LOGINDer gläserne Wolkenkratzer von Donstilion Enterprise Holdings ragte lautlos in den mitternächtlichen Himmel.Tief unter ihm funkelten die Lichter der Stadt wie ein Meer aus bernsteinfarbenem Staub. Doch im privaten Aufzug, der sie zur Penthouse-Etage hinaufbrachte, war die Luft erstickend kalt.Freya stand vorne im Aufzug, gekleidet in einen maßgeschneiderten dunklen Hosenanzug. Ihr dunkles, welliges Haar war nach hinten gesteckt, und die Platinspange ihrer Mutter glänzte im Licht der eingelassenen Deckenleuchten. Neben ihr überragte Liam sie in dunkler taktischer Kleidung. Seine breite Hand ruhte leicht auf dem Griff seiner schweren, silberfaserverstärkten Klinge. Hinter ihnen stand Julian schweigend da und beobachtete die Etagenanzeige, während die Zahlen unaufhaltsam nach oben kletterten.88 ... 89 ... 90.„Ihre Energie ist kalt“, murmelte Freya leise. Ihre Finger strichen über den schwarz-goldenen Siegelring an ihrer rechten Hand. „Es fühlt sich an wie ein Vakuum, das mein Silberf
Der sterile Geruch von Desinfektionsmittel und kaltem Ozon erfüllte die Luft in der privaten Krankenstation des Anwesens.Freyas Augenlider flatterten, als sie langsam erwachte. Das grelle Licht der Leuchtstoffröhren über ihr schien allmählich sanfter zu werden, während sich ihr Blick klärte. Ihr Kopf schmerzte dumpf und dröhnend, doch die eiskalte Leere, die im Museum ihre Adern gelähmt hatte, war verschwunden. An ihre Stelle war die vertraute, gleichmäßige Wärme ihres Silberfeuers zurückgekehrt, die erneut durch ihr Blut strömte.Sie wollte ihre rechte Hand heben, stellte jedoch fest, dass sie in einem eisernen Griff gefangen war.Liam saß in einem Sessel direkt neben der Bettkante. Sein anthrazitfarbener Smoking lag über der Rückenlehne, seine Krawatte war gelockert und die Ärmel seines weißen Hemdes bis zu den Unterarmen hochgekrempelt. Seine goldenen Augen waren dunkel und von Erschöpfung überschattet. Zugleich lag darin eine furchteinflößende, tödliche Intensität, die seit ihrem
Drei Monate ununterbrochenen Friedens hatten das Nördliche Territorium in eine Festung stillen Wohlstands verwandelt.Die Silberminen arbeiteten mit Rekordkapazität, internationale Handelsabkommen liefen reibungslos durch Freyas Kanzlei, und die letzten Narben des Syndikatskrieges waren längst zu einer fernen Erinnerung verblasst. Julian hatte sich im Westflügel des Anwesens eingelebt und diente dem Kriegsrat als ruhiger, aber beeindruckender Berater, während Liam und Freya ihre bevorstehende kontinentale Krönungszeremonie vorbereiteten, ein Ereignis, das ihre gemeinsame Herrschaft über den gesamten Norden offiziell festigen sollte.Doch in der stillen Ecke ihres sonnenbeschienenen Büros spürte Freya den ersten haarfeinen Riss in ihrer perfekten Welt.Sie saß hinter ihrem Mahagonischreibtisch und ging einen Stapel Sicherheitsfreigaben durch, als der Raum plötzlich in völlige Dunkelheit getaucht wurde.Es war keine Vision.Kein Aufflackern von Silberfeuer.Kein Schub ihres Zweiten Gesi
Der Wind heulte durch den östlichen Gebirgspass und peitschte Eiskristalle in blendenden weißen Schleiern durch die Luft.Am Rand von Grenzposten Sieben war die Temperatur auf beinahe den absoluten Nullpunkt gefallen. Die metallenen Wachtürme waren mit einer dicken, unnatürlichen Frostschicht überzogen. Ihre Kommunikationsrelais waren tot und verstummt. Ein Dutzend nördlicher Marschälle kniete im Schnee, gelähmt, ihre Muskeln durch den erdrückenden atmosphärischen Druck eines Null-Bannkreises des Hohen Gewölbes vollständig blockiert.Das Stealth-Kanonenschiff schwebte sechs Meter über der Schneedecke, während seine Triebwerke gegen den Sturm ankämpften.Liam setzte als Erster auf. Seine Stiefel krachten auf die gefrorene Erde. Seine goldenen Augen loderten auf, während sich seine Brust weitete und er seine Alpha-Aura nach außen zwang. Eine drei Meter breite Blase aus Wärme entstand um ihn und schützte Freya und Julian, als sie neben ihm landeten.„Ihr Null-Bannkreis ist aktiv!“, rief
Freya saß hinter ihrem Schreibtisch aus dunklem Mahagoni. Ihre Finger flogen über das Tablet, während sie gerade eine Firmenfusion im Wert mehrerer Millionen Dollar für ihre Kanzlei abschloss. Das Nachmittagslicht tauchte ihre Executive-Suite in warme, bernsteinfarbene Töne und ließ das polierte Glas und Leder in einem sanften Glanz erstrahlen.Ein scharfer Prioritätston ertönte von ihrem verschlüsselten Telefon.Freya warf einen Blick auf das Display. Sie rechnete mit einer Benachrichtigung ihrer Bank zu einem routinemäßigen Treuhandkonto für ein Unternehmen. Doch stattdessen weiteten sich ihre Augen, als eine auffällige Meldung aufleuchtete:Donstilion Enterprise Holdings: Direkteinzahlung erfolgreich, 100.000,00 $Verwendungszweck: Monatliches souveränes Rechtsberaterhonorar und Geschäftsführergehalt.Freya starrte auf den Bildschirm und zählte die Nullen noch einmal nach. Hunderttausend Dollar. Für einen einzigen Monat.Noch bevor sie überhaupt begreifen konnte, was für eine absur
Das sonnenbeschienene Büro fühlte sich plötzlich eiskalt an.Freya stand regungslos hinter ihrem Mahagonischreibtisch. Ihre Hand schwebte noch immer wenige Zentimeter über dem Messinglautsprecher der Gegensprechanlage. Das Summen des Verkehrs draußen schien zu einem dumpfen, fernen Murmeln zu verblassen. An seine Stelle trat das schwere, widerhallende Pochen ihres eigenen Herzens.Ihr Vater ist endlich nach Hause gekommen.Die Worte hingen wie ein Phantom in der Luft.Freyas Gedanken rasten durch jedes noch so kleine Erinnerungsfragment, das sie besaß: die stillen, verschlossenen Blicke ihrer Mutter, wann immer das Thema ihrer Abstammung zur Sprache gekommen war; die nächtlichen Aufbrüche; den plötzlichen Umzug in die Menschenwelt und das eiserne Schweigen über den Mann, dessen Blut durch ihre Adern floss.Sie war mit dem Glauben aufgewachsen, ihr Vater sei ein Geist, eine vergessene Variable in einer längst vergangenen Geschichte.Liam trat geschmeidig an ihre Seite und legte ihr sei







