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Perspektive: Adrian MilesSeitdem habe ich viel darüber nachgedacht, dass Liam gewinkt hat. Er stand in der Mittagssonne an der Tür meines Mietwagens, die Arme verschränkt, das gute graue Sakko zugeknöpft, hob eine Hand und winkte uns zu – langsam und freundlich, wie ein Mann, der Nachbarn über den Zaun hinweg grüßt.Elenas Finger schlossen sich fester um meine, bis meine Knöchel gegeneinander knirschten. Ihr Daumen tippte einen Rhythmus in meine Handfläche, zehn schnelle Schläge und eine Pause, und es dauerte eine Sekunde, bis ich begriff, dass es meine Telefonnummer war.„Adrian“, rief Liam und stieß sich vom Auto ab. Sein Lächeln war warm und ein wenig verwirrt. „Da bist du ja. Ich habe dich seit zwei Stunden angerufen. Ich fing schon an zu glauben, die Hütten hätten euch verschluckt.“„Ich habe meine Pläne geändert“, sagte ich.„Das sehe ich.“ Seine Blicke wanderten zu Elena. Sie glitten über ihre nassen Turnschuhe, die sandverkrustete Jeans und den Ring an ihrer linken Hand – den
Perspektive: Elena Martin Er nahm mir den Ring nicht ab, und daran erkannte ich, wie weit er mir voraus war. Liam betrat das Arbeitszimmer, setzte sich auf die Ecke des Schreibtischs, als würde er sich für ein Gespräch niederlassen, und sah auf meine geschlossene Faust mit einer Art zärtlicher Geduld. „Du erinnerst dich an mich“, sagte er. „Nicht wahr?“ „Die Landung“, sagte ich, immer noch auf dem Stuhl stehend. „Eine Papiertüte vom Delikatessenladen. Eine Tasse mit der Aufschrift ‚Weltbester Okayster Buchhalter‘.“ Sein Gesicht öffnete sich wie ein Fenster. Für einen Moment sah er aus wie neunzehn. „Du hast gesagt, ich würde den Kaffee hassen.“ „Du hast ihn gehasst.“ „Jeden Becher.“ Er lachte, und seine Augen waren feucht. „Du warst die Einzige, die jemals meinen Namen kannte, Ellie. Ich bin nicht wütend, dass du dich erinnerst. Ich bin erleichtert. Ich hatte so große Angst, du würdest zurückkommen und mich hassen für das, was ich getan habe, um dich nach Hause zu bringen.“ Ich
Perspektive: Adrian MilesUm 23:52 Uhr an jenem Abend hing ich in der Warteschleife beim County Sheriff und hörte eine Aufnahme, die mir sagte, dass mein Anruf ihnen wichtig sei. Später würde ich erfahren, dass in derselben Minute meine Frau auf einem Schreibtischstuhl in einem verschlossenen Arbeitszimmer stand, mit ihrem eigenen Ring in der Faust. Ich hätte meine ganze Firma hergegeben, um das zu wissen.Die Leitung klickte. „Sheriff’s Office“, sagte eine müde Stimme, die klang, als wäre sie seit der Nixon-Ära wach. „Wie kann ich Ihnen helfen?“„Meine Frau wird seit sieben Wochen vermisst“, sagte ich. „Ich weiß, wo sie ist.“Ich erzählte es klar und der Reihe nach, so wie ich es in einem Motelbad mit laufendem Ventilator geübt hatte. Der Mietvertrag, der sechs Wochen vor dem Unfall unterschrieben worden war. Das Ferienhaus im Besitz der Mutter eines Mannes, der mich sieben Wochen lang zu einem See gelenkt hatte. Das Handgelenk mit dem violetten Fingerabdruckring. Die Türriegel, die
Perspektive: Elena MartinIch aß die Eier, denn Essen abzulehnen war das Erste, was eine verängstigte Frau tun würde, und ich war entschlossen, wie eine Frau auszusehen, die nichts zu verbergen hatte. Liam saß mir gegenüber, die Hände gefaltet auf dem Tisch, und beobachtete jeden Bissen, den ich hinunterschluckte. Als mein Teller leer war, schob er den Flyer einen Zentimeter näher und begann zu sprechen.„Ich schulde dir die Wahrheit über Adrian Miles“, sagte er. „Ich habe dir erzählt, er sei ein Mann aus meinem Büro. Das war eine Lüge, und es tut mir leid.“„Was ist er dann?“, fragte ich.„Ein sehr kranker Mann.“ Er seufzte, und in seinen Augen lag etwas, das wie ehrliches Bedauern aussah. „Seine Frau hat ihn vor zwei Monaten verlassen. Er konnte das nicht akzeptieren und hat sich eine Geschichte zurechtgelegt: dass sie entführt worden sei, dass jemand sie verstecke. Seitdem folgt er Frauen, die ihr ähneln. Einmal ist er an unserer Haustür aufgetaucht, Ellie, als du noch bewusstlos w
Perspektive: Elena MartinLiam nahm mein Gesicht in beide Hände oben an der Klippe und küsste mich auf die Stirn, und über seine Schulter hinweg beobachtete ich den schwarzen Felssporn, über den gerade ein Mann auf Händen und Knien gekrochen war. Ich hielt den Blick so lange auf diesen Felsen gerichtet, wie ich es mir leisten konnte, und ließ ihn dann zu ihm zurückkehren.„Fünf Uhr morgens“, sagte Liam sanft. „Ich wachte auf, und dein Bett war leer und dein Fenster stand drei Zoll offen.“„Ich konnte nicht schlafen.“ Ich ließ meine Zähne klappern, was keine Schauspielerei erforderte. „Ich wollte den Gang üben. Ich habe dir gesagt, ich bleibe in der Bucht, und das habe ich getan.“„Du bist bis zur Taille nass“, sagte Liam.„Eine Welle hat mich erwischt.“ Ich streckte die Arme aus und ließ ihn den grauen Pullover sehen, der an meinen Rippen klebte. „Es tut mir leid, Liam. Ich stand am Rand und habe das Gleichgewicht verloren.“Er musterte mich einen langen Moment, und der Wind zerrte an
Perspektive: Adrian MilesSie war schon in Bewegung, bevor das zweite „Ellie“ die Klippe hinuntergetragen hatte, und ich war mit ihr in Bewegung, stand im Seegang auf den Füßen, die Hände ausgestreckt, bereit, etwas Spektakuläres und Dummes zu tun. Sie packte meinen Ärmel, bevor ich drei Schritte gegangen war.„Geh“, sagte Elena mit schneller, leiser Stimme. „Über den Felsen, sofort. Wenn du den Pfad hochkommst, weiß er alles.“„Ich lasse dich nicht allein mit…“, begann ich.„Doch.“ Sie drückte mir den Thermosbecher in die Hände und danach die Moteldecke, als wäre das Beseitigen von Beweisen eine reine Haushaltsangelegenheit. „Ich sage ihm, ich habe meinen Gang geübt. Er wird mir glauben, weil er es muss. Morgen. Am selben Ort.“Ich blickte hoch. Hoch oben am Rand der Klippe, klein und scharf gegen den blassen Himmel, stand eine dünne Gestalt, die eine Hand über die Augen schirmte. Sie hob die andere und winkte, langsam und freundlich, wie ein Mann, der einen Nachbarn begrüßt.„Morgen







