Share

Kapitel 3

Author: Chloe Jewels
last update publish date: 2026-08-12 13:48:30

Sara Michaels

Das erste Morgenlicht kroch durch die Vorhänge.

Sara saß auf der untersten Stufe der Treppe, die Knie angezogen, die Arme um sich geschlungen.

Das Haus war still, abgesehen vom leisen Ticken der Uhr im Flur – jede Sekunde dehnte sich länger als die letzte. Sie hatte nicht geschlafen. Seit ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus hatte sie sich kaum bewegt. Der bittere Geschmack von Toms kalter Ablehnung lag immer noch auf ihrer Zunge.

Das blasse Gesicht ihrer Mutter, ihr flaches, zerbrechliches Atmen blitzte immer wieder hinter ihren Augen auf.

Sie dachte an die Summe. Fünfzigtausend Dollar. Eine Zahl, die sich früher nie unmöglich angefühlt hatte – sie war schließlich die Frau eines reichen Mannes. Doch jetzt war es eine Zahl, die ihrer Mutter das Leben kosten konnte, wenn sie nicht dafür kämpfte.

Sie hörte den Motor seines Autos dröhnen, bevor sie ihn sah: das tiefe Schnurren von Toms Wagen, der in die Einfahrt rollte. Der Motor verstummte, eine Tür knallte. Dann eine zweite.

Saras Herz setzte aus. Sie stand langsam auf und glättete mit zitternden Händen ihr zerknittertes Kleid. Sie hatte diesen Moment die ganze Nacht in ihrem Kopf geprobt… jedes Wort, jede Bitte. Sie würde betteln. Sie würde ihren Stolz schlucken. Für Mama.

Sie hörte Schritte auf der Veranda, dann öffnete sich die Haustür.

Tom trat ein… tatsächlich war er 1,98 m groß, in einem schwarzen, scharf geschnittenen Anzug, seine seidigen Haare selbst nach einem Nachtflug noch makellos. Und hinter ihm Emily Madrigo. Sie trug ein winziges cremefarbenes Seidenkleid, das an ihr klebte, als wäre es aufgemalt, die Lippen rot, die Augen glitzernd vor Triumph. Sie wirkte nicht einmal überrascht, Sara zu sehen.

Saras Magen sank. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr eigener Ehemann seine Geliebte mit nach Hause bringen würde. Sie waren noch nicht einmal geschieden.

„Tom…“ Ihre Stimme klang klein und gebrochen. „Ich muss mit dir reden.“

Er antwortete nicht sofort. Sein Blick glitt angewidert und abweisend über sie… als wäre sie ein Fleck auf dem Marmorfußboden. „Ich habe dir gesagt, du sollst weg sein.“

Emilys Augen füllten sich mit Tränen. „Oh, Mr. McCarthy, vielleicht sollte ich gehen. Sie ist schließlich Ihre Frau. Sie verdient Sie. Ich schätze, unsere Kindheitsträume werden jetzt nicht in Erfüllung gehen.“

Saras Wangen waren tränenverschmiert, als sie zusah, wie Tom eilig Emilys Tränen wegwischte, als würden sie ihre Haut verbrennen. „Schhhh… Unsinn. Du und ich werden unseren Traum leben. Sara wird kein Problem sein.“

Sie machte einen Schritt nach vorn. „Tom, bitte. Mama ist im Krankenhaus. Sie hat Nierenversagen. Sie brauchen fünfzigtausend Dollar für die Operation im Voraus. Du hast alles genommen. Die Konten, meine Ersparnisse… alles ist weg. Ich flehe dich an. Nur dieses eine Mal. Für sie.“

Toms Kiefer spannte sich an. Er warf Emily einen Blick zu, dann wieder Sara, als würde sie seine Zeit verschwenden. „Ich schulde dir nichts“, sagte er flach. „Du hattest deine Chance. Du hättest gehen sollen, als ich es dir gesagt habe.“

