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Zwischen zwei Welten - Tanor

Author: Buch 31
last update publish date: 2026-09-28 19:50:55

Meine Augen weiteten sich geschockt, als Pifima plötzlich vor mir zusammen sackte.

»Pifima!«

Sofort sprang ich nach vorne und fing sie auf. Ihr Körper war vollkommen kraftlos und wäre beinahe zu Boden gefallen. Ich hielt sie fest und sah besorgt auf ihr Gesicht.

»Pifima? Kannst du mich hören?« Keine Antwort. Mein Herz schlug schneller.

Was war gerade passiert?

Eben noch hatte sie vor mir gestanden, und jetzt lag sie bewusstlos in meinen Armen.

Ich wollte gerade nach Kael rufen, als ich hinter mir eine Bewegung bemerkte.

Kael, der zuvor mit dem Rücken an einen Baum gelehnt gewesen war, bewegte sich langsam. Seine Augen öffneten sich.

»Kael!« Er hob langsam den Kopf und sah sich verwirrt um. Doch schon nach wenigen Sekunden wirkte er deutlich wacher als zuvor. Ich beobachtete ihn aufmerksam.

Vor wenigen Augenblicken hatte er noch kaum bei Bewusstsein gewirkt. Die Schmerzen, die er gehabt hatte, nachdem er gegen den Baum geschleudert worden war, schienen wie weggeblasen. Kael bewegte vorsichtig seine Schulter und richtete sich langsam auf.

»Es tut nicht mehr weh ...« Ich atmete erleichtert auf.

»Du kannst dich bewegen?« Er nickte.

»Ja. Viel besser sogar.« Ein kleines Lächeln erschien auf meinem Gesicht.

Ich war erleichtert. Pifimas Heilung hat also funktioniert.

Sie hatte Kael tatsächlich geheilt.

Doch als ich wieder zu ihr hinuntersah, verschwand meine Erleichterung sofort.

»Aber ... was ist mit dir?«

Pifima lag regungslos in meinen Armen.

Ich strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

»Du hast ihn geheilt ... und dafür bist du jetzt zusammengebrochen?«

Kael war inzwischen aufgestanden und kam langsam auf uns zu.

»Was ist passiert?« Ich sah zu ihm.

»Ich weiß es nicht. Sie ist einfach plötzlich umgekippt.«

Kael ging neben mir in die Hocke und betrachtete Pifima besorgt.

»Pifima ...« Keine Reaktion. Für einen Moment herrschte Stille.

Der Wind bewegte leise die Blätter über uns. Mein Blick wanderte wieder zu Pifima.

Ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus. Vielleicht war das alles miteinander verbunden.

»Kael ...« Er sah mich an.

Ich wollte gerade etwas sagen, als Pifima sich in meinen Armen leicht bewegte.

Mein Herz machte einen Sprung.

»Pifima?« Doch sie öffnete ihre Augen nicht. Kael kam sofort näher.

»Was ist mit ihr?« Ich schüttelte langsam den Kopf.

»Ich weiß es nicht.« Ich sah auf ihr Gesicht.

»Sie hat kurz vorher noch ganz normal mit uns gesprochen.«

Kael schwieg. Auch er schien zu spüren, dass hier etwas nicht stimmte.

Dann hörte ich plötzlich ein kaum wahrnehmbares Flüstern.

So leise, dass ich mir zunächst nicht sicher war, ob ich es mir nur eingebildet hatte.

»...Lauf ...« Ich erstarrte.

»Hast du das gehört?« Kael sah mich fragend an.

»Was?« Ich blickte wieder auf Pifima hinab. Ihre Lippen bewegten sich nicht.

Doch irgendwo tief in meinem Inneren wusste ich plötzlich:

Pifima war nicht einfach nur bewusstlos geworden.

Etwas hatte sie gerufen.

Kael rappelte sich langsam auf. Noch immer wirkte er etwas erschöpft, doch seine Bewegungen waren wieder sicherer.

»Tanro, wir müssen sie ins Schloss bringen. Sie und wir sind hier nicht sicher.«

Ich nickte.

»Du hast recht.« Vorsichtig schob ich einen Arm unter Pifimas Rücken und den anderen unter ihre Knie. Dann hob ich sie hoch. Sie war erstaunlich leicht.

Ihr Kopf sank gegen meine Schulter, während ich besorgt auf ihr Gesicht blickte.

»Halte durch, Pifima ...« Plötzlich raschelte das Gebüsch hinter uns.

Ich erstarrte. Kael drehte sich sofort in die Richtung des Geräusches.

»Was war das?« Noch bevor ich antworten konnte, bewegten sich die Blätter erneut.

Eine Gestalt trat aus dem dichten Gebüsch. Ein junger Mann.

Auf den ersten Blick erkannte ich, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. Seine spitzen Ohren verraten ihn sofort. Ein Elf.

Sein braun blondes Haar fiel ihm leicht über die Stirn und umrahmte sein schmales, aber markantes Gesicht. Seine grünen Augen waren auf mich gerichtet.

