ANMELDENHannahs SichtDas Knistern der Holzscheite im großen Steinthermenkamin war das einzige Geräusch, das durch die ruhige Weite der Lodge hallte. Draußen war der Nachthimmel stockfinster, aber drinnen war das Wohnzimmer in ein warmes, bernsteinfarbenes Licht getaucht.Mia hatte sich auf dem plüschigen Samtsofa an meine Seite gekuschelt, ihren Kopf schwer auf meine Schulter gelegt. Ihre Augenlider flatterten zu, völlig erschöpft von der emotionalen Achterbahnfahrt unserer letzten Universitätsarbeiten und dem Helfen beim Packen von Emmas Leben für das neue Anwesen am See.„Luca hat wahrscheinlich inzwischen die Tore abgeschlossen und die Schlüssel in den See geworfen“, murmelte Mia, ihre Stimme schwer vor Schlaf, während ihre Finger faul Kreise auf meinem Knie zogen.Ich gluckste, beugte mich hinab und drückte einen sanften Kuss auf die Spitze ihres dunklen Haares, während ich den süßen Duft ihres Pfirsichshampoos einatmete. „Oh, absolut. Er hat wahrscheinlich sein Telefon ausgeschaltet, se
Lucas SichtDie goldene Morgensonne wusch über den See und malte die Glaswände unserer Hauptsuite in Streifen aus flüssigem Gold.Ich lag auf der Seite und beobachtete Emma beim Schlafen. Ihr dunkles Haar war über meiner Brust verstrickt, ihre Haut tief und köstlich rosa angehaucht, und ihre Lippen waren geschwollen von dem Morgen, den wir gerade geteilt hatten. Runde zwei war wilder gewesen als letzte Nacht – ihre Schwangerschaftshormone trieben sie völlig um den Verstand, und jedes Mal, wenn sich ihre weichen Oberschenkel um meine Taille schlangen, zerfiel meine Beherrschung zu Asche.Ich glitt mit der Hand unter die Seidenlaken und legte meine große Handfläche flach auf die warme, runde Wölbung ihres Bauches im vierten Monat.Unter meinen Fingern gab unsere kleine Göttin ein sanftes, winziges Flattern von sich.„Du starrst mich schon wieder an, VP Carter“, flüsterte Emma, während ihre Wimpern aufflatterten. Ein träges, verschmitztes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als
Emmas Sicht„Luca, hör auf, so schnell zu gehen! Ich muss diesen Winkel aufnehmen, bevor die Sonne komplett verschwindet!“, lachte ich und hielt mein Telefon im Querformat hoch, während ich den Blick über das weitläufige Wohnzimmer schweifen ließ.„Du nimmst schon seit zwanzig Minuten auf, College-Mädchen“, grinste Luca verschmitzt, lehnte sich mit hochgekrempelten Ärmeln an die Marmorinsel der Küche und beobachtete mich mit reiner Zuneigung in den Augen.„Weil mein Familien-Gruppenchat komplett ausrastet!“, quiekte ich und tippte erneut auf die Aufnahmetaste, als ich in den Küchenbereich trat. „Schau dir diese maßgefertigten Walnussschränke an! Schau dir den Doppelgasherd an! Mama hat gerade zehn Ausrufezeichen hintereinander geschickt.“„Zeig ihnen das Atelier“, schlug Luca vor und nahm einen Schluck aus seinem Glas Sprudelwasser. „Das war der Hauptgrund, warum ich den führenden Architekten aus Mailand engagiert habe.“„Warte, es gibt ein Atelier?!“, keuchte ich und senkte mein Tele
Emmas Sicht„Die Zeit ist um! Bitte legen Sie Ihre Stifte flach auf den Tisch!“, dröhnte die Stimme des Hauptaufsichtsführenden durch die Lautsprecher.Eine kollektive, atemlose Stille hing für einen einzigen Herzschlag über der riesigen Halle, und dann explodierte der gesamte Raum.Zettel flogen in die Luft. Tische wackelten, als hunderte von Studenten von ihren Stühlen aufsprangen, schrien, sich umarmten und in reiner, unverfälschter Erleichterung weinten.„Wir haben es geschafft!“, kreischte Mia und schlang ihre Arme so fest um meinen Hals, dass wir beinahe auf meinen Tisch gekippt wären. „Emma, wir haben es wirklich geschafft! Es ist vorbei! Das Studium ist offiziell vorbei!“„Wir haben überlebt!“, rief Hannah über den Lärm hinweg, drängte sich in unsere Umarmung und schlang ihre Arme um uns beide. „Vier Jahre brutale Finanzvorlesungen, endlose Fallstudien und nächtliche Panikattacken – vorbei!“„Ich kann gar nicht glauben, dass ich während Frage vier nicht in den Wehen gelegen ha
