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Kapitel 82 : Lénas Wahrheit 2

Penulis: Déesse
last update Tanggal publikasi: 2026-08-13 08:29:23

Er sitzt in seinem Bett, an die Kissen gelehnt, ein aufgeschlagenes Buch auf den Knien. Blanche ist neben ihm, zusammengerollt im Sessel, ihre nackten Füße unter sich gezogen, eine Decke über den Schultern. Sie bilden ein so vollkommenes, so intimes, so friedliches Bild, dass meine Entschlossenheit ins Wanken gerät. Ich werde diesen Frieden zerbrechen. Ich werde diese Reinheit beschmutzen. Ich werde ihnen gestehen, dass ich ein Monster bin.

»Monsieur Cross«, sage ich mit zittern
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  • Daddy und ich   Kapitel 214— Der gestohlene Kuss

    Er wendet sich mir zu. Im grellen Licht der Glühbirne ist sein Gesicht von Schatten zerfurcht, seine Augen sind zwei dunkle Glut. Er hebt die Hand, wie er es im Garten getan hat, wie er es im Korridor der Bibliothek getan hat. Seine Finger streicheln meine Wange, gleiten meinen Hals hinab, halten in meinem Nacken inne. Die Geste ist langsam, fast zögernd, als gäbe er mir Zeit, abzulehnen.Ich lehne nicht ab.Seine Hand vergräbt sich in meinem Haar, löst es, befreit es. Die andere Hand legt sich auf meine Taille, zieht mich an sich. Ich spüre die Wärme seines Körpers durch unsere Kleidung, die Kraft seiner Muskeln, die geballte Stärke. Er drückt mich nicht gegen die Mauer wie beim letzten Mal. Er hält mich mit unendlicher Sanftheit, als wäre ich aus Kristall, als hätte er Angst, mich zu zerbrechen.— Seit zwei Jahren, flüstert er, das Gesicht zu mir geneigt. Seit zwei Jahren träume ich von diesem Augenblick. Seit jenem Abend in Sankt Petersburg, seit ich Sie auf der Bühne sah, seit Sie

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    Aber er entfernt sich bereits im Korridor, eine massige Silhouette, die in der Dämmerung verschwindet. Seine Schritte hallen auf dem Marmor wider, immer ferner, immer schwächer. Und ich bleibe allein zurück, an die kalte Mauer gelehnt, zitternde Beine, ein Herz in Scherben, die Lippen noch warm von diesem Kuss, der nicht stattgefunden hat.An diesem Abend kehrt Nikolai zurück. Er kommt wie immer ohne Vorwarnung in mein Zimmer. Ich sitze auf dem Bett, den Puschkin-Band auf den Knien. Er bleibt auf der Schwelle stehen, sieht mich lange an. Seine grauen Augen sind scharf, forschend.— Du hast gestern Abend gespielt. Ein Stück, das ich nicht kannte.Mein Blut gefriert. Mikrofone. Es gibt Mikrofone in meinem Zimmer. Er zeichnet alles auf. Jede Note, jede Stille, jedes Flüstern. Ich hätte es ahnen müssen, seit all der Zeit.— Es war eine Improvisation, sage ich ohne mich zu verziehen.— Wirklich? Es klang wie eine sehr ausgearbeitete Komposition. Fast professionell.— Ich bin professionell.

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    Seine Stimme bricht leicht bei den letzten Worten. Seine Augen lassen mein Gesicht nicht los. In seinem Blick liegt eine Intensität, die mich frösteln lässt.— Danke.Das Wort ist schwach, unzureichend. Aber ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Léonid neigt den Kopf, dann geht er zur Tür. Er hält inne, bevor er hinausgeht, die Hand auf der Klinke.— Spielen Sie heute Abend die Elegie. Wenn Sie allein in Ihrem Zimmer sind. Spielen Sie sie für sich. Nicht für ihn. Für sich.Er geht hinaus. Die Tür schließt sich lautlos. Ich bleibe allein mit den Partituren, zitternden Fingern, klopfendem Herzen. Ich sollte einfach dankbar sein. Aber was ich fühle, ist komplizierter. Es ist Dankbarkeit, ja, vermischt mit etwas anderem. Eine Wärme in der Brust, eine Spannung im Bauch, eine vage und schmerzhafte Erwartung.Ich verbringe den Rest des Tages damit, die Partituren zu studieren. Die ukrainische Elegie ist wunderschön, herzzerreißend, ein Abschied von einem verlorenen Land, von vergessenen