Doch in seinem Blick lag keine Freundlichkeit. Nur Misstrauen.

Und Feindseligkeit. Sein Blick wanderte zu Pifima, die ich noch immer in meinen Armen hielt. Plötzlich veränderte sich sein Gesicht.

»Lass meine Schwester sofort los!« Seine Stimme war scharf und drohend.

Ich spannte mich an.

»Deine Schwester ...?« Der Elf machte einen Schritt auf uns zu.

Seine grünen Augen funkelten.

»Du hast mich gehört.« Kael stellte sich sofort neben mich.

»Warte. Wir wollen ihr nichts tun.« Der Elf ignorierte ihn.

Sein Blick blieb ausschließlich auf Pifima gerichtet.

»Was habt ihr mit ihr gemacht?« Ich schüttelte den Kopf.

»Gar nichts. Sie ist plötzlich zusammengebrochen.«

Für einen kurzen Moment wurde sein Gesichtsausdruck unsicher.

Dann sah er wieder zu Pifima.

»Pifima ...« Seine Stimme wurde plötzlich leiser. Er kannte sie.

Und ich wusste sofort: Dieser Elf war nicht zufällig hier.

Er war ihr Bruder.

Elyan.

Und seinem Blick nach zu urteilen, würde er uns nicht einfach mit ihr davonkommen lassen.

Elyan kam langsam näher.

Ich wich keinen Schritt zurück. Pifima lag noch immer bewusstlos in meinen Armen.

»Du bist ihr Bruder?«, fragte Kael vorsichtig.

Elyan antwortete zunächst nicht. Seine grünen Augen musterten Kael aufmerksam, bevor sein Blick wieder zu mir wanderte.

»Ja.« Nur dieses eine Wort.

Doch darin lag so viel Anspannung, dass ich seine Vorsicht verstehen konnte.

»Dann musst du uns glauben«, sagte ich. »Wir haben ihr nichts getan.«

Elyans Blick verengte sich.

»Warum sollte ich euch glauben? Ich finde meine Schwester bewusstlos in den Armen eines Fremden.«

»Sie hat mich geheilt«, sagte Kael plötzlich. Elyan sah ihn an.

»Was?« Kael deutete auf sich.

»Ich wurde gegen diesen Baum geschleudert. Ich war schwer verletzt. Pifima hat ihre Magie benutzt, um mich zu heilen.« Elyans Gesicht veränderte sich.

Sein Blick wanderte langsam zu Pifima.

»Sie hat ... dich geheilt?«

Kael nickte.

»Ja.« Elyan ballte die Hände zu Fäusten.

»Natürlich ...« Ich runzelte die Stirn.

»Was meinst du damit?« Er sah mich an.

»Sie macht das immer.

Seine Stimme klang plötzlich nicht mehr feindselig, sondern besorgt.

»Sie denkt nie darüber nach, was es sie selbst kostet.

Ich blickte auf Pifima hinab.

»Was meinst du?« Elyan trat näher.

»Ihre Heilmagie nimmt ihre eigene Kraft. Je schwerer die Verletzung, desto mehr gibt sie von sich selbst.« Mir wurde kalt. Ich sah zu Kael.

Er war inzwischen vollständig aufgestanden und wirkte tatsächlich wieder gesund.

Dann blickte ich zurück auf Pifima.

»Aber ... sie hat dich vollständig geheilt.« Kael senkte den Blick.

»Dann hat sie wahrscheinlich mehr Kraft gegeben, als sie hätte geben dürfen.«

Elyan kniete sich vor uns hin und legte vorsichtig zwei Finger an Pifimas Hals.

Ein Moment verging. Dann atmete er erleichtert aus.

»Sie lebt.« Ich merkte erst jetzt, dass ich selbst die Luft angehalten hatte.

»Kannst du ihr helfen?« Elyan sah zu mir hoch.

»Vielleicht.« Er stand wieder auf. »Aber wir dürfen keine Zeit verlieren.« Kael nickte.

»Genau das habe ich auch gesagt. Wir müssen ins Schloss.«

Elyan sah ihn scharf an.

»Ins Schloss?«

»Dort ist sie sicherer.«

»Nein!« Elyans Stimme war plötzlich scharf.

Er trat einen Schritt auf mich zu.

»Sie kommt mit mir.«

Ich wich instinktiv zurück und hielt Pifima fester in meinen Armen.

Doch bevor ich etwas sagen konnte, stellte sich Kael schützend vor mich.

Mit einer schnellen Bewegung zog er sein Schwert. Die Klinge blitzte im Mondlicht.

»Keinen Schritt weiter.« Elyan blieb stehen.

Sein Blick wanderte langsam zu dem Schwert und anschließend zurück zu Kael.

»Steck es weg.« Kael senkte die Waffe keinen Zentimeter.

»Nicht, solange du dich ihr näherst.«

Elyans Augen verengten sich. Dann hob er langsam eine Hand.

