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Das Vermögen der ausgetauschten Braut
Das Vermögen der ausgetauschten Braut
Author: Raydar

Kapitel 1

Author: Raydar
last update publish date: 2026-08-24 14:53:21

Briannas POV

„Pack deine Sachen. Morgen gehst du zu den Maseratis“, fuhr Vater mich an, während ich am Esstisch betreten den Kopf senkte.

„Aber … Warum?", begann ich leise. Die Nachricht hatte mich völlig unvorbereitet getroffen. „Emily könnte rechtzeitig für die …“

„Halt den Mund, Brianna.“ Er würgte mich ab, bevor ich meinen Satz überhaupt beenden konnte. „Tu einfach, was ich gesagt habe. Emily kommt nicht zurück, und du wirst ihren Platz als Braut einnehmen. "Das ist endgültig.“

Ich nickte. Eine stille Resignation breitete sich in mir aus. „Ja, Vater.“

Bei seinem kalten Tonfall zog ich mich verängstigt zurück. Mein Blick wanderte den Tisch entlang zu dieser sogenannten Familie. Zu Menschen, die mich hätten verteidigen sollen. Oder es zumindest hätten versuchen können.

Niemand rührte sich.

Nicht einmal ein Ausdruck des Schocks zeigte sich auf ihren Gesichtern.

Es war erbärmlich. Wirklich.

Ich hatte nie viel von ihnen erwartet. Nie mehr erhofft, als man mir bereit war zu geben. Und trotzdem traf mich das hier tiefer, als ich zugeben wollte.

Ich hatte längst gewusst, dass sie früher oder später einen Weg finden würden, mich aus diesem Haus zu verbannen. Was ich nicht wusste, war wann.

Nun, ich schätze, das war es.

Endlich war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich für ihren eigenen Vorteil von Nutzen sein durfte.

Am anderen Ende des sechssitzigen Esstisches saß Mutter kerzengerade auf ihrem Stuhl. Sie nickte immer wieder zu dem, was Elsa rechts neben ihr erzählte.

Ezra saß links von ihr. Sein Essen hatte er längst beendet, und seine gesamte Aufmerksamkeit galt seinem Handy. Er schenkte uns keinerlei Beachtung.

Ich hätte es niemals gewagt, mein Handy am Esstisch hervorzuholen.

Ich saß direkt links von Vater. Der Platz mir gegenüber, auf dem normalerweise Emily gesessen hätte, war leer.

Eine perfekte Erinnerung an ihre Abwesenheit.

Oder sollte ich lieber sagen, an ihre äußerst günstige Flucht vor der Ehe, die längst für sie arrangiert worden war?

Gleichzeitig war dieser leere Stuhl eine schmerzhafte Erinnerung an meine eigene missliche Lage.

Emily hätte in zwei Tagen Adrian Maserati heiraten sollen.

Als man ihr die Entscheidung mitgeteilt hatte, hatte sie keinerlei Anzeichen von Widerstand gezeigt.

Wir hatten kaum zwei Wochen zuvor alle gemeinsam an diesem Tisch gesessen. Emily hatte gelächelt und gegessen, ohne auch nur den kleinsten Anflug von Sorge auf ihrem Gesicht.

Das hatte mich überrascht.

„Ja, Vater“, hatte sie gesagt, ein kleines Lächeln auf den Lippen, während sie zustimmend nickte.

Ich hätte erwartet, dass sie sich wehren würde. Schreien. Toben. Einen Aufstand machen.

Alles wäre mir lieber gewesen, als dass sie dieser Ehe mit Adrian einfach zustimmte.

Adrian Maserati war ein gefürchteter Mann.

Es kursierten Gerüchte und Geschichten darüber, dass er Menschen getötet hatte und seine Firma auf den Tränen, dem Schweiß und dem Blut Unschuldiger aufgebaut worden war. Und mit Blut meinte man tatsächlich Blut.

Man kannte ihn für seine Brutalität, und viele fürchteten ihn.

Als Vater es an jenem Tag verkündet hatte, erinnere ich mich noch genau an das leise Keuchen, das mir über die Lippen kam.

Ich konnte es nicht glauben.

Wir waren reich, ja, aber nicht auf diese alteingesessene, über Generationen vererbte Art. Dennoch waren wir alles andere als arm.

Genau deshalb hatte mich die Nachricht von Emilys arrangierter Ehe so schockiert.

Wir hatten es schlicht nicht nötig.

Also fragte ich mich immer wieder, was der Haken war.

Was hatte Adrian meinem Vater angeboten, damit er einer solchen Ehe zustimmte?

Es war, gelinde gesagt, mehr als fragwürdig.

„Die Hochzeit wird in etwa zwei Wochen stattfinden“, hatte Vater gesagt. „Bereite dich darauf vor. Diese Hochzeit wird für unsere Zukunft und die Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung sein.“

Auch wenn Emily nicht gerade mein Lieblingsmensch war, bei Weitem nicht, tat sie mir ein wenig leid.

Sie war behütet aufgewachsen.

Die zweite Tochter der Familie.

Verwöhnt mit allem, was die Familie ihr bieten konnte.

Wir standen uns nicht nahe. Nicht in all den Jahren, die ich nach meiner Adoption hier gelebt hatte.

Wir hatten kaum miteinander gesprochen, geschweige denn uns wie Schwestern verhalten. Oder besser gesagt, wie Stiefschwestern.

Aber ich hatte nie gewollt, dass sie eine unglückliche Zukunft vor sich hatte.

Als ich neu in diese Familie gekommen war, war sie das jüngste Kind gewesen.

Ich war wie ein Eindringling in ihre kleine Welt geplatzt, und eine kurze Zeit lang hatte sie mich schikaniert, nur um die Aufmerksamkeit unserer Eltern auf sich zu ziehen.

Doch das hielt nicht lange an.

Schon bald erkannten wir beide, dass es keine Aufmerksamkeit gab, um die wir kämpfen mussten. Keine Zuneigung, um die wir konkurrieren mussten.

Und so blieb zwischen uns einfach … Distanz.

In jener Nacht, nachdem die Hochzeit verkündet worden war, kam ich an Emilys Schlafzimmer vorbei. Durch die geschlossene Tür hörte ich ihr leises Schluchzen.

Mein Herz zog sich bei ihrem Schmerz zusammen.

Und gleichzeitig war ich erleichtert, das unsichtbare Kind dieser Familie zu sein.

Denn zumindest war ich nicht wertvoll genug, um für eine geschäftliche Allianz mit Adrian Maserati verheiratet zu werden.

Dem kalten, brutalen CEO.

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