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Kapitel 7

Autor: Diva Noir
last update Fecha de publicación: 2026-08-04 15:45:23

Madeleines Sicht

Der Geruch erreichte mich, noch bevor ich richtig wach war. Einen Moment lang verstand ich nicht, was es war. Mein Geist schwebte noch zwischen Schlaf und Wirklichkeit, und ich konnte mich nur auf die seltsame Wärme konzentrieren, die sich im Raum ausbreitete. Dann knurrte mein Magen. Ich erstarrte.

Essen.

Nicht der Geruch von altem Brot, das von einer anderen Mahlzeit übrig geblieben war. Nicht der Geruch von Essensresten, die den Bediensteten zugeworfen wurden, nachdem alle anderen fertig gegessen hatten. Das war frisches Essen. Langsam öffnete ich die Augen. Ein Tablett stand auf dem kleinen Tisch neben dem Bett. Ich starrte es lange an. Es gab keinen Grund, ihm zu trauen. Vielleicht war es vergiftet. Vielleicht war es eine Art Test. Das hätte ich von Damons Rudel erwartet. Freundlichkeit hatte immer ihren Preis.

Doch je länger ich dort saß, desto lauter knurrte mein Magen.

Vorsichtig ging ich näher und betrachtete das Essen. Eine Schüssel Suppe. Frisches Brot. Etwas Obst. Alles sah normal aus. Ich nahm den Löffel und kostete einen kleinen Bissen. Fast augenblicklich durchströmte mich eine wohlige Wärme. Ich hielt inne. Ich konnte mich nicht erinnern, wann mir zuletzt jemand extra etwas zu essen zubereitet hatte. Normalerweise aß ich, was übrig blieb, nachdem alle anderen fertig waren. Wenn es nicht reichte, verzichtete ich. Ich blickte auf die Schüssel. Es fühlte sich seltsam an. Fast unangenehm. Denn ich wusste nicht, was ich mit etwas anfangen sollte, das mir einfach so gegeben wurde.

Ich zwang mich, weiterzuessen. Langsam. Vorsichtig. Als könnte jeden Moment jemand auftauchen und mir sagen, ich hätte zu viel gegessen. Als ich fertig war, schämte ich mich dafür, wie schnell ich trotz meiner Vorsicht gegessen hatte. Ich schob die leere Schüssel beiseite und blickte zur Tür. Dass sie mich gefüttert hatten, änderte nichts. Ich war immer noch von Fremden umgeben. Ich wusste immer noch nicht, warum sie mich hierhergebracht hatten. Und ich wusste immer noch nicht, welche Wahrheit sie vor mir verbargen.

Nachdem ich mich noch eine Weile ausgeruht hatte, stand ich vorsichtig auf. Der Schmerz in meiner Seite war noch da, aber nicht mehr so stark wie zuvor. Ich konnte laufen. Das genügte. Langsam öffnete ich die Tür. Niemand war draußen. Gut. Ich betrat den Flur und ging los. Ich irrte nicht ziellos umher. Ich lernte. Überall, wo ich je überlebt hatte, musste ich wissen, wo alles war. Welche Türen abgeschlossen waren. Welche nicht. Wo sich Leute aufhielten. Wo ich mich verstecken konnte, falls mich jemand suchte. Alte Gewohnheiten hatten mich am Leben erhalten. Ich zählte die Schritte zwischen dem Zimmer und der Treppe. Ich achtete darauf, welche Flure nach draußen führten. Ich beobachtete die Fenster und Türen. Wenn ich gehen musste, wollte ich wissen, wie.

Niemand hielt mich auf. Niemand fragte, warum ich umherging. Das machte mich fast noch misstrauischer. Schließlich fand ich den Weg nach draußen. Tagsüber herrschte auf dem Gelände viel mehr Betrieb. Wölfe zogen mit Vorräten umher und trainierten gemeinsam. Einige bemerkten mich, aber anders als Damons Rudel sah mich niemand an, als wäre ich etwas Ekelhaftes. Sie beobachteten mich einfach. Ich versuchte immer noch, das zu verstehen.

Ein Geräusch lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Jemand stritt sich in der Nähe eines der Gebäude.