»Überreich mir meine Schwester sofort!« Seine Stimme hallte durch den Wald.

Ich blickte zwischen den beiden hin und her.

»Wartet!« Kael hielt seinen Blick weiterhin auf Elyan gerichtet.

»Tanro, bleib hinter mir.«

»Aber-«

»Nein.« Seine Stimme war fest. Elyan ballte die Hand zur Faust.

»Du verstehst nicht, was hier passiert.«

»Dann erklär es mir!«, erwiderte Kael. Für einen Moment sagte Elyan nichts.

Dann sah er zu Pifima. Sein Gesicht wurde weicher.

»Sie ist meine kleine Schwester.« Seine Stimme war nun deutlich leiser.

»Und ich habe geschworen, sie zu beschützen.« Er sah wieder zu Kael.

»Ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand sie mitnimmt.«

Ich blickte auf Pifima hinab. Ihr Gesicht war friedlich, als würde sie von all dem nichts mitbekommen. Doch plötzlich bewegten sich ihre Finger leicht. Ich erstarrte.

»Pifima ...?« Elyan bemerkte die Bewegung ebenfalls. Sofort trat er einen Schritt vor.

»Pifima!« Kael hob sein Schwert noch etwas höher.

»Bleib zurück!« Elyan ignorierte ihn.

»Sie wacht auf.« Ich sah Pifima an. Ihre Augen waren noch geschlossen. Doch ihre Lippen bewegten sich ganz leicht. Ein kaum hörbares Wort drang über ihre Lippen.

»...Elyan ...« Der Elf erstarrte. Seine Augen weiteten sich.

»Pifima ...«

Und zum ersten Mal verschwand die Feindseligkeit vollständig aus seinem Gesicht.

Nur noch Sorge blieb zurück

Pifimas Lippen bewegten sich noch einmal leicht. Doch ihre Augen blieben geschlossen.

Sie wachte nicht auf. Elyan sah sie mit wachsender Sorge an.

»Pifima ...« Ich schüttelte langsam den Kopf.

»Sie ist noch nicht wach.«

Elyan trat einen Schritt näher, doch Kael hielt weiterhin sein Schwert zwischen uns.

»Sie ist zu schwach«, sagte ich leise. Elyan sah mich an.

»Woher willst du das wissen?«

»Sie hat Kael geheilt.« Ich blickte auf Pifimas blasses Gesicht.

»Danach ist sie einfach zusammengebrochen.«

Elyans Gesicht wurde ernst. Er verstand sofort.

»Ihre Magie ...« Kael senkte das Schwert ein wenig.

»Sie hat all ihre Kraft dafür eingesetzt.« Elyan schloss kurz die Augen.

»Verdammt, Pifima ...« Seine Stimme zitterte. Dann ging er langsam in die Hocke.

»Sie hätte das nicht tun dürfen.« Ich sah ihn fragend an.

»Kannst du ihr helfen?«

Elyan legte vorsichtig eine Hand auf Pifimas Stirn.

Für einen Moment geschah nichts.

Dann begann ein schwaches, grünliches Leuchten zwischen seinen Fingern aufzuschimmern. Kael beobachtete ihn aufmerksam.

»Was machst du?«

»Ich versuche, ihre Kraft zu stabilisieren.«

Das Leuchten wurde etwas stärker. Pifimas Gesicht entspannte sich.

Doch ihre Augen blieben geschlossen. Elyan atmete erleichtert aus.

»Sie schläft.«

»Also wird sie wieder aufwachen?«, fragte ich. Elyan schwieg.

Diese kurze Stille machte mir mehr Angst als jede Antwort.

»Elyan?« Er sah mich an.

»Ja.« Dann fügte er leise hinzu: »Aber nicht jetzt.«

Ich blickte auf Pifima hinab.

»Wie lange?« Elyan schüttelte langsam den Kopf.

»Das weiß ich nicht.« Elyan nahm seine Hand wieder von ihrer Stirn.

»Sie braucht Ruhe. Sehr viel Ruhe.«

Kael steckte sein Schwert langsam zurück in die Scheide.

Elyan sah zu Pifima und dann zu uns.

»Sie muss nach Hause.« Seine Stimme ließ keinen Widerspruch zu. Ich sah ihn fragend an.

»Nach Hause?« Elyan nickte.

»Ja. Dort kann ich mich um sie kümmern. Sie braucht ihre vertraute Umgebung und jemanden, der ihre Magie kennt.« Kael verschränkte die Arme.

»Und wo ist dieses Zuhause?« Elyan antwortete nicht sofort.

Stattdessen sah er in Richtung des Waldes.

»Nicht weit von hier.« Dann wandte er sich wieder zu uns. Sein Blick wurde ernst.

»Allerdings sind Dämonen bei uns nicht gerne gesehen.«

Ich erstarrte. Elyan sah direkt zu mir.

»Deshalb wäre es das Beste, wenn ihr zurück nach Hause kehrt.

Für einen Moment brachte ich kein Wort heraus.

Zurück nach Hause?

