Mag-log inSECHS JAHRE SPÄTER
„Es sieht wunderschön aus!“ Freya Evergreen strahlte, als sie ihr Spiegelbild betrachtete. Der smoky Eye-Make-up, die markanten Wangenknochen und der zarte Nudeton-Lippenstift verliehen ihr dieses reiche, gepflegte Aussehen, das alle Blicke auf sich zog.Sie drehte sich zu mir um, immer noch lächelnd. „Ich liebe, was du gemacht hast! Wenn du nicht immer so beschäftigt wärst, würde ich dich sofort als meine persönliche Make-up-Artistin entführen.“Ich lachte leise und fuhr mit den Fingern durch ihr dunkles Haar, um ein paar Strähnen zu glätten. Sie war bereit für den Laufsteg, und ich war erleichtert, dass mein Teil fast erledigt war. Ich warf einen Blick auf meine Uhr und spürte, wie die Vorfreude stieg. Nur noch eine Stunde, dann konnte ich endlich durchatmen.„Elara! Ich brauche dich hier drüben!“, rief Josh Murray, der Goldjunge der Modewelt. Ich entschuldigte mich bei Freya und eilte zu ihm. Hinter der Bühne herrschte das reinste Chaos – Models hetzten herum, Stylisten arbeiteten fieberhaft, alle waren angespannt.„Nicht zu auffällig, halte es im Gleichgewicht mit dem Kleid, okay?“, sagte er hastig. Ich nickte lächelnd, und er ging bereits zur nächsten Frau weiter. Heute war Joshs großer Moment – er präsentierte seine am meisten erwartete Kollektion des Jahres. Ich betrachtete das Model vor mir und überlegte, welche Farbtöne zu ihrem Hautton passen und das Outfit perfekt ergänzen würden.„Trockene Haut?“, fragte ich sie.Ihre braunen Augen trafen meine, und sie schüttelte den Kopf. „Eigentlich eher fettig.“„Verstanden.“ Ich griff zu der richtigen Grundierung, der perfekten Foundation und meinem zuverlässigen Beautyblender. Mit dem Blender arbeitete ich immer besser als mit einem Pinsel.„Elara!“, rief Josh erneut. Ich beschleunigte mein Tempo und achtete darauf, dass jedes Detail makellos war.„Augen schließen und zurücklehnen“, sagte ich dem Model. Sie tat, was ich verlangte. Das laute Stimmengewirr des überfüllten Raums schien in den Hintergrund zu treten, während ich arbeitete und die Foundation auf ihrem Gesicht und Hals verteilte. Mit dem Blender vermischte ich alles, bis ihre bronzefarbene Haut sanft leuchtete.Ich war fast fertig, als Joshs Stimme erneut durch den Raum dröhnte. Ich stöhnte innerlich auf, blieb aber konzentriert und trug Highlighter entlang ihrer Wangenknochen auf.„Lippen ein wenig öffnen“, sagte ich und zeichnete vorsichtig ihre volle Unterlippe mit dem Stift nach.„Josh! Komm und schau dir das an!“, rief ich und ließ den Blick durch den Raum schweifen, in dem über vierzig Personen in voller Geschwindigkeit unterwegs waren. Wie aus dem Nichts tauchte er hinter mir auf und betrachtete meine Arbeit einen Moment lang, bevor er mir den Daumen hoch zeigte.„Die Show beginnt in zehn Minuten und die Models sind immer noch nicht fertig! Gott, ich verliere den Verstand!“, murmelte er.„Du schaffst das, Josh. Atme tief durch und lass den Stress los. Alles wird gut“, beruhigte ich ihn. Obwohl er schon Dutzende Shows auf der ganzen Welt gemacht hatte, wurde er immer noch nervös, als wäre es sein erstes Mal.Ich erinnerte mich, wie ich ihn vor vier Jahren kennengelernt hatte. Damals hatte er so einschüchternd gewirkt, aber ich hatte schnell gemerkt, dass er eigentlich das genaue Gegenteil war. Wir waren keine engen Freunde, aber inzwischen arbeiteten wir gut zusammen.„Ja“, sagte er und richtete seine scharfe geometrische Krawatte. Er führte mich zur letzten Model. Wo um alles in der Welt steckten Lily und Mandy? Sie sollten eigentlich meine Assistentinnen sein, doch ich machte fast alles allein. „Nervös?“, neckte ich das Mädchen namens Darcy McEwen.Ihre Augen blieben geschlossen, während ich ihr Augen-Make-up machte. „Ach bitte, ich schwebe praktisch“, scherzte sie.Zehn Minuten später sah ich zu, wie die Models sich ordentlich in einer Reihe aufstellten, bereit, mit Josh an ihrer Seite stolz auf den Laufsteg zu treten. Die Ansage begann, und eine nach der anderen schritten die zehn Mädchen in den Hauptsaal hinaus.