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Das zweite Leben der machtlosen Donna
Das zweite Leben der machtlosen Donna
مؤلف: Bagel

Kapitel 1

مؤلف: Bagel
„Alessia, was spielst du diesmal für ein Spiel?“ Jessys lange, rote Fingernägel tippten gegen den Rand ihres Kristallglases. Sie zog die Stirn zusammen.

„Gar keins. Ich bin nur ... müde“, erwiderte ich ihren boshaften Blick. Meine Stimme blieb ruhig.

„Weißt du eigentlich, wie viele Frauen für den Titel der Donna töten würden? Nur für das Recht, mit ihm das Bett zu teilen?“

„Natürlich weiß ich das. Deshalb gebe ich dir ja die Gelegenheit.“

Ich sah sie direkt an. Ein bitteres Lächeln strich über meine Lippen.

Jessy schwieg eine Weile. Dann ließ sie endlich die Maske fallen.

Sie riss sich das dicke Vertragswerk unter den Nagel. Ihre Augen flogen über die Klauseln. Als sie die Übertragung der Immobilien und Vermögenswerte sah, breitete sich unverhohlene Freude auf ihrem Gesicht aus.

„Na schön, Alessia. Wenn du es so unbedingt willst, nehme ich dein großzügiges Angebot eben an“, säuselte sie. Ihre Augen glänzten vor selbstgefälligem Triumph.

„Aber merk dir eins. Was einmal mir gehört, bekomme ich nie wieder aus der Hand. Auch nicht, wenn du später auf Knien angekrochen kommst und mich anflehst.“

„Wie du willst.“ Ich nickte. „Ich werde mein Wort nicht brechen.“

Diese Ehe hatte mir langsam das Leben ausgesaugt.

Ich hatte die Qualen meines früheren Lebens wirklich satt.

Jessy stand auf. Auf ihren Stilettos ging sie zu einer abgelegenen Sitznische am bodentiefen Fenster.

Sie lehnte sich an das Ledersofa und wählte eine Nummer.

In dem Moment, in dem der Anruf verbunden war, wurde ihre Stimme weich, verführerisch und widerlich süß.

„Santino, Liebling, ich bin im Privatclub an der Sapphire Avenue. Könntest du mich abholen? Ich muss mit dir über etwas reden.“

Ich saß reglos auf dem kalten Stuhl. Es fühlte sich an, als würde etwas Schweres auf meiner Brust liegen.

Ich rief Santino fast nie an. Ich wollte seinen vollen Terminkalender nicht stören.

Und selbst wenn es einmal dringend um Familienangelegenheiten ging, ließ er mich immer über seine Sekretärin abweisen.

Die Sache wurde am Ende zwar geregelt. Aber ich bekam nie seine Stimme zu hören.

Diesmal vergingen nicht einmal zehn Minuten. Da trat der Don höchstpersönlich durch die Türen des Clubs. Ein Mann, der sonst ständig von den brutalen Geschäften seiner Familie verschlungen wurde.

Durch das Fenster sah ich, wie Santino hereinkam.

Er trug einen dunklen Maßanzug, der die kraftvollen Linien seines Körpers kaum verbarg und ihm etwas Aggressives verlieh.

Breite Schultern. Schmale Taille. Lange Beine.

Man musste es neidlos anerkennen. So ein Mann war für Frauen beinahe unwiderstehlich.

Meine Zwillinge, Leo Genovese und Sofia Genovese, entdeckten Jessy sofort und rissen sich von ihren Leibwächtern los, um zu ihr zu laufen.

Sie vergruben ihre Gesichter an ihrer Brust.

„Jessy!“, quietschte Sofia.

Mit ihren kleinen Händen klammerte sie sich an Jessy, als wollte sie sie nie wieder loslassen.

„Worauf hast du heute Abend Lust?“ Santinos Stimme war sanft. So klang er nur bei Jessy. „Auf die Oper oder zurück ins Penthouse?“

Jessy lächelte. Ihre Lippen verzogen sich listig. Dann zog sie die Scheidungsvereinbarung aus ihrer Tasche.

„Vorher braucht noch eine kleine Angelegenheit die Zustimmung und das Siegel des Dons...“ Ganz bewusst blätterte sie bis zur letzten Seite.

Santino nahm den Stapel Papier, ohne auch nur auf den Titel zu schauen.

Er zog einen Stift hervor, setzte seine Unterschrift darunter und drückte dann den Familienring, das Symbol seiner absoluten Macht, fest auf das Papier.

„Brauchen wir zwischen uns wirklich solche Förmlichkeiten?“

„Hat Jessy einen neuen Job?“ Leo sah plötzlich auf. Seine Augen leuchteten vor Aufregung.

