LOGINDie Regeln des Stabs waren einfach: Er sollte niemals gehoben werden. Er sollte niemals gefunden werden. Und er sollte niemals einem menschlichen Mädchen gehören. Als die siebzehnjährige Kaelyn versehentlich eine uralte Macht aktiviert, um das Leben ihrer Schwester zu retten, wird sie in einen gefährlichen übernatürlichen Konflikt gezogen, der ihre Realität für immer verändert. Kaelyn muss nun einer elitären magischen Garde beitreten, um ihr Leben zu schützen und Kräfte zu beherrschen, von denen sie nie wusste, dass sie sie besitzt. Der Umzug in eine neue Stadt sollte ein Neuanfang für Kaelyn und ihre Schwester Ivy sein. Aber das ist definitiv nicht der Neuanfang, den sie sich vorgestellt hatten.
View MoreKaelyn Rodgers
Ich fand mich mitten in einem nebligen Wald wieder. Wie war ich überhaupt hierhergekommen? Ich konnte die nächsten Schritte vor mir kaum erkennen und hatte keine Ahnung, wie ich hier wieder herauskommen sollte. „Hallo?“, rief ich. Dann hallte eine Stimme zurück. „Kaelyn? Bist du da? Folge dem Klang meiner Stimme!“ Ich hatte keine Ahnung, wem die Stimme gehörte. Ich hatte sie noch nie in meinem Leben gehört. Aber ich dachte mir, dass es sinnvoller wäre, nach der Frau zu suchen, die nach mir rief, als weiterhin verloren herumzuirren. Vorsichtig setzte ich einen Schritt nach dem anderen durch den dichten Nebel und achtete auf Bäume oder Wurzeln, an denen ich mich verletzen könnte. Der Wald war unglaublich dicht bewachsen, und an manchen Stellen kam ich nur schwer hindurch. Er hatte etwas Unheimliches an sich. Der dichte Nebel ließ kaum Licht hindurch, und die Äste der Bäume hatten sich ineinander verschlungen und wirkten furchteinflößend. In der Ferne hörte ich Waldtiere. Vögel, Frösche und andere Tiere, bei deren Geräuschen ich unter normalen Umständen erschaudert wäre. Ich war schon eine ganze Weile unterwegs, als ich plötzlich auf eine freie Lichtung mitten im Wald trat. Keine Bäume, nur Gras und das beruhigende Geräusch eines sanft fließenden Flusses. Trotzdem wusste ich noch immer nicht, wo ich war. „Kaelyn. Wo bist du?“, rief die Stimme erneut. Diesmal war sie näher als je zuvor. Ich hatte das Gefühl, sie gleich zu finden. Ich hoffte wirklich, dass ich sie finden würde. Vielleicht könnten wir gemeinsam hier herauskommen. „Ich weiß nicht, wo du bist!“, rief ich zurück und war inzwischen ziemlich frustriert. Diese geheimnisvolle Frau schien gar nicht besonders daran interessiert zu sein, gefunden zu werden. „Komm schon, du schaffst das. Ich weiß, dass du es kannst. Ich weiß auch nicht, wo ich bin. Aber ich weiß, dass du mir helfen kannst. Also komm.“ Ich schnaubte. Wie vertrauensselig war diese Frau eigentlich? Sie wusste nicht einmal, wer ich war, und setzte ihre Hoffnung auf ein siebzehnjähriges Mädchen, das sie retten sollte? Ich selbst hatte doch keine Ahnung, was hier überhaupt los war! Ich war so frustriert, dass ich kurz darüber nachdachte, diese geheimnisvolle Frau und all ihre Erwartungen einfach hinter mir zu lassen. Trotzdem ging ich weiter. Während ich vorsichtig der Stimme folgte, hörte ich hinter mir ein tiefes Knurren. Dann bemerkte ich, dass sämtliche Waldgeräusche verstummt waren, sogar die Grillen. Irgendetwas war mit uns im Wald. Und es befand sich direkt hinter mir. Ich blieb sofort stehen und verharrte vollkommen regungslos. Ich spürte, wie etwas meinen Rücken streifte und langsam an meinen Haaren schnupperte. