LOGINIn Klaras Herzen tobte etwas ganz anderes: die Tanzidee, die ihr gerade spontan gekommen war. Wenn sie daraus, wie Lena vorgeschlagen hatte, ein ganzes Tanzdrama entwickelte, wie sollte sie es dann aufbauen?Unzählige Ideen schossen ihr durch den Kopf, eine nach der anderen. Deshalb lösten Sebastians Nachrichten nicht einmal das kleinste Gefühl in ihr aus. Sie waren bloß ein paar Wassertropfen, die von den gewaltigen Wellen in ihrem Kopf verschlungen wurden und spurlos verschwanden.Sie dachte nicht einmal daran, ihn zu blockieren. Seine Nachrichten störten sie überhaupt nicht. Nachdem sie sie gelesen hatte, widmete sie sich einfach wieder ihren Gedanken über den Tanz.Die Inspiration für den Tanz entsprang dem Bild des Phönix, der aus der Asche wiedergeboren wird. Je weiter sie dachte, desto umfassender wurde es: Sie dachte an den ewigen Kreislauf des Lebens, an uralte, tief verwurzelte Traditionen, an erhabene Größe und Gewaltigkeit. Sie wollte ein Tanzdrama schaffen, das auf der Edd
Klara schlich leise ins Zimmer zurück, weil sie Frau Schneider nicht beim Schlafen stören wollte. Aber zu ihrer Überraschung war ihre Lehrerin noch wach und schrieb eifrig in ein Notizbuch.„Frau Schneider, sind Sie immer noch beschäftigt?“ Klara war komplett verschwitzt.Frau Schneider sah sie an. „Ach du meine Güte! Geh schnell duschen, sonst erkältest du dich noch. Wie lange habt ihr denn getanzt?“„Frau Schneider, Sie haben gewusst, dass ich tanzen war?“ Klara war das ein wenig unangenehm. Sie war einmal eine von Frau Schneiders Lieblingsschülerinnen gewesen, und jetzt tanzte sie so schlecht.„Natürlich wusste ich das.“ Frau Schneider lächelte sie an. „Ich war dort und habe euch zugesehen. Ihr drei habt einen neuen Tanz ausprobiert.“Klara wurde noch verlegener. „Frau Schneider, ich tanze inzwischen ...“„Du tanzt gut!“ Frau Schneider unterbrach sie: „Tanz ist Technik, aber er ist auch der Ausdruck von Gefühlen. Er ist die Freiheit, einfach zu tanzen, weil man es möchte, und der Mu
Von dieser Sehnsucht erfüllt, ging Klara nicht mit den anderen zum Essen. Sie blieb im Proberaum und suchte nach dem Teil ihrer selbst, den sie nur noch aus ihrer Erinnerung kannte.Es war wie damals im lange vermissten Ballettsaal bei ihrer Großmutter. Nur tanzte sie diesmal ganz frei, folgte ihrem Gefühl und brachte den Phönix, der in ihr zu neuem Leben erwacht war, mit ihrem Körper zum AusdruckViele der Bewegungen, die sie sich vorgestellt hatte, gelangen ihr nicht.Sie schaffte es nicht.Aber sie hörte deshalb nicht auf. Sie tanzte immer weiter, bis sie schließlich auch die letzte Bewegung ausgeführt hatte. Danach lag sie regungslos auf dem Boden. Ihr ganzes Kleid war schweißdurchtränkt.Im weitläufigen Ballettsaal erklang Applaus.Es waren nicht viele Zuschauer, und der Beifall fiel entsprechend dünn aus. Trotzdem prasselte er dicht und leidenschaftlich auf sie nieder wie ein Platzregen.Als Klara sich umdrehte, sah sie Benjamin und Lena auf sich zukommen. Beide klatschten begeis
Justins Nachricht folgte sogleich: „So eine große Sache erzählst du nicht mal uns? Du darfst Lotti aber auch keinen Vorwurf machen, dass sie sich eingemischt hat. Sie hat sich einfach schreckliche Sorgen um dich gemacht und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie hat uns gefragt, wie wir dich aufmuntern können, und mich eindringlich gebeten, dir bloß nicht zu verraten, dass sie mir davon erzählt hat. Sie hatte solche Angst, dass du sonst wütend auf sie wirst.“Sebastian antwortete: „Ich weiß eure Fürsorge zu schätzen. Ich werde nicht wütend.“Justin schickte ein Umarmungs-Emoji, eines von denen, die Lotti so oft benutzte. „Ach, du! Gleich sagst du wieder, dass wir immer dasselbe erzählen. Du hast sie fünf Jahre lang verwöhnt und ihr jeden Wunsch erfüllt. Kein Wunder, dass sie sich inzwischen alles herausnimmt. Wenn sie auch nur halb so vernünftig wie Lotti ist, musst du dann nicht so viel durchmachen! Ich sage dir, sperr ihr einfach die Karte. Mal sehen, wie sie dann noch große Sprünge m
Charlotte schüttelte hastig den Kopf. „Sebastian, ich weiß doch Bescheid. Ich verstehe dich. Du musst dich nicht bei mir entschuldigen. Ich bin dir nicht böse.“Sebastian runzelte tief die Stirn und schwieg.„Sebastian ...“ Charlotte presste die Lippen zusammen.„Dann buch doch ein Ticket. Wir fahren zusammen zurück.“„Nicht nötig.“ Sebastian lächelte sie an. „Geh schlafen, ruh dich früh aus.“Charlotte schüttelte den Kopf. „Wenn du unglücklich bist, kann ich die Reise auch nicht genießen. Wir haben später noch genug Zeit für gemeinsame Urlaube. Lass uns erst einmal nach Hause fahren.“Sebastian rieb sich die Nasenwurzel, lehnte sich auf dem Sofa zurück und sah sie an. „Tust du dir damit nicht selbst Unrecht?“Charlotte lächelte sanft. „Überhaupt nicht, Sebastian. Kennst du mich etwa nicht? Ich wünsche mir nur, dass du glücklich bist und bei dir alles glattläuft.“Sebastian seufzte tief. „Geh erst einmal schlafen, wir sprechen morgen darüber.“„Gut.“ Charlotte stimmte zu, blieb a
Fiona schickte ihr sogar noch das Bild in voller Größe.„Ja.“Klara stritt es nicht ab.Fiona: „Oh Gott! Wo warst du? Wer ist die Person, die das gepostet hat? Mit wem bist du verreist?“Klara schrieb: „Das Tournee-Ensemble unserer früheren Tanzakademie ist gerade in Europa unterwegs. Ich bin mit meinen Lehrern mitgekommen und begleite die Tournee.“Fiona: „Oh nein, Klara. Sebastian rastet aus. Nein, er ist schon komplett ausgerastet.“Klara warf einen Blick in die Chatgruppe der Mitschüler: „Nein, ich sehe gar niemanden schreiben.“Fiona: „Meine Güte, Klara, wer würde denn so was in der großen Gruppe schreiben? Die Männer haben eine eigene kleine Gruppe! Sie haben sogar schon mich danach gefragt.“Klara fand es immer noch merkwürdig: „Wie hast du den Status überhaupt gesehen?“Fiona: „Schatz, kennst du die Theorie der sechs Ecken? Ein Freund eines Freundes eines Freundes – nach sechs Ecken kennt man sich angeblich schon. Sag mal, hast du Sebastian nicht gesagt, dass du weggehst? Er si







