LOGINMadeleines Sicht
Gefährte!! Das Wort krallte sich in meinen Verstand, aus einer tiefen, verschlossenen Ecke meines Inneren. Mein Wolf, sonst eine stille, melancholische Präsenz, erstrahlte in ekstatischer, beängstigender Freude. Er. Unser Alpha. Damon. Meine Beine jedoch blieben wie angewurzelt, schwer wie Blei. Ein Alpha. Eine Dienerin. Die Worte prallten aufeinander, eine hässliche, unerträgliche Dissonanz. Ein Räuspern durchbrach das Summen in meinen Ohren. Ich zuckte zusammen und blickte zu Mondpriester Elias, der mitten auf der Lichtung stand. Sein gealtertes Gesicht war von einer seltsamen Besorgnis gezeichnet. Das feierliche Gemurmel der Vollmondzeremonie war verstummt, ersetzt durch eine erdrückende Stille. „Die Mondgöttin hat uns gesegnet“, dröhnte Elias’ Stimme, doch ein Hauch von Unsicherheit lag in seinem Ton. Sein Blick schweifte über die versammelten Rudelmitglieder. „Eine Seelenbindung ist entstanden.“ Mir stockte der Atem. Meine Hände flogen zu meinem Mund und pressten sich auf meine Lippen, als wollte ich das ekstatische Heulen, das mir in der Brust zu entfahren drohte, mit Gewalt unterdrücken. Mein Wolf pulsierte vor verzweifelter Sehnsucht. Erkenne ihn an! Langsam, unaufhaltsam, drehten sich alle Köpfe auf der Lichtung um, ihre Blicke bohrten sich in mich. Ein Meer von Gesichtern, manche neugierig, manche verwirrt, manche offen feindselig. Die Stille zerbrach, zerrissen von einem schnellen Chor aus Flüstern. „Madeleine?“ „Unsere Madeleine? Das Küchenmädchen?“ „Unmöglich.“ Ein Kichern drang an mein Ohr, dann ein weiteres, diesmal lauter. Dünnes, grausames Gelächter breitete sich ungehindert in den hinteren Reihen aus. „Die Mondgöttin muss diesmal wirklich den Verstand verloren haben“, rief jemand, die Stimme triefte vor Bosheit. Eine andere stimmte ein: „Eine Dienerin als Luna? Was für ein Witz!“ Meine Wangen brannten. Scham, heiß und ätzend, stieg mir in die Kehle. Jedes hasserfüllte Wort war ein neuer Stich. Mein Wolf jedoch kümmerte sich nicht darum. Sie war ein Wirbelsturm der Gefühle in mir, drängte und flehte. Geh zu ihm. Sprich. Er gehört uns. Meine Knie drohten nachzugeben. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich sie zu Fäusten ballen musste. Ich nahm all meinen Mut zusammen und schleppte mich vorwärts, einen qualvollen Schritt nach dem anderen. Meine Stimme, als sie sich schließlich erhob, war ein zerbrechliches Flüstern, kaum hörbar über dem erneuten Geflüster des Rudels. „Alpha Damon … mein Gefährte.“ Für einen flüchtigen, berauschenden Augenblick entfaltete sich Hoffnung in mir, so lebendig und zerbrechlich wie ein Schmetterlingsflügel. Eine andere Zukunft, ein Leben frei von Küchenarbeit und endlosen Hänseleien. Eine Luna. Ich. Der Gedanke war so stark, dass er mich fast schwindlig machte. Damon antwortete mit einem tiefen Knurren in seiner Brust. Er machte einen einzigen, entschlossenen Schritt auf mich zu. Mein Herz machte einen Sprung, Vorfreude überkam mich. Mein Wolf heulte triumphierend auf. Das war es. Akzeptanz. Zugehörigkeit. Er blieb stehen, seine Augen, sonst warm haselnussbraun, jetzt kalt und hart wie Obsidian. Sein Blick musterte mich, ein höhnisches Grinsen umspielte seine Lippen. „Du?“ Das einzelne Wort war wie ein Peitschenhieb, der meine zarte Hoffnung zerstörte. „Glaubst du im Ernst, die Mondgöttin würde mich mit einer gewöhnlichen Dienerin als Gefährtin verfluchen?“ Mir stockte der Atem. Die Luft fühlte sich dünn und scharf an. „Sieh dich an“, fuhr er fort, seine Stimme wurde lauter und durchdrang die betäubte Stille des Rudels. „Dreckig, ungepflegt, kaum fähig, den Boden zu schrubben. Glaubst du, du könntest jemals an meiner Seite stehen? Mein Rudel an meiner Seite führen?