Aber Pifima lag noch immer bewusstlos in meinen Armen.

Ich blickte zu Kael. Auch er schien von Elyans Worten überrascht zu sein.

»Du willst, dass wir sie einfach dir überlassen?«, fragte Kael.

»Nein«, antwortete Elyan ruhig. »Ich will, dass ihr beide in Sicherheit seid.«

Er sah kurz zu Pifima.

»Wenn die anderen euch sehen, könnte es Probleme geben.«

Ich senkte den Blick auf Pifima.

»Aber sie würde nicht wollen, dass wir sie einfach allein lassen.«

Elyan schwieg. Dann seufzte er leise.

»Ich weiß.« Sein Blick wurde traurig.

»Aber ihre Sicherheit hat für mich oberste Priorität.«

Ich spürte, wie sich meine Arme um Pifima unbewusst etwas fester schlossen.

»Und was ist mit uns?« Elyan sah mich an.

»Ihr seid ihre Freunde.« Eine kurze Pause.

»Aber für mein Volk seid ihr Dämonen.«

Diese Worte trafen mich härter, als ich erwartet hatte. Ich wusste, dass Dämonen und Feen nicht gerade Freunde waren. Aber Pifima hatte uns vertraut.

Und jetzt sollten wir einfach gehen?

Ich schüttelte langsam den Kopf.

»Ich lasse sie nicht allein.« Kael sah mich kurz an und trat dann neben mich.

»Ich auch nicht.« Elyan blickte zwischen uns hin und her. Für einen Moment sagte er nichts.

Dann seufzte er.

»Ihr macht es mir wirklich nicht leicht.« Elyan seufzte und sah uns ernst an.

»Trotzdem müsst ihr verstehen: Es herrscht zwar Frieden zwischen unseren Völkern, aber wir vertrauen grundsätzlich keinen Dämonen.«

Ich schwieg. Seine Worte trafen mich. Elyan fuhr fort:

»Deshalb könnt ihr niemals unser Königreich betreten.«

Kael verschränkte die Arme.

»Niemals?« Elyan schüttelte den Kopf.

»Nicht, solange ihr als Dämonen erkannt werdet.«

Ich sah ihn verwirrt an.

»Aber wenn Pifima dort lebt ...«

»Pifima ist eine Ausnahme.« Elyans Stimme wurde sanfter.

»Sie gehört zu meinem Volk. Sie ist eine F*e.« Er blickte auf seine Schwester.

»Und genau deshalb werde ich dafür sorgen, dass sie sicher nach Hause kommt.«

Ich sah Pifima an. Irgendetwas an Elyans Worten machte mich nachdenklich.

»Dann müssen wir uns also trennen, sobald wir dort ankommen?«

Elyan antwortete nicht sofort. Dann nickte er langsam.

»Ja.« Kael sah ihn ernst an.

»Und wenn wir sie besuchen wollen?«

»Das wird schwierig.« Elyan blickte in die Ferne.

»Aber vielleicht gibt es einen Weg.« Ich hob überrascht den Kopf.

»Welchen?« Elyan lächelte schwach.

»Das weiß ich selbst noch nicht.« Dann setzte er sich wieder in Bewegung.

»Aber zuerst müssen wir Pifima nach Hause bringen.«

Ich folgte ihm mit Pifima in meinen Armen. Doch seine letzten Worte gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.

Vielleicht gibt es einen Weg. Vielleicht mussten wir Pifima tatsächlich verlassen.

Aber ich würde nicht aufgeben.

Nicht solange ich wusste, dass sie irgendwo dort draußen auf uns wartete.

Wir folgten Elyan immer tiefer in den Wald.

Je weiter wir gingen, desto dichter wurde der Nebel zwischen den Bäumen. Die Luft fühlte sich plötzlich anders an - kühler und zugleich ungewöhnlich still.

Dann blieb Elyan stehen. Vor uns erstreckte sich eine riesige Wand aus dichtem, silbrigem Nebel. Sie war so gewaltig, dass ich ihr Ende nicht erkennen konnte. Der Nebel reichte hoch über die Baumwipfel und verschluckte alles, was dahinter lag.

Ich konnte nicht einmal erahnen, was sich auf der anderen Seite befand.

»Was ist das?«, fragte Kael. Elyan drehte sich zu uns um.

»Hier ist der Übergang zum Feenreich.« Er deutete auf die gewaltige Nebelwand.

»Andere Wesen können nur diese riesige Nebelwand sehen. Sie ist unser Schutzmechanismus.« Ich blickte fasziniert auf den Nebel.

»Und dahinter liegt euer Königreich?«

Elyan nickte. »Ja.«

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Ich hatte das Gefühl, dass sich hinter dieser Wand eine völlig andere Welt befand.

Eine Welt, in der Pifima zu Hause war. Elyan sah mich ernst an.

»Ab hier geht es für euch nicht weiter.« Ich blieb stehen.

Mein Blick wanderte zu Pifima in meinen Armen.