Emily trat näher, die Absätze klickten auf dem Marmor. Sie neigte den Kopf und musterte Sara, als wäre sie ein merkwürdiges Insekt. „Weißt du, es ist fast süß. Wie erbärmlich du bist. Hast du wirklich gedacht, er würde deinen Namen auf den Konten lassen, nach allem? Nachdem er gemerkt hat, dass er drei Jahre an… nun ja, an *dich* verschwendet hat?“

Saras Atem stockte. Sie sah Tom an und suchte nach einer Spur des Mannes, der sie einst angefleht hatte, ihn zu heiraten. „Tom… du hast gesagt, du liebst mich. Du hast gesagt, du würdest alles für mich tun. Du hast geweint, als ich Ja sagte. War das alles eine Lüge?“

Er atmete ungeduldig durch die Nase aus. „Ich dachte, ich täte es. Dann kam Emily zurück. Und ich erinnerte mich, wie sich echte Liebe anfühlt. Nicht dieses langweilige Hausfrauen- und anhängliche, bedürftige Ding, das du bist.“

Die Worte trafen wie Schläge. Sara schwankte, aber sie fiel nicht. Sie trat näher an sie heran, bis sie sich gegenüberstanden. Emily legte ihren Arm eng um Tom.

„Ich bitte nicht um Liebe“, sagte sie, die Stimme jetzt fester, obwohl sie zitterte. „Ich bitte um fünfzigtausend Dollar. Für meine Mutter. Sie stirbt. Du kannst sie nicht einfach sterben lassen, nur weil du mich hasst.“

Emily grinste höhnisch. „Oh, das können wir. Und das werden wir. Du bist nicht mehr sein Problem, Sara. Das warst du nie wirklich.“

Tom drehte sich weg und ging bereits zur Treppe. „Pack deine Sachen und verschwinde. Ich mache das nicht noch einmal.“

Saras Sicht verschwamm vor Tränen, aber sie trat vor ihn und versperrte ihm den Weg. „Nein. Du kommst nicht einfach davon. Du hast alles genommen… jeden Dollar, den ich hatte, jede Hoffnung, jede Sekunde, die ich damit verbracht habe, dich zu lieben. Du schuldest mir das. Nicht für mich. Für sie. Sie hat dein Unternehmen finanziert, als du fast bankrott warst. Wir haben beide gleichermaßen beigetragen.“

Emily lachte erneut, lauter. „Hör dir selbst zu. Du klingst verzweifelt. Das ist peinlich.“

Sara ignorierte sie. Sie behielt Tom im Blick. „Einen Scheck. Mehr verlange ich nicht. Fünfzigtausend. Dann gehe ich. Du wirst mich nie wiedersehen.“

Tom sah zu ihr hinunter… zum ersten Mal, seit er hereingekommen war. Für den Bruchteil einer Sekunde flackerte etwas in seinen Augen. Schuld? Mitleid? Es war verschwunden, bevor sie es benennen konnte.

„Nein“, sagte er. „Ich bin fertig. Und ich habe weder dich noch deine Familie um Hilfe gebeten.“

Er streifte an ihr vorbei, die Schulter stieß gegen ihre. Emily folgte, die Hüften wiegend, und warf einen letzten Blick über die Schulter. „Beeil dich lieber, Schätzchen. Die Umzugshelfer kommen um zwölf.“

Als Sara Tom geheiratet hatte, steckte seine Firma in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Das hatte sie gezwungen, sich an ihre Mutter zu wenden, die damals Saras kleine Firma leitete. Sie hatte sie angefleht, die Firma zu verkaufen, damit das Geld Toms Unternehmen retten konnte.

Ihre Mutter hatte sich zuerst geweigert, aber wegen der Liebe, die Sara für Tom empfand, hatte sie zugestimmt.

Tom hatte versprochen, immer für sie zu sorgen, weil sie danach nichts mehr hatten. Er hatte sich nie beschwert – zumindest hatten sie das gedacht.

Sara stand wie erstarrt im Foyer, die Ohren klingelten. Sie sank zu Boden, die Knie trafen den Marmor. Die Tränen kamen schnell.

Sie wischte sich das Gesicht mit dem Handrücken ab. Stand auf. Straffte die Schultern.

