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Tarni

작가: Faith mega
last update 게시일: 2026-10-06 15:33:32

Der Privatjet-Flug von Sydney nach Perth war ein vierstündiger Schleier aus weißem Rauschen, Ledersitzen und erdrückendem Grauen. Kael war nicht mitgekommen. Er hatte mir einfach einen Boardingpass, einen schwarzen Stadtlimousinenwagen und die Warnung gegeben, dass, falls ich versuchen sollte zu fliehen, die Maschinen, die meine Mutter am Leben hielten, abgeschaltet würden, bevor mein Flugzeug überhaupt den Boden berührte.

Jetzt, stehend im sterilen, grellhellen Korridor der Intensivstation des Royal Perth Hospital, starrte mir die Realität dessen, wofür ich mein Leben eingetauscht hatte, direkt ins Gesicht.

Ich drückte die Hände gegen das dicke, verstärkte Glas von Zimmer 4B. Das Glas war eiskalt, aber es konnte das Brennen in meiner Brust nicht betäuben.

Evelyn Thorne lag in der Mitte des Zimmers, angeschlossen an ein erschreckendes Arrangement aus Schläuchen und Monitoren. Sie sah nichts aus wie die lebendige, unberechenbare Frau, die vor zwei Jahren einen einzigen Koffer gepackt und unsere Wohnung in Redfern verlassen hatte, ohne zurückzublicken. Ihre Haut hatte die Farbe von nassem Pergament. Ihre rechte Hand war schwer verbunden, das Fleisch unter der Gaze völlig geschwärzt. Dunkle, gezackte Adern krochen ihren Hals hinauf und spannten sich wie zersprungenes Porzellan über ihren Kiefer.

Aber es war nicht meine Mutter, die meine Aufmerksamkeit festhielt. Es war die Maschine neben ihrem Bett.

Sie war massiv, schlank und völlig fehl am Platz in einem öffentlichen Krankenhaus. Dicke, durchsichtige Schläuche pumpten dunkles, träge fließendes Blut aus ihrem Körper, leiteten es durch einen leuchtenden, mechanisierten Filter und drückten es zurück in ihre Adern. In das polierte Metallgehäuse der Maschine war ein dezentes Firmenlogo eingeätzt: Aethelgard Biotech.

Kaels Firma.

Er besaß das Gift, das durch ihre Adern brannte, und er besaß das synthetische Heilmittel, das sie an die Erde fesselte. Ich drückte die Stirn gegen das Glas, eine einzige, heiße Träne glitt meine Wange hinab. Ich hasste sie. Gott, ich hasste sie dafür, dass sie Rafferty und Leo verlassen hatte. Ich hasste sie dafür, dass sie mich mit achtzehn zur Elternfigur gemacht hatte. Aber als ich ihren zerbrochenen, sterbenden Körper betrachtete, verdampfte der Zorn und hinterließ nur einen hohlen, höhlenartigen Schmerz.

Der Anhänger ist eine Lüge, Tarni. Lass ihn den Käfig nicht schließen.

Ich griff nach oben, meine Finger strichen über das schwere silberne Metall an meinem Schlüsselbein. Es war eiskalt gegen meine Haut und unterdrückte ständig das latente Summen in meinem Blut, sodass sich meine Glieder anfühlten, als wären sie aus Blei gegossen.

„Besuchszeiten endeten um acht, Schätzchen.“

Die Stimme kam nicht von einer Krankenschwester. Es war ein glattes, kultiviertes Bariton, das den leeren, linoleumgefliesten Korridor entlang hallte. Es war nicht laut, aber es trug ein Gewicht, das mir sofort die Haare im Nacken aufstellte.

Ich drehte mich um, meine Stiefel quietschten leicht auf dem polierten Boden.

Der Korridor war vor drei Minuten noch voller medizinischem Personal gewesen. Jetzt war er völlig, unheimlich verlassen. Am anderen Ende des Flurs schienen sich die Schatten unter den flackernden Neonröhren zu sammeln und zu verdichten.

Ein Mann trat aus dem Dunkel.

Er ging langsam, seine harten Sohlen klickten in einem abgemessenen, tödlichen Rhythmus gegen den Boden. Er war in den Fünfzigern, mit Silber an den Schläfen und einem scharfen, aristokratischen Kiefer. Er trug einen maßgeschneiderten mitternachtsblauen Anzug, der mehr kostete als mein gesamtes Lebenseinkommen, einen offenen Mantel und eine Seidenkrawatte. Er sah nicht aus wie ein örtlicher Kredithai, der verzweifelte Mieter in Redfern terrorisierte. Er sah aus wie ein Kingpin. Ein Mann, der ganze Stadtviertel vor dem Frühstück kaufte und verkaufte.

