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Kapitel 3

Auteur: Diva Noir
last update Date de publication: 2026-08-04 14:48:13

Madeleines Sicht

Sobald ich den Befehl hörte, rannte ich so schnell mich meine Beine trugen. Direkt in den dunklen Wald.

Der Waldboden riss an meinen nackten Füßen, scharfe Steine gruben sich in meine Haut, aber ich hielt nicht an. Konnte nicht anhalten. Jeder Instinkt schrie mich an zu rennen, übertönte den Schmerz, der sich in meinen Fußsohlen ausbreitete. Ich wusste, was mit Wölfen geschah, die es wagten, sich einem Alpha zu widersetzen, besonders einem wie Damon. Ungehorsam wurde nicht nur missbilligt; er wurde bestraft, schmerzhaft und endgültig.

Ich wich aus, Erinnerungen an vergessene Kräuter stiegen in mir auf. Erdwurzel, wilde Minze, Mondblüte – jede einzelne ein schwacher Geruchsüberdecker, eine kleine Ablenkung. Ich streifte sie, zertrat sie unter meinen Füßen, in der Hoffnung, meinen eigenen überwältigenden Schreckensgeruch zu zerstreuen, die Hunde zu verwirren, die mit Sicherheit losgelassen würden. Ein vergeblicher Versuch, vielleicht, aber ich musste es versuchen.

Hinter mir begann ein tiefes Knurren, dann das unverkennbare Knacken von Knochen, das Reißen von Muskeln, als sich die Körper verschoben. Sie veränderten sich, breiteten sich aus und bildeten ein lebendes Netz, das mich fangen sollte. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, wie ein gefangener Vogel, der verzweifelt nach Freiheit dürstete.

*** Allwissende Perspektive

„Ist dir noch etwas aufgefallen, Elias?“, fragte Damon mit tiefer, gleichmäßiger Stimme, durchzogen von einer tödlichen Ruhe, die mir einen Schauer über den Rücken jagte, als ich ihn mir vorstellte, wie er auf der mondbeschienenen Lichtung auf und ab ging.

Elias, Damons Beta, zögerte. „Nur … ihr Duft, Alpha. Er hat sich verändert. Kurz vor dir … vor der Zurückweisung.“

„Wie hat er sich verändert?“, fragte Damon mit lauter werdender Stimme und zerriss die Ruhe.

„Es war nicht nur die Bindung, Alpha“, fuhr Elias vorsichtig fort und wählte seine Worte mit Bedacht. „Da war … noch etwas anderes. Eine Tiefe, die ich bei einem Omega noch nie erlebt hatte. Etwas … Ungewohntes.“

Es folgte eine lange, bedrückende Stille. Ich stellte mir Damon vor, wie er mit zusammengekniffenen Augen Informationen zusammensetzte.

Dann kam der Befehl, scharf und kalt. „Jede Patrouille. Durchsucht das Gebiet. Vor Sonnenaufgang. Ich will, dass sie gefunden wird.“

*** Madeleines Sicht

Ich hörte es, spürte es – die Welle seines Befehls, die durch das Rudel ging, ein kollektiver Energieschub, der sich allein auf mich konzentrierte. Meine Beine brannten, meine Lungen schrien nach Luft, aber ich rannte weiter. Mir schwirrte der Kopf vor verzweifelter Angst. Ich wurde nicht einfach nur gejagt; ich wurde von einem Alpha gejagt, der spürte, dass etwas an mir ungewöhnlich war, etwas, das seiner sorgsam aufgebauten Hierarchie widersprach.

Der Boden stieg abrupt an und gab den Blick auf den schrecklichen Rand einer Klippe frei. Ich wich abrupt aus, und mein Schwung ließ mich stolpern. Gerade als ich wieder festen Stand hatte, sauste ein Pfeil an meinem Ohr vorbei, sein leises Rauschen eine schaurige Vorahnung dessen, was kommen sollte. Ein Pfeil. Sie benutzten sie bereits.

Ein plötzlicher, stechender Schmerz durchfuhr meine linke Seite. Ich stieß einen erstickten Schrei aus, als ein zweiter Pfeil sein Ziel traf. Er war nicht tief, aber er bohrte sich hart in mein Fleisch. Meine Beine knickten ein und drohten, völlig nachzugeben. Nein. Ich musste weiter. Ich presste eine Hand auf die Wunde, ignorierte die klebrige Wärme, die zwischen meinen Fingern hervorquoll, und zwang mich vorwärts, die Welt um mich herum verschwamm.

Die Bäume wurden lichter und verschwanden schließlich ganz. Vor mir schlängelte sich eine schmale, unbefestigte Straße durch die Dunkelheit. Hoffnung, zerbrechlich und verzweifelt, keimte in mir auf. Eine Straße. Sie bedeutete Flucht. Sie bedeutete eine Chance.

Ich stolperte auf den rissigen Asphalt, meine Beine gaben endgültig nach. Die Wunde pulsierte, ein klaffender Rachen, der meine Kraft aufzehrte. Schwarze Flecken tanzten vor meinen Augen und verschlangen dann das letzte Licht. Ich stürzte zu Boden, der Aufprall erschütterte meine Knochen, und alles wurde dunkel.

Plötzlich durchbrach ein blendendes Licht die Schwärze und durchschnitt den Nebel aus Schmerz und Erschöpfung. Scheinwerfer. Zwei strahlend weiße Strahlen. Meine Augen brannten, ich versuchte, mich daran zu gewöhnen. Ein schweres, tiefes und gutturales Dröhnen erfüllte die Luft, wurde lauter und kam näher. Dann, mit einem Quietschen von Reifen, verstummte es. Der Motor verstummte.

Ich versuchte zu kriechen, mich von dem neuen Grauen fortzuschleppen, das mich erwartete, aber meine Glieder gehorchten mir nicht. Meine Muskeln protestierten lautstark, der Blutverlust machte jede Bewegung zu einer Herkulesaufgabe. Ich war so müde. So unendlich müde.

Ein Schatten fiel auf mich, groß und bedrohlich. Ich zuckte zusammen und wappnete mich für das Unvermeidliche. Eine Hand, überraschend sanft, strich mir durchs Haar und strich es mir aus dem Nacken. Dann ein plötzliches Einatmen, ein scharfes, fast gutturales Geräusch, als sich seine Nase in meine Haut vergrub. Er beschnupperte mich. Seine Berührung, leicht und zart, ließ die Macht, die ich nun von ihm ausging, nicht erahnen.

Sein Kopf schnellte zurück. Seine Augen weiteten sich, selbst im schwachen Schein des fernen Mondes, nur einen Augenblick lang. Überraschung, dann etwas anderes, etwas Unergründliches, huschte über sie.

Er zog ein kleines Gerät hervor und führte es an seine Lippen. Seine Stimme, ein tiefes Grollen, durchdrang die Nacht. „Wir haben sie gefunden.“

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