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Kapitel Vier

مؤلف: Aria West
last update تاريخ النشر: 2026-08-07 03:11:37

Cassandra schlug die schwere Eichentür hinter sich zu. Ihr Atem ging flach und unruhig.

„Dad, ich glaube, diese Schlampe ist schwanger.“

Sie begann, auf dem Marmorboden von Mark Stones Arbeitszimmer auf und ab zu gehen, während sich ihre Fingernägel tief in ihre Handflächen gruben.

„Nein, ich glaube es nicht nur. Ich weiß es. Im Emblem Manor sind ihre Krankenhausunterlagen aus der Tasche gefallen. Der Schwangerschaftstest war positiv.“ Cassandra blieb abrupt vor seinem Schreibtisch stehen. „Und das Kind ist von Markus. Von wem sonst sollte es sein?“

Mark Stone blickte nicht sofort von seinem Glas Scotch auf. Er nahm einen langsamen Schluck, während sich seine buschigen Augenbrauen zu einem tiefen Stirnrunzeln zusammenzogen.

„Schwanger?“ Er stellte das Glas ab. „Markus behauptet seit Jahren, dass er sie verachtet. Wie konnte er so leichtsinnig sein und sie schwängern?“

„Das interessiert mich im Moment überhaupt nicht“, fuhr Cassandra ihn an. „Es reicht schon, dass sie sein Kind trägt. Wenn Markus davon erfährt und plötzlich weich wird, haben wir ein Problem.“

Mark musterte seine Tochter einen Moment lang, sagte jedoch nichts.

Cassandra holte tief Luft und zwang sich zur Ruhe. Dann beugte sie sich über den Schreibtisch und senkte ihre Stimme.

„Und es kommt noch schlimmer. Markus übernimmt heimlich die Kosten für die Operation ihres Vaters. Jason soll noch diese Woche operiert werden. Wenn er aufwacht und anfängt, darüber zu reden, was am Tag des Unfalls wirklich passiert ist …“

Die Farbe wich aus Marks Gesicht.

Sein Glas schlug hart auf die Tischplatte, und der Scotch schwappte über den Rand.

Jahre sorgfältig gesponnener Intrigen, gefälschter Beweise und unterschlagener Vermögenswerte beruhten auf einer einzigen Voraussetzung: Jason Lloyd durfte niemals die Wahrheit erzählen.

Sollte er überleben und mit Markus sprechen, drohte der Familie Stone weit mehr als nur der Verlust ihres Einflusses auf Vance Enterprise. Alles, was Mark über Jahre aufgebaut hatte, könnte zusammenbrechen – und am Ende könnte ihn genau das ins Gefängnis bringen.

„Hat Markus direkt an das Krankenhaus gezahlt?“, fragte er mit gefährlich ruhiger Stimme.

„Über einen Ermessensfonds der Geschäftsleitung“, antwortete Cassandra sofort. „Ich habe die Freigabe im Portal gesehen.“

Mark zog sein Handy hervor und wählte die Nummer eines Mannes in der Finanzabteilung von Vance Enterprise, der ihm seine gesamte Karriere verdankte.

„Hier ist Mark Stone“, sagte er ruhig. „Stoppen Sie die medizinische Überweisung an das St. Jude’s Hospital für Jason Lloyd. Kennzeichnen Sie die Zahlung mit sofortiger Wirkung als Gegenstand einer internen Prüfung und lehnen Sie die Freigabe ab. Falls das Krankenhaus nachfragt, teilen Sie mit, dass die Zahlung auf Führungsebene zurückgezogen wurde. Keine Ausnahmen.“

Er legte auf, ohne auf eine Antwort zu warten.

 „Ohne die Zahlung wird das Krankenhaus nicht mit der Operation beginnen.“ Ein finsteres Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Damit sollte sich das Problem mit Jason von selbst erledigen.“

Mark stand auf, rückte die Jacke seines maßgeschneiderten Anzugs zurecht und strich sie über seinem Bauch glatt.

