Se connecterIch kann nicht. Meine Muskeln sind verkrampft. Er muss mir helfen, meinen Ellbogen packen, mich auf die Füße ziehen. Meine Beine kribbeln, mein Rücken knackt, meine Arme fallen herab. Nikolai sagt nichts. Er betrachtet mich mit einem undurchdringlichen Ausdruck. Dann, ohne Vorwarnung, drückt er mich gegen die Wand. Der Aufprall raubt mir den Atem. Sein Körper presst sich an meinen, seine Hände fesseln meine Handgelenke über meinem Kopf. Sein Gesicht ist zu mir geneigt, seine grauen Augen intensiver denn je. — Siehst du? murmelt er. Selbst bestraft, begehrt dein Körper mich. Seine freie Hand gleitet meine Flanke hinab, ergreift den Saum meines Kleides, hebt ihn an. Seine Finger gleiten zwischen meine Schenkel. Ich sollte ihn wegstoßen, schreien, mich wehren. Aber ich tue nichts. Meine Beine öffnen sich leicht, als handelten sie unabhängig von meinem Willen. Seine Finger schieben den Stoff meiner Unt
Die Worte kommen in einer Kaskade heraus, unkontrollierbar. Meine Stimme steigt, bricht, wird zum Schrei. — Sie haben mich gebrochen! Sie haben mich in etwas verwandelt, das ich nicht wiedererkenne! Und Sie glauben, ich werde weiter Ja sagen, mich hinknien, für Sie spielen? Niemals! Ich schreie das Ende des Satzes, aus vollem Halse. Die Stille, die folgt, ist ohrenbetäubend. Meine Stimme hallt noch im Raum wider, prallt von den Seidenwänden ab, zerschellt an Nikolais undurchdringlichem Gesicht. Er bewegt sich nicht. Er sagt nichts. Er wartet, bis sich mein Atem beruhigt, bis meine Schultern sinken. Dann, sehr sanft, fast zärtlich, sagt er: — Bist du fertig? Ich antworte nicht. Ich zittere, erschöpft von meiner eigenen Explosion. — Gut. Jetzt wirst du bestraft. Nicht weil du wütend bist. Du hast das Recht dazu. Sondern weil du zerstört hast, was mir gehört. Weil du Anya erschreckt has
Seine freie Hand verlässt mein Handgelenk, gleitet meine Flanke hinab, hält auf meinem Knie inne. Sie gleitet langsam wieder hinauf, schiebt den Stoff meines Kleides beiseite, streift die Innenseite meines Schenkels. Ich halte den Atem an. Meine Finger krallen sich in seine Schulter.— Verstanden?— Verstanden.— Verstanden, wer?— Verstanden, Nikolai.Seine Hand gleitet weiter hinauf, hält am Rand meiner Unterwäsche inne. Seine Finger streifen die Spitze, gehen nicht weiter. Er streichelt mich durch den Stoff, langsam, absichtlich, ohne jemals die Barriere zu durchbrechen.— Morgen wirst du deine Violine haben. Morgen wirst du für mich spielen. Aber heute Abend bleibst du hier, bei mir. Ohne Musik. Nur du und ich.Ich protestiere nicht. Ich habe nicht mehr die Kraft dazu. Mein Kopf sinkt zurück an seine Schulter. Meine Tränen sind auf meinen Wangen getrocknet und haben salzige Spuren hinterlassen. Seine Hand setzt
Chopin. Die Ballade Nr. 1 in g-Moll. Ich erkenne sie an den ersten Takten, diesem dramatischen Aufstieg, diesem Sturm von Noten, der die Welt zu verschlingen scheint. Seine Finger fliegen über die Tastatur, präzise, kraftvoll, beseelt. Er spielt mit einer Meisterschaft, die bloßes Talent übersteigt. Er spielt mit seiner Seele, oder was davon übrig ist. Ich kann meine Augen nicht abwenden. Ich kann meine Ohren nicht verschließen. Ich bin Gefangene dieser Musik, wie ich Gefangene von ihm bin. Die Ballade entfaltet sich, mal zärtlich, mal wütend, und ich spüre, wie die Tränen aufsteigen. Nicht aus Traurigkeit, nein. Aus Frustration. Aus Wut. Aus zu intensiver Schönheit, um sie zu ertragen. Die Tränen laufen über meine Wangen, ohne dass ich sie zurückhalten kann. Sie fallen auf meine Knie, auf die seidenen Seile, die mich fesseln. Nikolai spielt weiter, unerschütterlich, meisterhaft. Er geht über zu Skrjabin. Die Sonate Nr. 4. Ein ekstatisches, sinnliches Werk, das zu einem Höhepunkt a
Er dreht sich zu mir um. Seine grauen Augen wandern über mich, verweilen auf meinen Handgelenken, die die Wachen noch festhalten.— Fesselt sie.Ich wehre mich. Es ist stärker als ich. Meine Arme spannen sich an, meine Beine treten, mein ganzer Körper weigert sich. Aber die Wachen sind stärker, besser ausgebildet. Sie schleifen mich zum Stuhl, setzen mich ohne Umschweife hin. Die seidenen Seile wickeln sich um meine Handgelenke, fesseln sie an die Armlehnen. Weitere Seile umschlingen meine Fußknöchel, binden sie an die Stuhlbeine. Ein letztes Seil umschließt meine Taille, drückt mich gegen die Lehne. Die Seide ist weich auf meiner Haut, aber sie gibt keinen Millimeter nach. Ich bin gefesselt, dargeboten, hilflos.— Lasst uns allein.Die Wachen gehen. Die Tür schließt sich schwer. Die Stille kehrt zurück, nur durchbrochen vom Knistern der Kerzen und meinem keuchenden Atem.Nikolai spricht nicht sofort mit mir. Er bleibt neben dem Klavier stehen, betrachtet mich mit ruhiger Zufriedenhei
Seine Stimme hat sich verändert. Sie ist tiefer, härter. Ein Grollen fernen Donners. Die Luft im Zimmer wird dicker, schwerer.— Ich habe Nein gesagt. Ich werde nicht spielen. Weder heute, noch morgen, noch jemals. Sie können tun, was Sie wollen. Mich bestrafen, schlagen, töten. Das ist mir egal. Ich werde nicht länger Ihr Ding sein.Er lächelt. Ein langsames, gefährliches Lächeln, das seine Augen nicht erreicht, aber Grübchen in seine Mundwinkel gräbt. Dieses Lächeln lässt mich mehr erstarren als eine Drohung. In diesem Lächeln liegt Vorfreude, fast Erregung. Als wäre meine Rebellion ein unerwartetes Geschenk, eine Herausforderung, die seine Routine würzt.— Du bist mutiger, als ich dachte, sagt er mit sanfter, fast bewundernder Stimme. Oder dümmer. Das werden wir gemeinsam herausfinden.Er durchquert den Raum ohne Eile. Seine Schritte auf dem Marmor hallen in der Stille wider. Er ergreift das Violinetui auf dem Klavier, schließt es mit einem Ruck. Das Zuschnappen der Verschlüsse ist