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich wusste nicht, was hinter mir stand, und ich hatte nicht vor, darauf zu warten, es herauszufinden. Ich rannte. Ich rannte so schnell ich konnte im Zickzack davon, weg von diesem Etwas. Ich hörte ein Brüllen, das dem eines Jaguars ähnelte, und wusste sofort, dass es mich verfolgte. Das Adrenalin übernahm die Kontrolle. Ich rannte planlos und völlig kopflos. Äste ritzten meine Haut auf, doch das war mir egal. Hauptsache, ich entkam diesem Ding. Während ich lief, hörte ich die Stimme erneut nach mir rufen, aber ich war viel zu sehr damit beschäftigt, am Leben zu bleiben. Plötzlich blieb mein Fuß an etwas hängen, und ich stürzte mit dem Gesicht voran auf den Boden. Ich war über eine Baumwurzel gestolpert. Ganz toll. Zum Glück war der Boden nicht matschig. Ich blieb regungslos liegen und lauschte, wie nah das Wesen war. Doch ich hörte nichts. Ich musste es abgehängt haben. Erleichtert atmete ich auf und richtete mich auf, um den Schmutz von meiner Kleidung zu klopfen. Als ich nach vorne blickte, sah ich die Gestalt einer Frau direkt vor mir stehen. In diesem Moment durchströmte mich eine gewaltige Erleichterung. Wenigstens war sie nicht von dem Wesen angegriffen worden, das mich verfolgt hatte. „Gott sei Dank, ich habe dich endlich gefunden!“, rief ich. Keine Antwort. Verwirrt versuchte ich es noch einmal. „Hey, in diesem Wald ist irgendein gruseliges Ding, das uns angreifen will. Wir sollten verschwinden!“ Immer noch keine Antwort. Okay. Diese Frau fing langsam an, mir Angst zu machen. Warum hatte sie sich die ganze Zeit die Mühe gemacht, nach mir zu rufen, wenn sie jetzt, wo ich endlich hier war, kein einziges Wort sagte? Ich streckte die Hand aus, um sie anzutippen, und bemerkte erst dann, dass sie mit dem Rücken zu mir stand und ebenfalls vollkommen regungslos war. Ich dachte zunächst, das Wesen wäre in der Nähe und sie versuche deshalb, möglichst leise zu sein. Aber daran lag es nicht. Ich hatte genug. Ich wollte diesen unheimlichen Wald verlassen. Sofort. Ich griff nach ihrer Schulter, um sie umzudrehen und ihr Gesicht zu sehen. In dem Moment, als ich sie berührte, begann die Welt um uns herum auseinanderzufallen. Ihr Gesicht war völlig verschwommen und verzerrt, und ich war entsetzt. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch ich konnte sie nicht hören. Dann klopfte es an der Tür, und ich schlug die Augen auf. „Kaelyn, Schatz, Zeit fürs Frühstück!“ Meine Mutter stand vor der Tür. Mir wurde klar, dass ich diesen Traum schon wieder gehabt hatte. Seufzend sprang ich aus dem Bett und begann, mich für den Tag fertig zu machen. Während ich mich anzog, ging mir dieser Traum einfach nicht aus dem Kopf. Mindestens einmal im Monat fand ich mich in diesem nebligen Wald wieder und suchte nach der Frau mit der geheimnisvollen Stimme. Immer dieselbe Geschichte. Immer wieder. Doch diesmal war ich weiter gekommen als je zuvor. Ich hatte sie tatsächlich gefunden. Nur ihr Gesicht hatte ich nicht gesehen. Wer konnte diese Frau nur sein? Nun ja, Träume haben doch eigentlich nie eine wirkliche Erklärung, oder? Sie sind immer seltsam. Und das hier war eben nur ein weiterer seltsamer Traum. Ich schlüpfte in meine Sandalen und ging nach unten, um meine Familie zu begrüßen. Meine kleine Schwester Ivy half Mom dabei, den Tisch zu decken, während Dad die Teller verteilte. Der Duft von Pfannkuchen und Ahornsirup erfüllte das ganze Haus. Als ich die Treppe hinunterkam, gähnte ich, was Moms Aufmerksamkeit auf mich zog. „Na, da hat aber jemand gut geschlafen“, lachte Mom. „In diesen Ferien habe ich ausschließlich gut geschlafen“, antwortete ich, während ich mich an den Tisch setzte. „Und dir auch einen guten Morgen.