Der silberne Anhänger auf meiner Brust brannte plötzlich mit einem Blitz absoluter Nullkälte. Eine gewaltsame Reaktion auf seine Nähe.

Mein Atem stockte. Er war kein Mensch.

„Wer sind Sie?“ forderte ich und trat zurück, bis meine Schultern gegen das Intensivglas stießen. Ich suchte nach einer Krankenschwester, einem Arzt, irgendjemandem. Der Flur war völlig tot.

Der Mann blieb zehn Fuß entfernt stehen. Er steckte die Hände in die Taschen seines Mantels und neigte den Kopf, während er mein Gesicht musterte. Seine Augen waren ein dunkles, endloses Braun, praktisch schwarz, und sie hielten eine uralte, kalkulierte Grausamkeit.

„Du hast den Kiefer deiner Mutter“, murmelte er leise. „Aber du hast die Augen meines Bruders. Trotzig. Rücksichtslos. Letztendlich töricht.“

Die Luft entwich meinen Lungen. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, ein hektischer, verängstigter Trommelschlag. Mein Bruder.

„Sie sind Silas“, hauchte ich, die Erkenntnis traf mich wie ein physischer Schlag in den Magen.

Ich hatte den Kredithai nie von Angesicht zu Angesicht getroffen. Ich hatte nur mit seinen massigen, tätowierten Vollstreckern zu tun gehabt, die um Mitternacht an unsere Tür hämmerten und die Mietrückstände forderten. Ich hatte mir einen niederen Straßenschläger vorgestellt, der eine Wettbüro-Operation aus einer Kneipe heraus betrieb.

„Silas Thorne“, korrigierte er, seine Lippen krümmten sich zu einem Lächeln, das seine toten, schwarzen Augen nicht erreichte. „Der ältere Bruder deines Vaters. Ich stelle mir vor, Evelyn hat diesen besonderen Zweig des Familienstammbaums weggelassen, als sie deinen Kopf mit ihren paranoiden Märchen füllte.“

„Sie sind mein Onkel?“ Das Wort schmeckte wie Asche. Mein Kopf drehte sich und versuchte heftig, die Teile zusammenzufügen. „Sie haben Männer geschickt, um meinem Bruder die Beine zu brechen wegen zweitausend Dollar. Sie haben gedroht, mich wegen Mietgeldes umbringen zu lassen!“

„Eine sorgfältig orchestrierte Fiktion, Tarni“, sagte Silas glatt und trat einen weiteren Schritt vor. Die schiere, erdrückende Aura der Macht, die von ihm ausging, drückte gegen meine Brust und machte es schwer zu atmen. „Zweitausend Dollar sind das, was ich meinem Fahrer als Trinkgeld gebe. Ich habe dich verzweifelt gehalten. Ich habe dich in gerade genug Schulden ertrinken lassen, um sicherzustellen, dass du diese elende kleine Wohnung nie verlässt. Ich habe dich geerdet, dich bis auf die Knochen arbeiten lassen, damit dein latenter Funke nie entzündet wird.“

Er deutete vage auf den silbernen Anhänger auf meiner Brust, sein Ausdruck verzog sich zu plötzlichem, visceralischem Ekel.

„Und trotzdem hast du dich trotz meiner Bemühungen, dich im Schlamm zu verstecken, wo du hingehörst, in die Fänge des Wolfes gestürzt. Du hast einen Deal mit Kael gemacht.“

„Er hat Leo“, knurrte ich, stieß mich vom Glas ab, plötzliche, blendende schützende Wut schnitt durch meine Angst. „Und er hält sie am Leben!“ Ich zeigte scharf auf die Frau, die hinter mir an die Maschinen angeschlossen war. „Wo waren Sie, als wir hungerten, Onkel? Wo waren Sie, als sie uns verlassen hat?“

„Ich habe das größte Untergrund-Syndikat der südlichen Hemisphäre geleitet, Kind“, sagte Silas, seine Stimme sank in einen gefährlichen, eisigen Ton, der absolute Stille verlangte. „Und ich habe dafür gesorgt, dass Aethelgard Biotech unsere gesamte Blutlinie nicht von der Landkarte tilgt. Wir sind Hexen, Tarni. Wir sind die letzte reine Leitungs-Blutlinie in diesem elenden Land. Kael ist ein Inquisitor. Seine Familie jagt unsere seit drei Jahrhunderten.“

Mein Blut wurde eisig. Hexen. Inquisitoren. Die Märchen, die meine Mutter im Dunkeln geflüstert hatte, die Warnungen, die sie gab, bevor sie ihre Koffer packte – sie waren nicht das Geschwätz eines gebrochenen Verstandes. Sie waren ein Überlebenshandbuch.