„Papa, kann Jessy mit uns ausgehen? Sofia und ich wollen für immer bei ihr sein! Wir wollen nie wieder im Anwesen festhängen und dabei auf ... Mamas langweiliges Gesicht schauen.“

Als mein Sohn mich erwähnte, verzog sich sein Gesicht voller Abscheu.

Seit sie hereingekommen waren, hatten sie ihre eigene Mutter nicht einmal eines Blickes gewürdigt.

Santino runzelte leicht die Stirn. Als er aber die Sehnsucht in den Augen seiner Kinder sah, nickte er.

„In Ordnung. Sobald diese anstrengende Zeit vorbei ist, lasse ich Jessy mehr Zeit mit euch verbringen.“

„Oh, wie schön.“ Jessy schmiegte sich an Santino. Ihr Oberschenkel strich fast unmerklich an seiner Anzughose entlang.

„Meine neue Wohnung hat einen riesigen Pool. Leo, Sofia ... und du auch, Santino. Ihr könnt jederzeit zum Spielen vorbeikommen.“

Ihr Blick wurde weich, als sie Santino ansah. Die beiden Kinder brachen sofort in begeisterten Jubel aus.

Sofia stellte sich sogar auf die Zehenspitzen und küsste Jessy auf die Wange. „Jessy ist die Beste! Tausendmal besser als meine Mutter!“

Es fühlte sich an, als würde sich ein stumpfes Messer in meiner Brust drehen.

Die Verzweiflung darüber, von meiner eigenen Familie restlos aufgegeben worden zu sein, schnürte mir die Kehle zu. Ich bekam kaum noch Luft.

Ich konnte diesen widerlichen Anblick dieser angeblichen vierköpfigen Familie keine Sekunde länger ertragen.

Ich griff nach meiner Clutch und taumelte nach draußen. Ich wollte nur noch weg.

In dem Moment, in dem der kalte Wind mein Gesicht traf, brachen die Schatten meines früheren Lebens über mich herein.

In meinem letzten Leben war meine Ehe mit Santino nichts weiter als ein Geschäft gewesen. Ein Bündnis zwischen zwei Mafiafamilien.

Ich hatte ihm Zwillingskinder geboren. Dafür verbrachte ich zahllose Nächte allein in einem kalten, leeren Anwesen und ertrug seine endlose Vernachlässigung.

Und ich wusste genau, warum.

Alles lag an Jessy. An der Frau, die er auf ein Podest gestellt hatte.

Vor Jahren war Jessy mit einem anderen Mann davongelaufen, weil sie ein aufregenderes Leben wollte. Santino schloss sich daraufhin eine ganze Nacht lang im Keller ein und rauchte Kette.

Er war zu stolz, ihr hinterherzulaufen. Also drehte er sich um und heiratete mich. Die perfekte Donna, die den Interessen seiner Familie diente.

Santino war in meiner Jugend der Mann gewesen, den ich wie einen Gott verehrt hatte. Jede Dame aus der New Yorker High Society träumte davon, seine Ehefrau zu werden.

Als meine Familie damals die Verlobung bekannt gab, glaubte ich, das Paradies gefunden zu haben.

Doch jeder einzelne Tag dieser Ehe war die Hölle.

Ich schenkte ihm meine ganze Liebe. Von ihm bekam ich nur Kälte und Gleichgültigkeit zurück.

Von Scheidung sprach er nie. Nicht einmal dann, als Jessy zurückkam.

Doch beim Abendessen und auf Banketten hingen seine Augen ganz offen an ihr.

Am meisten zerbrach mich, dass selbst Leo und Sofia, die Kinder, die ich neun Monate unter dem Herzen getragen hatte, ganz selbstverständlich Jessy bevorzugten.

Sie wurden mir gegenüber immer distanzierter. Am Ende grenzte es beinahe an Hass.

Schließlich zog mir diese kaputte Ehe das Leben aus dem Körper. Ich wurde im Kreuzfeuer einer Familienfehde schwer verletzt.

Blutüberströmt streckte ich die Hand nach Santino aus. Doch in dem Moment, als Jessy flüsterte: „Ich habe solche Angst“, hob er sie ohne zu zögern in die Arme und trug sie zum Hubschrauber, ohne sich ein einziges Mal umzusehen.

In meinen letzten Augenblicken sah ich noch, wie er kalt den Rückzug befahl und damit meine einzige Chance auf Rettung abschnitt.

Es kam ihm nicht einmal in den Sinn, nach seiner Frau zu sehen.

Als die Flammen mich verschlangen, krampfte sich mein Körper vor Schmerzen zusammen.

Ich lag zwischen den Trümmern, und pure Verzweiflung fraß sich durch mich hindurch.

Falls es ein nächstes Leben geben sollte, schwor ich mir, würde ich diesen qualvollen Schmerz nie wieder ertragen.

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