LOGINChapter 6
In dem Moment, in dem der Gedanke mich traf – dass ich immer noch Jungfrau war –, sperrte sich alles in mir.
Es war, als würde mein Körper sich endlich an etwas erinnern, das mein Verstand versucht hatte zu ignorieren. Panik schlug so hart in meine Brust, dass sie mir die Luft aus den Lungen raubte. Mein Herz begann zu rasen, schnell und ungleichmäßig, als wolle es meinem Körper entkommen.
Ich konnte ihn spüren. Seine Wärme. Sein Gewicht. Die Art, wie meine Haut auf seine Berührung reagierte, obwohl mein Verstand schrie, dass ich aufhören sollte.
Nein.
Ich kann das nicht zulassen.
Wenn er es herausfindet…
Der Gedanke formte sich nicht zu Ende, bevor die Angst die völlige Kontrolle übernahm. Mein Körper bewegte sich aus Instinkt, scharf und plötzlich.
Ich stieß ihn weg.
Nicht hart genug, um ihn zu verletzen – aber verzweifelt genug, um Abstand zwischen uns zu schaffen.
Meine Wölfin knurrte in mir, wütend.
„Warum hast du aufgehört?“ knurrte sie und lief wild in meinem Kopf hin und her. „Spürst du es nicht? Er will uns. Er braucht uns. Warum hast du aufgehört?“
Ich ignorierte sie.
Mein Herz pochte so heftig, dass es wehtat. Es fühlte sich an, als würde es aus dem Takt geraten, als könnte ich es nicht einholen, egal wie sehr ich mich anstrengte. Meine Hände zitterten, als sie sich gegen seine Brust pressten, meine Atemzüge kamen in kurzen, flachen Stößen.
Für einen einzigen Herzschlag spürte ich nur Kälte dort, wo eben noch seine Wärme gewesen war. Die plötzliche Abwesenheit ließ meinen Körper auf eine Weise schmerzen, die ich nicht erwartet hatte.
„I–Ich kann nicht“, platzte es aus mir heraus, meine Stimme brach, bevor ich sie aufhalten konnte.
Die Worte stolperten heraus, unordentlich und unüberlegt.
„Ich… mir geht es nicht gut. Ich habe Schmerzen.“
Die Ausrede klang selbst in meinen eigenen Ohren schwach, aber es war alles, was ich hatte. Meine Brust fühlte sich eng an, mein Magen verdrehte sich scharf, die Angst machte alles noch schlimmer. Es war nicht ganz gelogen – mein Körper tat wirklich weh. Anspannung, Panik, das Gewicht von allem, das gleichzeitig auf mich einstürzte.
Ich konnte es nicht riskieren, die Wahrheit zu sagen.
Wenn er merkte, dass ich noch unberührt war – wenn er merkte, dass die Frau in seinem Bett heute Nacht nicht die Luna war, die er fünf Jahre lang gekannt hatte – würde alles zusammenbrechen. Sucys Lügen. Meine Verkleidung. Mein Leben.
Ich würde sterben, bevor ich jemals die Chance bekäme, es zu erklären.
Ich sah ihn nicht an.
Ich senkte den Kopf, meine Haare fielen nach vorne und bedeckten mein Gesicht, während ich auf die Laken unter mir starrte. Meine Finger krallten sich fest in den Stoff, die Knöchel wurden weiß, als ich mich wappnete.
Ich wartete.
Auf Wut.
Auf Gewalt.
Auf das Brüllen des rücksichtslosen Alphas, den alle fürchteten.
Aber nichts kam.
Die Stille dehnte sich zwischen uns, dick und schwer.
„Lucy“, sagte er ruhig. „Sieh mich an.“Meine Kehle zog sich zusammen.
Ich schüttelte leicht den Kopf, weigerte mich. Ich traute meinem Gesicht nicht. Ich traute meinen Augen nicht, dass sie nicht alles verraten würden, was ich versteckte.
Ich hörte, wie er langsam ausatmete, kontrolliert, als zwinge er sich selbst, ruhig zu bleiben.
„Geht es dir gut?“ fragte er nach einem Moment. Seine Stimme war leise, vorsichtig. „Warum verhältst du dich… seltsam?“
Seltsam.
Das Wort kratzte an meinen Nerven.
Wenn er nur wüsste. Wenn er nur wüsste, dass die Frau, die auf seinem Bett lag, nicht die Luna war, von der er glaubte, er besitze sie. Dass ich nicht die gehorsame, abgemessene Version von mir war, die Sucy geformt hatte, um ihn zu überleben.
Mein Herz raste, mein Verstand wirbelte vor Angst, Scham und brennendem Zorn. Seine Ruhe, seine Sorge – machte es schlimmer. Es fühlte sich falsch an. Es verwirrte mich.
