Share

Kapitel 2

Author: Chloe Jewels
last update publish date: 2026-08-12 13:45:56

Sara Michaels

Sara saß im kalten Krankenhausflur, die Knie an die Brust gezogen, und starrte auf den weißen Fliesenboden, als würde er Antworten bereithalten. Ihr Handy hielt sie immer noch fest in der Hand – von dem Anruf, der sie aus dem Haus gerissen hatte.

Der Notruf war nur wenige Minuten nach dem Zerbrechen der Weinflasche gekommen… Sie hörte die Stimme ihrer Mutter, so schwach, so atemlos: „Sara… komm schnell. Ich sterbe.“

Sara hatte das Foto, das aus Mariähs Tasche gefallen war, kaum wahrgenommen. Ein kurzer Blick auf das alte Kindheitsbild von ihrem jüngeren Ich, das in einem fremden Garten lächelte, an den sie sich nicht erinnerte.

Ihr Magen hatte sich noch enger zusammengezogen. Wie kam Mariah an dieses Foto? Warum trug sie es bei sich? Doch bevor Sara den Mund öffnen konnte, um zu fragen, klingelte das Telefon erneut, und alles andere verschwand.

Jetzt saß sie hier, und die Schuld nagte an ihrem Inneren.

Sie spürte die wertenden Blicke der Vorbeigehenden. Jeder wusste, wer sie war. Mrs. McCarthy. Und jetzt fühlte sie sich, als schulde sie der Welt eine Erklärung, warum ein berühmtes Topmodel *ihren* Mann so schamlos und so öffentlich streichelte.

Das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Während ihre Mutter nur noch auf geliehener Zeit atmete, konnte sie sich nur selbst verfluchen, dass sie die Zeichen nicht früher gesehen hatte.

„Ich hätte öfter kommen sollen“, flüsterte sie in den leeren Flur, die Stimme brüchig. „Ich hätte jeden Tag anrufen, jedes Wochenende besuchen sollen. Stattdessen bin ich zu Hause geblieben… und habe auf ihn gewartet. Für ihn gekocht, obwohl er kaum aß, für ihn dekoriert und für ihn gelebt.“

Es war immer um Tom gegangen. Der Mann, der ihr Herz gestohlen hatte. Der sie angefleht hatte, ihn zu heiraten, sonst würde er sich das Leben nehmen… Er hatte behauptet, sie so tief zu lieben. In diesem Moment fühlte sie sich naiv.

Sie presste die Handflächen gegen die Augen und versuchte, die Tränen zurückzudrängen. „Ich war so dumm. So blind.“

Die Tür des Arztes öffnete sich. Ein mittelalter Mann in OP-Kleidung trat heraus, ein Klemmbrett in der Hand. Sein Gesicht war freundlich, aber müde.

„Mrs. McCarthy?“

Sara sprang auf. „Ja. Wie geht es ihr? Ist Mama okay?“

Er seufzte leise. „Ihre Mutter hat chronisches Nierenversagen. Es ist schwer. Sie braucht eine Notfall-Dialyse, gefolgt von einer Operation. Langfristig ist eine Nierentransplantation notwendig, aber im Moment müssen wir sie stabilisieren. Die Operation ist dringend. Wir können sie innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden ansetzen.“

Saras Herz pochte gegen ihre Rippen. „Okay. Okay, wann? Was muss ich tun?“

„Die Gesamtkosten für den Eingriff, einschließlich Krankenhausaufenthalt und Nachsorge, betragen fünfzigtausend Dollar. Wir benötigen die volle Zahlung im Voraus, bevor wir fortfahren. Versicherung?“

Sara schüttelte stumm den Kopf. „Nein… keine Versicherung. Mein Mann, Mr. McCarthy, hat den Firmenplan, der alles abdeckte, aber—“

Der Arzt nickte, nicht unfreundlich. „Dann bar oder Karte. Sie können an der Abrechnungstheke bezahlen. Je früher, desto besser.“

Saras Beine fühlten sich an wie Wasser, als sie zum Zahlungsschalter ging. Ihre Finger zitterten, als sie ihr Handy herauszog, um die App des Gemeinschaftskontos zu prüfen.

Kontostand: $0.00

Sie blinzelte. Aktualisierte den Bildschirm.

Immer noch $0.00.

Eine kalte Welle überkam sie. Sie öffnete den Transaktionsverlauf und sah, dass jeder Cent verschwunden war.

Sie wechselte zu ihrem persönlichen Sparkonto… ihrem geheimen kleinen Notgroschen, den sie aus Geburtstagsgeschenken, kleinen Freelance-App-Design-Jobs und Geld aufgebaut hatte, von dem sie Tom nie erzählt hatte, weil sie es eines Tages als Überraschung geplant hatte.

Aber es war dieselbe Geschichte. Es gab Überweisungen heraus – alle an denselben Namen. Tom McCarthy.

Saras Atem kam in kurzen Stößen. Der Raum neigte sich, und sie klammerte sich an den Tresen. „Nein… nein, nein, nein…“

Die Kassiererin sah auf. „Madam? Geht es Ihnen gut?“

Sara antwortete nicht. Sie stolperte vom Schalter weg, zurück in den Flur, und wählte die einzige Person, an die sie denken konnte.