»Hier?«

»Ja.« Elyan trat näher und sah auf seine Schwester hinab.

»Ich bringe sie hinein.« Ich schluckte.

Plötzlich fühlte sich der Abschied viel realer an.

Bis gerade hatte ich gehofft, dass wir sie vielleicht doch begleiten könnten.

Doch nun lag zwischen uns und dem Feenreich eine gewaltige Wand aus Nebel.

Kael trat neben mich.

»Dann ist das also die Grenze.«

»Ja«, antwortete Elyan. Er streckte seine Hand nach Pifima aus.

»Gib sie mir.«

Ich zögerte. Meine Arme wollten sie nicht loslassen.

Doch ich wusste, dass Elyan ihr Bruder war. Und dass er sie beschützen würde.

Langsam übergab ich Pifima an ihn. Elyan nahm sie vorsichtig in seine Arme.

Pifimas Kopf ruhte an seiner Schulter. Er sah noch einmal zu uns.

»Ich verspreche euch, dass ich mich um sie kümmern werde.«

Ich nickte.

»Und wenn sie aufwacht ... sag ihr, dass wir auf sie warten.«

Elyan lächelte schwach.

»Das werde ich.« Dann drehte er sich zur Nebelwand.

Doch bevor er hineinging, blieb er noch einmal stehen.

»Vielleicht gibt es wirklich einen Weg.« Ich sah ihn fragend an.

»Eines Tages.« Dann trat Elyan mit Pifima in die Nebelwand.

Innerhalb weniger Sekunden verschluckte der silberne Nebel die beiden.

Ich blieb zurück.

Starrte auf die Stelle, an der sie verschwunden waren. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich der Wald um mich herum unglaublich leer an. Pifima war fort.

Und ich konnte ihr nicht folgen. Kael trat langsam zu mir.

Ich bemerkte seine Schritte kaum.

Er blieb neben mir stehen und legte mir sanft eine Hand auf die Schulter.

»Komm«, sagte er leise. »Wir müssen langsam zurück ins Schloss.«

Ich antwortete nicht. Mein Blick blieb auf der Nebelwand gerichtet.

Dort, wo Elyan mit Pifima verschwunden war.

»Sie ist jetzt allein dort drinnen ...« Kael schüttelte leicht den Kopf.

»Nein. Sie ist nicht allein.« Ich sah ihn an.

»Elyan ist bei ihr.« Ich senkte den Blick.

»Trotzdem fühlt es sich falsch an.« Kael nahm seine Hand von meiner Schulter.

»Ich weiß.« Er schwieg kurz.

»Aber wir können hier nichts mehr tun.« Ich sah noch einmal zur Nebelwand.

»Vielleicht gibt es wirklich einen Weg, zurück zu ihr zu kommen.«

Kael lächelte schwach.

»Dann werden wir ihn finden.« Ich sah ihn überrascht an.

»Du glaubst das wirklich?«

»Ja.« Er wandte sich vom Feenreich ab.

»Und außerdem haben wir noch einiges zu klären.« Ich folgte seinem Blick.

Der Wald lag dunkel und still vor uns.

»Was meinst du?« Kael sah mich ernst an.

»Pifima ist nicht einfach nur eine F*e.« Ich runzelte die Stirn.

»Wie meinst du das?«

»Ihre Heilmagie.« Er sah zurück zur Nebelwand.

»Sie hat mich geheilt, obwohl sie selbst dadurch zusammengebrochen ist. Und dann hat sie im Schlaf etwas von einer Stimme erzählt ...« Ich erstarrte.

»Du hast es auch gehört?« Kael schüttelte den Kopf.

»Nein.« Er sah mich fragend an.

»Aber du hast etwas gehört.« Ich nickte langsam.

»Eine Stimme.

»Was hat sie gesagt?« Ich zögerte.

Dann erinnerte ich mich an das leise Flüstern. »Lauf ...«

Kael wurde still. Ein kalter Windstoß zog durch die Bäume.

»Dann sollten wir wirklich zurück ins Schloss.« Ich sah ein letztes Mal zur Nebelwand.

»Pifima ...«

Dann wandte ich mich um. Gemeinsam machten Kael und ich uns auf den Rückweg.

Doch tief in meinem Inneren wusste ich:

Das war kein Abschied für immer.

Ich würde einen Weg finden, wieder zu ihr zu gelangen.

Wir liefen zurück zum Schloss. Keiner von uns sagte ein Wort.

Zwischen den Bäumen hallten nur unsere Schritte wider. Die Stille fühlte sich unangenehm an, fast erdrückend. Ich warf einen kurzen Blick zu Kael.

Sein Gesicht wirkte angespannt. Irgendetwas beschäftigte ihn.

Etwas, das er sich offenbar nicht auszusprechen traute.

»Was ist, Kael?« Er antwortete nicht sofort. Stattdessen schluckte er und sah geradeaus.

Dann atmete er tief durch.

»Tanor ... ich denke, es ist besser so, dass wir Elyan nicht begleiten konnten.«

Ich runzelte die Stirn.

