LOGINAidans POVIch hörte Ryders Stimme wieder.„Alison …“Sie war kaum mehr als ein Flüstern, doch ich hörte sie. Sie auch. Sofort setzte sie sich in Bewegung.Ich packte ihr Handgelenk.„Warte.“Sie drehte sich zu mir um.„Er braucht Hilfe.“„Ich weiß.“Mein Blick glitt durch die Dunkelheit vor uns, während sich in mir alles dagegen sträubte, weiterzugehen.Die Stille …Der Geruch von Blut …Die schwere Magie, die in der Luft lag.Etwas wartete dort draußen auf uns. Und ich hatte das ungute Gefühl, dass es nicht Ryder war.Alisons silberne Augen leuchteten schwach in der Dunkelheit.„Die Gefährtenbindung zieht mich zu ihm.“„Ich weiß.“„Es tut weh.“Mein Griff um ihr Handgelenk wurde fester.„Dann geh nicht allein.“Sie blickte auf meine Hand.Sofort ließ ich sie los.„Ich werde dich nicht aufhalten“, sagte ich leise. „Aber ich komme mit dir.“Sie nickte.Wir gingen weiter.Kaum hatten wir die Stelle erreicht, öffneten sich die Bäume plötzlich und gaben den Blick auf eine Lichtung frei.
Ryders POVDas Erste, was mir auffiel, war die Stille.Dark Crystal war niemals vollkommen still.Selbst in den tiefsten Stunden der Nacht bewegte sich immer etwas hinter den Mauern. Wachen, die ihre Schichten wechselten. Krieger, die von Patrouillen zurückkehrten. Wölfe, die sich aus dem Wald gegenseitig zuriefen.Heute Nacht war da nichts.Ich stand am Fenster meines Arbeitszimmers und starrte in die Dunkelheit.Etwas stimmte nicht.Mein Wolf wusste es, noch bevor ich es selbst begriff.Seit Stunden war er unruhig, lief rastlos unter meiner Haut umher und weigerte sich, zur Ruhe zu kommen, ganz gleich, wie oft ich versuchte, ihn zu beruhigen.Dann zog die Gefährtenbindung.Hart.Ich packte die Kante des Schreibtisches.Alison.Ihre Angst schoss durch mich.Dann verschwand sie.Ich richtete mich auf.„Alison?“Nichts.Ich schloss die Augen und griff erneut nach der Verbindung.Da.Schwach.Fern.Aber da.Ich konnte ihren Herzschlag spüren.Ich konnte die letzten Spuren ihrer Gefühle
Alisons POVIch schlief in dieser Nacht nicht.Ich lag unter meiner Decke, die Augen auf die Dunkelheit über mir gerichtet, und lauschte dem leisen Rhythmus, mit dem das Packhaus um mich herum zur Ruhe kam.Normalerweise hatten sich die Nächte bei Blue Moon inzwischen friedlich angefühlt.Heute Nacht schien Frieden unmöglich.Aidans Worte kehrten immer wieder zu mir zurück.Ich liebe dich, Alison.Ich hatte diese Worte schon einmal gehört.Unzählige Male hatte ich mir vorgestellt, sie von Ryder zu hören, als ich jünger gewesen war.Es hatte eine Zeit gegeben, in der diese Worte das Einzige gewesen waren, was ich mir auf der Welt am meisten gewünscht hatte.Ich hatte geglaubt, dass alles, was ich durchgemacht hatte, plötzlich einen Sinn ergeben würde, wenn Ryder mich nur eines Tages ansehen und mir sagen würde, dass er mich liebte.Doch jetzt, da ich diese Worte von jemand anderem gehört hatte, wurde mir etwas klar, das mir Angst machte.Nicht die Worte selbst waren es gewesen, die ich
Aidans POVIch wusste, dass etwas nicht stimmte, in dem Moment, in dem Kadel mein Arbeitszimmer betrat.Er klopfte nicht.Das tat er nur selten, es sei denn, etwas war geschehen.Ich blickte von den Berichten auf, die über meinen Schreibtisch verteilt lagen.„Was ist passiert?“Er schloss die Tür hinter sich.„Ryder hat eine Nachricht geschickt.“Meine Finger hielten mitten in der Bewegung inne.„Was für eine Nachricht?“„Eine Warnung.“Ich lehnte mich zurück.„Wovor?“„Vor der nördlichen Grenze. Seine Patrouillen haben Hinweise darauf gefunden, dass jemand mit den uralten Hexen kommuniziert.“Der Raum schien kälter zu werden.„Was für Hinweise?“„Nachrichten. Symbole. Magie.“Mein Kiefer verspannte sich.„Hat er etwas über Alison gesagt?“Kadel zögerte.„Ja.“Mein ganzer Körper erstarrte.„Was?“„Er glaubt, dass die Hexen etwas vorbereiten, das sich gegen sie richten wird.“Ich stand sofort auf.„Wie sicher ist er sich?“„Sicher genug, um seine Patrouillen von der Grenze abzuziehen u
Ryders POVIch wusste, dass sich etwas verändert hatte, noch bevor Axel ein Wort sagte.In dem Moment, in dem er mein Arbeitszimmer betrat, sah ich es in seinem Gesicht.Er war mehrere Stunden unterwegs gewesen, um die Nachricht zu untersuchen, die wir am nördlichen Wachposten gefunden hatten. Nun stand er vor meinem Schreibtisch, mit dieser Art von Schweigen, die meistens bedeutete, dass die Neuigkeiten schlimmer waren, als ich sie hören wollte.„Was hast du herausgefunden?“Axel legte einen gefalteten Bericht auf meinen Schreibtisch.„Nichts über die Person, die die Nachricht hinterlassen hat.“Ich runzelte die Stirn.„Aber?“„Wir haben eine weitere Spur gefunden.“Ich öffnete den Bericht.„Die Zeichen?“„Anders.“Er deutete auf das Pergament.„Das Symbol der ersten Nachricht stammt aus den alten Mondaufzeichnungen. Dieses hier scheint neuer zu sein.“Ich betrachtete die Zeichnung.Ein Kreis.Drei Linien, die sich durch seine Mitte zogen.Und darunter eine Reihe von Symbolen, die ic
Alisons POVIch konnte Ryders Gegenwart noch lange spüren, nachdem er gegangen war.Nicht, weil ich gesehen hatte, wie er zwischen den Bäumen verschwunden war.Nicht, weil ich seine Schritte gehört hatte, die in der Ferne verklangen.Sondern weil die Gefährtenbindung eine Art hatte, mich daran zu erinnern, dass Entfernung nur sehr wenig bedeutete, wenn etwas bereits in dein Blut geschrieben worden war.Sie war da.Jetzt still, aber unmöglich zu ignorieren.Ein leichtes Ziehen unter meinen Rippen.Ein unsichtbarer Faden, den ich nicht sehen konnte und dennoch jedes Mal spürte, wenn meine Gedanken zu ihm wanderten.Ich hasste es.Nicht Ryder selbst.Nicht mehr.Ich hasste die Ungewissheit.So lange hatte ich geglaubt, das Schwerste, was ich jemals würde überstehen müssen, wäre, Ryder zu verlieren.Jetzt begann ich zu verstehen, dass es vielleicht noch schwerer war, zu erkennen, dass ich ihn überlebt hatte.Ich stand allein im östlichen Garten und betrachtete die Blumen, die einst heftig