Lucy nahm beim zweiten Klingeln ab. „Sara? Wo bist du? Du klingst—“

„Mama ist im Krankenhaus“, unterbrach Sara, die Stimme zitternd vor stillen Schluchzern. „Sie hat chronisches Nierenversagen und braucht dringend eine Operation. Ich soll fünfzigtausend im Voraus bezahlen. Tom… er hat alles genommen. Das Gemeinschaftskonto, meine Ersparnisse… alles. Lucy, bitte. Ich brauche Hilfe. Bitte nimm es als Kredit, ich zahle jeden Cent zurück.“

Stille am anderen Ende. Und ein paar unverständliche, gedämpfte Worte.

Dann Lucys Stimme, leise und schmerzerfüllt. „Sara… ich kann dir nicht helfen. Mein Mann hat letzten Monat nach dieser dummen Vorstandssitzung die Kontrolle über meine Konten übernommen. Er kontrolliert jeden Cent. Sagt, ich sei zu ‚großzügig‘. Weil ich diese Charity-Events organisiert habe. Ich komme nicht einmal an mein eigenes Geld, ohne seine Zustimmung. Es tut mir leid. Es tut mir so leid.“

Saras Knie gaben nach. Sie rutschte an der Wand hinunter, das Telefon noch am Ohr. „Lucy…“

„Ich werde morgen früh mit ihm reden“, fuhr Lucy hastig fort. „Aber du solltest in solchen Fällen mehr Sparkonten haben. Die Zeiten sind hart, weißt du. Ich rufe dich an, sobald ich kann. Einfach… halt durch, okay? Ich liebe dich.“

Die Leitung wurde tot.

Sara starrte auf den schwarzen Bildschirm.

Sie schleppte sich zurück auf die Station ihrer Mutter. Das Zimmer war gedämpft, Maschinen piepten leise. Ihre Mutter lag blass gegen die weißen Laken, die Augen geschlossen, die Atmung flach.

Sara sank in den Stuhl neben dem Bett. Nahm die kühle Hand ihrer Mutter.

„Ich bin hier, Mama“, flüsterte sie. „Ich bin hier.“

Tränen liefen über ihre Wangen. „Ich verspreche es. Ich werde das Geld finden. Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde es finden. Ich lasse dich nicht gehen.“

Sie blickte zur Uhr an der Wand. 2:17 Uhr morgens.

Tom würde in ein paar Stunden zu Hause sein… sein Flug landete in der Morgendämmerung.

Sie prüfte ihr Handy noch einmal – immer noch kein Anruf, keine Nachricht von ihm. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie an die Dinge dachte, die er ihr wahrscheinlich sagen würde, sobald sie sich trafen.

Sie schluckte schwer, während sie das Handy in den Händen drehte.

„Ein Anruf kann nicht schaden…“, sagte sie zu sich selbst. „Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 12

    Die Aufzugstüren glitten mit einem leisen Klingeln auf der Executive-Etage auf. Köpfe drehten sich sofort. Handys wurden mitten im Scrollen gesenkt. Gespräche verstummten. Emily trat in himmelhohen Absätzen heraus, den cremefarbenen Trenchcoat offen über einem scharlachroten Kleid, das jede Kurve umschmeichelte, als wäre es auf ihre Haut genäht. Ihr rotes Haar fing die Deckenlichter ein und flammte auf.Ein Junior-Analyst erstarrte, den Kaffee auf halbem Weg zum Mund. „Ist das…?“„Emily Madrigo“, flüsterte jemand hinter einer Kubikwand. „Das Model. Heilige Scheiße.“Sie lächelte – langsam, geübt, vernichtend – und der ganze Stock neigte sich zu ihr hin.Eine Marketing-Koordinatorin war die Erste, die brach. „Oh mein Gott, kann ich ein Selfie machen? Meine Schwester ist besessen von dir.“Emily lachte, leicht und großzügig. „Natürlich, Darling. Komm her.“Innerhalb von Sekunden standen fünf Leute um sie herum, dann zehn. Handys draußen. Autogramme gekritzelt auf Notizblöcke, auf die Rü

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 11

    Carolines Perspektive„Peter!“ schrie ich erneut und riss nutzlos an den Seidenbändern, die meine Handgelenke am Kopfteil festbanden. Der Stoff schnitt bei jedem verzweifelten Zug in meine Haut, hielt aber fest. „Peter, komm zurück! Du kannst mir das nicht antun!“Nur Schweigen antwortete mir.Das Gästezimmer fühlte sich mit jeder vergehenden Minute kleiner, kälter und erdrückender an. Meine Arme schmerzten, weil sie über dem Kopf ausgestreckt waren.Der Stich auf meiner Wange war zu einem pochenden Erinnerungszeichen abgeklungen, doch die Demütigung brannte heißer denn je. Ich wand mich auf dem Bett, versuchte irgendeinen Spielraum in den Knoten zu finden, aber Peter hatte sie zu gut gebunden.Minuten dehnten sich zu dem, was sich wie Stunden anfühlte.Dann hörte ich das leise Klicken des sich drehenden Schlosses.Mein Herz setzte für einen Moment aus, in der Hoffnung, Peter käme zur Vernunft zurück. Doch als die Tür aufging, war es nicht er.Cerene glitt hinein und schloss die Tür l