Etwas in mir brach.
„Das geht dich nichts an!“ schoss es aus mir heraus, bevor ich mich aufhalten konnte.
Die Worte schnitten durch die Stille wie eine Klinge.
Sogar ich zuckte zusammen, wie scharf meine Stimme klang – zu frech, zu roh, völlig ungefiltert.Für einen winzigen Moment flackerte Reue in mir auf.
Dann erinnerte ich mich, wer er war.
Was er getan hatte.
Und die Reue verhärtete sich zu Trotz.
Die Stille, die folgte, war anders als zuvor.
Langsam hob ich den Kopf und sah ihn an.Schock war deutlich in sein hübsches Gesicht gemeißelt. Seine blauen Augen – diese kalten, gefährlichen Augen – waren weit vor Unglauben, als er mich anstarrte.
Ich konnte es sehen, wie sein Blick schärfer wurde, in den Fragen, die hinter seinen Augen flackerten. Zweifel kroch herein, langsam und gefährlich. Wut brannte in meiner Brust und vermischte sich mit Angst, bis ich sie nicht mehr auseinanderhalten konnte.
Ich hasste es, dass seine Reaktion mir etwas ausmachte.
Ich hasste es, dass die Art, wie er mich ansah, meinen Magen umdrehte.
Seine Augen glitten langsam über mein Gesicht, als läse er jeden Riss in meiner Maske. Und dort waren zu viele Emotionen – Wut, Angst, Abscheu, Verwirrung… und etwas anderes, das ich nicht benennen wollte.
„Du bist… anders“, sagte er leise.
Die Worte hallten das wider, was er früher gesagt hatte, und mein Herz sank.
Ich zwang mich zu atmen. Stillzubleiben.
In mir drängte meine Wölfin näher, unruhig und wachsam.
„Er spürt es“, flüsterte sie. „Er weiß, dass wir nicht dieselben sind.“
„Halt den Mund“, schnappte ich stumm zurück. „Du hilfst nicht.“
Einen langen Moment lang bewegte sich keiner von uns. Es fühlte sich an, als wären wir festgehalten, beide warteten darauf, dass der andere den ersten Zug machte.
Dann trat er zurück.
„Gut“, sagte er, und seine Stimme kehrte zu diesem kühlen, kontrollierten Ton zurück. „Geh.“
Ich blinzelte. „Was?“
Er bewegte sich vom Bett weg und gab mir Raum. „Du kannst gehen.“
Einfach so.
Keine Strafe.
Keine Wut.
Kein Zwang.
Es ergab keinen Sinn.
Dann fügte er hinzu: „Triff mich morgen früh im Frühstückssaal.“
Da war es.
Die Erinnerung. Der Befehl.
Ich wurde nicht verschont. Ich wurde entlassen.
Ich glitt vom Bett, meine Beine schwach unter mir. Ich griff nach meinem Gewand und zog es um mich, versuchte so viel Haut wie möglich zu bedecken. Meine Hände zitterten, als ich mich abwandte.
Ich verbeugte mich nicht.
Ich sah nicht zurück.
Ich ging hinaus.
In dem Moment, als die Tür hinter mir schloss, traf mich die kühle Luft des Flurs wie eine Welle. Mein Rücken presste sich gegen die Steinwand, während meine Brust sich hob und senkte.
Der Mut, den ich in diesem Raum festgehalten hatte – die scharfen Worte, der Trotz – zerfiel in dem Moment, als ich allein war. Meine Knie wankten, und für einen erschreckenden Moment dachte ich, ich könnte genau dort zusammenbrechen.
„Wie konnte ich überhaupt so mit ihm reden?“ flüsterte ich.
Ich hatte gerade den am meisten gefürchteten Alpha, der lebte, angefaucht. Denselben Mann, der mein Rudel zerstört hatte. Denselben Mann, den ich täuschen… und schließlich töten sollte. Mein Herz pochte schmerzhaft. Ich presste eine Hand an meine Brust und versuchte, es zu beruhigen.Du bist wahnsinnig, spotteten meine Gedanken. Ein falsches Wort und er hätte dich beenden können.
Ich stieß mich von der Wand ab und begann zu gehen.
Der Korridor vor seiner Kammer war dämmrig, nur von verstreuten Fackeln erleuchtet, die lange Schatten über den Stein warfen. Die Luft war kühl auf meiner Haut. Meine nackten Füße machten fast keinen Laut, aber das Pochen meines Herzens fühlte sich ohrenbetäubend an.Ich spielte alles in meinem Kopf ab – die Art, wie er mich angesehen hatte, die Verwirrung in seinen Augen, die ruhige Sorge in seiner Stimme.