“ Ivy setzte sich mir gegenüber. „Dieser Urlaub war wirklich das Beste, was dieses Jahr passiert ist. Es war einfach unglaublich!“ Wir hatten zwei Wochen Urlaub auf Hawaii verbracht, und es waren die entspannendsten zwei Wochen unseres Lebens gewesen. Wir hatten Strände besucht, Sehenswürdigkeiten besichtigt, und Ivy hatte sogar Surfen gelernt. Es war der schönste Familienurlaub seit Langem und hatte uns alle noch enger zusammengeschweißt. Doch nun war er vorbei. Heute war unser letzter Urlaubstag. Morgen würden wir nach Hause fliegen und die letzte Woche der Ferien für die Vorbereitung auf die Schule nutzen. „Ehrlich gesagt habe ich mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Und jetzt freue ich mich riesig darauf, mein Abschlussjahr gemeinsam mit meinen Freunden perfekt zu beginnen!“, quietschte ich begeistert und biss in einen Pfannkuchen. „Und ich komme endlich auf die Highschool! Oh Gott, ich kann es kaum erwarten!“, kicherte Ivy aufgeregt. Sie bereitete sich schon seit einem Monat auf ihren ersten Highschool-Tag vor, und ich fand das einfach unglaublich süß. Ich wusste zwar nicht, warum sie sich so darauf versteifte, aber sie bestand darauf, dass die ersten Tage über ihren Ruf an der Schule entscheiden würden. Nun ja. Da konnte ich ihr nicht widersprechen. Ich war selbst ziemlich beliebt an meiner Schule und verstand genau, was sie meinte. Während Ivy und ich ununterbrochen darüber redeten, wie großartig unser neues Schuljahr werden würde, bemerkte ich, dass unsere Eltern plötzlich verstummt waren. Sie lachten nicht. Sie warfen keine Bemerkungen ein. Mom saß einfach nur da, nippte nervös an ihrem Tee und warf Dad immer wieder Blicke zu, während dieser seinen Blick nicht von seinem Teller hob. „Hey, was ist denn mit euch beiden los?“, fragte ich und sah sie an. Mom blickte mich mit großen Augen an. „Was? Ach, nichts, Schatz.“ Sie nahm wieder einen Schluck Tee. Sie vermied jeden Blickkontakt. „Dad? Willst du uns sagen, was los ist? Ihr seid heute ungewöhnlich still.“ Er sah aus, als würde ihm jemand eine Waffe an den Kopf halten. „Ja“, sagte Ivy. „Was ist los?“ Mom seufzte. „David, sie werden es früher oder später sowieso erfahren.“ „Genau, Dad. Irgendwann müssen wir es ja erfahren. Also los.“ Ivy stopfte sich noch ein Stück Pfannkuchen in den Mund und wartete auf seine Antwort. Dad seufzte. „Mädchen … wir werden nicht nach Kalifornien zurückkehren.“ Er machte eine kurze Pause. „Wir ziehen nach Massachusetts.“ Am Tisch wurde es schlagartig still. Ich war viel zu geschockt, um etwas zu sagen. Sogar Ivy hatte aufgehört zu kauen. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen.Kaelyn RodgersWährend ich mich wand, um mich aus dem Griff dieses Typen zu befreien, bemerkte ich, dass er etwas anstarrte. Als ich seinem Blick folgte, stieß ich den wohl lautesten Schrei des blanken Entsetzens aus, den es je gegeben hatte.Liam reagierte so schnell, dass er mich beinahe aus dem Weg schleuderte. Als er sich wieder gefangen hatte, warf er mir wortlos einen Blick zu.„Sorry“, sagte ich und lachte verlegen. Ich musste ihm wohl direkt ins Ohr geschrien haben.Wenn Liam mich einfach sich selbst überlassen hätte, hätte dieses Ding mich erwischt, bevor ich überhaupt begriffen hätte, was los war. Schließlich ließ er mich los und stellte mich hinter sich. Das gefiel mir nicht besonders.„Ich kann helfen, Mann“, protestierte ich.„Das kannst du wirklich nicht“, sagte Liam entschieden. „Deine Kräfte funktionieren hier nicht, und du kannst dieses Ding nicht berühren. Du würdest sterben.“Oh. Dann war das hier also wirklich ernst.Ich wich zurück, bis ich in sicherer Entfernung