„Oh Gott, das war anstrengend!“, seufzte Mandy dramatisch und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Ich zog eine Augenbraue hoch.Im Ernst? Was genau hatte sie eigentlich gemacht?„Wo wart ihr zwei?“, fragte ich und verschränkte die Arme. Nur noch wenige Stylisten waren übrig und packten Accessoires ein.„Na, arbeiten natürlich“, antwortete sie schulterzuckend und wich meinem Blick aus. Lily sah schuldbewusst aus, als wüsste sie, dass die Ausrede schwach war. Ich hatte die beiden ausgewählt, weil ich dachte, sie wären zuverlässig und würden mir tatsächlich helfen, wenn ich sie brauchte. Offensichtlich war mein Urteilsvermögen nicht so gut, wie ich gehofft hatte.„Ihr seid meine Assistentinnen. Ihr solltet mir helfen. Ich habe überall nach euch gesucht“, sagte ich bestimmt, und die Frustration von vorhin kochte wieder hoch. „Sag mir die Wahrheit, Mandy. Warum seid ihr verschwunden?“Sie setzte sich gerader hin, biss sich auf die Lippe und murmelte: „Ich wollte lernen … Erfahrung sammeln.“„Und was genau habt ihr gemacht?“„Wir haben unseren Job gemacht“, beharrte sie. „Frag Lily. Kimberly Hale hat mitten beim Make-up verlangt, dass wir ihren Manager holen. Ich habe ihr gesagt, dass das nicht unsere Aufgabe ist, aber sie hat angefangen, uns anzuschreien. Also mussten wir den ganzen Weg bis in den fünfzehnten Stock rennen, um ihn zu finden!“Ich schaute zu Lily. Sie nickte, und ihr Pferdeschwanz wippte dabei. Ich seufzte und kniff mir in den Nasenrücken. „Na gut. Aber beim nächsten Mal, wenn so etwas passiert, kommt ihr zuerst zu mir, okay?“„Ja, Chefin!“—Ich würde Mandy nie wieder neben mir im Flugzeug sitzen lassen. Niemals. Dieses Mädchen war mir praktisch auf den Schoß geklettert, statt in ihrem eigenen Sitz zu bleiben. Gott, ich war völlig erledigt. Drei Stunden in der Luft hatten jeden Muskel in meinem Körper schmerzen lassen, aber ich war so froh, endlich zu Hause zu sein.Mit einem müden Lächeln schloss ich die Tür auf und trat ein.„Ich bin zu Hause!“, rief ich fröhlich. Ich streifte meine High Heels ab – meine armen Füße taten höllisch weh – und ging durch den Flur ins Wohnzimmer. Es war leer. Ich ließ meine Tasche und die Pakete auf die blaue Couch fallen und steuerte direkt die Küche an.„Schatz, wo bist du?“, rief ich laut genug, dass es im ganzen Haus zu hören war. Keine Antwort.Auch in der Küche war es still, deshalb ging ich zu seinem Zimmer. Ich hätte es wissen müssen. Die Tür war einen Spaltbreit offen. Ich stieß einen leisen Seufzer aus. „Schatz“, rief ich noch einmal und lächelte bereits, weil ich mir vorstellen konnte, wie er die Augen verdrehte.Ich schob die Tür auf, und da war er – mein niedlicher kleiner Junge, der mit gekreuzten Beinen auf dem Bett saß und mit dem iPad beschäftigt war. Er trug Kopfhörer, was erklärte, warum er mich nicht gehört hatte. Und er sprach mit jemandem.In dem Moment, als er mich bemerkte, leuchtete sein Gesicht mit einem breiten Grinsen auf. Er zog die Kopfhörer ab, rannte zu mir und schlang die Arme fest um mich. „Du bist wieder da, Mommy!“Ich lachte und bedeckte sein Gesicht mit Küssen. Ich liebte dieses Kind mehr als alles andere auf der Welt.„Du kommst genau zur richtigen Zeit, Mommy. Tante Clara ist am Telefon“, sagte er. „Sie will mit dir sprechen.“ Schlauer Junge.„Ich habe dir ein paar Geschenke mitgebracht. Schau mal im Wohnzimmer nach“, sagte ich und wuschelte durch sein rabenschwarzes Haar. Bevor er davonstürmte, gab er mir noch einen schnellen Kuss auf die Wange, während ich mich zu seiner Höhe hinunterbeugte.Sobald er weg war, nahm ich das iPad. Das vertraute Gesicht meiner besten Freundin erschien auf dem Bildschirm. „Kein Wunder, dass Leo abgehauen ist!