„Hol das Aufnahmegerät. Es wird Zeit, Markus daran zu erinnern, warum er die Lloyds so sehr hasst.“

---

Im Eckbüro im obersten Stockwerk von Vance Enterprise saß Markus beinahe völlig im Dunkeln. Nur das gedämpfte Licht der nächtlichen Skyline fiel durch die breite Glasfront.

In seiner Hand hielt er ein kleines Porträt von Vivian in einem silbernen Rahmen.

Das Foto hatte er vor Jahren heimlich aufgenommen. Vivian hatte damals gelacht, unbeschwert und ahnungslos, und in diesem Augenblick hatte ihr Lächeln nur ihm gegolten.

Markus hatte gewonnen.

Er hatte ihrer Familie das Vermögen genommen, ihren Namen zerstört und Vivian dazu gebracht, die Scheidungspapiere zu unterschreiben.

Warum fühlte sich dieser Sieg dann nicht wie ein Triumph an?

Warum hinterließ jeder Gedanke an sie nur eine bedrückende Leere in seiner Brust?

Ein leises Signal der Sprechanlage durchbrach die Stille.

„Mr. Stone ist hier und möchte Sie sprechen, Sir“, erklang Marias Stimme.

Markus zuckte leicht zusammen. Er schob das Porträt rasch in die oberste Schublade seines Schreibtisches, schloss sie und räusperte sich, bevor er sich wieder aufrichtete.

„Schicken Sie ihn herein.“

Nachdem Markus seine Eltern verloren hatte, war Mark Stone für ihn beinahe zu einer Vaterfigur geworden. Mark hatte ihn aus der schlimmsten Zeit seiner Trauer herausgeholt und ihm später die Beweise vorgelegt, die Jason Lloyd mit dem Tod seiner Eltern in Verbindung brachten.

Markus verdankte ihm viel: seine Karriere, seine Stabilität und letztlich auch die Möglichkeit, jene Rache zu vollenden, auf die er so lange gewartet hatte.

Die schweren Türen öffneten sich.

Mark trat mit der gewohnten Selbstsicherheit ins Büro. Cassandra folgte ihm und bot das perfekte Bild einer loyalen, verständnisvollen Frau.

„Markus, mein Junge“, begann Mark mit ernster Stimme. „Es tut mir leid, dich so spät zu stören, aber es ist etwas aufgetaucht, das du hören solltest.“

Markus hob eine Augenbraue und verbarg seine Erschöpfung hinter einem ausdruckslosen Blick.

„Was ist passiert?“

Mark gab Cassandra ein Zeichen.

Sie trat an den Glastisch, stellte ein kleines, elegantes Diktiergerät darauf und drückte die Wiedergabetaste.

Ein kurzes Rauschen ertönte aus dem Lautsprecher. Dann erklang eine Stimme, die unverkennbar wie Vivian klang.

„… Ich werde ihn ablenken, Vater. Versuch einfach, die restlichen Patente so schnell wie möglich zu sichern. Ich bin es so leid, diese Fassade aufrechtzuerhalten …“

Die Aufnahme brach ab.

Markus’ Gesicht blieb regungslos.

Der vertraute Zorn war sofort da. Heiß und scharf, genährt von all dem Hass, den er jahrelang mit sich herumgetragen hatte.

Doch diesmal mischte sich etwas anderes darunter.

Zweifel.

Markus blickte auf das kleine silberne Gerät vor sich.

Drei Jahre lang hatte er Vivian jeden Tag gehört. Er kannte ihre Stimme, wenn sie lachte, wenn sie müde war, wenn sie weinte oder ihm nachts etwas ins Ohr flüsterte.

Die Stimme auf der Aufnahme klang wie sie. Der Tonfall, die Aussprache – alles stimmte beinahe perfekt.

Und trotzdem war da etwas, das ihn störte.

Der Rhythmus wirkte zu glatt.

Fast mechanisch.

Markus ließ sich nichts anmerken.

„Woher hast du das?“

„Einer meiner Sicherheitsleute hat eine verschlüsselte Datei abgefangen, die kurz vor der Beschlagnahmung von Jasons privatem Terminal verschickt wurde“, log Mark ohne zu zögern.