Sie hatte kein Geld. Kein Zuhause. Keinen Ehemann.

Aber sie hatte ihre Mutter.

Sie sah, wie Tom mit Emily die Treppe hinaufgehen wollte, dann rannte sie ihm schnell hinterher und griff nach dem Saum seiner Jacke. Er drehte sich blitzschnell um. „Was? Habe ich dir nicht gesagt, du sollst die Papiere unterschreiben und gehen?“

„Warte… ich werde die Papiere unterschreiben und gehen. Aber nur, wenn du meiner Mutter hilfst und mich auch noch einen Monat bleiben lässt. Bis dahin werde ich wenigstens einen Job haben. Ich werde dir nicht im Weg sein. Das verspreche ich.“

„Und wenn du dein Versprechen brichst?“, fragte er einfach.

„Dann darfst du mit mir machen, was du willst. Ich werde deine Strafe akzeptieren. Bitte hilf meiner Mutter.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 12

    Die Aufzugstüren glitten mit einem leisen Klingeln auf der Executive-Etage auf. Köpfe drehten sich sofort. Handys wurden mitten im Scrollen gesenkt. Gespräche verstummten. Emily trat in himmelhohen Absätzen heraus, den cremefarbenen Trenchcoat offen über einem scharlachroten Kleid, das jede Kurve umschmeichelte, als wäre es auf ihre Haut genäht. Ihr rotes Haar fing die Deckenlichter ein und flammte auf.Ein Junior-Analyst erstarrte, den Kaffee auf halbem Weg zum Mund. „Ist das…?“„Emily Madrigo“, flüsterte jemand hinter einer Kubikwand. „Das Model. Heilige Scheiße.“Sie lächelte – langsam, geübt, vernichtend – und der ganze Stock neigte sich zu ihr hin.Eine Marketing-Koordinatorin war die Erste, die brach. „Oh mein Gott, kann ich ein Selfie machen? Meine Schwester ist besessen von dir.“Emily lachte, leicht und großzügig. „Natürlich, Darling. Komm her.“Innerhalb von Sekunden standen fünf Leute um sie herum, dann zehn. Handys draußen. Autogramme gekritzelt auf Notizblöcke, auf die Rü

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 11

    Carolines Perspektive„Peter!“ schrie ich erneut und riss nutzlos an den Seidenbändern, die meine Handgelenke am Kopfteil festbanden. Der Stoff schnitt bei jedem verzweifelten Zug in meine Haut, hielt aber fest. „Peter, komm zurück! Du kannst mir das nicht antun!“Nur Schweigen antwortete mir.Das Gästezimmer fühlte sich mit jeder vergehenden Minute kleiner, kälter und erdrückender an. Meine Arme schmerzten, weil sie über dem Kopf ausgestreckt waren.Der Stich auf meiner Wange war zu einem pochenden Erinnerungszeichen abgeklungen, doch die Demütigung brannte heißer denn je. Ich wand mich auf dem Bett, versuchte irgendeinen Spielraum in den Knoten zu finden, aber Peter hatte sie zu gut gebunden.Minuten dehnten sich zu dem, was sich wie Stunden anfühlte.Dann hörte ich das leise Klicken des sich drehenden Schlosses.Mein Herz setzte für einen Moment aus, in der Hoffnung, Peter käme zur Vernunft zurück. Doch als die Tür aufging, war es nicht er.Cerene glitt hinein und schloss die Tür l

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 10

    Sara MichaelsDer nächste Morgen kam zu früh.Ich stand länger unter der Dusche, als ich sollte, und ließ das heiße Wasser auf meine Schultern prasseln, bis die Haut rosa wurde.Die Kälte von gestern lag immer noch in meinen Knochen… wie das Poolwasser, wie Toms Blick, wie Emilys Lachen, das in meinen Ohren nachhallte. Ich schrubbte kräftig, als könne Seife die Demütigung abwaschen, die Erinnerung daran, durchnässt und zitternd dagestanden zu haben, während sie von oben zusahen.Als ich heraustrat, war der Spiegel beschlagen. Ich wischte mit der Handfläche einen Kreis frei und sah mich an.Müde, aber nicht besiegt.Ich öffnete den Kleiderschrank. Meine Sachen… einst ordentlich sortiert, jetzt auf eine Seite geschoben, um Platz für Emilys endlose Designer-Stücke zu machen… fühlten sich fremd an. Ich hatte seit Wochen nichts Schönes mehr angezogen. Wollte es auch nicht. Wozu, wenn sich jeder Tag wie eine Strafe anfühlte?Aber heute… heute war anders. Ich hatte Unterricht.Kingsleys Akad

