LOGINEs war Benjamin Thiel.Mit ihm rechnete Klara überhaupt nicht. „Woher weißt du, dass ich hier bin?“, fragte sie überrascht.Benjamin lächelte.Da verstand sie. Natürlich. Frau Schneider erzählte ihm bestimmt von ihrer Verletzung.„Ich bin im Namen des gesamten Tourneeensembles hier“, erklärte er lächelnd. „Auf meinen Schultern lastet also eine große Verantwortung.“Klara musste ebenfalls lachen. Eigentlich kannte sie noch nicht einmal alle Mitglieder des Tourneeensembles. Doch die Menschen, denen sie bisher begegnete, waren ihr ausnahmslos wohlgesinnt.„Wie hast du es geschafft, dir beim Sturz den Kopf zu verletzen?“Benjamin betrachtete den Verband um ihren Kopf.„Ach, der Badezimmerboden war rutschig. Ich habe einen Moment nicht aufgepasst.“Mehr wollte sie dazu nicht sagen. Was bei ihr zu Hause vor sich ging, war schließlich nichts, worauf sie stolz war.Benjamin brachte ihr Obst mit. Wachsbeeren, die ersten des Sommers, leuchtend rot und verlockend. Klara aß sie besonders ge
Die Pflegekraft wartete neben ihr, bis Klara das Gespräch beendete. Dann half sie ihr beim Waschen und beim Gang zur Toilette und fragte, was sie essen wollte.Klara sehnte sich nach einer Schüssel heißer Suppe, um ihren Magen zu wärmen. Zuerst erkundigte sie sich jedoch nach Frau Krügel. Als sie hörte, dass es ihr den Umständen entsprechend gut ging, beschloss sie, sich um ihren eigenen Magen zu kümmern. „Ich bestelle uns etwas zu essen. Holen Sie es nachher bitte unten ab?“Bei einem Restaurant, das besonders gute, aromatische Suppen zubereitete, bestellte sie vier oder fünf Gerichte. Dann wartete sie auf die Lieferung.In der Zwischenzeit sah sie sich aus Gewohnheit den WhatsApp-Status an. Fiona teilte ein Gruppenfoto aus ihrer Schulzeit und stellte ihm ein Bild vom gestrigen Essen gegenüber. Dazu schrieb sie:„Wir vor neun Jahren und wir heute.“Klara musste lächeln. Damals war sie wirklich dünn wie eine Bohnenstange, so jung und unbeholfen.Der WhatsApp-Status war gerade erst
Frau Krügel verletzte sich bei dem Sturz sowohl am Fuß als auch am Arm. Ihr Knöchel war verstaucht und auf die Größe eines Brötchens angeschwollen. Laufen konnte sie damit nicht mehr. Beim Versuch, sich abzufangen, brach sie sich außerdem den Arm. Kein Wunder, dass sie nicht einmal ihr Handy richtig festhalten konnte.Klaras Kopfverletzung musste genäht werden. Ansonsten fehlte ihr nichts. Ihr war allerdings noch schwindelig, vermutlich nicht nur wegen des Alkohols, sondern auch wegen des Blutverlusts.Sie machte sich große Sorgen, ob sie mit der genähten Wunde einen Langstreckenflug antreten durfte.Der Arzt gab ihr keine eindeutige Antwort. Er fragte lediglich nach dem Abflugdatum. Bis dahin waren es noch knapp zwei Wochen, und die Wunde war nicht besonders groß. Deshalb wollte er abwarten, wie gut sie bis dahin verheilte.Klara und Frau Krügel lagen in verschiedenen Krankenzimmern. Niemand war da, um sich um sie zu kümmern. Als eine Krankenschwester nach ihren Angehörigen fragte,
Dann sah er wieder auf den Bildschirm und sang weiter: „Selbst wenn alles noch einmal von vorn beginnt, bleibt meine Entscheidung dieselbe. Ich habe mich für dich entschieden ...“„Du hast dich für mich entschieden, oh ... Ich werde dich lieben ...“Sebastians Handy lag auf dem Couchtisch. Das Display leuchtete immer wieder auf, doch die Musik war so laut, dass niemand das Klingeln hörte. Justin saß direkt daneben. Auf dem Bildschirm stand „Frau Krügel“. Er erinnerte sich an den Namen. Das war Sebastians Haushälterin.Er sah kurz zu Sebastian hinüber, der noch immer sang, und nahm den Anruf an.Ohne die Freisprechfunktion verstand er bei der lauten Musik kaum, was Frau Krügel sagte. Nur die Worte „Ihre Frau“ drangen zu ihm durch. Sofort stieg Ärger in ihm auf. Kontrollierte diese boshafte Frau schon wieder, wo Sebastian sich herumtrieb? Sie war wirklich unerträglich!Justin sagte nichts. Er legte das Handy einfach auf den Tisch, damit der Gesang am anderen Ende zu hören war.„Ich
„Hm?“ Sie war noch immer ganz in der Musik versunken.„Beim Tanzen bist du glücklich.“Er betrachtete ihr Lächeln.„Natürlich!“ Klara lachte und drehte sich mit seiner Hilfe taumelnd im Kreis. „Benjamin, weißt du, wann ich in meinem Leben am glücklichsten war?“Sebastians Blick spannte sich an. „Wann?“„In den vier Jahren an der Tanzhochschule. Vier Jahre lang konnte ich frei fliegen.“ Vom Drehen wurde ihr noch schwindeliger. Sie sank Sebastian in die Arme. „Damals hatte ich den Tanz und dich ...“Den Tanz und euch, all meine wunderbaren Freunde.Doch sie war so betrunken, dass sie nach dem Wort „dich“ verstummte und den Kopf an Sebastians Brust sinken ließ.Sebastian stand reglos da. Selbst seine Arme, die sie umschlossen, waren starr.„Herr Wolf?“ Auf seine Anweisung hin brachte Frau Krügel Klara einen Schlafanzug. Nun war es im Badezimmer still geworden, und sie wagte nicht, einfach einzutreten.Erst ihre Stimme riss Sebastian aus seiner Erstarrung. Er rüttelte an Klara. „Kl
Klara runzelte jedoch die Stirn. „Nein, so wird das nichts mit der Hebefigur. Du hast ja überhaupt keine Kraft. Hast du heute nichts gegessen?“Sebastian blieb sprachlos.Glaubte sie etwa, sie waren bei einer Tanzprobe? Und er war ihr Tanzpartner in der männlichen Hauptrolle?„Klara, wir sind zu Hause. Wir gehen jetzt rein“, sagte er.„Nach so einer Probe willst du schon nach Hause? Kommt nicht infrage. Noch mal! Wo ist die Musik? Warum ist sie aus?“„Klara, der Unterricht ist vorbei!“ Sebastian blieb nichts anderes übrig, als auf ihr wirres Gerede einzugehen. Er trug sie in den Aufzug.„Dann üben wir eben nach dem Unterricht weiter! Zurück! Wir müssen zurück in den Ballettsaal!“Sie wand sich unruhig in seinen Armen.Sebastian hielt sie fester. „Ja, gut. Wir gehen zurück. Wir sind schon unterwegs. Gleich sind wir da.“Der Aufzug fuhr ohne Halt bis in ihre Etage.Sebastian hob sie wieder richtig auf die Arme, trug sie in die Wohnung und ging direkt ins Badezimmer. Dort wusch er







