LOGINDer Ratssaal war ganz anders, als Clara ihn sich vorgestellt hatte.Sie hatte etwas Prunkvolles und Einschüchterndes erwartet, Marmor und Goldverzierungen, passend zum Rest der De-Luca-Welt, in die sie vor zwei Wochen hineingestolpert war. Doch der Raum war überraschend schlicht: dunkle Holzvertäfelungen, ein langer ovaler Tisch und elf Stühle, die bereits besetzt waren. Die Männer reichten von silberhaarigen Ältesten bis hin zu einigen jüngeren Männern mit scharfen Augen, die ganz offensichtlich darauf vorbereitet wurden, eines Tages die Sitze ihrer Väter zu übernehmen. Die Luft roch schwach nach altem Zigarrenrauch und noch älterem Geld. Jahrzehnte voller Entscheidungen, die genau in diesem Raum getroffen worden waren, hatten sich in den Wänden festgesetzt wie Staub, der sich nie ganz wegwischen ließ. Amalia saß bereits nahe am Kopfende des Tisches. Neben ihr stand ein einzelner leerer Stuhl, der, wie Clara mit einem kleinen Anflug von Dankbarkeit begriff, für sie freigehalten worde
Über Rom brach ein grauer, kalter Morgen an, und Clara hatte kein Auge zugetan.Sie waren kurz nach drei zum Anwesen zurückgekehrt. Marcos Kontakt hatte bestätigt, dass die Bezeugungsunterlagen gesichert waren und direkt an die Kanzlei geliefert würden, sobald diese öffnete. Doch Schlaf war trotzdem unmöglich gewesen, denn Claras Gedanken kreisten unaufhörlich um all die Dinge, die bis zehn Uhr noch schiefgehen konnten. Sie lag im Dunkeln ihres Zimmers, beobachtete, wie die Decke allmählich heller wurde, und gab schließlich gegen sechs Uhr endgültig auf. Sie zog sich schweigend an und ging hinunter in die Küche, wo sie Amalia bereits wach vorfand. Zwei Tassen Espresso standen auf der Arbeitsfläche, als hätte die alte Dame gewusst, dass Clara kommen würde.„Du siehst aus wie eine Frau, die die ganze Nacht mit elf alten Männern gestritten hat“, bemerkte Amalia und schob ihr eine der Tassen hin.„Tatsächlich waren es nur vier. Luca und Marco haben sich um die übrigen gekümmert.“ Clara sc
Bellandi erwies sich als schwieriger umzustimmen, als Cardano versprochen hatte.Er empfing sie in einem formellen Arbeitszimmer statt in einem Salon. Trotz der späten Stunde war er gekleidet, als hätte er geschäftlichen Besuch erwartet und keinen unangekündigten. Während Luca ihm die Situation schilderte, hörte er mit verschränkten Armen zu und hielt seinen Gesichtsausdruck die ganze Zeit über sorgfältig unbewegt.„Dir ist bewusst, was du von mir verlangst“, sagte Bellandi, als Luca geendet hatte. Seine Stimme war knapp und präzise. „Es geht nicht einfach nur um eine gelöste Verlobung. Du weist öffentlich eine verbündete Familie zurück, zugunsten einer Frau, deren eigene Vergangenheit, soweit ich weiß, nicht ganz einwandfrei ist.“„Du hast also bereits etwas gehört.“ Lucas Stimme wurde schärfer. „Von wem?“„Ich habe meine eigenen Quellen, Luca, genauso wie Moretti seine hat. Es wäre töricht von mir, das nicht zu tun.“ Bellandis Blick huschte kurz zu Clara, bevor er sich wieder Luca z
Cardanos Villa lag hinter einer hohen Steinmauer in Parioli. Einige wenige Sicherheitslampen beleuchteten das Anwesen und verliehen ihm eher das Aussehen einer Festung als das eines Zuhauses. Luca kündigte seinen Besuch nicht an. Als Clara beobachtete, wie er sich mit zügiger, geübter Selbstverständlichkeit durch das Tor bewegte, verstand sie, dass dies Absicht war – ein kalkuliertes Risiko, das Dringlichkeit statt Höflichkeit vermitteln sollte.Ein älterer Mann in einer Strickjacke öffnete persönlich die Tür. Sein silbernes Haar und seine scharfen Augen fielen Clara sofort auf. Mit unaufgeregter, prüfender Geduld musterte er zunächst Luca und dann sie.„Luca. Es ist beinahe elf.“ Cardanos Stimme war rau, doch eher unbeeindruckt als verärgert. „Das hier sollte es wert sein, meinen abendlichen Wein zu unterbrechen.“„Das ist es. Dürfen wir hereinkommen?“Cardanos Blick wanderte zu Clara und verweilte mit derselben unaufgeregten Neugier auf ihr, mit der Luca sie eine Woche zuvor in jene
Die Vorladung des Rates traf vier Tage später ein. Ein ausdrucksloser Bediensteter überbrachte sie an den Frühstückstisch, an dem Clara mit Amalia saß. Beide beobachteten, wie Lucas Gesicht sich verdüsterte, während er das Schreiben las.„Sie wollen sich treffen“, sagte er und faltete den Brief mit mehr Kraft als nötig zusammen. „Alle. Morgen Abend, eine offizielle Sitzung. Keine angegebene Tagesordnung, was bedeutet, dass sie bereits Bescheid wissen.“„Elisa“, sagte Amalia. Es war keine Frage.„Oder ihr Vater. Vielleicht beide.“ Luca legte den Brief ab und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Die Erschöpfung der vergangenen Woche trat nun endlich hinter der sorgfältigen Selbstbeherrschung hervor, die er gewöhnlich aufrechterhielt. „Das kommt früher, als ich erwartet hatte. Ich hatte nicht vor, die Angelegenheit vor mindestens einem weiteren Monat vor den Rat zu bringen, bis sich die Dinge etwas beruhigt hätten.“„Was geschieht bei einer offiziellen Sitzung?“, fragte Clara, währen
Clara wartete, bis Luca von seiner Ratssitzung zurückkehrte. Es war längst nach neun, und die Erschöpfung zeichnete sich in jeder Linie seines Gesichts ab, als er sie auf der Kante seines Schreibtisches sitzen sah. Die einzelne Lampe im Arbeitszimmer warf lange Schatten über die Wände.„Du bist noch wach“, sagte er überrascht und schlüpfte aus seinem Jackett. „Ich dachte, du wärst schon vor Stunden ins Bett gegangen.“„Ich musste mit dir reden. Bevor ich den Mut dazu verliere.“ Claras Hände zitterten leicht, und sie presste sie flach auf ihre Knie, um sie zu beruhigen.Luca ging zu dem kleinen Barwagen in der Ecke und schenkte sich ungefragt ein Glas einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit ein. Clara bemerkte die Müdigkeit in seinen Schultern, jene besondere Erschöpfung eines Mannes, der den ganzen Abend über Dinge hatte diskutieren müssen, die überhaupt keiner Diskussion hätten bedürfen sollen.„Ärger mit dem Rat?“, fragte sie und schob das eigentliche Thema hinaus, obwohl sie sich fest







