsichtig fragte:

„Also … kann ich dich besuchen? Vielleicht könnten wir dabei auch gleich unsere Differenzen aus der Welt schaffen?“

Mitleid erregen und gleichzeitig ihre alten Probleme klären. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Der erste Schritt bestand darin, sich persönlich gegenüberzustehen. Sobald sie sich trafen, hätte Liam eine Chance, Jack zurückzugewinnen.

„Ich hole dich am Hauptbahnhof ab.“

Jack hatte endlich zugestimmt.

Liam wurde von Erleichterung überflutet, doch fast unmittelbar darauf machte sie pure Überraschung Platz.

„Du … du bist in Sydney?“

Verdammt! Hatten sie die ganze Zeit so nah beieinander gelebt?

In seinem früheren Leben hatte Liam geglaubt, Jacks privates Sicherheitsunternehmen hätte seinen Sitz in Canberra, der Hauptstadt des Landes. War das nicht so gewesen?

Klick.

Jack antwortete nicht. Er legte einfach wieder auf.

Doch einen Moment später fügte er Liam über dessen Telefonnummer in den sozialen Medien hinzu. Wenigstens hatte er Liam damit eine Möglichkeit gelassen, ihn zu kontaktieren.

Liam atmete tief aus.

Was auch immer sonst passieren mochte, es war ihm gelungen, sich bei jemandem mit Macht einen Fuß in die Tür zu setzen. Das war vorerst das Wichtigste.

Als Nächstes musste er irgendwie Geld auftreiben.

Niemand sonst würde ihm Geld leihen, also beschloss er, seine Kreditkarte, die er erst vor Kurzem vollständig abbezahlt hatte, bis zum Limit auszureizen und so viel wie möglich über Online-Kreditplattformen aufzunehmen.

Die Welt würde ohnehin untergehen. Was hatte er schon zu verlieren?

Nach einer Reihe hektischer Transaktionen waren seine verfügbaren Mittel auf mehr als 70.000 australische Dollar gestiegen.

Für jemanden, der Vorräte für die Apokalypse anhäufen wollte, war das kaum mehr als Taschengeld. Trotzdem war es besser als nichts. Falls sein Treffen mit Jack schlecht verlief, würde das Geld ihn zumindest eine Weile über Wasser halten.

Er verkaufte seine Wohnung mitsamt sämtlichen Möbeln, die noch darin standen. Er packte nur ein paar Garnituren Kleidung, seine wichtigsten persönlichen Dinge, das Porträt seiner Mum und ein Fotoalbum in einen Koffer.

Er besaß nicht viel. Ein Koffer und ein Rucksack reichten aus, um alles unterzubringen, was er brauchte.

Aus seiner vorübergehenden Unterkunft auszuchecken war einfach. Noch am selben Nachmittag schleppte Liam sein Gepäck in ein Hotel.

Gegen acht Uhr an diesem Abend rief sein Vater an und fragte, ob er für ein paar Tage im Familienhaus wohnen wolle.

Liam lehnte ab.

In diesem Leben war bisher nichts Großes passiert, und deshalb wollte er nicht zu viel erklären. Es war ihm völlig recht, wenn jeder seinen eigenen Weg ging.

Als sein Vater jedoch erfuhr, dass Liam seine Wohnung verkauft hatte, um seine Schulden zu begleichen, fing er sofort an, ihn dafür zur Schnecke zu machen, dass er die Angelegenheit nicht vorher mit ihm besprochen hatte. Seine Stiefmutter, behauptete er, hätte ihm denselben Betrag zahlen können, den er durch den Verkauf erhalten hatte.

Der Streit eskalierte schnell.

In seinem früheren Leben hatte Liam die Kritik seines Vaters stets schweigend ertragen. Diesmal brach all die Wut, die er jahrelang in sich aufgestaut hatte, mit voller Wucht hervor, und er schrie zurück.

Erst als sein Vater, der Liams Verhalten als Herausforderung seiner Autorität auffasste, ihm und seiner verstorbenen Mutter vorwarf, kein Gewissen zu haben, begann Liam sich wieder zu beruhigen.

