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Kapitel 8

作者: Joshwrites
last update publish date: 2026-09-20 22:12:39

Kaels Sicht

Dex fand mich noch vor dem Morgengrauen im Arbeitszimmer. Ich hatte nicht geschlafen. Ich war an jenem Fenster stehen geblieben, bis der Himmel grau wurde, bis ihre Silhouette im Fenster verschwand und das Licht kalt und fahl über den Bäumen aufstieg. Mein Wolf war die ganze Nacht unruhig unter meiner Haut auf und ab gewandert – eine Rastlosigkeit, die rein gar nichts mit den Patrouillenberichten zu tun hatte, die sich auf meinem Schreibtisch stapelten.

»Wir haben nichts«, sagte Dex
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    Kaels SichtIn jener Nacht kehrte der Traum wieder zu mir zurück.Ich war wieder ein Junge. Vielleicht zwölf Jahre alt. Ich stand in einem Baumhain, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Das Licht war seltsam. Zu golden. Zu reglos. Wie ein Gemälde, das jemand unvollendet zurückgelassen hatte.Irgendwo vor mir lachten Kinder.Ich ging dem Geräusch entgegen. Meine Füße kannten den Pfad; sie waren schon einmal hier gewesen. Äste streiften meine Arme. Die Luft roch nach Kiefern, wilden Blumen und etwas Süßem, für das ich keinen Namen fand.Ein Mädchen stand zwischen zwei alten Eichen.Sie war klein. Barfuß. Ihr dunkelblondes Haar war ein unordentliches Durcheinander aus Knoten und Blättern. Sie drehte sich zu mir um, und ihr Gesicht war mir auf eine Art vertraut, die mir die Brust schmerzen ließ. Nicht, weil ich sie kannte – sondern weil ich sie vergessen hatte.»Du bist langsam«, sagte sie.»Ich bin nicht langsam.«»Bist du wohl.« Sie lächelte. Es war ein echtes Lächeln. Nicht vo

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    Kaels SichtDex fand mich noch vor dem Morgengrauen im Arbeitszimmer. Ich hatte nicht geschlafen. Ich war an jenem Fenster stehen geblieben, bis der Himmel grau wurde, bis ihre Silhouette im Fenster verschwand und das Licht kalt und fahl über den Bäumen aufstieg. Mein Wolf war die ganze Nacht unruhig unter meiner Haut auf und ab gewandert – eine Rastlosigkeit, die rein gar nichts mit den Patrouillenberichten zu tun hatte, die sich auf meinem Schreibtisch stapelten.»Wir haben nichts«, sagte Dex und schloss die Tür hinter sich. »Keine Leiche. Keine Spur. Keine Lösegeldforderung. Petra ist einfach ... weg.«Ich wandte mich vom Fenster ab. »Was wissen wir über sie?«»Küchen-Omega. Neunzehn Jahre alt. Ruhig. Blieb für sich.« Er ließ sich in den Sessel gegenüber meinem Schreibtisch fallen und rieb sich über die Augen. »Niemand hat etwas gesehen. Niemand hat etwas gehört. Als hätte sie sich in Luft aufgelöst.«»Menschen lösen sich nicht in Luft auf.«»Ich weiß.« Er beugte sich vor, die Ellb

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    Judiths SichtIn der dritten Nacht kehrte der Wolf zurück. Ich hatte unwillkürlich angefangen mitzuzählen. In der ersten Nacht redete ich mir ein, es sei ein Streuner. In der zweiten Nacht redete ich mir ein, ich würde mir das nur einbilden. In der dritten Nacht stand ich mit der quengelnden Lyra an meiner Schulter am Fenster des Ostflügels und sah zu, wie er sich am Waldrand entlangbewegte, als hätte er jedes Recht dazu, dort zu sein.Er sah nicht aus wie die anderen. Die Wölfe von Stonecrest liefen in festen Mustern, in Schleifen und Runden, die ich allmählich zufällig verinnerlicht hatte – so wie man mit der Zeit das Knarren der Dielen in einem fremden Haus kennenlernt. Dieser Wolf hier stand still. Beobachtend. Wartend.Wahrscheinlich gar nichts, sagte ich mir. Wahrscheinlich nur eine Patrouille.Lyra kaute auf ihrer kleinen Faust und wimmerte leise. Ein weiterer Zahn, der sich durchschob. Sie plagte sich nun schon seit Tagen damit herum, und keine von uns beiden hatte mehr als zw

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    Kaels SichtDer Traum kehrte in jener Nacht zurück.Dieses Mal wachte ich mit einem Herzklopfen auf, das so laut hämmerte, dass ich es hören konnte.Ich war wieder im Wald. Es war dunkel, die Bäume standen dicht an dicht, Äste rissen an meiner Kleidung und zerkratzten meine Arme, während ich rannte. An meiner Flanke klebte Blut. Ich spürte, wie es mein Hemd durchtränkte, warm auf meiner Haut, doch ich hatte keine Ahnung, wie ich verletzt worden war.Etwas war hinter mir.Ich konnte es nicht sehen. Ich brauchte es auch nicht.Ich hörte seinen Atem. Das Brechen von Zweigen. Das Knurren, das alle paar Sekunden ertönte, jedes Mal näher als das zuvor.Ich versuchte, schneller zu rennen.Meine Beine gaben nach.Ich schlug hart auf dem Boden auf, mein Gesicht nur wenige Zentimeter vom nassen Laub entfernt, und aus irgendeinem Grund wusste ich, dass ich nicht mehr aufstehen würde.Dann packte mich jemand.Eine Hand legte sich über meinen Mund, noch bevor ich schreien konnte.»Leise«, flüstert

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    Judiths SichtNach drei Wochen hatte ich den Rhythmus des Hauses verinnerlicht – so wie man die Anordnung eines Zimmers im Dunkeln lernt: nicht durch Hinsehen, sondern indem man sich an den Kanten stößt.Das Frühstück fand in der kleinen Küche neben dem Ostflügel statt. Als ich mich das erste Mal mit Lyra auf der Hüfte in den großen Speisesaal gewagt hatte, war es im Raum mit einem Schlag so still geworden, dass ich das Knistern des Kaminfeuers aus zehn Metern Entfernung hören konnte. Den Fehler hatte ich kein zweites Mal gemacht. Stattdessen brachte Lila uns fast jeden Morgen das Essen, summte leise vor sich hin und füllte das Schweigen, das ich selbst nicht zu füllen wusste.»Du könntest mit dem Rudel essen, weißt du«, sagte sie eines Morgens und stellte einen Teller mit Rührei ab, um den ich nicht gebeten hatte. »Niemand würde etwas sagen.«»Sie würden eine Menge sagen. Nur eben nicht in mein Gesicht.«Lila widersprach nicht, denn wir wussten beide, dass ich recht hatte.Selene hin

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