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Kapitel 2

Author: Raydar
last update publish date: 2026-08-24 14:54:45

Briannas POV

Nach der Verkündung meiner Zwangsheirat anstelle von Emily war das Abendessen beinahe augenblicklich beendet. Jeder zog sich in seinen eigenen Bereich des Hauses zurück.

So war es schon immer in diesem kalten Haus gewesen.

Es gab keine Wärme.

Kein Lachen am Esstisch, keine Gespräche darüber, wie der Tag gewesen war. Nichts.

Ich selbst sprach ohnehin kaum. Es gab niemanden, der sich wirklich dafür interessierte, was ich zu sagen hatte.

Ich blieb zurück, um den Tisch abzuräumen, ihn zu reinigen und die Küche aufzuräumen.

Wir hatten Angestellte und Dienstmädchen, aber ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, diese Dinge zu erledigen, ohne dass man mich darum bitten musste.

„Es gehört zu meiner Pflicht gegenüber der Familie“, sagte ich mir immer wieder.

Als alles erledigt war, zog ich mich in mein Zimmer im Untergeschoss zurück.

Ich ließ mich rücklings auf mein Bett fallen und starrte zu den kleinen Leuchtsternen an der Decke.

Sie waren die einzige Lichtquelle in meinem schlecht beleuchteten Zimmer, das nicht einmal ein richtiges Fenster besaß.

Ich stieß einen tiefen Seufzer aus und begann, über meine bevorstehende Zukunft nachzudenken.

Über meine gegenwärtige Krise.

Ich hatte gehofft, dass Emily irgendwie, durch irgendein Wunder, nach Hause zurückkehren würde.

Dass sie zurückkommen und ihren Platz einnehmen würde.

Doch nach dem, was sich beim Abendessen abgespielt hatte, begann ich mich zu fragen, ob vielleicht nur ich im Dunkeln gelassen worden war.

Vielleicht war Emily längst aus dem Land geflohen, um ihrer Ehe zu entkommen.

Vielleicht war das alles von Anfang an ihr Plan gewesen.

Ich wollte nicht heiraten.

Ich war gerade einmal dreiundzwanzig.

Ich war nicht das Lieblingskind der Familie, aber ich hatte es bequem genug. Man behandelte mich nicht allzu schlecht. Ich hatte längst gelernt, welchen Platz ich in dieser Familie einnahm, und ich hielt mich daran.

Mit zehn Jahren adoptiert zu werden, hatte nie auf meiner Bingo-Karte gestanden.

Ich hatte mich längst damit abgefunden, dass niemand mich auswählen oder adoptieren würde.

Ich war älter als die Hälfte der Kinder im Waisenhaus, und die meisten Paare bevorzugten jüngere Kinder. Neugeborene bis hin zu Dreijährigen waren für die meisten die ideale Wahl.

Ich hatte mein Schicksal schon vor langer Zeit akzeptiert.

Ich blieb still, selbst wenn meine ganze Welt um mich herum zusammenbrach.

Meine einzige Hoffnung war gewesen, achtzehn zu werden und das System hinter mir zu lassen.

Meinen eigenen Weg im Leben zu finden und meinen Traum zu verwirklichen, ein kleines Café mit einer Buchhandlung zu besitzen, in der ich meine Tage verbringen konnte.

Eine Ehe war nie Teil meines Plans gewesen.

Nicht damals und ganz bestimmt nicht jetzt.

Doch so wie die Dinge standen, hatte ich nicht viel zu entscheiden.

Ich musste den Platz meiner Schwester einnehmen.

Es war die einzige Pflicht, die man mir jemals ausdrücklich auferlegt hatte.

Und damit würde es meine letzte Pflicht gegenüber der Familie Stewart sein.

Sie mussten es nicht einmal aussprechen.

Es zeigte sich in der Art, wie sie mich behandelten. Sie waren überzeugt, dass ich ihnen etwas schuldete, weil sie mich aufgenommen hatten.

Also würde ich meinen Widerstand und meine Abneigung gegen diese arrangierte Ehe hinunterschlucken und heiraten, wie sie es von mir verlangten.

Das war meine letzte Pflicht.

Und mein Dank für die Entscheidung, die sie vor dreizehn Jahren getroffen hatten, als sie mich aus all den Kindern in diesem Waisenhaus ausgewählt hatten.

Nachdem ich mir etwas Zeit genommen hatte, um mich zu beruhigen und meine Gedanken zu ordnen, begann ich, die wenigen Kleidungsstücke und persönlichen Dinge einzupacken, die ich besaß.

Es war nicht viel.

Ich besaß ohnehin nicht viel.

Ich war nie gierig gewesen. Ich verlangte nie nach Dingen, die über das hinausgingen, was ich brauchte oder was mir zustand.

„Ich schätze, das war’s. Die letzte Tasche.“

Leise seufzend zog ich den Reißverschluss der letzten Tasche zu, die ich mitnehmen würde.

Im Grunde befand sich mein ganzes Leben in dieser Tasche.

Morgen würde ich mich auf den Weg zu Adrians Anwesen machen.

Dort würde die Hochzeit stattfinden.

Ich fragte mich, wie es dort sein würde.

Gab es dort Käfige, in denen Verbrecher gehalten wurden? Oder Verließe, in denen unschuldige Menschen gefangen gehalten wurden, die es gewagt hatten, sich ihm in den Weg zu stellen?

Würde man mich überhaupt gut behandeln?

Wenn mein Leben dort auch nur annähernd so wäre wie hier, würde es mir genügen.

Ich würde mich arrangieren und meine Tage irgendwie füllen.

Allein der Gedanke daran, was mich dort erwarten könnte, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen.

Ich erwartete nicht viel.

Ich hoffte nur, in Frieden leben zu können.

Ich war es ohnehin gewohnt, für mich zu bleiben.

Ich sprach nur, wenn man mich ansprach, und hatte keinerlei Bedürfnis, Gespräche anzufangen.

Ich konnte nur hoffen, dass Adrian mich in Ruhe ließ und mich mein Leben leben ließ.

Ich ging zu meinem Schminktisch und packte die restlichen Dinge in den kleinen Beutel, der dort lag.

Lippenbalsam, eine Mascara, die ich nur selten benutzte, und mein kleines Taschenmesser.

Vielleicht würde es nützlich sein, sobald ich auf dem Anwesen der Maseratis angekommen war.

Obwohl ich wirklich hoffte, dass ich es nicht würde benutzen müssen.

Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einließ.

Aber mir blieb keine andere Wahl.

Meine arrangierte Ehe stand fest.

Und es gab keinen Ausweg.

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