Sorge… um mich?
Ich hätte fast gelacht.
Aber es beunruhigte mich. Und ich hasste das.
Ich wickelte die Arme um mich, während ich ging, und hielt die Emotionen fest, die drohten, mich zu zerreißen. Ich konnte jetzt nicht zusammenbrechen. Nicht hier.
Je weiter ich ging, desto dunkler wurde der Flur. Die Fackeln wurden weniger. Die Schatten dichter. Die Steinwände schienen sich um mich zusammenzuziehen, zu sehr wie die Kerkerwände aus meinen Albträumen.
Jeder Schritt hallte leise.
Du hast Schlimmeres überlebt, sagte ich mir. Ketten. Hunger. Fünf Jahre, in denen man dich vergessen hat.
Meine Hände zitterten immer noch.
Ich bog um eine Ecke—
Und plötzlich bewegte sich jemand.
Zu schnell.
Eine Hand klammerte sich um meinen Arm, eisenstark. Bevor ich schreien konnte, wurde ich seitlich gerissen und gegen die Wand geschleudert.
Der Aufprall raubte mir die Luft aus den Lungen.
Ein kleiner Schrei entwich mir, als Schmerz meine Wirbelsäule hinaufschoss. Ich versuchte, mich zu wehren, aber meine Handgelenke wurden sofort über meinem Kopf festgehalten, gefangen in einem Griff, der weit stärker war als meiner.
Mein Herz donnerte.
Mein Körper erkannte es, bevor mein Verstand es tat.
Ein Mann.
Die Präsenz. Die Stärke. Der scharfe, unbekannte Geruch, der durch meine Panik schnitt.
Meine Wölfin knurrte in mir, aber sie war zu schwach, um zu kämpfen.
Meine Atemzüge kamen flach und ungleichmäßig, meine Brust gegen seinen Arm gepresst, während ich versuchte zu atmen.
„W–Wer—“ versuchte ich zu sprechen, aber meine Stimme kam als nichts weiter als ein Flüstern heraus.Hallo, ihr tollen Leser, bitte hinterlasst einen Kommentar🥰
Meine Augen flogen auf.Ich sah mich um und fragte mich, wer meinen Namen gerufen hatte.Aber niemand sah mich an.Lucy, kannst du mich hören?Ich erstarrte.Die Stimme kam aus meinem Kopf.Wer bist du?, fragte ich lautlos.Ein sanftes Lachen antwortete mir.Ich bin deine Wölfin, du Dummerchen.Mir stockte der Atem.Meine Wölfin.Ich konnte sie spüren. Ich konnte es nicht erklären, aber es war, als sei ein anderer Teil von mir endlich erwacht. Ich konnte sie mir fast neben mir stehend vorstellen, ihre schöne Gestalt im Mondlicht glänzend.Ich versuchte, mich stärker zu konzentrieren, in der Hoffnung, mehr von ihr zu sehen.Aber irgendetwas fehlte.Ich hatte mich nicht verwandelt.Ich sah auf meine Hände, dann an mir herab.Nichts hatte sich verändert.Und doch konnte ich sie hören.Ich konnte sie fühlen.Und das reichte, um mich mit einer Aufregung zu erfüllen, die ich kaum bändigen konnte.Ich wandte mich Sucy zu, in der Erwartung, dass sie dasselbe erlebte.Aber sie stand völlig reg
Wie waren zwei Schwestern, die einst alles miteinander geteilt hatten, zu Feindinnen geworden?Wie war das Mädchen, das mir immer die Hand gehalten hatte, wenn ich Angst hatte, zu der Frau geworden, die mich eingesperrt hatte und mir beim Leiden zusah?Ich nehme an, du fragst dich dasselbe.Um zu verstehen, wie meine Schwester zu der Person wurde, die sie heute ist, muss ich dich in eine Zeit zurückführen, in der alles ganz anders war.In eine Zeit, in der Sucy und ich unzertrennlich waren.Als wir aufwuchsen, taten Sucy und ich fast alles gemeinsam.Wir waren eineiige Zwillinge, nur wenige Minuten nacheinander geboren, und unsere Eltern scherzten oft, sie seien mit zwei Ausgaben desselben Kindes gesegnet worden.Wir hatten dasselbe dunkle Haar, dieselben Augen, dieselben zarten Gesichtszüge und beinahe dieselbe Stimme. Manchmal fiel es sogar unseren Eltern schwer, uns auseinanderzuhalten, wenn wir absichtlich die Plätze tauschten.Doch trotz unserer äußeren Ähnlichkeit waren unsere P