“ Jedes Wort war ein körperlicher Schlag. „Nein! Meine Luna wird stark und edel sein, aus einer ehrenvollen Linie. Nicht irgendein namenloses Küchenkind.“ Er spuckte die letzten Worte aus, als wären sie Gift. „Du bist unwürdig. Ich, Alpha Damon vom Blutmond-Rudel, weise dich, Madeleine, als meine Gefährtin zurück.“ Die Zurückweisung durchfuhr mich wie ein stechender, glühender Schmerz, der jede Zelle, jede Nervenendigung zerriss. Es waren nicht nur seine Worte; es war die Trennung von der Verbindung, ein körperlicher Riss in meiner Seele. Ein erstickter Schrei entfuhr meinen Lippen, und meine Beine gaben unter mir nach. Ich sank zu Boden, Tränen strömten über mein Gesicht, die Welt verschwamm zu einem Kaleidoskop des Schmerzes. Damon drehte sich um und wies mich zurück, als wäre ich nichts weiter als ein Fleck auf dem Boden. Als er sich abwandte, trat sein Beta vor, den Kopf gesenkt, und murmelte etwas Leises und Dringendes. „Alpha“, die Stimme des Betas war kaum mehr als ein Flüstern, doch in der plötzlichen Stille trug sie weit. „Ihr Duft … er verändert sich.“ Damon erstarrte. Langsam drehte er sich um, seine Augen verengten sich, ein gefährliches Funkeln lag darin. Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich zu etwas Kaltem und Furchteinflößendem. Er machte wieder einen Schritt auf mich zu, nun mit einem Raubtierblick in den Augen. „Wachen!“, brüllte er, seine Stimme donnerte über die Lichtung. „Nehmt sie! Lebend!“Rooks Sicht„Erklär das, Rook“, krächzte Jax, die Stimme eine gezackte Kante ihres früheren Selbst. Er biss die Zähne zusammen, das Gesicht bleich, während er sich abmühte, die Position zu wechseln. Ich sah zu, wie er das schwere Eichengestell des Bettes packte, die Knöchel weiß, während er versuchte, seinen massiven Körper hochzuziehen. „Wenn es nicht die Saints waren, wer zum Teufel war es dann?“Ich trat näher, aber ich half ihm nicht. Jax musste den Boden unter den Füßen spüren, wenn er verarbeiten sollte, was ich ihm zu sagen hatte. „Setz dich wieder hin, bevor du die Nähte aufreißt, Jax. Du gehst nirgendwohin.“„Antworte mir“, knurrte er, der Atem schwer und rhythmisch, ein Zeichen, dass der Wolf in ihm sich abmühte, den Schaden zu heilen.Ich holte Luft, das Gewicht der Beweise lag wie Blei im Bauch. „Wir haben die Hülse gefunden. Und den Auslösemechanismus. Das war keine Schrottarbeit eines Saints, Jax. Es war einer von uns.“Jax erstarrte, die Hand noch am Bettpfosten geklamm
Jax’ SichtIch konnte nicht atmen. Ich hatte sie tausendmal gesehen, in taktischer Ausrüstung, in Jogginghosen, in gar nichts, aber heute Nacht war es anders. Die mitternachtsblaue Seide war wie eine zweite Haut, schmiegte sich an die Kurven ihrer Hüften und die Wölbung ihrer Brüste und brachte mein Blut zum Sieden. Sie sah aus wie eine Göttin, die aus einem Traum in diese Höhle voller Wölfe getreten war. Selbst im Chaos der Party, selbst mit dem Bourbon in der Hand, war ich von ihr gelähmt. Sie war das Schönste, das ich je gesehen hatte.Dann sah ich es. Ein Aufblitzen von Silber, ein hohes Summen, das die Musik durchschnitt.„Maddie, weg!“, brüllte ich.Ein gezackter Metallsplitter, summend vor tödlicher Geschwindigkeit, schnitt durch die Luft auf ihre Schläfe zu. Er war nur wenige Zentimeter entfernt. Mein Herz hämmerte gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel. Ich dachte nicht nach. Ich sprang los, meine Stiefel rutschten über den polierten Boden, während ich mein ganzes Gewicht