»Warum?« Kael blieb kurz stehen.

»Du weißt doch, wie das mit Beziehungen - geschweige denn

Liebesgefühlen - zwischen anderen Arten ist.«

Ich sah ihn verwirrt an.

»Was soll das heißen?« Kael sah mich ernst an.

»Du weißt genau, was ich meine.« Er senkte kurz den Blick.

»Auf dieses Vergehen steht Verbannung.« Ich blieb stehen.

»Wie kommst du plötzlich darauf?« Kael schwieg einige Sekunden.

Dann sah er mich direkt an.

»Tanor ... du bist mein bester Freund.« Seine Stimme wurde ruhiger.

»Wir kennen uns schon ewig. Seit unseren Kindertagen.« Er trat einen Schritt näher.

»Du kannst mir nichts vormachen.«

Ich wollte etwas erwidern, doch er ließ mich nicht zu Wort kommen.

»Ich sehe doch, wie du sie ansiehst.«

Mein Herz setzte für einen Moment aus.

»Pifima ...?« Kael nickte.

»Ja.« Ich wandte den Blick ab.

»Du bildest dir das ein.«

»Nein.« Seine Antwort kam sofort.

»Das tue ich nicht.« Ich schwieg. Kael verschränkte die Arme.

»Seit wir sie getroffen haben, bist du anders.«

»Anders?«

»Du machst dir ständig Sorgen um sie. Du hast sie beschützt, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken.« Er sah mich eindringlich an.

»Und als Elyan sie mitgenommen hat, hast du ausgesehen, als würde man dir etwas wegnehmen.« Ich ballte unbewusst die Hände.

»Sie ist unsere Freundin.« Kael lächelte schwach.

»Natürlich.« Sein Tonfall verriet, dass er mir nicht glaubte.

»Aber ich kenne dich, Tanor.« Er wandte sich wieder dem Weg zu.

»Und genau deshalb sage ich dir das.« Ich blieb noch einen Moment stehen.

Meine Gedanken rasten. Pifimas Gesicht tauchte vor meinem inneren Auge auf.

Ihr Lächeln. Ihre Stimme. Der Moment, in dem sie zusammengebrochen war und ich sie in meinen Armen aufgefangen hatte. Ich schüttelte den Kopf.

»Das kann nicht sein.« Kael blieb stehen und sah über seine Schulter zu mir.

»Was kann nicht sein?« Ich antwortete nicht. Denn tief in meinem Inneren kannte ich die Antwort längst. Ich wollte sie nur nicht aussprechen.

Kael wartete auf meine Antwort. Doch ich schwieg. Ich wusste selbst nicht, was ich sagen sollte. Schließlich setzte ich mich wieder in Bewegung.

»Du denkst zu viel nach.« Kael folgte mir.

»Und du weichst aus.« Ich seufzte.

»Kael ...«

»Nein, Tanor.« Seine Stimme war ungewohnt ernst.

»Ich will dich nicht verurteilen.« Ich blieb stehen und sah ihn an.

»Aber du weißt, was passieren würde, wenn jemand davon erfährt.«

Ich wusste es. Nur zu gut. Verbannung.

Alles verlieren.

Familie, Heimat, Freunde. Und vielleicht sogar die eigene Zukunft.

Ich sah zu Boden.

»Ich empfinde nichts für sie.« Kael schwieg. Dann hob er eine Augenbraue.

»Wirklich?«

»Ja.« Meine Antwort klang selbst für mich nicht überzeugend. Kael seufzte.

»Tanor, du musst mir nichts vormachen.« Er trat näher.

»Ich bin dein bester Freund. Wenn du mir nicht die Wahrheit sagen kannst, wem dann?«

Ich ballte die Hände.

»Ich weiß es einfach nicht.« Kael sah mich überrascht an.

»Was weißt du nicht?« Ich atmete tief ein.

»Was ich fühle.« Die Worte kamen nur schwer über meine Lippen.

»Ich kenne Pifima kaum. Und trotzdem ...«

Ich brach ab. Kael wartete geduldig.

»Trotzdem?« Ich schloss kurz die Augen.

»Als sie zusammengebrochen ist, hatte ich Angst.«

»Das ist normal.«

»Nein.« Ich öffnete die Augen wieder.

»Es war mehr als das.« Kael sagte nichts.

»Als Elyan sie mitgenommen hat, wollte ich hinterher.«

Meine Stimme wurde leiser.

»Obwohl ich wusste, dass ich dort nichts zu suchen habe.« Kael sah mich ernst an.

»Und jetzt?« Ich blickte in den dunklen Wald vor uns.

»Jetzt fühlt es sich an, als hätte ich etwas verloren.«

Kael legte mir erneut eine Hand auf die Schulter.

»Dann solltest du dir vielleicht eingestehen, dass du dich in sie verliebt hast.«

Ich sah ihn erschrocken an.

»Sag das nicht.«

»Warum?«

»Weil es nicht sein darf.« Kael schwieg einen Moment.

