Se connecterIch stand vor dem Spiegel, während goldenes Morgenlicht den Raum erfüllte und meine Hände vor nervöser Vorfreude zitterten. Mein Hochzeitskleid war ein schlichtes, elegantes weißes Kleid mit Rüschen, das mir bis zu den Füßen reichte. Mein Haar war zu einem geflochtenen Zopf gebunden und mit Blumen geschmückt, die die Frauen des Rudels mit sanften Händen darin arrangiert hatten.Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Bevor ich antworten konnte, öffnete sich die knarrende Tür, und eine kleine Gestalt lugte herein. Faus trug ein winziges weißes Hemd mit Hosenträgern und reichte mir eine einzelne weiße Rose. Seine blauen Augen funkelten schelmisch und liebevoll.„Die ist von Papa“, sagte er und kam näher.Ich nahm die Blume entgegen und drückte sie an mein Herz. „Hat er dich geschickt, um sie mir zu bringen?“Faus nickte heftig. „Er sagt, er kann es kaum erwarten, dich zu sehen.“Tränen stiegen mir in die Augen, als ich mich zu ihm hinunterbeugte und ihn umarmte. „Danke, me
Es war ein ruhiger Abend. Ich ging auf dem Übungsplatz meiner gewohnten Routine nach und schlug immer wieder mit der Faust gegen den Holzpfosten, wobei jeder Schlag härter ausfiel als der vorherige. Schweiß bedeckte meine Haut und klebte an mir, doch ich nahm ihn kaum wahr. Der Mond stand hoch am Himmel und tauchte den Palast in kaltes Licht, aber meine Gedanken galten jemand anderem.Amelia.Ihr Name hallte in meinen Ohren wider, als stamme er aus einer Vergangenheit, die ich vergessen wollte, aber nicht vergessen konnte. Ich hatte sie gequält, von mir gestoßen und so getan, als würde sie nicht existieren, obwohl ich wusste, was sie mir bedeutete. Mein Wolf hatte mir das nie verziehen. Er kratzte mit seinen Krallen an meiner Brust und bestand darauf, dass ich mir zurückholte, was mir gehörte.Aber wie sollte ich das tun? Wie sollte ich sie ansehen, ohne verletzt zu werden? Wie sollte ich vergessen, dass sie fortgegangen war und mir Faus vorenthalten hatte? Dass sie zugelassen hatte,
Ich spielte nervös mit den Fingern in meinem Schoß, während ich in meinen Gemächern saß und alles, was geschehen war, in Gedanken noch einmal durchging, bis hin zu dem Moment, in dem ich die Tür geschlossen hatte. Zane hatte kaum mit mir gesprochen, außer wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ich fühlte mich wie ein lästiges Insekt, wie eine summende Fliege, die er einfach nicht loswerden konnte.Fünf Jahre lang hatte ich unseren Sohn allein großgezogen. Fünf Jahre voller Leid, Gebete und der Hoffnung, Zane eines Tages wiederzusehen, um mich an ihm zu rächen. Und jetzt war er hier, jeden Tag vor meinen Augen, und trotzdem schien er mir ferner als je zuvor.Ich musste etwas unternehmen. Ich musste mit ihm sprechen, um meinen eigenen Seelenfrieden zu finden, selbst wenn er mich zurückweisen würde.Als ich an diesem Nachmittag Faus und Zane beim Training auf dem Übungsplatz des Rudels beobachtete, fasste ich mir ein Herz und ging auf Zane zu.„Zane“, rief ich leise.Er ignorierte mich. Ich
Draußen vor dem Palast war die Morgenluft frisch, und ich wartete auf Faus. Der Junge trat langsam hervor, seine Augen voller Neugier und ein wenig Vorsicht. Amelia stand in einiger Entfernung, die Lippen fest zusammengepresst, als hätte sie etwas sagen wollen, sich dann aber doch dagegen entschieden. Sie wusste, dass ich ihr nicht zuhören würde. Seit all dem, was geschehen war, hatte ich kein Wort mehr mit ihr gewechselt, aber das spielte jetzt keine Rolle. Heute hatte ich nur ein einziges Ziel – eine Bindung zu meinem Sohn aufzubauen.Zunächst war Faus angespannt und unsicher, wie ich mich ihm gegenüber verhalten würde. Doch ich entspannte mich und hob die Hand. „Komm her, kleiner Krieger. Lass uns ein wenig Spaß haben.“Seine winzigen Finger verschränkten sich mit meinen, und ich ging mit ihm zu den Übungsplätzen, wo sich meine Krieger versammelt hatten. Sie verbeugten sich respektvoll und warfen neugierige Blicke auf den Jungen an meiner Seite. Ich stellte ihnen Faus vor. Anfangs
Es begann mit einer Finsternis, wie es sie noch nie gegeben hatte, einer Finsternis, die jeden wie ein Monster verschlang. In der Ferne grollte der Donner, und Blitze zerrissen den Himmel wie die Klinge eines zornigen Gottes. Der Wind heulte und fegte mit solcher Wucht über den Himmel, dass die Erde unter unseren Füßen bebte.Jeff drückte Amelias Kehle zu, während sie sich wehrte und mit ihren Fingernägeln schwach an seinen Armen kratzte. Ihr Gesicht hatte einen krankhaften Blaustich angenommen, und ihre Augen flehten um Hilfe – nicht um Gnade, sondern ums Überleben. Und doch stand ich regungslos da und sah zu, wie sie litt, ohne auch nur einen Funken Mitleid zu empfinden.Einst war sie alles für mich gewesen. Jetzt war sie nichts mehr.Doch dann –Eine Veränderung in der Luft. Eine Präsenz. Kalt. Fremd. Und uralt.Hinter Jeff tauchte eine kleine Gestalt auf. Ehrlich gesagt sah er aus wie ein ganz gewöhnlicher Junge, doch irgendetwas an ihm war zutiefst beunruhigend. Und dieser Junge
Zanes Sicht„Zane“, sagte Jeff gedehnt. „Du warst schon immer leicht zu durchschauen. Immer der Held. Immer der Narr.“Ich sah ihn nicht an. Mein Blick glitt zurück zu Amelia, deren Gesicht mit Dreck und Schweiß verschmiert war. Sie weinte – nicht meinetwegen, nicht um sich selbst, sondern wegen des kleinen Jungen, den Jeff als Geisel festhielt. Einem Jungen, den ich bis zu diesem Moment noch nie gesehen hatte.Einem Jungen mit meinen Augen.„Jeff“, flehte Amelia mit brechender Stimme, „wag es nicht, meinem Sohn etwas anzutun.“Ihr Sohn.Jeff lachte und konnte sich kaum noch beherrschen. „Oh, Bruder, sei nicht so schockiert. Du solltest stolz sein. Er ist ein echter Kämpfer. Genau wie sein Vater.“Sein Vater.Es fühlte sich an, als würde der Boden unter meinen Füßen schwanken. Nein – das war unmöglich. Amelia hatte mich vor Jahren verlassen. Ich war zu sehr in meinem eigenen Zorn und meiner Trauer gefangen gewesen, um auch nur an diese Möglichkeit zu denken. Und doch ergab plötzlich a