Emmas SichtZwei Monate vergingen wie im Flug, geprägt von endlosen Finanzjournalen, nächtlichen Lernsessions und einem Babybauch, der scheinbar über Nacht aus dem Nichts aufgetaucht war.Was mit zwölf Wochen als winzige, kaum wahrnehmbare Wölbung begonnen hatte, erblühte zu einer weichen, unübersehbaren Wölbung im vierten Monat, die nun die Vorderseite meiner Umstandspullover ausfüllte. Und so wie mein Bauch wuchs, so wuchs auch der Berg an Lehrbüchern, der den großen Esstisch in der Lodge bedeckte.„Wenn ich noch eine einzige Fallstudie über internationale Handelszölle lesen muss, schmilzt mein Gehirn direkt aus meinen Ohren heraus“, stöhnte Mia und ließ ihre Stirn mit einem dramatischen Klatschen auf die Tastatur ihres Laptops fallen.„Trink deinen Tee, Mia“, lachte Hannah von der anderen Seite des Tisches, nahm einen Schluck aus ihrer eigenen Tasse und markierte einen Absatz in ihrem Gesellschaftsrechtsbuch. „Wir haben weniger als zwölf Stunden bis zur Abschlussarbeit. Wenn du jet
Emmas Sicht„Luca, es sind nur zwei Stunden finale Thesis-Reviews“, sagte ich und versuchte zum dritten Mal, die Vorderseite meines weichen, cremefarbenen Pullovers glattzustreichen.„Es ist mir egal, ob es zwei Minuten sind, College-Mädchen“, knurrte Luca sanft, während er vor dem bodentiefen Spiegel in unserem Schlafzimmer hinter mich trat. Seine langen, hornhautrauen Finger striffen über meinen Hals, bevor er mir sorgfältig einen dicken, plüschigen Kaschmirschal um den Nacken legte. „Schau aus dem Fenster. Das gesamte Pressecorps der Stadt sitzt am Ende unserer Einfahrt.“Ich blickte zu den gläsernen Balkontüren. Selbst von hier aus konnte ich das Blitzen der Kameralinsen sehen, die sich hinter den Sicherheitstoren der Lodge aneinanderreihten.„Er übertreibt nicht, Em“, sagte Hannah, die sich mit zwei Kaffee-Reisebechern an den Türrahmen unseres Schlafzimmers lehnte. Sie reichte mir einen davon mit einem warmen Lächeln. „TikTok hat heute Morgen die Marke von neunzig Millionen Aufru
Emmas SichtIch wachte am nächsten Morgen noch vor meinem Wecker auf, und mein Herz raste bereits, als hätte es im Schlaf einen Marathon absolviert.Einige Sekunden lang starrte ich an die Decke meines Schlafzimmers und versuchte, mich zu erden. Das blasse Morgenlicht fiel durch die Vorhänge und er
Emmas SichtDer Tag, an dem ich Luca dabei erwischt hatte, wie er ein Mädchen auf der Küchentheke vögelte, war das erste Mal, dass ich Sex live gesehen hatte.Und seitdem…Zurück auf meinem SchlafzimmerbodenDas Holz der Tür drückte hart gegen meine Wirbelsäule, aber ich bewegte mich nicht. Ich kon
Emmas SichtVor ein paar Monaten war ich für eine Übernachtung bei Hannah.Das Haus war dunkel und still. Ich hörte das leise Murmeln einer Stimme.Nicht Hannahs.Ein Frauenlachen, leise und kehlig, drang aus der Küche herauf. Ich hielt auf der letzten Stufe inne, meine Hand erstarrte auf dem kühle
Emmas Sicht„Hannah ist hier.“Die Worte trafen mich wie Eiswasser.Lucas Körper verkrampfte sich an meinem, und jede Spur von Hitze wich augenblicklich aus seinem Gesicht. Für den Bruchteil einer Sekunde rührte sich keiner von uns. Die Musik unten wummerte ahnungslos weiter. Mein Herz hämmerte so