Dann sagte er leise: »Vielleicht darf es das nicht.« Sein Blick wurde traurig.

»Aber Gefühle fragen nicht danach, was erlaubt ist.«

Ich antwortete nicht.

Denn tief in meinem Herzen wusste ich, dass er recht hatte.

Und genau das machte mir Angst. Wir gingen weiter.

Das Schloss kam langsam zwischen den Bäumen zum Vorschein.

Doch obwohl unsere Heimat vor uns lag, fühlte sie sich plötzlich nicht mehr wie Zuhause an.

Denn ein Teil von mir war bei Pifima geblieben. Hinter einer gewaltigen Wand aus Nebel.

Wir erreichten schließlich das Schloss.

Die hohen Türme ragten vor uns in den dunklen Himmel, während die Fackeln entlang der Mauern flackerten. Das vertraute Bild hätte mir eigentlich Sicherheit geben sollen.

Doch diesmal fühlte es sich anders an. Kael und ich gingen durch das große Tor.

Die Wachen erkannten uns sofort und machten Platz.

»Prinz Tanor. Kael.« Ich nickte ihnen nur kurz zu.

Normalerweise hätte ich ihnen vielleicht einen lockeren Spruch zugeworfen.

Heute hatte ich nicht die Kraft dazu. Kael bemerkte meine Anspannung.

»Du solltest dich ausruhen.« Ich sah ihn an.

»Ich bin nicht müde.«

»Das habe ich auch nicht gesagt.« Ich seufzte.

»Du kannst manchmal wirklich nervig sein.« Kael grinste kurz.

»Und trotzdem bist du seit unserer Kindheit mit mir befreundet.«

Ich musste unwillkürlich lächeln. Doch das Lächeln verschwand wieder.

Mein Blick wanderte zum Schlossgarten. Dort, wo Pifima vorhin noch gewesen war.

Es fühlte sich an, als wäre etwas Entscheidendes aus meinem Leben verschwunden.

»Tanor.« Ich sah Kael an.

»Was?«

»Du wirst sie wiedersehen.« Ich schwieg.

»Versprochen?«

Kael nickte. »Versprochen.«

Ich betrat mein Zimmer. Kael hatte sich schließlich von mir verabschiedet und war in seine eigenen Gemächer gegangen.

Ich schloss die Tür hinter mir und blieb einen Moment mit dem Rücken daran stehen.

Die Stille meines Zimmers fühlte sich ungewohnt schwer an.

Ich ging zum Bett und legte mich hin. Doch kaum hatte ich die Augen geschlossen, tauchte wieder ihr Gesicht vor meinem inneren Auge auf.

Pifima.

Ich drehte mich auf die Seite.

»Verdammt ...« Ich konnte nicht schlafen. Immer wieder musste ich daran denken, wie sie plötzlich in meinen Armen zusammengebrochen war. Wie kalt meine Hände geworden waren, als ich dachte, ihr könnte etwas passiert sein.

Und dann Elyan. Seine Worte gingen mir nicht aus dem Kopf. Ihr könnt niemals unser Königreich betreten. Ich setzte mich auf. Das brachte nichts.

Schlafen konnte ich so ohnehin nicht. Also stand ich auf und ging zur Balkontür.

Ich öffnete sie und trat hinaus. Die kühle Nachtluft strich über mein Gesicht.

Vor mir lag das Schlossgelände, nur vom schwachen Licht der Fackeln erhellt. Dahinter erstreckte sich der dunkle Wald. Ich stützte mich auf das steinerne Geländer und blickte in die Nacht. Irgendwo dort draußen lag das Feenreich. Hinter dieser gewaltigen Wand aus Nebel.

Und Pifima war dort.

Ich schloss kurz die Augen. »Geht es dir gut?«

Natürlich bekam ich keine Antwort. Ich öffnete die Augen wieder und blickte zum Himmel.

Der Mond stand hell zwischen den Wolken.

»Warum kann ich nicht einfach aufhören, an dich zu denken?«

Ich lachte leise über mich selbst.

»Ich kenne dich kaum ...« Doch das änderte nichts.

Ich legte eine Hand auf meine Brust. Mein Herz fühlte sich schwer an.

Kaels Worte kamen mir wieder in den Sinn.

» Ich sehe doch, wie du sie ansiehst.«

Ich schüttelte den Kopf. »Du bist verrückt, Kael.«

Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass er vielleicht recht hatte.

Plötzlich zog ein kalter Wind über den Balkon. Ich hob den Kopf.

Für einen kurzen Moment glaubte ich, eine Stimme zu hören. Ganz leise.

Fast wie ein Flüstern im Wind.

»...Tanor ...« Ich erstarrte. Mein Herz begann schneller zu schlagen.

»Pifima?« Ich trat einen Schritt nach vorne und blickte in die Dunkelheit.

Doch dort war niemand. Nur der Wald. Und der Mond.

Ich blieb noch lange auf dem Balkon stehen. Vielleicht hatte ich mir die Stimme nur eingebildet.