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 9

    Tom McCarthyDas Büro roch nach frischem Kaffee und Geld, so wie immer an Launch-Morgen.Bodenhohe Glaswände, die Skyline der Stadt blutete Gold durch die Jalousien, mein Team summte leise… hinter matten Trennwänden. Alle bewegten sich schnell – Kopfhörer auf, Finger flogen über Tastaturen, Stimmen leise und dringend. Sie wussten, was der heutige Tag bedeutete.Ein erfolgreicher Launch, und McCarthy Tech würde die Milliarden-Bewertung überschreiten. Ein makelloser Rollout, und die Investoren würden aufhören, mir im Nacken zu sitzen. Eine saubere Ausführung, und ich wäre endlich unantastbar.Ich saß an meinem Schreibtisch, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, und starrte auf den finalen Build auf meinen drei Monitoren. Die App sah perfekt aus – elegantes UI, flüssige Animationen, die Metriken grün über die ganze Linie. Mein Product Lead Marcus stand in der Nähe der Tür, die Arme verschränkt, und wartete auf das Zeichen.„Alles ist gesichert“, sagte er. „Server sind skaliert. B

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 8

    Kingsley SalvatoreIch wachte auf und hatte Saras Namen bereits im Kopf.Verdammt, ich wusste, dass es seltsam war, weil sie verheiratet ist.Ich lag da und starrte an die Decke, einen Arm über die Augen gelegt, und versuchte, das Bild wegzuschieben. Es funktionierte nicht. Sie war da… klar wie gestern.Diese gletscherblauen Augen, rot vom Weinen, das sie zu verbergen versuchte. Die Art, wie ihre Stimme zitterte, als sie davon sprach, wie leidenschaftlich sie am Programmieren hing, als lerne sie, um sich selbst zu befreien. Die stille Art, wie sie diese Kurskarte hielt, als wäre sie das Einzige, was sie davor bewahrte, auseinanderzufallen.Ich rollte mich auf die Seite, die Laken wickelten sich um meine Beine.Sie sah so verdammt verstört und zerbrechlich und vollkommen gebrochen aus. Unter all dem Schmerz lag etwas Sturres, etwas, das sich weigerte, sich zu beugen. Es erinnerte mich an jemand anderen. Jemand von vor vier Jahren.Die Erinnerung kam so plötzlich, wie sie es immer tat,

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 7

    Sara MichaelsDas Haus war an diesem Morgen kälter, obwohl die Sonne draußen bereits hochstieg – hinter den dunklen Wolken. Es sah fast so aus, als könnte es regnen.Ich stand in der Küche, die Hände noch feucht vom Abwaschen des Frühstücksgeschirrs, das Emily kaum berührt hatte.Mein Finger pochte unter dem frischen Verband vom Schnitt des Vortags.Jedes kleine Geräusch von oben ließ meine Schultern anspannen… Emilys Lachen, Toms tiefe Stimme, die ihr antwortete, das gelegentliche Knarren der Dielen.Sie waren noch nicht heruntergekommen. Ich sagte mir, dass es so besser war. Besser, sie nicht zusammen zu sehen. Besser, mein Herz nicht wieder vor ihnen bluten zu lassen.Ich wischte langsam die Theke ab und versuchte, meinen Kopf leer zu halten, als die Tür hinter mir aufschwang.Emily kam herein und trug eines von Toms Seidenhemden… mein Lieblingshemd, das blassblaue, das er trug, wenn wir zum Abendessen ausgingen. Als er noch in mich verliebt war.Es hing locker an ihr, die Ärmel ho

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status