MasukJudith Hayes wollte eigentlich nur einen einzigen ruhigen Abend. Nichts Besonderes, einfach nur ein bisschen Ruhe und Frieden. Stattdessen erwacht sie verheiratet mit Kael Stone – dem gefürchtetsten Alpha weit und breit –, mit einem merkwürdigen silbernen Wolfsmal auf der Haut und ohne die geringste Ahnung, wie es dazu kam. Für Kael war die Bindung ein fataler Fehler. Seine wahre Gefährtin hat er vor langer Zeit verloren. Also wird die Ehe schnell, eiskalt und als reine Fassade geschlossen. Doch je länger Judith bleibt, desto richtiger fühlt es sich an. Ihr Körper verlangt nach ihm. Tief im Inneren spürt sie, dass sie an seine Seite gehört. Und nun ist sie schwanger mit einem Kind, das sie so niemals geplant hatte. Doch es gibt ein weitaus größeres Problem: Judith hat ihre Vergangenheit nicht einfach zufällig vergessen. Jemand hat ihr die Erinnerungen gestohlen, um Kael zu treffen. Und das Mädchen, das er mit aller Macht von sich stößt, könnte genau diejenige sein, die er sein Leben lang gebraucht hat.
Lihat lebih banyakJudiths Sicht
Manche Mädchen verlieren ihre Unschuld bei Kerzenschein und Poesie.
Ich verlor meine im Dunkeln – an einen Fremden, dessen Gesicht ich nie gesehen habe. Und ich kann mich an keine einzige Sekunde erinnern.
Ich erwachte im Nichts. Kein Licht, keine Umrisse, keine Kanten – nur eine erdrückende Schwärze, so vollkommen, dass ich um jeden Atemzug kämpfen musste. Mein Kopf hämmerte im Takt meines Pulses. Jeder einzelne Muskel schmerzte, als wäre ich überrollt worden.
Ich war nackt.
Das Laken unter mir fühlte sich rau auf meiner Haut an. Die Luft roch nach Kiefernrauch und etwas Männlichem, Wildem. Langsam drehte ich den Kopf und hielt den Atem an.
Ein Mann lag neben mir. Breitschultrig, mit dunklem Haar, den Rücken zu mir gewandt, selbst im Schlaf unbeweglich wie Stein. Seine bloße Statur im Halbdunkel ließ mir das Herz in die Magengrube rutschen.
Ich blickte an mir herab. Dunkle Flecken zeichneten sich auf meiner Hüfte und meinem Oberschenkel ab – Blutergüsse, von denen ich nicht wusste, wie sie dorthin kamen.
Bruchstücke kehrten zurück. Langsam, völlig durcheinander.
Die Bar. Ein Drink, den ich niemals hätte anrühren dürfen – meine Kehle wie Feuer, meine Haut glühend heiß, der Raum, der plötzlich zur Seite kippte. Wie ich in die Kälte hinausstolperte. Der Wald, der mich vollkommen verschlang, während Äste nach meinen Ärmeln rissen. Dann eine Tür. Ich erinnerte mich daran, eine Holztür erreicht zu haben, und an den Mann, der den Rahmen ausfüllte – mit freiem Oberkörper und einem dunklen, geschwungenen Tattoo über dem Herzen. Es sah fast wie ein Wolf aus. Er hatte mich aufgefangen, als meine Beine nachgaben.
Danach: Nichts mehr. Eine Wand in meinem Kopf, durch die ich nicht hindurchsehen konnte.
Aber mein Körper erinnerte sich an das, was mein Verstand verdrängte. Das dumpfe Ziehen tief in meinem Unterleib verriet mir alles, was ich wissen musste.
Zweiundzwanzig Jahre lang hatte ich daran festgehalten – an dem Einzigen, was mir wirklich ganz allein gehörte, in einem Leben, das mir immer wieder alles genommen hatte. Meine Mutter verkaufte Teile von sich an jeden Mann mit ein paar Scheinen in der Tasche. Meine Schwester verschenkte sich an einen Kerl, der verschwand, sobald es schwierig wurde. Ich hatte mir geschworen, anders zu sein. Dass es etwas bedeuten würde, wenn es soweit war.