Oder vielleicht ... war Pifima gerade genauso wach wie ich.

Ich seufzte. Ich konnte nicht länger warten.

Ich musste sie sehen. Ich musste einfach wissen, ob es Pifima gut ging.

Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich sah noch einmal über das Schlossgelände.

Alles war ruhig. Die meisten Wachen waren inzwischen auf ihren Posten, und in den Fenstern brannte nur noch vereinzelt Licht. Wenn ich jetzt ging, würde es wahrscheinlich niemand bemerken. Ich trat an die Brüstung meines Balkons.

Mein Blick fiel nach unten.

Es war nicht besonders hoch.

»Na schön ...«

Vorsichtig kletterte ich über das Geländer und ließ mich auf den darunterliegenden Vorsprung hinab. Von dort aus sprang ich auf den steinernen Sims und schließlich auf den Boden. Ich sah mich um.

Niemand hatte mich bemerkt.

Leise schlich ich mich vom Schloss weg.

Je weiter ich mich entfernte, desto dunkler wurde es.

Bald verschluckte mich der Wald. Die Geräusche des Schlosses verschwanden hinter mir. Nur das Rascheln der Blätter und meine eigenen Schritte waren noch zu hören.

Ich ging weiter. Immer weiter in die Richtung, in der Elyan mit Pifima verschwunden war.

»Ich muss nur wissen, dass es ihr gut geht.«

Ich versuchte, mir diesen Satz immer wieder einzureden.

Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass es nicht nur darum ging.

Ich wollte sie sehen. Ich wollte bei ihr sein. Der Weg wurde schwieriger. Äste streiften meine Kleidung, und die Dunkelheit machte es schwer, den richtigen Pfad zu erkennen.

Doch ich ging weiter. Schließlich blieb ich stehen.

Vor mir tauchte zwischen den Bäumen ein schwaches silbernes Leuchten auf.

Mein Herz begann schneller zu schlagen. Die Nebelwand. Ich war wieder an der Grenze zum Feenreich. Ich trat langsam näher. Doch diesmal blieb ich nicht stehen.

»Pifima ...« Ich legte eine Hand auf die kalte Nebelwand.

»Ich bin gekommen.« Der Nebel bewegte sich leicht unter meiner Hand. Für einen kurzen Moment glaubte ich, Wärme zu spüren. Mein Herz begann schneller zu schlagen.

Die Nebelwand. Ich war wieder an der Grenze zum Feenreich.

Ich trat langsam näher.

»Pifima ...« Ich legte eine Hand auf die kalte Nebelwand.

»Ich bin gekommen.« Der Nebel bewegte sich leicht unter meiner Hand.

Für einen kurzen Moment glaubte ich, Wärme zu spüren.

Dann geschah etwas völlig Unerwartetes. Die Nebelwand begann sich zu bewegen.

Langsam teilte sich der dichte, silberne Nebel vor mir. Ich hielt den Atem an.

Ein helles Licht drang durch die entstandene Öffnung. Und dann konnte ich es sehen.

Das Feenreich. Elarion.

Meine Augen weiteten sich. Ich hatte mit vielem gerechnet. Aber nicht damit.

Vor mir lag eine atemberaubend schöne Welt.

Überall schimmerten riesige Bäume, deren Blätter in sanften Farben leuchteten. Zwischen ihren Ästen schwebten kleine Lichtkugeln wie Sterne und tauchten den Wald in ein magisches Glitzern.

In der Ferne erhob sich eine prächtige Stadt.

Türme aus hellem, fast weißem Stein ragten zwischen gewaltigen Bäumen empor. Brücken aus glänzendem Kristall verbanden die verschiedenen Teile der Stadt miteinander.

Überall schwebten kleine Lichter durch die Luft. Und hoch über den Dächern schwebten riesige, leuchtende Blüten. Ich konnte meinen Blick nicht davon lösen.

»Das ist ... Elarion.«

Noch nie hatte ich etwas so Schönes gesehen. Es wirkte nicht wie ein gewöhnliches Königreich. Es fühlte sich an wie eine Welt, die direkt aus einem Traum entsprungen war.

Ein sanfter Wind strich durch den geöffneten Nebel und brachte den Duft unbekannter Blumen mit sich. Ich machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne.

Mein Herz schlug noch immer schnell.

»Pifima ist hier ...« Ich sah in die Ferne. Irgendwo dort lag ihr Zuhause. Und irgendwo in dieser wunderschönen Welt war sie. Doch plötzlich wurde mir bewusst, was ich gerade getan hatte. Ich war in das Feenreich eingedrungen. Als Dämon.

Wenn Elyan recht hatte und die Feen uns wirklich nicht vertrauten, durfte mich niemand entdecken. Ich blickte noch einmal zurück zur Nebelwand.

Der Durchgang begann bereits wieder kleiner zu werden.

»Dann sollte ich wohl besser nicht erwischt werden.«

Ich holte tief Luft.

Und betrat Elarion.

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