„Wie? Wie hat sie das geschickt?“„Ich weiß es nicht“, gab Anastasia leise zu. „Es wurde mir vor einer Weile übergeben. Der Bote sagte, es sei für dich bestimmt.“Für mich.Die Worte hallten in meinem Kopf wider.Meine Hände hatten bereits zu zittern begonnen.Ich sah Anastasia an und suchte in ihrem Gesicht nach einem Hinweis darauf, dass dies ein grausamer Scherz war, dass sie vielleicht etwas missverstanden hatte.Doch in ihren Augen lag keine Belustigung.Nur Sorge.Langsam griff ich nach dem Brief.Meine Finger streiften das Pergament, und ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.Ich konnte das nicht.Ich konnte ihn nicht öffnen.Denn tief in meinem Inneren wusste ich bereits, dass alles, was auf diesem Papier stand, mich verletzen würde.„Lucy“, sagte Anastasia sanft, „du musst ihn nicht jetzt lesen.“Aber ich musste.Ich musste wissen, was sie wollte.Was, wenn sie alles wusste?Was, wenn dieser Brief ihre Art war, mir mitzuteilen, dass sie mich holen kam?Meine Kehle schnü
Lucys PerspektiveIch wusste, dass das Paarband eine Verbindung zwischen zwei Wölfen schaffen sollte. Ich hatte die Geschichten gehört. Ich hatte gesehen, was geschah, wenn Gefährten einander fanden, wie sich ihre ganze Welt um diesen einen Menschen zu verschieben schien.Aber was Nidoran und mich verband, war anders.Oder vielleicht war ich einfach zu zerbrochen, um es zu verstehen.Ich presste die Finger gegen die Stirn.Nein. Ich durfte mir nicht erlauben, über das Paarband nachzudenken.Nicht, wenn der Mann auf der anderen Seite dieses Bandes derselbe Mann war, der mir jeden Grund gegeben hatte, ihn zu hassen.Und doch, so sehr ich mich auch bemühte, mir etwas anderes einzureden, konnte ich nicht vergessen, wie er mich in letzter Zeit angesehen hatte.Wie sein Blick auf mir verweilte.Die seltsame Sanftheit, die manchmal in seinen Ausdruck trat.Wie er jede Kleinigkeit an mir zu bemerken schien.Ein furchtbarer Gedanke schlich sich in meinen Kopf.Ich richtete mich in meinem Stuhl
Lucys SichtWer glaubte er eigentlich zu sein, so mit mir zu reden?Was genau hatte er von mir erwartet? Dass ich ihn wie eine verliebte Närrin anlächle und so tue, als wäre alles in bester Ordnung?Ach, er dachte also, er hätte jetzt irgendeine Macht über mich?Ich lachte bitter auf.Diese Dreistigkeit!Du musst morgen mit mir an den königlichen Hof kommen.Ich äffte seine befehlende Stimme in Gedanken nach und verdrehte die Augen so heftig, dass es fast wehtat.Wer glaubte er eigentlich zu sein? Mich herumzukommandieren, als wäre ich eine seiner Bediensteten?Ich hatte schon genug durchgemacht. Ich war müde, frustriert und gefährlich nah daran, den Verstand zu verlieren.„Unglaublich!“, murmelte ich und stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden. „Absolut unglaublich!“Ich ging den Korridor entlang und grummelte vor mich hin wie jemand, der endlich den letzten Rest seines Verstandes verloren hatte.Was hatte ich getan, um all das zu verdienen?„Hallo, hallo, meine wunderschöne Luna!“
Beim Mittagessen hatte ich mich beinahe damit abgefunden, die Sache ruhen zu lassen.Beinahe.Ich hatte ein Königreich zu regieren, Streitigkeiten zu schlichten, und die Berichte von den Nordgrenzen verlangten meine Aufmerksamkeit. Ich konnte es mir nicht leisten, den ganzen Tag darüber zu grübeln, warum meine Luna sich plötzlich wie eine Fremde benahm.Und doch hörte ich mich, als ein Wächter mir meldete, sie sei mit mehreren Dienern in die westlichen Gärten gegangen, fragen, wie lange sie schon dort sei.Die Frage verließ meinen Mund, bevor ich sie aufhalten konnte.Der Wächter antwortete ohne Argwohn.„Ungefähr eine halbe Stunde, Alpha.“„Sehr gut.“Ich entließ ihn und kehrte zu meiner Arbeit zurück.Zehn Minuten später verließ ich mein Arbeitszimmer.Ich redete mir ein, ich brauchte frische Luft.Nichts weiter.Die westlichen Gärten lagen still da, im Schatten hoher Bäume und umgeben von blühenden Sträuchern. Sonnenlicht fiel durch die Äste und malte Muster auf die steinernen Pfade