Jetzt hatte ein Fremder im Dunkeln es mir genommen. Und ich war nicht einmal bei Bewusstsein gewesen, um Nein zu sagen.
Ich bekam keine Luft mehr in diesem Zimmer. Ich musste hier raus.
Ich tastete im Halbdunkel nach meiner Kleidung – Unterwäsche und Jeans lagen zerknüllt neben dem Bett, mein Oberteil bei der Tür. Ich zog alles hastig an, ohne die Knöpfe zu schließen, und bewegte mich so leise, als könnte schon ein falscher Atemzug ihn wecken.
Seine Jacke hing an einem Haken neben der Tür. Dunkles Leder, schwer und teuer. Ein Wolfskopf, eingestickt über einem steinernen Wappen. Ich starrte sie eine Sekunde zu lange an – irgendein Instinkt mahnte mich, mir dieses Zeichen einzuprägen. Dann riss ich mich los, schlüpfte auf den Flur, der nach altem Holz und Rauch roch, und trat durch die Haustür hinaus in einen Morgen, der so eisig war, dass er auf der Haut brannte.
Ich rannte, bis die Bäume die Hütte hinter mir verschluckten, und drehte mich kein einziges Mal um.
Vier Wochen später war ich immer noch auf der Flucht. Nur nicht mehr im wörtlichen Sinn.
Ich stand in der Küche meiner Schwester und klammerte mich an der Arbeitsplatte fest, während sich der Raum drehte – genau wie an jenem Morgen in den Bergen.
»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte Mara, ohne von Bens Fläschchen aufzusehen.
»Alles gut.« Meine Stimme klang rau und erstickt.
Sie sah auf, die Augen prüfend verengt. »Du sagst seit einem Monat jeden Tag ›alles gut‹. Du siehst aus wie eine wandelnde Leiche.«
»Danke. Sehr aufbauend.«
»Ich meine es ernst, Judy.« Sie kam herüber und legte ihren Handrücken an meine Stirn. »Du bist kreidebleich. Völlig übermüdet. Und du hast dich diese Woche jeden Morgen übergeben.«
»Nur eine Magen-Darm-Geschichte.«
»Seit einer ganzen Woche?«
Ich antwortete nicht. Im Nebenzimmer fing Ben an zu schreien. Mara fluchte leise und ging zu ihm. Ich blieb allein an die Arbeitsplatte gelehnt zurück und wartete darauf, dass die Übelkeit nachließ.
Sie tat es nicht.
Am nächsten Nachmittag stellte mich Brenda hinter dem Diner zur Rede.
»Mädchen.« Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Raus mit der Sprache.«
»Worüber denn?«
»Du bist seit Wochen grün im Gesicht. Gestern bist du während der Schicht dreimal aufs Klo gerannt. Und deine Haut strahlt.« Sie tippte mit dem Zeigefinger gegen meine Wange. »Du hast diesen ganz bestimmten Schimmer. Wer ist der Kerl?«
»Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.«
»Jaja.« Sie grinste breit. »Süße, ich habe vier Kinder großgezogen. Ich kenne die Zeichen. Wie viele Wochen bist du drüber?«
Wie viele Wochen drüber? Die Worte trafen mich wie ein Schlag.
Meine Periode kam sonst immer pünktlich. Mein Körper war das Einzige in meinem Leben gewesen, das verlässlich funktionierte – das Einzige, das mir niemand weggenommen, das ich nicht weggeschenkt oder ruiniert hatte.
Ich rechnete im Kopf zurück. Vier Wochen. Vier Wochen seit der Hütte. Seit dem Fremden.
»Nein«, flüsterte ich.
Brendas Grinsen erstarb schlagartig. »Oh Gott, Liebes ... Du wusstest es nicht?«
In der Klinik roch es nach Desinfektionsmittel und der stummen Angst im Wartezimmer. Ich wartete zwei Stunden lang, umgeben von Frauen mit denselben erschöpften Blicken. Als mein Name endlich aufgerufen wurde, trugen mich meine Beine kaum noch.