„Ich hab dir doch gesagt, du sollst still sitzen.“

„Ich hab dir doch gesagt, ich brauche keine Hilfe.“

„Du blutest ja überall, also brauchst du sie offensichtlich.“

Ich drehte mich zu den Stimmen um. Ein Mann saß auf einer Holzbank, während ein anderer Wolf versuchte, ihm einen Verband um den Arm zu wickeln. Der verletzte Wolf riss sich immer wieder los.

„Du machst es nur noch schlimmer.“

Der andere Mann runzelte die Stirn. „Ich versuche es ja.“

„Du versuchst es schlecht.“

Ich weiß nicht, warum ich vortrat. Vielleicht, weil ich wusste, dass sie es falsch machten. Vielleicht, weil ich es nicht mit ansehen konnte, wie jemand litt, wenn ich helfen konnte.

„Du bindest ihn zu locker.“

Beide Männer drehten sich zu mir um. Ich bereute sofort, etwas gesagt zu haben. Der verletzte Wolf hob eine Augenbraue.

„Was?“

Ich sah mir den Verband an. „Wenn du ihn so lässt, hört die Blutung nicht richtig auf.“

Der Mann mit dem Verband starrte mich an. „Du weißt, wie man Wunden versorgt?“

Ich zögerte. Ein Teil von mir wollte einfach weggehen. Ich war hier immer noch die Fremde. Doch dann erinnerte ich mich an meine Mutter. Ihre Hände voller Kräuter. Ihre Stimme, die mir sagte, dass die Fähigkeit, jemandem zu helfen, über Leben und Tod entscheiden kann. Ich trat näher.

„Lass mich mal sehen.“

Die beiden Wölfe wechselten einen Blick. Doch keiner hielt mich auf. Vorsichtig entfernte ich den losen Verband. Die Wunde war nicht so schlimm wie meine, aber sie brauchte trotzdem den richtigen Druck.

„Du musst zuerst hier drücken“, erklärte ich. „Nicht direkt auf die Wunde. Rundherum.“

Der verletzte Wolf sah mir schweigend zu. Als ich den neuen Verband angelegt hatte, überprüfte ich, ob er fest saß.

„So. Nicht zu viel bewegen.“

Ein paar Sekunden lang sagte niemand etwas. Dann sah mich der Mann an, der ihm geholfen hatte.

„Woher weißt du das?“

Ich senkte den Blick. „Meine Mutter hat es mir beigebracht.“

„War sie eine Heilerin?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein.“ Ein kleines Lächeln huschte über mein Gesicht, bevor ich es unterdrücken konnte. „Sie konnte es einfach nicht ertragen, Menschen leiden zu sehen.“

Der Wolf betrachtete den Verband erneut. „Sie hat dich gut erzogen.“

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Ein einfaches Kompliment hätte mich eigentlich nicht berühren dürfen. Aber es tat es. Denn ich war es nicht gewohnt, dass man etwas, das ich getan hatte, wertschätzte. Die beiden Männer bedankten sich, bevor sie sich wieder ihren Tätigkeiten widmeten. Ich stand einen Moment lang da und fühlte mich seltsam unwohl. Dann ging ich weg.

An diesem Abend ging ich zurück in mein Zimmer, als ich Stimmen aus einem der Nachbarzimmer hörte. Ich versuchte nicht zuzuhören. Zumindest redete ich mir das ein. Doch dann hörte ich Jax’ Stimme.

„Damons Patrouille hat die Grenze erreicht.“

Ich erstarrte. Lautlos ging ich näher an die Tür.

„Sie suchen noch“, fuhr Jax fort.

Mir sank der Magen. Als Nächstes sprach Silas. „Er hat nicht aufgegeben.“

„Nein“, erwiderte Jax. „Hat er nicht.“

Ich presste die Hand auf meine Brust. Damon suchte immer noch nach mir. Ich hatte gehofft … ich wusste gar nicht, was ich gehofft hatte. Dass er mich vergessen würde? Dass er mich für nicht wertvoll genug hielt? Dass ich endlich wieder aufatmen könnte? Aber ich hatte mich geirrt. Damon ließ mich nicht los. Eine eisige Angst überkam mich. Denn jetzt wusste er, dass ich irgendwo war. Und wenn er mich fand … ich wusste genau, was passieren würde.

Ich trat von der Tür zurück, bevor mich jemand bemerkte. Meine Hände zitterten, als ich zurück zu meinem Zimmer ging. Ich war Damon schon einmal entkommen. Aber er war mir immer noch auf den Fersen.

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