ANMELDENKael's POVThe ledger swam in front of my eyes, grain stores, patrol rotations, a petition from the river clans about a washed-out bridge. I read the same line four times and still couldn't tell you what it said."Alpha?"Dex stood at the desk with a mug of coffee he hadn't offered me yet. His eyes went to my hands. I'd pressed my thumb into my wrist so hard the skin had gone white."Bridge," I said. "Send forty men. Lumber from the north stand.""Done." He set the mug down. "You look like hell.""You keep saying that.""Well, you keep earning it.""Did she come down this morning?""She took Lyra to the garden." He hesitated. "Torin says she hasn't spoken to anyone since last night. Not Lila, not Cook.""Why not?"Dex stared at me. "You were there, Kael.""I was.""Then you tell me."I opened my mouth. Wine on a wall. A woman's back going rigid. A hum that wrapped my head in cloth. The pictures sat just behind a pane of fogged glass, and every time I leaned toward them, they slid away
Judiths SichtLila fand mich auf dem Boden des Kinderzimmers, den Rücken an das Gitterbett gelehnt und die Hausschuhe noch nass vom Flur.»Oh, Judith.«»Tu's nicht.«»Ich werde es aber tun.« Sie setzte sich neben mich, steckte ihren Rock unter ihre Knie und zog meinen Kopf an ihre Schulter; sie roch nach Mehl und Lavendelseife. »So. Jetzt kannst du weinen.«»Ich weine nicht.«»Deine Nase aber schon.«Ich lachte, und es klang zerbrochen. Lyra schlief über uns in ihrem Gitterbett, einen Arm über Boo-ba geworfen. Ihr Atmen ging langsam und gleichmäßig. Ich ließ die Augen auf dem Heben und Senken ihrer Decke ruhen.»Sie hat meine Mutter eine Hure genannt«, flüsterte ich. »Sie hat Ben als verflucht bezeichnet.«»Ich habe es gehört.«»Hat das jeder gehört?«»Cook stand hinter der Speisekammer-Tür. Sie ist mit einem Nudelholz in mein Zimmer gerannt.« Lila schniefte. »Sie wollte Miss Selene damit schlagen.«»Ich wünschte, sie hätte es getan.«»Ich auch.« Sie rieb meinen Arm. »Kümmere dich nic
Kaels SichtDie letzte Kutsche rollte kurz nach zwei den Hügel hinunter. Ich stand in der geleerten Halle zwischen verschüttetem Wein und zertretenen Astern, und meine rechte Hand kribbelte noch immer dort, wo Judiths Fingerspitzen gewesen waren.Diener bewegten sich an den Wänden entlang und löschten die Kerzen. Judith stand an einem Tisch nahe der Treppe und hob die Blumen auf, die man ihr in die Hand gedrückt hatte – einen Stiel nach dem anderen. Lila schwebte mit einem Tablett in der Nähe. Judith schickte sie mit einem Händedrücken ins Bett.Ein Schrei riss durch die Decke.Er war hoch und roh, der Schrei eines Kindes, dem ein Spielzeug weggenommen wird. Glas zersplitterte. Etwas Schweres traf den Boden, dann noch etwas.Die Diener erstarrten. Judiths Kopf schnellte hoch.»Das ist der Ostflügel.«»Selenes Zimmer.«Ich hätte nach oben gehen sollen. Ich wusste es, aber meine Füße blieben wie angewurzelt stehen.»... niemand!«, drang die Stimme durch den Putz. »Ein Niemand! In meiner
Judiths SichtDex hämmerte an die Tür, bevor ich überhaupt fertig war, mir die Haare zu bürsten.»Judith, der Alpha will dich unten haben.«»Will«, rief ich durch das Holz.»Befiehlt. Garrick wird dir dasselbe sagen.« Er senkte die Stimme.Lila drängte sich aufgeregt an mir vorbei und riss den Kleiderschrank auf. »Blau. Das blaue.«»Das ist für den Rat.«»Der Rat trug Creme, das Blau hat noch niemand gesehen.« Sie war bereits dabei, meine Strickjacke aufzuknöpfen. »Arme hoch.«»Lila, ich war seit drei Wochen nicht mehr aus diesem Trakt draußen.«»Dann siehst du jetzt besser so aus, als hättest du vor, drin zu bleiben.«Das Kleid glitt über meinen Kopf – ein Mitternachtsblau mit schlichtem Ausschnitt und Silberfaden an den Ärmeln. Lila schloss die Häkchen, und eine Magd, die ich noch nie gesehen hatte, kniete sich hin, um den Saum abzustecken. Eine andere fuhr mit einem Kamm durch meine Haare.»Zu eng?«, fragte Lila.»Ich kann atmen.«»Gut. Das wirst du auch brauchen.« Sie trat zurück
Kaels SichtNadeln bedeckten den Boden der Osthalle wie silberner Regen. Sieben Schneiderinnen umkreisten ein erhöhtes Podest, auf dem Selene in einem Kleid in Creme und Gold stand, mit ausgebreiteten Armen, während ein grauhaariger Mann mit Brille an ihrer Taille zupfte.»Mehr Perlenstickerei am Mieder«, sagte sie.»Miss Selene, die Seide ist bereits schwer.«»Dann nimm mehr Seide.«»Der Schatzmeister sagt –«»Der Schatzmeister trägt es ja nicht.« Sie entdeckte mich im Türrahmen, und ihr ganzes Gesicht veränderte sich. »Alpha! Sag du es ihm.«»Ihm was sagen?«»Dass man sich an das Kleid einer Luna erinnern sollte.«»Du bist nicht die Luna«, sagte Dex hinter mir.Der Raum wurde still, eine Schneiderin schluckte eine Nadel hinunter.»Noch nicht«, sagte Selene zuckersüß. »Aber die Zeremonie ist in drei Tagen. Nicht wahr, Kael?«»Das ist sie.«»Und morgen ist der Ball.« Sie trat herunter, und zwei Mädchen beeilten sich, ihre Schleppe zu halten. »Zweihundert Gäste. Jedes Rudel im Bündnis.
Judiths SichtDas Frühstück stand drei Stunden lang vor meiner Tür. Lila hatte es unter einer silbernen Haube zurückgelassen, und bis zum Mittag war der Toast hart wie Dachpappe geworden.Ich aß ihn trotzdem. Ich stand am Fenster, kaute langsam und beobachtete, wie Kael den Innenhof überquerte, während Selenes Hand in seinem Arm eingehakt war. Er sah nicht nach oben. Nicht ein einziges Mal.»Tus nicht«, flüsterte Lila hinter mir.»Ich esse nur.«»Du starrst.«»Es ist ein Fenster. Dafür sind sie da.« Meine Stimme klang leicht und gekünstelt. Ich stellte den Teller ab. »Wie lange steht Torins Ersatzmann schon draußen?«»Seit der Morgendämmerung. Er heißt Garrick. Er sagt nicht mehr als drei Wörter.« Lila rang die Hände. »Judith, irgendetwas stimmt nicht mit ihm, dem Alpha. Er hat Cook heute Morgen angesehen, als hätte er nie ihren Namen gelernt.«»Er ist müde.«»Er ist nicht müde. Er ist anders.«»Menschen verändern sich über Nacht, Lila.«»Nicht so.« Sie sagte es so leise, dass ich es