“, schmollte sie spielerisch, bevor sie in ein breites Lächeln ausbrach. „Na, wie geht’s dir, Miss Immer-beschäftigt?“„Frag lieber nicht“, stöhnte ich und ließ mich aufs Bett fallen. Ich hatte seit zwanzig Stunden nicht geschlafen und fünfzehn Stunden am Stück gearbeitet. In dem Moment, als mein Rücken die weiche Matratze berührte, spürte ich pure Erleichterung. „Wie geht’s dir? Und warum grinst du so?“Ihr Lächeln wurde nur noch breiter, was mich noch neugieriger machte. Sie sagte kein Wort. Stattdessen hob sie ihre Hand zur Kamera. Zuerst sah es ganz normal aus, doch dann fiel mir der funkelnde Stein auf, der hübsch an ihrem Ringfinger saß.ADRIANIch hatte mich in meinem ganzen Leben noch nie so nervös gefühlt. Meine Knie zitterten unkontrolliert, und meine Handflächen waren schweißnass. Im Krankenhausflur lief ich wie ein gefangenes Tier rastlos auf und ab. Immer wieder wanderte mein Blick zu der Tür des Zimmers, in dem sich mein Moonshine, meine Elara, befand.Ihre Fruchtblase war heute völlig unerwartet geplatzt. Man hatte uns gesagt, dass es noch eine weitere Woche dauern würde, doch offenbar hatte unsere Tochter andere Pläne. In dem Moment, als es passierte, setzte mein Gehirn praktisch aus. Ich brachte Elara so schnell ins Krankenhaus, dass ich mich kaum noch an die Fahrt erinnern konnte.Beide Mütter waren sofort auf dem Weg gewesen, nachdem sie die Nachricht erhalten hatten. Leo war bei meiner Mutter in der Richmond-Villa in Sicherheit, während Elara und ich uns auf dem Weingut aufgehalten hatten, als alles begann.Der Krankenhausflur fühlte sich plötzlich unerträglich eng a
Meine Hände zitterten leicht, als ich mich auf den Mittelgang zubewegte. Mit jedem Schritt breitete sich eine neue Welle der Nervosität in meinem Bauch aus. Der Strauß aus Pfingstrosen fühlte sich in meinen Händen überraschend leicht an, doch die Bedeutung dieses Augenblicks lastete schwer auf meinem Herzen.Ich hob meinen Blick von den zarten Blumen und sah zu Dad und Leo hinüber, die bereits auf mich warteten. Beide sahen in ihren perfekt sitzenden, eleganten Anzügen unglaublich gut aus, und ihre Gesichter hellten sich sofort auf, als sie mich erblickten. Leo, dessen Gesicht vor Glück strahlte, rannte mit dem breitesten Lächeln auf seinen kleinen Lippen sofort auf mich zu.Dad hingegen blieb wie angewurzelt stehen und starrte mich mit einem verblüfften Gesichtsausdruck an, als würde er mich gerade zum allerersten Mal sehen.Als ich mich ihnen näherte, bemerkte ich, dass sich Tränen in Dads Augen sammelten, obwohl er sich alle Mühe gab, sie zurückzuhalten
Während ich vor dem Spiegel saß und mein Blick zwischen meinem Spiegelbild und dem meiner Mutter hin und her wanderte, legte sich ein sanftes Lächeln auf meine Lippen. Meine Make-up-Pinsel lagen ordentlich vor mir bereit, und ich ging meine gewohnte Routine mit der Selbstsicherheit einer Frau durch, die sie im Laufe der Jahre perfektioniert hatte.Meine Mutter saß hinter mir auf einem Hocker und beobachtete mich. Ihr Gesicht spiegelte noch immer diese vertraute Mischung aus Ungläubigkeit und grenzenloser Zuneigung wider.„Du wirst nicht auf mich hören, oder?“, seufzte sie. Trotz ihrer Worte klang ihre Stimme voller Liebe. Ihre Augen, die sich bereits wieder mit Tränen zu füllen begannen, wurden ganz weich, als sie mich ansah.„Ich bin eine professionelle Visagistin, Mom“, erwiderte ich. Mein Tonfall war verspielt, aber bestimmt, während ich ihr durch den Spiegel in die Augen sah. „Wie könnte ich es da zulassen, dass jemand anderes mich für meine eigene Hochzeit schminkt?“Mom schüttel