Er holte mehrmals tief Luft, wischte sich die Tränen weg und biss die Zähne zusammen.

Er hatte genug davon, so zu tun, als wären sie eine richtige Familie.

„Michael Bennett, du kannst mich beschimpfen, so viel du willst, aber wage es ja nicht, Mum mit hineinzuziehen! Der einzige Grund, warum ich dich überhaupt noch Dad nenne, ist, dass sie zu viel Gewissen hatte, um mir etwas anderes zu sagen. Abgesehen davon, dass wir dieselbe DNA teilen, verdienst du diesen Titel nicht!

„In dem Moment, als du dich von ihr scheiden ließest, weil sie darauf bestand, mich während der Anfangszeit deines Unternehmens zu bekommen, war das Band zwischen uns als Vater und Sohn zerrissen! Für dich war ich nichts weiter als ein verdammtes Ärgernis. Deshalb trage ich Mums Nachnamen. Ich bin Liam Bennett, der Sohn meiner Mutter! Du bist Michael Bennett, der Vater von Ethan und Chloe!“

In seinem früheren Leben hatte Liam nach dem Tod seiner Mutter und dem Ausbruch der Apokalypse geglaubt, sie könnten ihre alten Streitigkeiten beiseitelegen und zusammenarbeiten, um zu überleben.

Offensichtlich war er ein Idiot gewesen.

Für Michael war Liam schon immer ein Unfall gewesen. Im besten Fall war er ein Werkzeug, das eines Tages nützlich sein könnte, um Ethan zu retten. Jede noch so kleine Freundlichkeit, die Michael ihm entgegengebracht hatte, war nicht anders gewesen, als einem streunenden Tier Futter hinzuwerfen.

Jetzt, da Liam die beschämende Vergangenheit ans Licht gebracht hatte, war Michaels sorgfältig gepflegtes Image zerstört.

Wutentbrannt erklärte er, dass er Liam enterben und verleugnen würde. Anschließend forderte er ihn auf, das geliehene Geld zurückzuzahlen, wenn er denn ein Mann wäre.

Damit knallte er den Hörer auf.

Liam zögerte nicht.

Sobald das Gespräch beendet war, überwies er seinem Vater 20.000 australische Dollar, schickte ihm eine Nachricht, in der er erklärte, dass sie damit quitt seien, und blockierte sämtliche Kontaktmöglichkeiten, über die Michael ihn erreichen konnte.

Das Geld zurückzuzahlen war reine Verschwendung, besonders jetzt, da er jeden Cent für die Apokalypse brauchte. Doch Liam befürchtete, dass sein Vater ihn nach dem Zusammenbruch der Welt bei einer erneuten Begegnung mit den Schulden unter Druck setzen und ihm Schuldgefühle einreden könnte.

Es war besser, jetzt endgültig einen Schlussstrich zu ziehen.

Nachdem dieses Problem erledigt war, ließ Liam sich erschöpft auf das Hotelbett fallen. Schwer atmend wartete er darauf, dass sich sein überhitzter Kopf wieder abkühlte.

Etwa eine halbe Stunde später, als er sich wieder beruhigt hatte, nahm er sein Handy heraus und kaufte eine Zugfahrkarte nach Sydney für den folgenden Tag.

Er schickte Jack einen Screenshot der Fahrkarte.

Jack ignorierte ihn so kühl wie eh und je, also versuchte Liam, ein Gespräch anzufangen.

„Schick mir ein Foto von dir. Sonst ist es am Hauptbahnhof ziemlich voll, und vielleicht erkenne ich dich nicht. Ich schicke dir auch eins von mir.“

Zwei Jahre waren eine lange Zeit. In dieser Zeit konnten sich Menschen ziemlich verändern.

Diesmal antwortete Jack fast sofort.

„Vergiss es. Ich würde dich sogar erkennen, wenn du zu Staub zerfallen wärst.“

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