  • Daddy und ich   Kapitel 211 — Der stille Pakt

    Tatiana Die Tage, die auf das Abendessen mit den zwölf Raubtieren folgen, ziehen sich in einem seltsamen Nebel dahin. Ich spiele, wenn man es mir befiehlt, ich esse, wenn man mir ein Tablett bringt, ich schlafe, wenn die Müdigkeit zu stark wird. Aber ich bin nicht mehr wirklich da. Mein Körper gehorcht, mein Mund lächelt, meine Finger gleiten über die Saiten der Violine. Aber mein Geist schwebt anderswo, abgelöst, ferner Zuschauer meiner eigenen Existenz. Tatiana Volkonskaïa ist eine Figur geworden, die ich aus der Ferne beobachte, eine Schauspielerin, die eine von Nikolai Volkov geschriebene Rolle spielt. Das Einzige, was mich noch in der Realität verankert, ist Léonid. Sein Blick, wenn sich unsere Augen in einem Korridor treffen. Seine stille Gegenwart, wenn er mich von einem Raum zum anderen begleitet. Die Wärme seiner Hand auf meiner Wange, an jenem Abend, vor der Tür meines Zimmers, nach dem Abendessen. Eines Tages werde ich Sie hier herausholen. Das Versprechen dreht sich in

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    Wir erreichen das Ufer des Teiches. Trauerweiden strecken ihre nackten Zweige zum Eis. Es ist wunderschön und trostlos. Vollkommen russisch. — Warum tun Sie das? sage ich plötzlich. Warum kümmern Sie sich um mich? Léonid antwortet nicht sofort. Er blickt auf den zugefrorenen Teich, die Tannen, den grauen Himmel. — Weil ich Sie vorher gesehen habe, sagt er schließlich. Vor all dem. Vor zwei Jahren, in Sankt Petersburg. Sie spielten das Sibelius-Konzert. Ich war im Saal. Und als Sie zu spielen begannen... vergaß ich, wer ich war. Ich vergaß den Krieg, die Toten, das Blut. Es gab nur noch die Musik. Nur noch Sie. Er dreht sich zu mir um. Seine dunklen Augen tauchen in meine. — Also ja, ich kümmere mich um Sie. Weil Sie mich an jenem Abend gerettet haben, ohne es zu wissen. Und weil ich es nicht ertrage, Sie leiden zu sehen. Die Tränen steigen au

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    Ich kann nicht. Meine Muskeln sind verkrampft. Er muss mir helfen, meinen Ellbogen packen, mich auf die Füße ziehen. Meine Beine kribbeln, mein Rücken knackt, meine Arme fallen herab. Nikolai sagt nichts. Er betrachtet mich mit einem undurchdringlichen Ausdruck. Dann, ohne Vorwarnung, drückt er mich gegen die Wand. Der Aufprall raubt mir den Atem. Sein Körper presst sich an meinen, seine Hände fesseln meine Handgelenke über meinem Kopf. Sein Gesicht ist zu mir geneigt, seine grauen Augen intensiver denn je. — Siehst du? murmelt er. Selbst bestraft, begehrt dein Körper mich. Seine freie Hand gleitet meine Flanke hinab, ergreift den Saum meines Kleides, hebt ihn an. Seine Finger gleiten zwischen meine Schenkel. Ich sollte ihn wegstoßen, schreien, mich wehren. Aber ich tue nichts. Meine Beine öffnen sich leicht, als handelten sie unabhängig von meinem Willen. Seine Finger schieben den Stoff meiner Unt

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