In dem Moment, als Leo das Zimmer verließ, blieb der besorgte Blick meiner Mutter auf mich gerichtet. Ich seufzte, wobei sich der Schmerz in meiner Brust selbst bei diesem flachen Atemzug verstärkte. Der Arzt hatte mir gesagt, dass ich großes Glück gehabt hatte, weil die Kugel mein Herz nicht durchbohrt hatte. Das bedeutete jedoch nicht, dass ich schmerzfrei war. Jede noch so kleine Bewegung tat immer noch weh.Mama streckte die Hand nach mir aus und nahm sanft meine Hand. Ihre Berührung war zärtlich, doch ich konnte ihre Sorge deutlich spüren. Mir war klar, wie sehr sie sich nach Antworten sehnte, also begann ich, ihr alles zu erklären. Ich erzählte ihr von Vivians Besessenheit von Adrian und davon, wie weit sie mit ihrem ungesunden Verhalten gegangen war, nur um ihn an ihrer Seite zu halten.Außerdem erwähnte ich kurz Dominics verdrehten Plan, mich zu seiner Sklavin zu machen und mich als Spielfigur für seine kranke Rache an Adrian zu benutzen. Diesen Teil hielt ich kurz, weil ich n
Alles tat weh.Meine Augenlider fühlten sich an, als würden sie eine Tonne wiegen, während ich mühsam versuchte, sie zu öffnen. Ich wollte meinen Arm heben, doch mein Körper weigerte sich, mir zu gehorchen, sodass ich mich beinahe wie gelähmt fühlte. Schwache Stimmen drangen immer wieder an mein Bewusstsein, tauchten auf und verschwanden erneut. Eine davon stach besonders hervor. Sie klang klar und doch weit entfernt, während sie meinen Namen rief.„Elara … bitte wach auf“, flehte die Stimme leise, aber voller Verzweiflung.Wer war das?Langsam und unter großen Mühen öffnete ich die Augen einen Spalt. Nach und nach nahm ich das schwach beleuchtete Zimmer wahr. Mein Blick fiel auf die schlichte Decke, während ich versuchte, meine Umgebung zu begreifen. Dann sah ich ihn.Adrian. Mein Adrian.Er saß neben meinem Bett, den Kopf in den Händen vergraben, und flüsterte immer wieder meinen Namen. Seine Stimme war schwer von Emotionen.Ich wollte nach ihm greifen, ihn berühren und meine Arme u
Dominic Voss’ Faust kam aus dem Nichts und krachte gegen meinen Kiefer, sodass ich rückwärts taumelte. Der Aufprall ließ meinen Kopf dröhnen und lockerte meinen Griff um ihn, wodurch er die Gelegenheit nutzen konnte. Noch bevor ich mich wieder fangen konnte, verpasste er mir einen weiteren Schlag, der mir die Waffe aus der Hand riss. Sie schlitterte quer durch den Raum und landete weit außerhalb meiner Reichweite. Mein Körper krachte hart auf den Boden und presste mir die Luft aus den Lungen.„Du verdammter Hurensohn“, zischte er, packte mich am Kragen und riss mich grob auf die Füße. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt, und sein Griff wurde noch fester, als er sich näher zu mir beugte. „Ich werde derjenige sein, der dich endgültig erledigt. Ein für alle Mal.“Ich stöhnte und wehrte mich gegen seinen Griff, während meine Muskeln sich anspannten. Ich packte seinen Arm und versuchte verzweifelt, ihn von mir wegzustoßen. Vivian Cross schrie ihn an, er solle aufhören. Ihre Stimme klang hekt
„…was hast du im Krankenhaus gemacht? Was für ein Abbruch?“ Moms Stimme zitterte so sehr, dass sie mein ganzes Ohr ausfüllte.„Mom, beruhig dich. Ich erkläre dir alles, das verspreche ich. Ich sag’s dir heute Abend, wenn ich zum Essen vorbeikomme.“„Du weißt wirklich, wie man mir einen Herzinfarkt
Ich sah den Kindern zu, wie sie über das Feld tobten und dem Fußball hinterherjagten, als wäre er das Wichtigste auf der Welt. Ihre Rufe und ihr Lachen erfüllten die Luft, und etwas daran wärmte mich von innen. Allein der Anblick ihrer riesigen Grinser und das pure Glück darin ließen mich automatis
Ich blinzelte heftig und versuchte, den Nebel aus meinen Augen zu vertreiben. Ich flüsterte Jacksons Namen ein letztes Mal, doch es kam keine Antwort. Der Mann vor mir wirkte größer, als ich ihn in Erinnerung hatte, und er atmete schwer, fast keuchend. Sein Gesicht blieb im Schatten verborgen – das
ELARAPositiv.Diese beiden kleinen roten Linien starrten mich vom Teststäbchen aus an. Ich war schwanger. Meine Hand zitterte, als ich das Testkit hielt, und ich blinzelte es nur an, als könnte ich die Linien zum Verschwinden bringen, wenn ich lange genug starrte. „Das kann nicht passieren“, flüst