Die Ärztin ging routiniert vor – auf jene distanzierte, sachliche Art von Menschen, die diese Diagnose jeden Tag stellen. Das Ultraschallgel war eiskalt auf meinem Bauch. Der Monitor flackerte.
»Da«, sagte sie und zeigte auf den Bildschirm. Ein winziger, pulsierender Lichtpunkt. »Etwa vierte Woche. Herzlichen Glückwunsch.«
Danach hörte ich nichts mehr.
Vier Wochen. Die Hütte. Der Fremde. Die Dunkelheit.
Ich trat hinaus in einen sonnigen Nachmittag voller Menschen, deren Leben ganz normal weiterlief. Doch ich spürte die Wärme der Sonne überhaupt nicht auf meiner Haut.
Denn das war der Teil der Geschichte, von dem niemand wusste: In genau einer Woche sollte ich den Mann treffen, den ich zu heiraten zugestimmt hatte.
Anna hatte alles eingefädelt – ein Vertrag über fünfzehntausend Dollar mit einem wohlhabenden Fremden, der aus unbekannten Gründen eine Scheinehefrau auf dem Papier brauchte. Fünfzehntausend Dollar bedeuteten Bens lebensrettende Operation. Sie bedeuteten eine Zukunft für meinen Neffen, ohne an unbezahlbaren Rechnungen zu ersticken.
Die Klausel im Vertrag war eindeutig gewesen: Sie verlangten eine Jungfrau. Ich hatte dafür unterschrieben.
Und genau das war ich nicht mehr.
Ben könnte sterben – nur wegen eines Drinks, den ich niemals hätte anrühren dürfen.
Ich ging weiter, ohne zu sehen, wohin mich meine Schritte trugen, während Tränen die Straße vor mir in verschwommene Flecken verwandelten. Bis ein schwarzer SUV langsam neben mir ausrollte. Die Scheiben waren so tiefschwarz getönt, dass kein Blick ins Innere drang.
Das Fenster glitt geräuschlos nach unten. Ein Mann im maßgeschneiderten Anzug musterte mich mit Augen, die in eisigem Kontrast zu seinem höflichen Lächeln standen.
»Judith Hayes.« Es war keine Frage. »Mein Arbeitgeber wünscht ein Gespräch mit Ihnen.«
Mein Herzschlag stolperte und raste los.
»Wer sind Sie?«
»Das ist irrelevant.« Er stieß die Wagentür auf. »Was zählt, ist Ihr Neffe. Die Operation, die Sie sich nun nicht mehr leisten können. Mein Arbeitgeber kann dieses Problem für Sie lösen.«
Er trat bereits auf mich zu. Woher wusste er von Ben? Woher wusste er von all dem?
»Bleiben Sie stehen!«, rief ich und streckte abwehrend die Hand aus.
Er hielt inne, doch sein Blick – kühl, geduldig und vollkommen sicher, wie das hier enden würde – verriet mir alles, was ich wissen musste.
Ich rannte los.