Er trat hinter Markus und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Ich weiß, dass das wehtut, mein Sohn. Aber Vivian ist nun einmal Jasons Tochter. Ihre Tränen, ihre Bitten – all das dient nur dazu, einen Teil des Vermögens ihrer Familie zu retten.“ Seine Stimme wurde eindringlicher. „Wenn du jetzt weich wirst, war alles, was du für deine Eltern getan hast, umsonst.“

Markus starrte weiter auf das Diktiergerät.

„Ich habe ihnen bereits alles genommen“, sagte er schließlich leise. „Sie haben nichts mehr.“

„Nicht ganz.“

Mark nutzte die Gelegenheit sofort.

„Vivians übertragene Aktien befinden sich noch immer auf einem Treuhandkonto. Wenn du sie auf Cassandra überschreibst, stärkt das unsere Position im Unternehmen und zeigt dem Vorstand, dass du endgültig mit der Vergangenheit abgeschlossen hast.“

 Er lächelte dünn.

„Das wäre der vernünftigste Schritt.“

Markus hob den Blick zu Cassandra.

Sie schenkte ihm ein sanftes, beinahe bescheidenes Lächeln, doch in ihren Augen lag eine Erwartung, die ihm nicht entging.

Unwillkürlich musste er an Vivian denken.

Sie hatte ihm genau diese Anteile überschrieben, ohne zu feilschen und ohne Bedingungen zu stellen. Selbst in dem Moment, in dem sie wusste, dass er sie zerstörte, hatte sie nur verlangt, dass ihr Vater gerettet wurde.

Und jetzt wollte Mark, dass er dieses Vermögen einfach Cassandra übergab.

Zum ersten Mal erschien ihm die Forderung seltsam.

„Die Vorstandssitzung findet erst in zwei Wochen statt“, sagte Markus ruhig und lehnte sich in seinem Ledersessel zurück. „Ich werde das Portfolio vorher prüfen und danach entscheiden.“

Marks Lächeln erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde.

Doch er fing sich schnell.

„Natürlich. Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“ Sein Blick glitt kurz zu Cassandra. „Sie ist geduldig. Obwohl eine junge Frau ihres Standes natürlich genügend andere Verehrer hätte.“

Die Botschaft war kaum zu überhören.

Markus ignorierte sie.

„Das wäre alles, Mark. Cassandra.“

Mark nickte, und kurz darauf fielen die schweren Türen hinter ihnen ins Schloss.

Im Büro wurde es wieder still.

Markus griff diesmal nicht nach Vivians Porträt.

Stattdessen nahm er das Diktiergerät vom Tisch und hielt es näher an sein Ohr.

Er drückte erneut auf Wiedergabe.

„… Ich werde ihn ablenken, Vater. Versuch einfach …“

 Markus stoppte die Aufnahme und setzte noch einmal am Anfang an.

Diesmal hörte er genauer hin.

Zwischen zwei Wörtern veränderte sich das Hintergrundrauschen für einen kaum wahrnehmbaren Moment.

Markus runzelte die Stirn.

Er spielte dieselbe Stelle ein drittes Mal ab.

Da war es wieder.

Ein winziger Bruch im Ton.

Zu sauber, um zufällig zu sein.

Seine Augen verengten sich.

Die Aufnahme war bearbeitet worden.

Noch bevor Markus diesen Gedanken weiterverfolgen konnte, vibrierte sein privates Handy auf dem Schreibtisch.

Auf dem Display erschien eine unbekannte Nummer vom St. Jude’s Hospital.

Er nahm sofort ab.

„Vance.“

„Herr Vance?“ Die Stimme einer Krankenschwester klang angespannt. „Wir haben ein dringendes Problem. Die Finanzabteilung hat soeben die Freigabe für die Behandlung und die Notoperation von Herrn Jason Lloyd zurückgezogen.“

Markus richtete sich auf.

„Was?“

„Ohne eine erneute Zahlungsbestätigung können wir die geplante Notoperation nicht durchführen. Herr Lloyds Zustand verschlechtert sich rapide. Wenn die Freigabe nicht umgehend wiederhergestellt wird, könnte es für einen Eingriff zu spät sein.“

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