INICIAR SESIÓNTarniDie digitale Uhr auf dem Armaturenbrett des SUVs leuchtete in einem harten, sterilen Blau im stockdunklen Innenraum.23:51 Uhr.Neun Minuten.Der Krankenhausverwalter war brutal klar gewesen, bevor man mich aus dem Gebäude geführt hatte. Die Notfall-Schonfrist für die Bypass-Maschine endete genau um Mitternacht.Wenn die Anzahlung von dreißigtausend Dollar bis 00:00 Uhr nicht auf den Konten des Krankenhauses eingegangen war, würde das automatisierte System die proprietären Geräte sperren.Die synthetische Filtration würde stoppen. Das Toxin würde das Herz meiner Mutter überfluten, und sie wäre bis 00:05 Uhr tot.Ich saß steif auf dem teuren Ledersitz des Fahrzeugs, die Knie fest aneinandergepresst.Der SUV war vollkommen schalldicht. Durch das getönte, kugelsichere Glas konnte ich die roten und blauen Sirenen eines Krankenwagens sehen, der in die Notaufnahme einfuhr, aber ich hörte keinen einzigen Sirenenton.Die Stille im Innenraum war erstickend, dicht vom Geruch von reichem L
TarniDer rissige Bildschirm meines Handys, der gegen mein Ohr gepresst war, fühlte sich an wie ein Block Eis.Klingeln.Ich hielt den Atem an und drückte die Augen so fest zu, dass hinter meinen Lidern weiße Statik explodierte. Vor der dünnen Tür des Intensivzimmers stand Silas Thorne mit drei bewaffneten Männern im Flur.Er schaute auf seine Uhr. Er hatte mir sechzig Sekunden gegeben, um das Ende meines Lebens zu akzeptieren.Klingeln.Meine Finger gruben sich in das billige Plastikgehäuse des Telefons. Ich hatte seit fünf Jahren nicht mit Tarian gesprochen.Das letzte Mal, als ich meinen Stiefonkel sah, war er in einem silbernen Mercedes vor unserem schäbigen Wohnkomplex vorgefahren, trug einen Kaschmirmantel und roch nach teuren Zigarren. Er hatte Rafferty über den Kopf gestreichelt, mir einen Fünfzig-Dollar-Schein gegeben und meiner Mutter versprochen, er würde einen Treuhandfonds für uns einrichten.Er kam nie zurück. Wir sahen nie einen Cent.Klingeln.Nimm ab. Nimm ab, du Feig
Tarni„Bruny Island.“Ich flüsterte die Worte, während mein Gehirn sich abmühte, die Geografie meines eigenen Albtraums zu erfassen. Es war nicht einfach ein weiterer Vorort. Es war kein schlechtes Viertel auf der anderen Seite der Stadt. Es war eine Insel vor der Küste Tasmaniens, umgeben von den eiskalten, gewalttätigen Wassern des Südlichen Ozeans.Es war praktisch das Ende der Welt.Ich starrte auf den makellosen, teuren Wollstoff von Silas Thornes Anzug, völlig gelähmt.„Du willst uns auf eine Privatinsel bringen.“„Ich will überhaupt nichts, Tarni“, sagte Silas sanft. Seine bernsteinfarbenen Augen wichen nicht von meinem Gesicht.Sie verfolgten jedes kleinste Zucken meiner Muskeln, jeden hektischen Herzschlag, der am Halsansatz sichtbar war. „Ich sichere lediglich meine Investition. Vier Millionen Dollar sind eine beträchtliche Summe, selbst für das Syndikat. Und Tarian ist eine Ratte.“Der Name meines entfremdeten Stiefonkels fühlte sich an wie zerbrochenes Glas in meinem Mund.
TarniDas Beatmungsgerät machte immer denselben leisen, gleichmäßigen Laut und füllte den Raum mit einem Geräusch, das die Stille irgendwie noch schwerer wirken ließ. Ohne es wäre die Intensivstation völlig still gewesen und hätte mich allein mit meinen Gedanken und der Angst zurückgelassen, die ich nicht abschütteln konnte.Ich stand am Fußende des schmalen Krankenhausbettes und klammerte mich so fest an das kalte Plastikgeländer, dass meine Knöchel knochigweiß wurden. Unter dem sterilen Neonlicht wirkte meine Mutter unmöglich klein. Ihre Haut hatte einen erschreckend grauen Ton, und ihre Brust hob und senkte sich nur, weil eine Maschine Luft in ihre versagenden Lungen preßte.Nur vierundzwanzig Stunden zuvor hatte sie sich über eine Migräne beklagt. Jetzt lag sie in einem medikamentös herbeigeführten Koma, und ihre Organe versagten systematisch wegen eines Toxins, das die Ärzte nicht einmal benennen konnten.„Es tut mir leid, Ms. Vane.“Dr. Aris’ Stimme war sanft, doch das Mitleid i
Der Privatjet-Flug von Sydney nach Perth war ein vierstündiger Schleier aus weißem Rauschen, Ledersitzen und erdrückendem Grauen. Kael war nicht mitgekommen. Er hatte mir einfach einen Boardingpass, einen schwarzen Stadtlimousinenwagen und die Warnung gegeben, dass, falls ich versuchen sollte zu fliehen, die Maschinen, die meine Mutter am Leben hielten, abgeschaltet würden, bevor mein Flugzeug überhaupt den Boden berührte.Jetzt, stehend im sterilen, grellhellen Korridor der Intensivstation des Royal Perth Hospital, starrte mir die Realität dessen, wofür ich mein Leben eingetauscht hatte, direkt ins Gesicht.Ich drückte die Hände gegen das dicke, verstärkte Glas von Zimmer 4B. Das Glas war eiskalt, aber es konnte das Brennen in meiner Brust nicht betäuben.Evelyn Thorne lag in der Mitte des Zimmers, angeschlossen an ein erschreckendes Arrangement aus Schläuchen und Monitoren. Sie sah nichts aus wie die lebendige, unberechenbare Frau, die vor zwei Jahren einen einzigen Koffer gepackt u
Die Pflastersteine bissen sich durch meine durchnässte Jeans in meine Kniescheiben, kalt und unnachgiebig. Ich blieb dort auf dem nassen Gehweg knien, der Sydney-Regen klebte mir die Haare ans Gesicht, und starrte blind in die gähnende Dunkelheit von Kaels Anwesen.Der Anhänger ist eine Lüge, Tarni. Lass ihn den Käfig nicht schließen.Mamas letzte Worte hallten in meinem Schädel wider, ein hektisches, verzweifeltes Gespenst, das den Lärm des Sturms überschrieb. Ich schloss die Augen, ein gezackter Schluchzer riss meine Kehle hinauf. Sie war fort. Zwei Jahre Groll, zwei Jahre, in denen ich die schrecklichen Dinge geübt hatte, die ich ihr sagen würde, falls sie jemals wieder in mein Leben treten sollte – und jetzt war sie nur noch ein Körper in einer Krankenhaus-Leichenhalle dreitausend Meilen entfernt.Dann brach ein scharfer, chaotischer Burst von Rauschen aus dem Telefon, das immer noch an mein Ohr gepresst war.„Holt den Notfallwagen! Frei!“Der gedämpfte, gewaltsame Schlag eines De