Maddies SichtDas Brüllen der Motoren wurde übertönt, in der Sekunde, in der wir den Perimeter des Rudelhaus-Territoriums der Crimson Saints überquerten. Es war nicht nur ein Empfang; es war ein Aufruhr des Sieges. Hunderte Rudelmitglieder säumten die Auffahrt, wechselten zwischen menschlicher und Wolfsform und heulten, bis die Luft selbst gegen die Scheiben des Vans zu vibrieren schien.„Hör dir das an“, sagte Silas und grinste, während er aus dem Fenster sah. „Ich glaube, die mögen uns, Mads.“„Die mögen, dass wir nicht in Leichensäcken zurückgekommen sind“, antwortete ich, obwohl ich das kleine Lächeln nicht stoppen konnte, das an meinen Lippen zupfte. Ich sah Dare an, der gegen den Sitz gesackt war, bleich, aber bei Bewusstsein. „Und die mögen, dass die Saints endlich ein Zuhause haben, das niemand anfechten kann.“Jax lehnte sich vor, die Augen hell. „Wir haben es nicht nur verteidigt. Wir haben es markiert. Jeder einzelne dieser Bastarde, der versucht hat, bei uns einzuziehen, w
Dares SichtIch konnte mich nicht bewegen. Meine Lungen fühlten sich an, als wären sie mit nassem Beton gefüllt, und jedes Mal, wenn ich versuchte, Luft zu holen, schoss ein gezackter Funke Qual durch meinen Brustkorb. Der Schotter der Strecke schmeckte nach Kupfer und Benzin. Ich blieb an die Erde genagelt, unbeweglich, und sah die Welt durch einen verschwommenen, karmesinroten Schleier.Ein Schatten fiel über mich. Es war nicht der Schatten eines Freundes.Ich hob die Augen, die Sicht schwamm, bis sie sich auf die gezackte Kante eines Kampfmessers schärfte. Die Klinge fing den orangefarbenen Schein des brennenden Annexes. Mein Gegner—ein Saint-Loyalist, dessen Gesicht von Öl und Gehässigkeit verschmiert war—stand über mir, die Brust hob und senkte sich.„Sieh sie dir an“, spuckte er und deutete wild zum Jumbotron, wo die Geheimnisse der Ältesten immer noch für die Welt ausbluteten. „Sieh, was du getan hast. Du denkst, du hast etwas gewonnen? Du hast uns alle beendet. Alle haben es g
Jax’ SichtIch presste das Funkgerät fester ans Ohr, das Brüllen der Arenamenge vom elektronischen Abschluss gedämpft. Mein Herz hämmerte gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel. Das war der Moment. Alles, was wir riskiert hatten—die Infiltration, der Bruch der Rudelgesetze, Dares Leben auf dieser Strecke—lief auf diesen synchronisierten Schlag hinaus.„Melden“, fuhr ich ins Mikro, die Stimme angespannt. „Ist jeder in Position? Wir sind bei T minus sechzig Sekunden.“„In Position an der Süd-Unterstation“, knisterte Silas’ Stimme, ruhig und tief. „Ladungen sind scharf. Warte nur auf dein Signal, Jax.“„Rook?“, fragte ich und verschob den Blick auf die Strukturpläne, die auf meinem Tablet glühten.„Ich bin an der zweiten Verteilerstelle“, antwortete Rook, der Atem stockte leicht. „Bereit, die Zuleitung zu den Stadionlichtern zu kappen, sobald das Gebäude hochgeht. Wir sind startklar.“„Maddie?“ Ich wartete. Nichts außer dem statischen Zischen des offenen Kanals. „Maddie, Meldung. Bist
Maddies SichtDas Rauschen in meinem Ohrhörer glättete sich zum scharfen, befehlenden Kratzen von Jaxs Stimme. „Maddie, geh in Position. Jetzt. Das Fenster schließt sich.“„Ich bin unterwegs“, flüsterte ich in den Kragen meiner Jacke, das Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. „Ich gehe mitten rein.“Ich schob mich durch die Wand aus Körpern, die Schultern streiften schweißnasses Leder und den rauen Stoff von Renntrikots. Die Luft an der Strecke war dick vom Geruch von Hochoktankraftstoff und dem metallischen Beigeschmack von Adrenalin. Ich fand meinen Platz, eingekeilt zwischen einer Gruppe randalierender Biker und einem Paar Scouts, und verschmolz mit der hektischen Energie der Menge.Unter uns war die Schotterbahn ein verschwommener Kreis aus Chaos. Ich heftete den Blick auf den Fahrer in Schwarz und Chrom—Dare. Er lehnte sich gefährlich tief, sein Bike schrie, während er durch die erste Kurve riss. Aber er war nicht allein. Ein Fahrer im gezackten Rot der Saint