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 10

    Sara MichaelsDer nächste Morgen kam zu früh.Ich stand länger unter der Dusche, als ich sollte, und ließ das heiße Wasser auf meine Schultern prasseln, bis die Haut rosa wurde.Die Kälte von gestern lag immer noch in meinen Knochen… wie das Poolwasser, wie Toms Blick, wie Emilys Lachen, das in meinen Ohren nachhallte. Ich schrubbte kräftig, als könne Seife die Demütigung abwaschen, die Erinnerung daran, durchnässt und zitternd dagestanden zu haben, während sie von oben zusahen.Als ich heraustrat, war der Spiegel beschlagen. Ich wischte mit der Handfläche einen Kreis frei und sah mich an.Müde, aber nicht besiegt.Ich öffnete den Kleiderschrank. Meine Sachen… einst ordentlich sortiert, jetzt auf eine Seite geschoben, um Platz für Emilys endlose Designer-Stücke zu machen… fühlten sich fremd an. Ich hatte seit Wochen nichts Schönes mehr angezogen. Wollte es auch nicht. Wozu, wenn sich jeder Tag wie eine Strafe anfühlte?Aber heute… heute war anders. Ich hatte Unterricht.Kingsleys Akad

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 9

    Tom McCarthyDas Büro roch nach frischem Kaffee und Geld, so wie immer an Launch-Morgen.Bodenhohe Glaswände, die Skyline der Stadt blutete Gold durch die Jalousien, mein Team summte leise… hinter matten Trennwänden. Alle bewegten sich schnell – Kopfhörer auf, Finger flogen über Tastaturen, Stimmen leise und dringend. Sie wussten, was der heutige Tag bedeutete.Ein erfolgreicher Launch, und McCarthy Tech würde die Milliarden-Bewertung überschreiten. Ein makelloser Rollout, und die Investoren würden aufhören, mir im Nacken zu sitzen. Eine saubere Ausführung, und ich wäre endlich unantastbar.Ich saß an meinem Schreibtisch, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, und starrte auf den finalen Build auf meinen drei Monitoren. Die App sah perfekt aus – elegantes UI, flüssige Animationen, die Metriken grün über die ganze Linie. Mein Product Lead Marcus stand in der Nähe der Tür, die Arme verschränkt, und wartete auf das Zeichen.„Alles ist gesichert“, sagte er. „Server sind skaliert. B

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 8

    Kingsley SalvatoreIch wachte auf und hatte Saras Namen bereits im Kopf.Verdammt, ich wusste, dass es seltsam war, weil sie verheiratet ist.Ich lag da und starrte an die Decke, einen Arm über die Augen gelegt, und versuchte, das Bild wegzuschieben. Es funktionierte nicht. Sie war da… klar wie gestern.Diese gletscherblauen Augen, rot vom Weinen, das sie zu verbergen versuchte. Die Art, wie ihre Stimme zitterte, als sie davon sprach, wie leidenschaftlich sie am Programmieren hing, als lerne sie, um sich selbst zu befreien. Die stille Art, wie sie diese Kurskarte hielt, als wäre sie das Einzige, was sie davor bewahrte, auseinanderzufallen.Ich rollte mich auf die Seite, die Laken wickelten sich um meine Beine.Sie sah so verdammt verstört und zerbrechlich und vollkommen gebrochen aus. Unter all dem Schmerz lag etwas Sturres, etwas, das sich weigerte, sich zu beugen. Es erinnerte mich an jemand anderen. Jemand von vor vier Jahren.Die Erinnerung kam so plötzlich, wie sie es immer tat,

  • Das vergessene Versprechen des CEO   Kapitel 7

    Sara MichaelsDas Haus war an diesem Morgen kälter, obwohl die Sonne draußen bereits hochstieg – hinter den dunklen Wolken. Es sah fast so aus, als könnte es regnen.Ich stand in der Küche, die Hände noch feucht vom Abwaschen des Frühstücksgeschirrs, das Emily kaum berührt hatte.Mein Finger pochte unter dem frischen Verband vom Schnitt des Vortags.Jedes kleine Geräusch von oben ließ meine Schultern anspannen… Emilys Lachen, Toms tiefe Stimme, die ihr antwortete, das gelegentliche Knarren der Dielen.Sie waren noch nicht heruntergekommen. Ich sagte mir, dass es so besser war. Besser, sie nicht zusammen zu sehen. Besser, mein Herz nicht wieder vor ihnen bluten zu lassen.Ich wischte langsam die Theke ab und versuchte, meinen Kopf leer zu halten, als die Tür hinter mir aufschwang.Emily kam herein und trug eines von Toms Seidenhemden… mein Lieblingshemd, das blassblaue, das er trug, wenn wir zum Abendessen ausgingen. Als er noch in mich verliebt war.Es hing locker an ihr, die Ärmel ho

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status