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Kapitel 2

Auteur: Diva Noir
last update Date de publication: 2026-08-04 08:32:04

Madeleines Sicht

Gefährte!!

Das Wort krallte sich in meinen Verstand, aus einer tiefen, verschlossenen Ecke meines Inneren. Mein Wolf, sonst eine stille, melancholische Präsenz, erstrahlte in ekstatischer, beängstigender Freude. Er. Unser Alpha. Damon. Meine Beine jedoch blieben wie angewurzelt, schwer wie Blei. Ein Alpha. Ein Diener. Die Worte prallten aufeinander, eine hässliche, unerträgliche Dissonanz.

Ein Räuspern durchbrach das Summen in meinen Ohren. Ich zuckte zusammen und blickte zu Mondpriester Elias, der mitten auf der Lichtung stand. Sein gealtertes Gesicht war von einer seltsamen Besorgnis gezeichnet. Das feierliche Gemurmel der Vollmondzeremonie war verstummt, ersetzt durch eine erdrückende Stille.

„Die Mondgöttin hat uns gesegnet“, dröhnte Elias’ Stimme, doch ein Hauch von Unsicherheit lag in seinem Ton. Sein Blick schweifte über die versammelten Rudelmitglieder.

„Eine Seelenverwandtschaft ist entstanden.“

Mir stockte der Atem. Meine Hände flogen zu meinem Mund und pressten sich auf meine Lippen, als wollte ich das ekstatische Heulen, das mir in der Brust zu entfahren drohte, mit Gewalt unterdrücken. Mein Wolf pulsierte vor verzweifelter Sehnsucht. Ihn anerkennen!

Langsam, unaufhaltsam, drehten sich alle Köpfe auf der Lichtung um, ihre Blicke bohrten sich in mich. Ein Meer von Gesichtern, manche neugierig, manche verwirrt, manche offen feindselig. Die Stille zerbrach, zerrissen von einem schnellen Chor aus Flüstern.

„Madeleine?“

„Unsere Madeleine? Das Küchenmädchen?“

„Unmöglich.“

Ein Kichern drang an mein Ohr, dann ein weiteres, diesmal lauter. Dünnes, grausames Gelächter breitete sich ungehindert in den hinteren Reihen aus.

„Die Mondgöttin muss diesmal wirklich den Verstand verloren haben“, rief jemand, die Stimme triefte vor Bosheit.

Eine andere stimmte ein: „Eine Dienerin als Luna? Was für ein Witz!“

Meine Wangen brannten. Scham, heiß und ätzend, stieg mir in die Kehle. Jedes hasserfüllte Wort war ein neuer Stich. Mein Wolf jedoch kümmerte sich nicht darum. Sie war ein Wirbelsturm der Gefühle in mir, drängte und flehte. Geh zu ihm. Sprich. Er gehört uns. Meine Knie drohten nachzugeben. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich sie zu Fäusten ballen musste. Ich nahm all meinen Mut zusammen und schleppte mich vorwärts, einen qualvollen Schritt nach dem anderen. Meine Stimme, als sie sich schließlich erhob, war ein zerbrechliches Flüstern, kaum hörbar über dem erneuten Geflüster des Rudels.

„Alpha Damon … mein Gefährte.“

Für einen flüchtigen, berauschenden Augenblick entfaltete sich Hoffnung in mir, so lebendig und zerbrechlich wie ein Schmetterlingsflügel. Eine andere Zukunft, ein Leben frei von Küchenarbeit und endlosen Hänseleien. Eine Luna. Ich. Der Gedanke war so stark, dass er mich fast schwindlig machte.

Damon antwortete mit einem tiefen Knurren in seiner Brust. Er machte einen einzigen, entschlossenen Schritt auf mich zu. Mein Herz machte einen Sprung, Vorfreude überkam mich. Mein Wolf heulte triumphierend auf. Das war es. Akzeptanz. Zugehörigkeit.

Er blieb stehen, seine Augen, sonst warm haselnussbraun, jetzt kalt und hart wie Obsidian. Sein Blick musterte mich, ein höhnisches Grinsen umspielte seine Lippen.

„Du?“ Das einzelne Wort war wie ein Peitschenhieb, der meine zarte Hoffnung zerstörte.

„Glaubst du im Ernst, die Mondgöttin würde mich mit einer gewöhnlichen Dienerin als Gefährtin verfluchen?“

Mir stockte der Atem. Die Luft fühlte sich dünn und scharf an.

„Sieh dich an“, fuhr er fort, seine Stimme wurde lauter und durchdrang die betäubte Stille des Rudels.

„Dreckig, ungepflegt, kaum fähig, den Boden zu schrubben. Glaubst du, du könntest jemals an meiner Seite stehen? Mein Rudel an meiner Seite führen?“ Jedes Wort war ein körperlicher Schlag.

„Nein! Meine Luna wird stark und edel sein, aus einer ehrenvollen Linie. Nicht irgendein namenloses Küchenkind.“ Er spuckte die letzten Worte aus, als wären sie Gift.

„Du bist unwürdig. Ich, Alpha Damon vom Blutmond-Rudel, weise dich, Madeleine, als meine Gefährtin zurück.“

Die Zurückweisung durchfuhr mich wie ein stechender, glühender Schmerz, der jede Zelle, jede Nervenendigung zerriss. Es waren nicht nur seine Worte; es war die Trennung von der Verbindung, ein körperlicher Riss in meiner Seele. Ein erstickter Schrei entfuhr meinen Lippen, und meine Beine gaben unter mir nach. Ich sank zu Boden, Tränen strömten über mein Gesicht, die Welt verschwamm zu einem Kaleidoskop des Schmerzes.

Damon drehte sich um und wies mich zurück, als wäre ich nichts weiter als ein Fleck auf dem Boden. Als er sich abwandte, trat sein Beta vor, den Kopf gesenkt, und murmelte etwas Leises und Dringendes.

„Alpha“, die Stimme des Betas war kaum mehr als ein Flüstern, doch in der plötzlichen Stille trug sie weit.

„Ihr Duft … er verändert sich.“

Damon erstarrte. Langsam drehte er sich um, seine Augen verengten sich, ein gefährliches Funkeln lag darin. Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich zu etwas Kaltem und Furchteinflößendem.

Er machte wieder einen Schritt auf mich zu, nun mit einem Raubtierblick in den Augen.

„Wachen!“, brüllte er, seine Stimme donnerte über die Lichtung. „Nehmt sie! Lebend!“

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