Judiths SichtBen wirkte im Krankenhausbett ganz winzig, voller Schläuche und Kabel, ein Kuscheltier unter sein Kinn gesteckt. Seine Augen öffneten sich, als ich eintrat.»Tante Jude.« Seine Stimme war nur ein Krächzen. »Du bist gekommen.«»Wo sollte ich sonst sein?« Ich küßte seine Stirn; sie war warm und lebendig. »Hey, Pfannkuchen-Junge.«»Mom hat gesagt, ich darf noch keine essen.«»Mom hat recht.«»Mom ist gemein.«»Mom steht genau hier«, sagte Mara aus der Ecke, und ihre Stimme bebte. Sie hatte seit Stunden geweint, ihre Wimperntusche war längst verschmiert. »Und Mom hätte jetzt gerne eine Umarmung von ihrer Schwester.«Ich durchmaß den Raum, und Mara packte mich so fest, dass meine Rippen knackten. Lyra zappelte zwischen uns herum und klopfte Mara auf die Wange.»Goo-gaga.«»Mara ist okay, Schatz.«»Es tut mir leid«, flüsterte Mara an meiner Schulter. »Für all die Male, in denen ich so zickig war, weil du so viel gearbeitet hast.«»Du hattest Angst.«»Ich war undankbar.« Sie zo
Kaels SichtJudith schlief, eine Hand unter der Wange eingerollt. Ich stand am Fenster, die graue Feder in ein Taschentuch gewickelt, und beobachtete, wie hinter den Kiefern der Himmel hell wurde.»Du bist wach«, mummelte sie.»Schlaf weiter.«»Du hältst da etwas in der Hand.«»Einen Lappen.«»Kael.« Sie stützte sich auf einen Ellenbogen, die Steppdecke rutschte von ihrer Schulter. Ihr Haar stand auf einer Seite ab. »Hast du überhaupt geschlafen?«»Ein bisschen.«»Lügner.«»Ein bisschen«, sagte ich noch einmal, und sie lächelte in das Kissen, doch das Lächeln erlosch wieder.»Ist das der Moment, in dem du mir sagst, die letzte Nacht sei ein Fehler gewesen?«Mein Magen sackte in die Tiefe. »Was?«»Du hast gesagt, du hättest warten sollen, du hast gesagt, ich sei deine Frau auf dem Papier.« Sie zog die Decke höher. »Das höre ich lieber jetzt als beim Mittagessen, während Marrek zusieht.«Ich durchmaß den Raum und setzte mich auf die Bettkante. »Judith, sieh mich an.«Das tat sie. »I ber
Judiths SichtMaras Anruf kam in der Dämmerung. Ben hatte einen schweren Anfall gehabt, blaue Lippen, das ganze furchterregende Programm. Bis zu dem Moment, als sie sagte, er sei stabil, saß ich auf dem Badezimmerboden und presste das Telefon gegen meine Stirn.Ein Klopfen. Dann ging die Tür auf.»Torin hat gesagt, du bist schon seit einer Stunde hier drin«, sagte Kael und ging vor mir in die Hocke. »Judith.«»Es geht ihm gut. Sie haben dafür gesorgt, dass er wieder atmet.« Meine Stimme brach beim letzten Wort. »Morgen ist die Operation, und sein Herz hat heute so etwas gemacht.«»Der Chirurg ist bereits im Krankenhaus. Er bleibt über Nacht, um ein Auge auf ihn zu haben.«»Hast du das veranlasst?«»Ich habe einen Anruf getätigt.«Ich lachte, nass und unschön. »Du hast einen Anruf getätigt.«Er setzte sich im feinen Anzug neben mich auf die Fliesen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Unsere Schultern berührten sich.»Lyra?«, fragte er.»Selene hat sie für die Nacht mitgeno
Kaels SichtJudith fand mich nach Mitternacht im Arbeitszimmer. Sie hatte eine Decke um die Schultern geworfen und barfüßige Füße auf meinem kalten Boden.»Torin sagt, du hast nichts gegessen.«»Torin redet zu viel.«»Torin macht sich Sorgen um dich.« Sie stellte einen Teller auf meinen Schreibtisch. Brot, Käse, ein grüner Apfel. »Iss.«Ich sah den Apfel an. Dann sie.»Schläft Lyra?«»Wie ein Stein. Sie hat mich zweimal getreten.« Sie setzte sich an die Kante des Tisches, direkt auf meine Landkarten. »Was ist das?«»Nichts.«»Kael.«»Bunker-Routen.«„Du hast alles gesagt.“ (Wait, "You said everything." -> „Du hast gesagt, du erzählst mir alles.“ or „Du hast gesagt: alles.“) Let's keep it accurate: »Du hast gesagt, alles.«Ich schob das Papier zu ihr hinüber. Sie fuhr mit einem Finger langsam die Linien nach, und ihr Ärmel rutschte nach oben. Das Mal an ihrem Handgelenk leuchtete schwach silbern. Meines antwortete darauf. Wir blickten beide nach unten.„Das ist peinlich“, murmelte sie.

