Ich begann zu schreien und um mein Leben zu rennen. Ich hatte keine Ahnung, dass das passieren würde! Der Plan war gewesen, dass die Hexe verschwinden und ich danach völlig sicher in meinem Bett aufwachen würde! Das Erdbeben wurde immer heftiger, und schon bald gab es keinen Ort mehr, an den ich fliehen konnte. Der Traum stürzte über mir zusammen, während ich mich in irgendeine Ecke kauerte, schrie und die Hände über den Kopf hielt. Dann herrschte Stille.Als ich schließlich die Augen öffnete, hoffte ich, mich in meinem Bett wiederzufinden. Aber nein, die Realität war noch viel schlimmer, denn sie war einfach nur verwirrend.Ich schwebte in einem dunklen Raum umher.Dieser Ort war definitiv nichts, worüber ich in den valorianischen Büchern gelesen hatte, die ich durchgearbeitet hatte. Während ich so herumschwebte, stieß ich mit einer Person zusammen, die mir den Rücken zuwandte. Die Person hatte lange braune Haare, die zu einem einzelnen Zopf geflochten waren. Sie war größer als ich,
Ich stand immer noch wie erstarrt da, als diese Hexe auf mich zukam. Alles, was ich wusste, war, dass sie diesen Albtraum ganz bestimmt nicht erschaffen hatte, damit wir uns umarmten und uns fröhlich begrüßten. Das bedeutete auch, dass ich sie auf keinen Fall an mich heranlassen durfte. Es kostete mich unglaublich viel Mühe, aber schließlich gelang es mir, meine Beine wieder in Bewegung zu setzen. Ich wich vor ihr zurück, nur um gegen einen ihrer Höllenhunde zu stoßen, der mich anknurrte und seine Zähne fletschte. Da bemerkte ich, dass ich von ihnen umzingelt war. Alle sechs Höllenhunde hatten mich eingekreist, und der einzige Ausweg bestand darin, diese Frau zu Boden zu ringen. Aber wie lange würde mich dieser Plan am Leben halten?Eine Valorianerin zu sein, und dazu noch eine äußerst mächtige, bedeutete, ständig darüber nachdenken zu müssen, wie sich die nächste Handlung auf die eigenen Überlebenschancen auswirkte. Es war anstrengend, aber so lebten die Mitglieder der Garde und alle
„Was?!“ schrie Ivy und sprang vor Angst vom Boden auf ihr Bett.„Das wurde nicht mit mir abgesprochen!“, rief ich und stellte mich zwischen Ivy und die Wache. „Das war ganz sicher nicht Teil des Plans, Leute!“Liam zuckte mit den Schultern und sah seine Teamkollegen an, während Aria versuchte, mich zur Seite zu ziehen. Ivy klammerte sich an mich.„Nein, nein!“, schrie sie. „Ihr nehmt sie nirgendwohin mit! Ihr Freaks, verschwindet!“„Kaelyn, sie kann diese Informationen nicht verarbeiten.“ Aria verdrehte erschöpft die Augen, als hätte sie das ganze Drama satt. „Und das gefährdet unsere Jobs.“„Welche Jobs?“, fragte Ivy sofort, bevor sie sich zu mir umdrehte. „Du steckst da auch mit drin!?“ Sie stieß mich von sich und wich rückwärts zurück.„Hör zu, Ivy, wir können dir nicht erzählen …“Sie unterbrach mich mit einem Schrei und rannte zur Tür.„Haltet sie auf!“, rief Luna und zeigte auf Ivy, die gerade davonrannte.In Panik, weil er sie nicht hinauslassen wollte, teleportierte sich Liam





