LOGINDeclan Callahan wusste es in dem Moment, als er sie in der Schule sah: Evie McCarthy gehörte ihm. Er beanspruchte sie mit krankhafter Besessenheit, heiratete sie, bekam eine Tochter – bis zu dem Tag, an dem er sie für immer verlor. So glaubte er zumindest. Sechs Jahre später, mitten in ihrer Hochzeit mit einem anderen Mann, stürmt Declan in die New Yorker Kathedrale, reißt die Braut vom Altar und wirft sie sich über die Schulter. Evie erinnert sich nicht an ihn. Sie erinnert sich an gar nichts. Für sie ist er nur ein gefährlicher Fremder. Doch Declan kümmert das nicht. Er wird sie zurück nach Dublin bringen. Er wird sie gefangen halten. Er wird sie brandmarken. Er wird sie dazu bringen, sich zu erinnern – selbst wenn er sie dafür brechen muss. Jenseits des Ozeans erklärt Harvey Prescott, der Mann, der sie fünf Jahre lang in einer Lüge gefangen hielt, ihr den Krieg. Zwei besessene Monster. Eine Frau. Zwischen bruchstückhaften Erinnerungen, toxischem Verlangen und einer Anziehung, die sie nicht kontrollieren kann, entdeckt Evie die dunkelste Wahrheit: Sie will sich nicht entscheiden. Sie will beides.
View MoreSirius, immer im NordenDeclanDas Arbeitszimmer ist still.Nur das leise Geräusch des Kamins und das gelegentliche Klicken der Tastatur. Ich sitze hinter dem alten Eichentisch, die Ellbogen auf das Holz gestützt, und starre ins Leere. Vor mir liegen Papiere verstreut — Verträge, Berichte, Angebote —, aber ich kann mich auf keinen davon konzentrieren.Es ist fast sechzehn Jahre her, seit alles begann.Sechzehn Jahre, seit ich eine Frau begraben habe, in der Annahme, sie sei Evie.Sechzehn Jahre, seit ich mit einem leeren Grab lebte.
Das Dach des Trinity College war still.Es war eine klare Herbstnacht, fast fünfzehn Jahre nachdem alles begonnen hatte. Die Luft war kalt, aber nicht eisig. Die Lichter der Stadt Dublin blinkten ringsum, aber hier oben schien der Himmel näher. Die Sterne waren klar, hell, fast arrogant in ihrer Beständigkeit.Claire stand neben mir.Sie war jetzt neunzehn. Groß, schlank, mit den blauen Augen ihres Vaters und einer Neugier, die nie nachlie&szl
Die erste starke Wehe kam um drei Uhr morgens.Ich lag in unserem Bett, als ich sie spürte. Es war nicht dieser leichte Schmerz, den ich in den letzten Wochen gespürt hatte. Es war etwas Tieferes, Intensiveres. Ich wachte sofort auf und legte die Hand auf meinen Bauch. Die beiden Babys bewegten sich gleichzeitig, als wüssten sie bereits, dass es Zeit war.Declan wachte im selben Moment auf. Er hatte immer einen leichten Schlaf. Harvey, der auf meiner anderen Seite lag, öffnete ebenfalls die Augen.— War es das? — fragte Declan und saß schon aufrecht im Bett.Ich nickte und atmete tief durch.
Wir kehrten in einer klaren Winternacht zum Observatorium zurück.Der Ort war genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Die Kuppel ließ sich noch immer öffnen und gab den Himmel frei. Der Marmorboden war noch immer kalt unter den nackten Füßen. An den Wänden hingen jene alten, handgemalten Karten, und die kleine Plakette mit meinen Initialen war noch da, etwas staubig, aber unversehrt.Declan hatte den Ort die ganze Zeit geheim gehalten. Nach allem, was geschehen war, hatte er nie wieder jemanden hierher gebracht. Bis heute.Wir drei waren allein.Claire war bei Maeve und Matthew. Die Zwillinge waren noch nicht geboren. Die Welt draußen war still. Un
Claire schläft tief, als Declan sie ins Bett legt. Mit einer Zärtlichkeit, die dem Mann, der mich am Altar entführt hat, völlig widerspricht, richtet er die Sternendecke, schiebt eine blonde Strähne aus ihrem Gesicht und bleibt einen Moment stehen – einfach nur, um seine Tochter zu betrachten, mit
Das Frühstück endet in angespannter Stille, die nur Claire nicht zu spüren scheint. Sie plaudert aufgeregt über ihre Pläne für den Tag, ahnungslos über den stillen Sturm, der sich zwischen mir und Declan zusammenbraut. Jedes Mal, wenn sich unsere Blicke kreuzen, spüre ich das Gewicht des Verspreche
Der Kuss endet langsam, aber Declan zieht sich nicht zurück. Seine Stirn bleibt gegen meine gepresst, unsere Atemzüge vermischen sich. Ich spüre ihn noch — den Geschmack von Regen, von Verlangen und von etwas gefährlich Süchtigmachendem.„Du hast den Kuss erwidert“, murmelt er mit rauer Stimme der
Er legt das Telefon weg und steckt es in seine Tasche. Der Raum bleibt für einige Sekunden still, nur unterbrochen von meinem keuchenden Atem und dem unaufhörlichen Regen, der gegen die Fenster schlägt.Ich bin immer noch ans Bett gefesselt, halbnackt, mein Körper pocht dort, wo er mich berührt hat