„Er besitzt dich jetzt“, fuhr Silas fort, sein Blick sank auf den silbernen Käfig über meinem Herzen. „Dieser Anhänger unterdrückt nicht nur deine Magie. Er bindet deine Lebenskraft an die seine. Sobald der Blutvertrag heute Nacht um Mitternacht besiegelt wird, wirst du sein Bluthund sein. Er wird deine einzigartige Signatur nutzen, um jeden verbleibenden Zirkel auf diesem Kontinent aufzuspüren, und er wird sie abschlachten. Und du wirst nicht in der Lage sein, einem einzigen Befehl, den er gibt, zu widersprechen.“

Ich packte den silbernen Anhänger, meine Finger suchten verzweifelt nach einem Verschluss, einem Scharnier, irgendetwas. „Dann nehmen Sie ihn mir ab!“

„Ich kann es nicht. Nur der, der ihn dir angelegt hat, kann ihn entfernen. Oder…“ Silas hielt inne, das räuberische Lächeln kehrte in sein Gesicht zurück. „Sein Tod.“

Silas griff in die Innentasche seines maßgeschneiderten Anzugs. Er zog eine kleine, schwere Samtschachtel hervor und warf sie mir zu.

Ich fing sie instinktiv. Der Samt war weich, aber das Objekt darin war unglaublich schwer. Meine Hände zitterten, als ich den Deckel öffnete. Auf einem Bett aus schwarzer Seide lag eine gezackte Obsidian-Klinge, nicht länger als meine Hand, schimmernd mit einem hässlichen, dunkelvioletten Glanz.

„Ein Basiliskengift-Dolch“, flüsterte Silas, seine dunklen Augen bohrten sich in meine. „Ein einziger Kratzer umgeht seine beschleunigte Heilung. Er wird sein Blut in Sekunden zu Glas verwandeln.“

„Sie wollen, dass ich ihn töte?“ Ich starrte die Klinge in absolutem Entsetzen an. „Er ist schwer bewacht. Er lebt in einer Festung. Er ist ein Apex-Prädator, Silas! Ich schenke Bier aus für den Lebensunterhalt! Wie soll ich nah genug kommen, um ihn zu erstechen?“

„Du wirst in seinem Haus leben. Du bist sein neues Spielzeug“, sagte Silas und trat direkt in meinen persönlichen Raum. Der Geruch von teurem Kölnisch Wasser und Ozon war überwältigend. „Du wirst einen Weg finden. Du wirst diese Klinge heute Nacht vor Mitternacht in sein Herz schieben, bevor die Bindung permanent besiegelt wird.“

Ich schnappte die Schachtel zu und schob sie ihm zurück. „Nein. Ich werde es nicht tun. Wenn Kael stirbt, schaltet sich der Biotech-Bypass ab. Meine Mutter stirbt. Und seine Männer werden Leo hinrichten.“

Silas nahm die Schachtel nicht. Er packte mein Handgelenk, sein Griff wie ein Stahlschraubstock, und immobilisierte mich vollständig. Sein Ausdruck verhärtete sich zu einer Maske reiner, soziopathischer Rücksichtslosigkeit.

„Du missverstehst unsere Dynamik, Nichte. Das ist keine Verhandlung.“ Silas lehnte sich vor, sein Atem strich über meine Wange. „Wenn dieser Inquisitor bis Mitternacht nicht tot ist… werde ich nicht zulassen, dass Kael unsere Blutlinie nutzt, um mich zu jagen. Ich werde diese Redfern-Wohnung mit Rafferty darin dem Erdboden gleichmachen. Und dann werde ich persönlich herausfinden, wo sie den kleinen Leo halten, und ich werde ihm selbst das Genick brechen.“

Er ließ mein Handgelenk los und hinterließ kalte, blaue Abdrücke auf meiner Haut.

„Mitternacht, Tarni“, flüsterte Silas und wich zurück in die Schatten des Krankenhauskorridors. „Töte das Monster, das dich gekauft hat, oder ich werde die Brüder abschlachten, für die du dich verkauft hast.“

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