LOGINAls sie zum Anwesen zurückkehrten, fühlte sich dort alles anders an. Die zuvor getroffenen, festungsartigen Sicherheitsvorkehrungen hatten nun eine schärfere, verzweifeltere Note angenommen. Auf den Gesichtern sämtlicher Wachleute lag ein düsterer Ausdruck, denn sie wussten genau, wen und was sie jetzt beschützten.Amalia war gegen den vorsichtigen Rat ihrer Ärzte aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ihr Zustand war stabil genug, dass sie auf ihrer Rückkehr nach Hause bestanden hatte. Als Clara und Luca schließlich einen Augenblick fanden, um ihr die gesamten Ereignisse des Tages zu erzählen, lag sie in ihrem eigenen Bett, mit Kissen im Rücken aufgerichtet. Sie berichteten ihr alles, sowohl das Wunderbare als auch das Beängstigende, beides miteinander verwoben zu einer einzigen überwältigenden Geschichte.„Ein Baby“, sagte Amalia. Ihr vom Leben gezeichnetes Gesicht erhellte sich vor einer so reinen Freude, dass diese für einen Moment die Erschöpfung verdrängte, die seit ihrem Kranken
Die Zufahrt hinter der Klinik war schmal und düster, gesäumt von Lieferwagen und gestapelten Kisten. Claras Herz hämmerte so heftig, dass sie es bis in den Hals hinauf spürte, während Marco sie rasch auf den wartenden gepanzerten Wagen zuführte. Lucas Hand ließ ihre dabei kein einziges Mal los.„Geht schnell, aber rennt nicht“, murmelte Luca mit leiser, kontrollierter Stimme, obwohl die Anspannung in Wellen von ihm ausging. „Rennen erregt Aufmerksamkeit. Wir wollen unauffällig wirken, bis wir im Wagen sitzen.“Clara zwang ihre Beine zu einem zügigen, gleichmäßigen Schritt. Jeder Instinkt in ihr schrie danach, loszurennen, während ihre Gedanken fieberhaft zwischen der unfassbaren Freude der letzten zwanzig Minuten und dem plötzlichen, Übelkeit erregenden Schrecken der vergangenen fünf hin und her sprangen. Ein Baby. Renzo. Beide Wahrheiten existierten gleichzeitig in ihrer Brust, weigerten sich, einander Platz zu machen, und ließen sie keine von beiden vollständig empfinden, ohne dass
Zwei gepanzerte Wagen flankierten sie während der gesamten Fahrt in die Stadt. Costas Sicherheitsteam hielt einen engen, wachsamen Schutzring um sie herum, was Claras Brust mit einer seltsamen Mischung aus Dankbarkeit und Trauer erfüllte: Dankbarkeit für den Schutz, Trauer um die gewöhnliche Freiheit, von der sie gerade erst begonnen hatte, einen Hauch zu kosten, bevor Renzos Schatten sich erneut über alles gelegt hatte.„Seit wir losgefahren sind, hast du kaum ein Wort gesagt“, bemerkte Luca und beobachtete sie aufmerksam vom gegenüberliegenden Sitz der Rückbank aus.„Ich versuche, nicht zu erraten, was sie mir sagen wird. Während der gesamten Fahrt habe ich jede Möglichkeit durchgespielt, und keine davon fühlt sich an, als könnte ich mich wirklich darauf vorbereiten.“ Clara verschränkte und löste nervös die Hände in ihrem Schoß. „Was, wenn etwas mit mir nicht stimmt? Etwas, das bedeutet, dass ich den Vertrag überhaupt nicht erfüllen kann?“„Dann kümmern wir uns darum, genauso wie wi
Amalia befand sich in der Bibliothek, als der Alarm ertönte: drei scharfe elektronische Signaltöne, die Costas Sicherheitssystem ausschließlich für bestätigte Sicherheitsverletzungen am äußeren Gelände reservierte. Sie erhob sich schneller von ihrem Stuhl, als es ihr genesendes Herz hätte zulassen dürfen. Die alten Instinkte, mit denen sie jahrzehntelang die Gefahren dieser Familie überlebt hatte, verdrängten jede vorsichtige Warnung ihrer Ärzte.Das Buch, in dem sie gelesen hatte, glitt unbemerkt zu Boden. Noch bevor der zweite Signalton verklungen war, durchquerte sie bereits den Raum. Ihr Verstand schärfte sich zu jener besonderen, kühlen Klarheit, an die sie sich aus ihren jüngeren Jahren erinnerte, als Bedrohungen für diese Familie zum regelmäßigen, zermürbenden Alltag gehört hatten und nicht zu den seltenen Krisen, zu denen sie in den vergangenen Jahrzehnten geworden waren.„Bericht!“, fuhr sie den Wachmann an, der wenige Augenblicke später durch die Tür stürmte. Ihre Stimme bes
Innerhalb einer Stunde verwandelte sich das Anwesen in etwas, das eher einer Festung glich. An jedem Tor wurde das Sicherheitspersonal verdoppelt, die Patrouillen rund um das Gelände wurden verstärkt, und sämtliche Fenster und Türen erhielten zusätzliche Schlösser, von deren Existenz Clara nicht einmal gewusst hatte, bis Costas Team begann, sie mit routinierter Effizienz einzubauen.„Er wird hier nicht durchkommen“, sagte Luca, obwohl die Anspannung in seiner Stimme verriet, wie wenig Trost ihm selbst diese Versicherung spendete. „Ich habe Gefallen bei drei verbündeten Familien eingefordert. Innerhalb einer Stunde werden wir jede Straße im Blick haben, die zu diesem Anwesen führt.“Teresa erschien kurz in der Türöffnung. Sie trug einen Arm voll frischer Bettwäsche für den Gästeflügel, in dem zwei Männer einer verbündeten Familie über Nacht stationiert werden sollten, und hielt gerade lange genug inne, um Claras Blick aufzufangen.„Nonna Amalia würde Ihnen sagen, dass Sie sich nicht vo
Der private Flugplatz lag am Stadtrand. Er bestand aus einer kleinen Ansammlung von Hangars und einer einzigen Start- und Landebahn, die von Kunden genutzt wurde, die es vorzogen, nicht die Sicherheitskontrollen eines Verkehrsflughafens durchlaufen zu müssen. Lucas Wagen hielt direkt neben dem Begrenzungszaun, gerade als ein elegantes Charterflugzeug begann, auf die Startbahn zuzurollen. Die Triebwerke brummten bereits mit dem tiefen, anschwellenden Dröhnen eines unmittelbar bevorstehenden Starts.„Das sind sie“, sagte Marco und deutete auf eine schwarze Limousine, die neben dem Hangar parkte. Durch das getönte hintere Fenster war Donna Marchesis unverkennbare Silhouette zu erkennen.„Wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig, bevor das Flugzeug abhebt“, sagte Luca und kalkulierte bereits seine Möglichkeiten. Sein Kiefer war vor kaum noch beherrschter Anspannung fest zusammengepresst. „Marco, kann die Sicherheitsmannschaft die Startbahn sperren?“„Ich kann es versuchen. Das verschafft un







